In Schmerblock in der Danziger Niederung - westlich der Weichsel und südlich der Danziger Weichsel/"Toten Weichsel" - lebten im 17. und 18.Jahrhundert meine Vorfahren väterlicherseits - als Nachbarn=Bauern und dem ev.Kirchspiel Käsemark zugehörig.
Seit Langem beschäftigt mich die Frage, woher dieser seltsame Ortsname kommt, für eine Gemeinde, die keinen eigentlichen Dorfkern kennt, sondern aus lauter verstreuten bäuerlichen Anwesen besteht, die inmitten ihrer Ländereien lagen und noch heute liegen.
Auf ziemlichen Umwegen habe ich vermutlich die Lösung gefunden. Und zwar bei der Durchsicht eines Buches über den städtischen Haushalt der Stadt Danzig: Im Jahre 1528 steht dort zu lesen, dass die Stadt Danzig von 3 Tran-Kesseln 4 Mark Steuern (im Jahr) erlöst hat.
Schmerblock scheint die/eine alte Bezeichnung für Tran-Kessel zu sein. Das deckt sich mit der Bezeichnung der historischen Stadt Smeerenburg auf Spitzbergen.
In einen gemauerten Unterbau mit Feueröffnung und für eine Holz-Beheizung wurde in grauer Vorzeit und anfänglich ein überdimensionaler Kessel aus Gusseisen oder Kupfer eingesetzt. Darin wurde im historischen Wal- und Robben-Fang der Speck dieser Meeressäuger zu flüssigem Tran ausgekocht. "Rohstoff" war der "Blubber", d.h. die dicke Fettschicht, die in Streifen oder Stücken über Holzfeuer ausgekocht wurde. Der gewonnene Tran diente damals als Brennstoff für Strassenbeleuchtung, für Öllampen, als Margarine, für Kerzen und Seifen - und bestimmt für vieles andere mehr. Im Internet finden sich Fotos einer solchen Anlage in Ilulissat auf Grönland.
Erst später wurden derartige Kochstellen auf den Walfangschiffen selbst installiert.
Der Name Schmerblock wird - nach den Angaben im Internet - schon sehr früh verwendet, schon zur Zeit der Gründung von Schmerblock 1354. Wenn es also dort einen derartigen Tran-Kessel gegeben hat, dann stammt der Flur-Name wohl schon aus der Zeit davor. Die Lage im äussersten Osten im vergleichsweise damals dünn besiedelten Gebiet, bei meist Westwinden dürfte dafür nicht nur verkehrstechnisch gut gewählt gewesen sein. Denn es dürfte bei dieser vorindustriellen Produktion ganz schön gestunken haben...
Weiss jemand ergänzend mehr zu diesem Thema?
Herzliche Grüsse an alle Forumsteilnehmer aus Tübingen: Matthias W. Marks
PS: Jetzt habe ich wohl endlich die Stelle gefunden zur Eingabe eines weiteren Beitrages.
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