Martin Damß: Sein Werk und sein Leben

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #31
    Hallo Erwin,

    zuerst vielen Dank für Deine Informationen über Damß. Ich hoffe, ich finde auch noch die Zeit, ein wenig mehr über ihn zu schreiben. Er war in seiner Jugend ein großer Sportler, beim Sport wurde er auch entdeckt und fand seine Förderer.

    Zitat Erwin-Danzig: "Ein paar Alte UNSER DANZIG habe ich auch noch und das reitzt mich, in nächster Zeit zu stöbern und Hinweise zu geben, um den pauschalen, törichten Verdammungen der Erlebnisgeneration nach dem Kriege etwas entgegen zu setzen."
    Erwin, wir leben HEUTE und nicht mehr im Gestern oder Vorgestern! Wer verdammt pauschal und töricht? Bitte Butter bei die Fische, WER BITTESCHÖN???

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass es mitunter noch den einen oder anderen älteren Zeitgenossen gibt, der sich selber freiwillig in Sippenhaft begibt. In Sippenhaft mit Jenen, die Schuld auf sich geladen haben. So kann man sich des Mitgefühls und Zuspruch all Jener sicher sein, die die von Dir genannten pauschalen Vorwürfe als ungerechtfertigt ansehen. Erwin, hast Du das nötig???

    Zeit meines Lebens wollte ich wissen, wer Schuld am Krieg, an den Verbrechen, am Leid hatte. Auch heute hört man noch ganz pauschal "die Nazis" und wenn mal ein Name genannt wird, dann "Hitler". Wer Augen und Ohren offen hat, wird auch heute noch feststellen, dass es beim beharrlichen Nachfragen ein genauso beharrliches Verschweigen, Verweigern, Augenschließen und Wegtauchen gibt.

    Erwin, bitte wach auf! Wenn nach Schuld gefragt wird, dann meint NIEMAND Dich oder pauschal einen anderen der "Erlebnisgeneration". Du lebst heute nicht mehr in einer völkischen Schicksalsgemeinschaft! Im Gegensatz zu früher wird eben nicht mehr pauschal verurteilt sondern nach individueller Schuld gefragt.

    Manchmal glaube ich, dass gerade aus einem Sippenhaftgefühl heraus auch all Jene pauschal in Schutz genommen werden, die maßgebliche Rollen im NS-System wahr nahmen. Schuld muss aber nur der empfinden, der Schuld auf sich geladen hat - oder wer Schuldige im Persilschein-Verfahren reinwaschen will.

    Im Umkehrschluss sind demnach alle anderen unschuldig und werden selbstverständlich auch nicht verdammt. Wer sich nicht verstanden oder verdammt fühlt, sollte sich bitte fragen, woran das wohl liegen könnte.
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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    • Helga_Claassen, +12.10.2010
      Forum-Teilnehmer
      • 11.02.2008
      • 80

      #32
      Also, ich kann das auch nicht erkennen. Ich sehe nur daß das Interesse an der Vergangenheit bei den jungen Leuten steigt und daß die wirklich in ihrer Ahnungslosigkeit(!!!) unbefangen Fragen stellen. Aber das hat nichts pauschaler Verdammung zu tun. Nun mal ehrlich auch:Wir 60-, 70-, 80-jährigen waren und sind doch auch in vielem ahnungslos! Was haben wir denn gelehrt bekommen? Und nach dem Krieg haben wir auch keine Informationen bekommen, weil viele von denen die wirklich zu den Schuldigen gehörten plötzlich wieder das große Sagen hatten.

      Ich mag die Gedichte von Martin Damss.Daß er auch welche geschrieben hat,die in meinen Ohren entsetzlich klingen wußte ich nicht. Und auch sein aktives Wirken und Handeln für die Nazis war mir unbekannt.Das ist mir von Wolfgang und Rüdiger sehr plausibel nachgewiesen worden.

      Und ich versteh das auch nicht,daß da nun ein Dichter in Schutz genommen wird nur weil man (obwohl Beweise vorliegen) nicht glauben will,daß er ein Nazi war. Danke Wolfgang für Deine Aussage zur Schuldfrage.Du hast kurz und bündig ausgedrückt,was ich empfinde obwohl ich hätte es nicht so prägnant ausdrücken können.

      Liebe Grüße von den Balearen
      Helga

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      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11623

        #33
        AW: Martin Damß: Sein Werk und sein Leben

        Schönen guten Nachmittag,

        anlässlich des 100. Geburtstagtages des am 25.06.1910 geborenen Jürgen Damß widmete die Monatszeitung "Der Westpreuße / Unser Danzig" in ihrer August-Ausgabe eine kritische Würdigung des umstrittenen Dichters.

        Der Autor Dieter Leitner schreibt einleitend, die Danziger liebten ihn und seine Gedichte bis heute, obwohl nur Wenige wüssten, dass er eine zerrissene und in frühen Jahren irregeleitete Persönlichkeit gewesen sei. Etwas erstaunt die Feststellung "Er war ein Opfer seiner Zeit".

        Der Autor geht dann aber ausführlich und sachlich auf die Persönlichkeit des Dichters und seine Werke ein. Dabei werden nicht nur die teils wirklich großen Gedichte erwähnt sondern auch sein Schwadronieren über das Soldatentum, die Verherrlichung des Krieges und die Glorifizierung Hitlers.

        Interessant in dem Artikel ist auch, dass eine der Informationsquellen des Autors unser Forum ist, aus dem er zitiert.

        Abschließend schreibt Dieter Leitner: "Auch Damß Vergangenheit gehört zu seinem Leben und sollte bei diesem sonst so genialen Menschen in einer Würdigung nicht verschwiegen werden".

