AW: Ladekopp: Eintrag im Sterberegister 1767 - Absalon Störmer
Moin, Peter Aifeld,
mit dieser ca. 1734 / 35 geborenen Florentina Störmer habe ich mich vor einiger Zeit auch schon in Ba(a)renhof und GrZ / KlZ ergebnislos auseinandergesetzt ... im Kb Ba(a)renhof ist die Taufe jedenfalls nicht verzeichnet.
Aufgrund Deiner Anfrage habe ich begonnen, mir diese Störmer in Neumünsterberg noch einmal anzuschauen ... es wimmelt von ihnen im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts / in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Und da das Kb erst 1721 beginnt liegen immer nur Fragmente vor ...
Nach dem Stand der Dinge:
--- die Eltern dürften Johann Störmer, Mitnachbar und Schultz in Neumünsterberg, & Anna Justina Willm sein, ∞ Barenhof 18.06.1726.
--- diese bekommen zwischen 1727 und 1731 drei Kinder, u.a. Absalon Störmer, Kornmüller & Mitnachbar in Tiege, siehe am Anfang dieses Themas.
--- die Ehefrau Anna Justina Willm stirbt am 12.06.1747 in Neumünsterberg, als Ehefrau des Hans Stürmer / Störmer, "ehedem gewesener Mitnachbar und Schultz zu Münsterberg". "
--- im Sterbeeintrag des o.a. Absalon Störmer heißt es "sein Vater, der noch lebet, damahls (?) Königl[icher] Schulz u[nd] Mittn[achbar] war, jetzo aber als Witwe[r] in schlechten Umständen ohne Hof sich befindet"
--- im Heiratseintrag von Florentina Störmer & Johann Petersen, Zimmermann, am 29.07.1753 in GrZ heißt es "ehem Nachb, Schultz, Kirchenvorsteher"
"Gewesen" bedeutet normalerweise verstorben. In diesem Fall scheint das "gewesen" einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Absturz zu bedeuten. Das deutet auch die o.a. Heirat der Florentina Störmer an: In der im 18. Jahrhundert bestehenden Kastengesellschaft heiratet normalerweise die Tochter eines Nachbarn / Schultzen nicht einen Handwérker / Zimmermann.
Bei dem am 14.02.1774 verstorbenen Hans Stürmer, "gewesener Schultz und Mitnachbar zu Münsterberg", Alter 73 Jahre, Geburt mithin ca. 1701, dürfte es sich daher um "unseren" Johann Störmer handeln.
Der fehlende Taufeintrag für Florentina Störmer:
Möglichkeit 1: Der Prediger hat den Eintrag vergessen. (Etliche - viele? - Prediger notierten sich die Daten in einer Kladde oder auf Zetteln, um diese dann irgendwann gesammelt in das Kb einzutragen ... was gelegentlich zu Fehlern führte.)
Möglichkeit 2: Die Familie hält sich zur Zeit der Geburt nicht in Neumünsterberg auf: Während des Polnischen Thronfolgekrieges 1733 - 1738 --- https://de.wikipedia.org/wiki/Polnis...hronfolgekrieg --- erfolgte die Belagerung und Besetzung Danzigs. Gleichzeitig marodierten diverse Truppen auf dem Lande. Ich habe ein paar Fälle vorliegen aus denen ersichtlich wird, dass Landbewohner in die Stadt Danzig flüchteten, dort in den Kämpfen involviert waren, starben, Kinder bekamen, etc. In einem Fall erfolgt ein expliziter nachträglicher Taufeintrag in der Heimatkirche der Familie.
Der ökonomische und soziale Abstieg von Johann Störmer hängt vermutlich auch mit den Wirren in dieser Zeit zusammen. Der Hof ist eventuell zerstört, Johann vielleicht verletzt und kann die Landwirtschaft nicht mehr betreiben ... ein Beispiel aus Groß Zünder: "Ist Hans Kling, Einwohner in Groß Zinder eben also offentlich begraben, nachdem er 8 Jahre blind gewesen, denn ihm in der Stadt in der Russischen Belagerung ao. 1734 der Blitz einer Bombe die Augen geblendet."
