Schmerblock-Namensherkunft

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  • matthias w
    Forum-Teilnehmer
    • 01.06.2020
    • 55

    #1

    Schmerblock-Namensherkunft

    Zu Schmerblock - Namensherkunft:
    In Schmerblock in der Danziger Niederung - westlich der Weichsel und südlich der Danziger Weichsel/"Toten Weichsel" - lebten im 17. und 18.Jahrhundert meine Vorfahren väterlicherseits - als Nachbarn=Bauern und dem ev.Kirchspiel Käsemark zugehörig.
    Seit Langem beschäftigt mich die Frage, woher dieser seltsame Ortsname kommt, für eine Gemeinde, die keinen eigentlichen Dorfkern kennt, sondern aus lauter verstreuten bäuerlichen Anwesen besteht, die inmitten ihrer Ländereien lagen und noch heute liegen.
    Auf ziemlichen Umwegen habe ich vermutlich die Lösung gefunden. Und zwar bei der Durchsicht eines Buches über den städtischen Haushalt der Stadt Danzig: Im Jahre 1528 steht dort zu lesen, dass die Stadt Danzig von 3 Tran-Kesseln 4 Mark Steuern (im Jahr) erlöst hat.
    Schmerblock scheint die/eine alte Bezeichnung für Tran-Kessel zu sein. Das deckt sich mit der Bezeichnung der historischen Stadt Smeerenburg auf Spitzbergen.
    In einen gemauerten Unterbau mit Feueröffnung und für eine Holz-Beheizung wurde in grauer Vorzeit und anfänglich ein überdimensionaler Kessel aus Gusseisen oder Kupfer eingesetzt. Darin wurde im historischen Wal- und Robben-Fang der Speck dieser Meeressäuger zu flüssigem Tran ausgekocht. "Rohstoff" war der "Blubber", d.h. die dicke Fettschicht, die in Streifen oder Stücken über Holzfeuer ausgekocht wurde. Der gewonnene Tran diente damals als Brennstoff für Strassenbeleuchtung, für Öllampen, als Margarine, für Kerzen und Seifen - und bestimmt für vieles andere mehr. Im Internet finden sich Fotos einer solchen Anlage in Ilulissat auf Grönland.
    Erst später wurden derartige Kochstellen auf den Walfangschiffen selbst installiert.
    Der Name Schmerblock wird - nach den Angaben im Internet - schon sehr früh verwendet, schon zur Zeit der Gründung von Schmerblock 1354. Wenn es also dort einen derartigen Tran-Kessel gegeben hat, dann stammt der Flur-Name wohl schon aus der Zeit davor. Die Lage im äussersten Osten im vergleichsweise damals dünn besiedelten Gebiet, bei meist Westwinden dürfte dafür nicht nur verkehrstechnisch gut gewählt gewesen sein. Denn es dürfte bei dieser vorindustriellen Produktion ganz schön gestunken haben...
    Weiss jemand ergänzend mehr zu diesem Thema?
    Herzliche Grüsse an alle Forumsteilnehmer aus Tübingen: Matthias W. Marks
    PS: Jetzt habe ich wohl endlich die Stelle gefunden zur Eingabe eines weiteren Beitrages.
    Zuletzt geändert von Beate-A; 13.06.2026, 16:56
  • matthias w
    Forum-Teilnehmer
    • 01.06.2020
    • 55

