Buchempfehlung Heinrich Dyck Dziennik Zulawski (Werder-Tagebuch 1878)

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Buchempfehlung Heinrich Dyck Dziennik Zulawski (Werder-Tagebuch 1878)

    Schönen guten Nachmittag,

    mir liegt die Abschrift eines alten Tagebuches aus dem Jahre 1878 vor (Heinrich Dyck, *17.08.1850, Hauskampe an der Elbinger Weichsel).

    In diesem alten Text werden einige Begriffe verwendet mit denen ich nichts anfangen kann und deren Sinn sich für mich auch aus dem Kontext nicht ergibt. Wer hat eine Idee bzw. kann weiterhelfen?

    ===
    Den 4. Juni. Der Vater und ich fuhren nach Tiegenhof. Gustav Schulz kaufte 8 Ochsen a 240 Mark, dann gab er mir noch 600 Mark ab; ich legte noch 1400 Mark zu, und kaufte für 2000 Mark Ungarn zu 6 Prozent.
    ===

    Was ist mit "2000 Mark UNGARN zu 6 Prozent" gemeint? Wertpapiere? Ungarische Anleihen? Oder gab es ungarische Mark?

    ===
    Den 11ten October. Die Eltern waren gestern nach Neukirch gefahren und über Nacht geblieben. Heute waren sie bei Schulzen in Fürstenwerder gewesen. Die Leute mußten die Grefel auf den 5 Morgen aufmachen."
    ===

    Was sind "Grefel"?

    Ich verfüge leider nicht über eine Fotokopie des Originals sondern nur über eine Abschrift. Möglicherweise liegt dort auch ein Transkriptionsfehler vor.

    ===

    Den 22ten November. Wir maschinten Weizen. Leider ging uns der Schütterer entzwei. Die Eltern gingen zu Bergens.
    ===

    Was ist ein "Schütterer"? Ein Schüttelsieb mit dem der Spreu vom Weizen getrennt wurde?

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
  • Bartels
    Forum-Teilnehmer
    • 25.07.2012
    • 3448

    #2
    AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

    Hallo,

    zu "Ungarn" ganz auf die Schnelle: http://www.alanier.at/Partialobl.html

    "für 2000 [preuss.] Mark"
    Beste Grüsse
    Rudolf H. Böttcher

    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
    Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
    Familie Zoll, Bohnsack;
    Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
    Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

    http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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    • Wolfgang
      Forumbetreiber
      • 10.02.2008
      • 11623

      #3
      AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

      Schönen guten Nachmittag,
      hallo Rudolf,

      danke für den Link. Ich denke, damit sind die "2000 Mark Ungarn" geklärt.

      Ich habe da aber noch eine weitere Textstelle bei der ich nicht weiterkomme:

      ===
      den 12. Mai. Ich fuhr nach Tiegenort zu Drieger und holte Gardins und Staketen, als ich zurückkam traf ich Herrn Rempel aus Sandhoff bei der Frau Zemke, welcher da etwas anzeigen musste.
      ===

      Was sind mit "Gardins und Staketen" gemeint? Staketen wahrscheinlich Zaunlatten, aber haben "Gardins" auch etwas mit einem Zaun zu tun?

      Schöne Grüße aus dem Werder
      Wolfgang
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      • Bartels
        Forum-Teilnehmer
        • 25.07.2012
        • 3448

        #4
        AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

        Schönen guten Abend,

        noch heute gibt es Staketen für den Zaun einzeln zu kaufen - wer war Drieger, der örtl. Kaufmann?

        Hat der gute Heinrich vielleicht die Wünsche seiner Eheliebsten erledigt? Einen neuen Zaun ums Gemüsegärtchen und neue Gardinen für die gute Stube.

        Man merke: Liebe ist, ihr Gardinen und Staketen zu kaufen -

        auf eigenen Schmuck haben die Mennoniten nicht so grossen Wert gelegt.
        Beste Grüsse
        Rudolf H. Böttcher

        Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
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        http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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        • Wolfgang
          Forumbetreiber
          • 10.02.2008
          • 11623

          #5
          AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

          Schönen guten Morgen,

          heute habe ich eine weitere Frage: Wer weiß, was ein "Aalbroder" ist? Kann damit ein Aalfänger / -fischer gemeint sein?