Mit besten Grüßen, Rainer MueGlo
Moin, Peter Aifeld,
mit dieser ca. 1734 / 35 geborenen Florentina Störmer habe ich mich vor einiger Zeit auch schon in Ba(a)renhof und GrZ / KlZ ergebnislos auseinandergesetzt ... im Kb Ba(a)renhof ist die Taufe jedenfalls nicht verzeichnet.
Aufgrund Deiner Anfrage habe ich begonnen, mir diese Störmer in Neumünsterberg noch einmal anzuschauen ... es wimmelt von ihnen im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts / in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Und da das Kb erst 1721 beginnt liegen immer nur Fragmente vor ...
Nach dem Stand der Dinge:
--- die Eltern dürften Johann Störmer, Mitnachbar und Schultz in Neumünsterberg, & Anna Justina Willm sein, ∞ Barenhof 18.06.1726.
--- diese bekommen zwischen 1727 und 1731 drei Kinder, u.a. Absalon Störmer, Kornmüller & Mitnachbar in Tiege, siehe am Anfang dieses Themas.
--- die Ehefrau Anna Justina Willm stirbt am 12.06.1747 in Neumünsterberg, als Ehefrau des Hans Stürmer / Störmer, "ehedem gewesener Mitnachbar und Schultz zu Münsterberg". "
--- im Sterbeeintrag des o.a. Absalon Störmer heißt es "sein Vater, der noch lebet, damahls (?) Königl[icher] Schulz u[nd] Mittn[achbar] war, jetzo aber als Witwe[r] in schlechten Umständen ohne Hof sich befindet"
--- im Heiratseintrag von Florentina Störmer & Johann Petersen, Zimmermann, am 29.07.1753 in GrZ heißt es "ehem Nachb, Schultz, Kirchenvorsteher"
"Gewesen" bedeutet normalerweise verstorben. In diesem Fall scheint das "gewesen" einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Absturz zu bedeuten. Das deutet auch die o.a. Heirat der Florentina Störmer an: In der im 18. Jahrhundert bestehenden Kastengesellschaft heiratet normalerweise die Tochter eines Nachbarn / Schultzen nicht einen Handwérker / Zimmermann.
Bei dem am 14.02.1774 verstorbenen Hans Stürmer, "gewesener Schultz und Mitnachbar zu Münsterberg", Alter 73 Jahre, Geburt mithin ca. 1701, dürfte es sich daher um "unseren" Johann Störmer handeln.
Der fehlende Taufeintrag für Florentina Störmer:
Möglichkeit 1: Der Prediger hat den Eintrag vergessen. (Etliche - viele? - Prediger notierten sich die Daten in einer Kladde oder auf Zetteln, um diese dann irgendwann gesammelt in das Kb einzutragen ... was gelegentlich zu Fehlern führte.)
Möglichkeit 2: Die Familie hält sich zur Zeit der Geburt nicht in Neumünsterberg auf: Während des Polnischen Thronfolgekrieges 1733 - 1738 --- https://de.wikipedia.org/wiki/Polnis...hronfolgekrieg --- erfolgte die Belagerung und Besetzung Danzigs. Gleichzeitig marodierten diverse Truppen auf dem Lande. Ich habe ein paar Fälle vorliegen aus denen ersichtlich wird, dass Landbewohner in die Stadt Danzig flüchteten, dort in den Kämpfen involviert waren, starben, Kinder bekamen, etc. In einem Fall erfolgt ein expliziter nachträglicher Taufeintrag in der Heimatkirche der Familie.
Der ökonomische und soziale Abstieg von Johann Störmer hängt vermutlich auch mit den Wirren in dieser Zeit zusammen. Der Hof ist eventuell zerstört, Johann vielleicht verletzt und kann die Landwirtschaft nicht mehr betreiben ... ein Beispiel aus Groß Zünder: "Ist Hans Kling, Einwohner in Groß Zinder eben also offentlich begraben, nachdem er 8 Jahre blind gewesen, denn ihm in der Stadt in der Russischen Belagerung ao. 1734 der Blitz einer Bombe die Augen geblendet."
Mit besten Grüßen, Rainer MueGlo
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