    #2
    Auch ich komme mit der neuen Darstellung des Forums am Bildschrim überhaupt nicht zurecht. Nach Hinweisen im Forum sollte für einen neuen Beitrag irgendwo "+Themen" auftauchen. Finde ich nicht - vielleicht auch meine Schuld. Deswegen meinen neuen Beitrag an dieser Stelle, in der Hoffnung, dass ein hilfreiches Forums-Mitglied oder die Administration diesen dorthin verschiebt, wo er meiner Meinung nach hingehört: Unterforum zu "In der Niederung". Mein neuer Beitrag:
    "Zum Ort Schmerblock:
    In Schmerblock, Danziger Niederung, westlich der Weichsel und südlich der Danziger Weichsel/"Toten Weichsel" lebten im 17. und 18.Jahrhundert meine direkten Vorfahren als Nachbarn=Bauern - und gehörten zum ev.Kirchspiel Käsemark.
    Mich hat lange beschäftigt, woher der etwas absonderliche Ortsname stammen könnte - für einen Ort, der selbst eigentlich keinen geschlossenen Dorfkern besitzt, sondern aus einer Aneinanderreihung von Einzelgehöften inmitten der jeweiligen Felder und Wiesen bestand und heute noch besteht.
    Auf Umwegen bin ich wohl jetzt fündig geworden. Und zwar bei der Durchsicht eines alten Buches über die Haushaltsergebnisse (Einnahmen und Ausgaben) der Stadt Danzig: 1528 nimmt die Stadt Danzig von 3 Tran-Kesseln je 4 Mark Steuern ein.
    Schmerblock bedeutet also wohl Tran-Kessel! Das Wort findet sich auch im historischen Ort Smeerenburg auf Spitzbergen wieder.
    Ganz früher wurde in einen Sockel aus Mauerwerk (mit Feueröffnung darunter) ein überdimensionaler Kessel aus Gusseisen oder Kupfer eingelassen. Mit Holzfeuerung wurden in historischen Walfang- und Robbenfang-Zeiten der Speck dieser Meeressäuger der flüssige Tran ausgekocht. Rohstoff war der sogenannte "Blubber", die dicken Fettschichten, die in Stücke oder Streifen geschnitten und ausgekocht wurden. Der Tran war damals wichtiges Handelsgut für Strassen- und Öllampen, für Margarine, Kerzen und Seifen - und sicher vieles andere mehr! Anfangs befanden sich derartige Stellen an Land an geeigneten Stellen; erst später wurden die Kochstellen direkt auf den Walfang-Schiffen selbst installiert.
    Einen solchen Ofen findet man als Bild/Foto übrigens im Internet unter Ilulissat auf Grönland.
    Schmerbock trägt also wohl nach einerm solchen Tran-Kessel seinen Namen - vielleicht stand dort ja auch früher ein solche Stelle aus vorindustrieller Zeit. Am äussersten östlichen Ende der Niederung mit ständigem Westwind war sie ja weit genug von Danzig weg - denn es dürfte dabei wohl ganz schön gestunken haben..."
    Ich wünschen allen ein schönes bevorstehendes Sommer-Wochenende: Matthias W. Marks - und herzliche Grüsse aus Tübingen.

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    • Karsten_A
      Forum-Teilnehmer
      • 25.01.2021
      • 352

      #3
      Hallo Matthias,

      ja, Du hast es geschafft, ein neues Thema zu erstellen. Gratuliere!
      Allerdings solltest Du in Zukunft die Themen auch im "richtigen" Unterforum anlegen. Dieses Thema hier ist unter "Nur für angemeldete Teilnehmer -> Probleme" gelandet. Das ist wohl nicht dort, wo Du es wolltest und hier wird es natürlich auch schlecht gefunden.

      Hast Du meine Erläuterungen unter https://www.danzig.de/home/forum/nur...676#post287676 gelesen?

      Darüber hinaus solltest Du die Themen mit einem aussagekräftigen Titel erstellen. Ich habe mal selber auf "Thema erstellen" geklickt und sehe das Problem: Dort gibt es ein Feld, welches mit "Name eingeben" gekennzeichnet ist. Dort ist aber nicht Dein eigener Name gefordert sondern der gewünschte Name des Beitrages.

      Ja, die Oberfläche dieses Forums ist etwas gewöhnungsbedürftig. Nicht entmutigen lassen! Freue mich auf weitere Themen/ Beiträge von Dir!

      Ein schönes Wochenende,

      Karsten

      An Beate (unsere Administratorin): Evtl. kannst Du dieses Thema bei Gelegenheit nach "In der Niederung" verschieben und mit "Schmerblock - Namensherkunft" betiteln.

      Kommentar

      • MueGlo
        Forum-Teilnehmer
        • 11.03.2010
        • 1137

        #4
        Moin, Matthias,

        schön von Dir zu hören und zu sehen, dass Du rege bist!