        Der Artikel ist auch insofern bemerkenswert als mit ihm erstmals aus den Reihen der Danziger heraus eine kritische Auseinandersetzung mit seinen Schattenseiten erfolgt. Die Würdigung basiert trotzdem nur auf einer Momentaufnahme, auf dem heute uns bekannten Wissen über den Dichter. Vieles liegt jedoch noch im Dunkeln, so z.B. sein Wirken als Leiter der Landeskulturkammer in Danzig. Es kann durchaus sein, dass man sich in späteren Würdigungen noch wesentlich kritischer mit ihm auseinandersetzen muss.
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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        • Christkind
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 1568

          #34
          AW: Martin Damß: Sein Werk und sein Leben

          Kritisch unter die Lupe nehmen kann man jede Persönlichkeit aus der damaligen Zeit, Wolfgang.
          Aber warum dem einen mehr nachsehen und dem anderen weniger?
          Ich denke da an Hitler / Wagner.
          Damß' Gedichte gehen mir nicht so nahe wie vielleicht die von Federau, aber wer es mag, der wird es so machen wie Aschenputtel: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

          ______
          Mit Grüßen von Christa
          Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
          (M. Gandhi)

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          • Wolfgang
            Forumbetreiber
            • 10.02.2008
            • 11623

            #35
            AW: Martin Damß: Sein Werk und sein Leben

            Schönen guten Abend,
            hallo Christa,

            sind die Werke Wagners und Damß' vergleichbar?

            Wenn wir heute Werke Wagners hören: Lässt sich da eine direkte Verbindung zu Hitler und dem Nationalsozialismus hineininterpretieren? Unstrittig ist Wagners (und dessen Clans) Nähe zu den Nationalsozialisten, aber war er zu irgend einem Zeitpunkt als NS-Agitator unterwegs?

            Bei Damß lagen die Dinge etwas anders: Er war ein Verfechter, ein Wegbereiter des Nationalsozialismus. Er war eine der ideologischen Speerspitzen der Partei und trug mit Worten -wie andere Agitatoren- dazu bei, dass die Menschen verblendet wurden. Seine Verstrickungen sind bis heute nicht vollkommen aufgeklärt: Welche Rolle spielte er z.B. als Leiter der Landeskulturkammer bei der Verfolgung Andersdenkender? Welche Rolle spielte er im Landessender Danzig bei der "Ausschaltung" von Nicht-Nationalsozialisten?

            Martin Damß, der seine Fähigkeiten in den Dienst finsterer Mächte stellte, fiel -möglicherweise aufgrund seines unsteten Lebenswandels- zwar nicht in Ungnade, aber er wurde bereits 1940 eingezogen. Damit vollzog sich dann auch ein Bruch: Weitere verherrlichende Blut- und Bodengedichte sind nicht mehr bekannt.

            War Damß ein "Opfer" wie es heute noch manchmal zu hören ist? Oder war er nicht als einer der Wegbereiter des Nationalsozialismus in Danzig ein Täter? Wo fängt geistige Brandstiftung an, wo hört sie auf? Damß könnte man sehen als ein Opfer seiner selbst, seines Lebenswandels, seiner Werke, seiner Taten. Und damit ganz sicher nicht als ein Opfer des verbrecherischen nationalsozialistischen Regimes.
            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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            • Christkind
              Forum-Teilnehmer
              • 10.02.2008
              • 1568

              #36
              AW: Martin Damß: Sein Werk und sein Leben

              Ach, Wolfgang, wenn Damß' Rolle in Bezug auf seine Tätigkeit in der Landeskulturkammer noch nicht erforscht ist, dann kann man doch auch nicht schon derart massiv vermuten, dass er ein übler Verfechter des nationalsozialistischen Gedankengutes war.
              Wenn du so willst, dann sind die Wege zum Nationalsozialismus schon lange davor bereitet worden.Auch Rückert ,der geniale deutsche Dichter, hat politisch-patriotische Gedichte geschrieben. Das war doch Tradition, für das Vaterland sich zu begeistern.Wenn auch nicht Wagner als Agitator tätig war, so aber hatte gerade sein Werk Hitler inspiriert.Und weil eben auch einige Familienangehörige Hitlerbewunderer waren.
              Damß war in meinen Augen auch nicht mehr und nicht weniger.Sicher nicht so genial, und deswegen auch nicht so mächtig in seinem Wirkungskreis.
              Aber vor allem eine gespaltene Persönlichkeit, mit Licht- und Schattenseiten.
              Vielleicht hast du ja auch ein Gedicht oder Text parat,um zu zeigen, wie er Hitlers Agitator war.
              ______
              Mit Grüßen von Christa
              Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
              (M. Gandhi)

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              • Marc Malbork
                Forum-Teilnehmer
                • 23.02.2008
                • 1050

                #37
                AW: Martin Damß: Sein Werk und sein Leben



                Falls der Link nicht klappt: Es geht um das Buch von Jens Stüben, Ostpreußen - Westpreußen- Danzig. Eine historische Literaturlandschaft.
                Google-Bücher bringt Auszüge auch Damß betreffend.

                Und schon oben in diesem thread:
                https://www.danzig.de/showthread.ph...ull=1#post4207

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                • DanzigDanzig
                  Forum-Teilnehmer
                  • 15.08.2020
                  • 8

                  #38
                  AW: Martin Damß: Sein Werk und sein Leben

                  Hallo Marc,

                  Danke für den Link werde mir jetzt zuerst mal die einsehbaren Auszüge anschauen und das Buch dann eventuell über Ebay kaufen.

                  Beste Grüße Helene

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