Delikatessen Mühling Zoppot

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  • asche
    Forum-Teilnehmer
    • 11.12.2009
    • 211

    #16
    AW: Delikatessen Mühling Zoppot

    Hallo, Isabella und andere,

    die Selbsttötung August Mühlings und weiterer Bekannter berichtete mein Onkel in einem Brief an seine Mutter, datiert 17. 9. 1946. Weder nannte er mögliche Gründe noch bekundeter er Erstaunen; vermutlich wusste "man" einschließlich der Adressatin Bescheid. Bei der Formulierung "Dr. Buch (neben vielen anderen Ärzten " denkt man natürlich an Verstrickung in Euthanasie- und Sterilisierungs-Programme, Menschenversuche usw.; Frage also: woran denkt man bei Mühling?

    Die Betroffenen waren keineswegs immer die größten Verbrecher, und auch die Befürchtung, man werde nun zur Rechenschaft gezogen, erwies sich oft als übertrieben. Manch einer geriet in Panik, die womöglich gar von wirklich Schuldigen eingeredet wurde, so dass zu deren Verbrechen noch ein letztes hinzukam.
    Herzliche Grüße,

    - Alexander -

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    • Isabella
      Forum-Teilnehmer
      • 03.08.2008
      • 39

      #17
      AW: Delikatessen Mühling Zoppot

      Hallo Alexander,

      laut Enkelin von August Mühling ( Cousine 2. Grades meiner Eltern) war er zum Zeitpunkt 5 Jahre Witwer und über 71 Jahre alt. Er wollte nicht wegziehen.
      Darf ich fragen, wie das Verhältnis Ihres Onkels zu August Mühling war?

      Grüße Isabella

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      • asche
        Forum-Teilnehmer
        • 11.12.2009
        • 211

        #18
        AW: Delikatessen Mühling Zoppot

        Keine Ahnung, Isabella. Der Name fällt in meinen Unterlagen nur ein einziges Mal und ohne weitere Information. Mein Onkel referierte die Meldungen einer erst 1946 aus Zoppot ausgereisten Freundin, er selbst war nach Kriegseinsatz direkt in Schleswig-Holstein gelandet, die Adressatin in Potsdam.

        Vielen Dank für die Auskunft. Man muss solche Erklärungen immer mit großer Skepsis behandeln, nicht nur, aber insbesondere in der fraglichen Zeit. Mit meiner Frage geht es mir nicht um den mir wie gesagt völlig unbekannten Gastwirt, sondern um die allgemeine Stimmung, in der man solche Meldungen damals verarbeitete. Man wusste angeblich nichts und ahnte doch alles, mit handfesten Indizien.

        Als frivoler Treppenwitz wirken nun die Namen "Langsamer Selbstmord", "Leichenwagen mit Goldtroddeln" und "Blick ins Jenseits". Die Goldtroddeln bekamen nicht einmal Hitler und Konsorten; die einfachen Trottel wurden im Garten verscharrt.
        Herzliche Grüße,

        - Alexander -

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        • asche
          Forum-Teilnehmer
          • 11.12.2009
          • 211

          #19
          AW: Delikatessen Mühling Zoppot

          Vielleicht lohnt es sich, den Namen der Zoppoter Quelle zu nennen: Cläre Wedel, Spielwarenhändlerin, Sängerin (Alt), Frauenchorleiterin, Waldoper-Chorsängerin und stadtbekannte unverheiratete Emanze; vgl. Adressbücher und https://www.danzig.de/attachment.ph...2&d=1443477398 . Zu ihren Freundinnen und Mitsängerinnen zählte auch meine Großmutter (offensichtlich hetero), die schon 1935 mit Familie Zoppot verließ, Herrn Mühling also vorher kennengelernt hatte.
          Herzliche Grüße,

          - Alexander -

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          • Isabella
            Forum-Teilnehmer
            • 03.08.2008
            • 39

            #20
            AW: Delikatessen Mühling Zoppot

            Oh, interessant. Der Name sagt mir leider nichts. Denke August Mühling kannte eine Menge Menschen, schon allein wegen des Ladens/Cafes

            Grüße
            Isabella

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            • sarpei
              Forum-Teilnehmer
              • 17.12.2013
              • 6090

              #21
              AW: Delikatessen Mühling Zoppot

              Hallo Alexander!

              Vermagst du etwas zur Verbindung zwischen Cläre Wedel und Werner Wedel sagen? Es gibt nachweisbar einen Briefumschlag eines Briefes von ihr an ihn (Poststempel 24.12.40). Werner Wedel war evangelischer Pastor in Deutschland und musste es 1939 verlassen. Er war 1940 in Shanghai (jüdisches Ghetto Hongkou von Shanghai) tätig und unterstützte dort Christen und Juden.


              Viele Grüße

              Peter

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              • asche
                Forum-Teilnehmer
                • 11.12.2009
                • 211

                #22
                AW: Delikatessen Mühling Zoppot

                Hallo Peter,
                von Frau Wedels familiärem Hintergrund habe ich keine Ahnung, er würde mich interessieren. Hast du außer den googelbaren Auktionsdaten irgendwelche weiteren Informationen? Hinweise auf Zoppot? Der Name Cläre/Clara Wedel war deutschlandweit sehr häufig!
                Formulierungen wie "musste Deutschland verlassen" und "half Juden" muss man immer als Zitate kennzeichnen, denn sie stellten die kleinste Münze der Selbst-Entnazifizierung dar. Ähnliches, um zum Thema zurückzukehren, gilt für Selbsttötung "weil er die Heimat nicht verlassen wollte", "aus Angst vor Vergewaltigung" usw. Wie gesagt, will ich damit keinerlei konkreten Verdacht aussprechen.
                Cläre Wedel war wegen der o.g. Eigenschaften hartgesottenen Nazis ein Dorn im Auge und schon deshalb auf Distanz bedacht, was sie aber noch lange nicht zur Widerstandsheldin machen würde.
                Herzliche Grüße,

                - Alexander -

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                • sarpei
                  Forum-Teilnehmer
                  • 17.12.2013
                  • 6090

                  #23
                  AW: Delikatessen Mühling Zoppot

                  Hallo Alexander,

                  du stellst die Fragen, die mich auch umtrieben. Mittlerweile kann ich sagen, dass 'meine' Cläre Wedel und Werner Wedel offenbar nichts mir Cläre Wedel aus Zoppot gemein haben. Meine Formulierungen basieren auf einer gedruckten Lebensbeschreibung von Werner Wedel.


                  Viele Grüße

                  Peter

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