        Im Weichselmündungsgebiet sind die meisten Dörfer sog. Straßendörfer. Und dann gibt es noch ein paar sog. Streudörfer, Schmerblock, Breitfelde, Langfelde, Brunau / Küchwerder. etc. Aus Hanke 1619 wird mir nicht so richtig klar, wie sie entstanden sind, zumindest zum Teil jedoch offensichtlich durch Landvergabe an Einzelpersonen.

        In Schmerblock ging es den Siedlern derartig elendlich, dass man sich an den Rat der Stadt Danzig wandte und um Umsiedlung bat - siehe z. B. bei Max Wessel, 1926. Anschließend ließ der Rat dort Holländer ansiedeln, die mit nassen Böden und entsprechender Entwässerung vertraut waren. Wenn ich mir das Kb Käsemark anschaue finde ich dort jedoch kaum holländische Namen ...

        Deine These, dass in Schmerblock Tran gekocht wurde, ist sicherlich interessant. Nur: Wo soll der Rohstoff herkommen? Vom Walfang in der Ostsee wohl kaum ... auch wenn sich bis in heutige Zeiten manchmal ein Wal in die Ostsee verirrt, der Kadaver dann in Dänemark verarbeitet wird ...

        Zudem: Die Zeit des Walfangs und der Verarbeitung des Wals ist das 18. / 19. Jahrhundert. Der Name Schmerblock ist jedoch viel älter, vermutlich aus der Ordenszeit stammend, und zu jener Zeit gab es keine Schiffe, mit denen man Wale jagen konnte.

        1528: Steht da mit Sicherheit "Tran-Kessel"?

        Es gibt ja nicht nur das Streudorf Schmerblock sondern bei Steegen auch die Ortsbezeichnung Schmergrube. Ich habe mal mit aller Vorsicht die KI angeschmissen und gefragt, was die Namen bedeuten könnten. Schmer steht demnach für Fett, Schmiere, Schlamm, Schmiere, Morast, etc.. Grube ist klar, Schmergrube wäre dann eine Morastgrube eventuell entstanden aus einem Weichselausbruch. An der heutigen Toten Weichsel gibt es bis die Spuren von Dammbrüchen. Der Damm wurde wieder geschlossen, zurück blieben versumpfte Löcher. Block steht für ein abgegrenztes Land- / Flurstück.

        Bis heute spricht man im Ziegeleibetrieb vom mageren und fetten Ton / Lehm.

        Bis heute weiß man angeblich nicht, wo und wie die vielen Ziegel während der Ordenszeit für die Marienkirche, die Marienburg und die anderen Ordensburgen hergestellt wurden. Für die Ziegel braucht man den Ton / Lehm sowie Unmengen von Holz.

        Offene Frage, ich habe keine Antwort: Wurde in Schmerblock Ton zur Ziegelherstellung abgebaut, abtransportiert und in einer holzreicheren Gegend gebrannt???

        Schmerblock wird im Polnischen Błotnik genannt, abgeleitet von polnisch błoto = „Schlamm, Morast“ ...

        Weiterhin frohes rätseln,

        herzliche Grüße, Rainer MueGlo
        "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!" - Afrikanisches Sprichwort

        www.Momente-im-Werder.net --- Adressbücher, Literatur, Werkzeugkasten und Momente im Danziger Werder

        Nachbarn und Hofbesitzer in Groß und Klein Zünder vom 17. bis 20. Jahrhundert:
        http://momente-im-werder.net/01_Offen/31_Gross-Zuender/Nachbarn-GrZ-KlZ/index.htm

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        • matthias w
          Forum-Teilnehmer
          • 01.06.2020
          • 55

          #5
          Grüss` Dich Rainer!
          Schön Dich mal wieder "an der Strippe" zu haben. Vielen Dank für Deine Gedanken zum Namen Schmerblock! Der Name ist sehr alt - wie Du sagst, und könnte deutlich vor dem vorindustriellen Walfang liegen, da ihn auch der Deutsche Orden schon verwendet hat. Aber wie sieht es mit der Verarbeitung von Robben und Seelöwen rtc. aus, die sich ja auch heute noch auf Sandbänken in unmittelbarer Nähe zu Menschen tummeln? Wir werden es sicher nie ganz klären - aber reizvoll ist es allemal, sich Gedanken zu machen. In dem Buch über den Haushalt der Stadt Danzig steht - in einer Zeile zu 1528 tatsächlich Tran-Kessel - 3 Stück mit Steuereinnahmen von 4 Mark. Das hat mich ja - auch ohne jede räumliche Angabe - erst auf diesen Gedanken gebracht. Falls ich dazu etwas schlauer werde, melde ich mich wieder! Bleib einstweilen gesund und sei herzlich gegrüsst aus Tübingen, Matthias W. Marks

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          • matthias w
            Forum-Teilnehmer
            • 01.06.2020
            • 55

            #6
            Grüss` Dich Rainer!
            Schön Dich mal wieder "an der Strippe" zu haben. Vielen Dank für Deine Gedanken zum Namen Schmerblock! Der Name ist sehr alt - wie Du sagst, und könnte deutlich vor dem vorindustriellen Walfang liegen, da ihn auch der Deutsche Orden schon verwendet hat. Aber wie sieht es mit der Verarbeitung von Robben und Seelöwen rtc. aus, die sich ja auch heute noch auf Sandbänken in unmittelbarer Nähe zu Menschen tummeln? Wir werden es sicher nie ganz klären - aber reizvoll ist es allemal, sich Gedanken zu machen. In dem Buch über den Haushalt der Stadt Danzig steht - in einer Zeile zu 1528 tatsächlich Tran-Kessel - 3 Stück mit Steuereinnahmen von 4 Mark. Das hat mich ja - auch ohne jede räumliche Angabe - erst auf diesen Gedanken gebracht. Falls ich dazu etwas schlauer werde, melde ich mich wieder! Bleib einstweilen gesund und sei herzlich gegrüsst aus Tübingen, Matthias W. Marks

            Kommentar

            • matthias w
              Forum-Teilnehmer
              • 01.06.2020
              • 55

              #7
              Ergänzung zu Nr.1:
              Grundlage für diese Namens-Theorie über "Schmerblock" bildet das Buch "Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreussens"; Herausgeber: "Westpreussischer Geschichtsverein", Nr.8: "Geschichte des Danziger Haushaltes" von Max Foltz, Königlicher Archivar, Danzig, 1912:
              Auf Seite 196, 16.Zeile von oben sind 1528 drei Tran-Kessel Danzigs erwähnt, die je 4 Mark Steuern erbringen - die vom Administrator und einem Danziger Ratsherren (Zinsherrren) zu Jacobi erhoben werden.
              Auf Seite 210: "... brachte 1576 eine Tranbude 8 Mark Einnahmen. 1632-42 zwischen 27 und 74 Mark. Sie erforderte 1631 selber nur 57, und 1633 nur 53 Mark an Ausgaben der Stadt. Die Tranbrenner zahlten vom Fass Tran 1576 5, später 10 Groschen (an Abgaben). Seit 1714 war die abgebrannte Tranbude an der Mottlau (Bemerkung: leider ohne nähere Ortsangabe) zum Pechkochen verpachtet. Als Pechbude brachte sie der Kämmerei in den zwanziger Jahren des 18.Jh. jährlich 30 Gulden.
              (Als Anhaltspunk und zum Vergleicht: 1379 betrugen die Gesamt-Einnahmen Danzigs insgesamt - nach Kämmereibuch - wenig über 420 Mark; 1380 352 Mark und 1381 etwas über 775 Mark. Allerdings kann diese Summe nicht alle Einnahmen umfasst haben, denn das deutlich kleinere Elbing hatte zwischen 1404 und 1414 Einkünfte zwischen rund 2.000 und 4.700 Mark).
              Auf Seite 28 Fussnote 5 wird auch die Grundlage für den Tran erwähnt: Seehundfett, - der u. a. auch der Pflege von Lederartikeln diente.
              Da bereits der Deutsche Orden den Namen Schmerblock verwendete, muss die Bezeichnung - vielleicht auf Grundlage eines dortigen Tran-Kessels - deutlich davor gelegen haben! Der Name Tranbude taucht in Danzig mindestens bis 1714 auf - s.o..
              Einen schönen restlichen Sonntag wünscht allen Matthias W. Marks aus Tübingen.

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