          Schöne Grüße aus dem Werder
          Wolfgang
          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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          • Bartels
            Forum-Teilnehmer
            • 25.07.2012
            • 3448

            #6
            AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

            Einen schönen guten Tag,

            ich denke unsere Fischerfamilien sind da kompetenter, aber hier Aalbrüder zum Schmunzeln: http://www.aalbrueder.com/verfassung.htm
            Beste Grüsse
            Rudolf H. Böttcher

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            http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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            • Ulrich 31
              Forum-Teilnehmer
              • 04.11.2011
              • 8559

              #7
              AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

              Guten Tag, Wolfgang,

              bitte teile ergänzend mit, in welchem Textzusammenhang Du das Wort "Aalbroder" gefunden hast. Vielleicht ergibt sich daraus evtl. sogar eine Lösung in Verbindung mit Rudolfs Schmunzelbeitrag #6.

              Viele Grüße
              Ulrich

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              • Wolfgang
                Forumbetreiber
                • 10.02.2008
                • 11623

                #8
                AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                Schönen guten Nachmittag,
                hallo Ulrich,

                der Text lautet: "Nachmittag fuhren wir beide die Weichsel bis dem Aalbroder, um zu sehen, ob die Weichsel schon bis Fürstenwerder zu fahren hielt, welches wir da erfuhren."

                Eventuell war "Aalbroder" auch der Spitzname einer Person, die Aale fing und/oder verarbeitete.

                Mit der Weichsel ist die Elbinger Weichsel gemeint, die im Winter häufig dick zufriert und früher dann mit Pferdeschlitten bequem und schnell befahren werden konnte. Der Vorteil der zugefrorenen Wasserwege gegenüber den Landwegen lag darin, dass sie meist kürzer waren, und dass es auf ihnen kaum Schneeverwehungen gab.

                Schöne Grüße aus dem Werder
                Wolfgang
                Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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                • Ulrich 31
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.11.2011
                  • 8559

                  #9
                  AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                  Hallo Wolfgang,

                  danke für den Kontext. Nach seiner Kenntnis tippe ich bei "Aalbroder" auch auf Spitzname.

                  Beste Grüße aus Berlin
                  Ulrich

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                  • Bartels
                    Forum-Teilnehmer
                    • 25.07.2012
                    • 3448

                    #10
                    AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                    Hallo,

                    - Aalbrater
                    - Aalräucherer
                    - "alter Bruder"?

                    Beste Grüsse
                    Rudolf H. Böttcher
                    Beste Grüsse
                    Rudolf H. Böttcher

                    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
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                    Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                    http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                    • sarpei
                      Forum-Teilnehmer
                      • 17.12.2013
                      • 6090

                      #11
                      AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                      Hallo miteinander,

                      oder aus dem Kontext der mennonitischen 'Bruderschaft' (so viel ich weiß rede(te)n sich Mennoniten untereinander mit 'Bruder' bzw. 'Schwester' an):

                      Aalbroder = Aal-Bruder = der mennonitische Bruder, der Aale fängt und zubereitet ...


                      Viele Grüße

                      Peter

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                      • Ulrich 31
                        Forum-Teilnehmer
                        • 04.11.2011
                        • 8559

                        #12
                        AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                        NB zu #11:

                        Auch Baptisten reden sich offenbar untereinander mit "Bruder" und "Schwester" an. Das habe ich erfahren, nachdem ich bei meinem Danzig-Besuch 2014 an einem Gottesdienst in der jetzigen Baptistenkirche am Hagelsberg (Nachfolgerin der dortigen früheren evangelischen Jakob-Hegge-Kapelle) teilgenommen hatte. Bei einem anschließenden Gespräch mit dem dortigen Kirchenältesten (in Englisch), der von einer auch Deutsch sprechenden Dame begleitet wurde, wurde mir zugesagt, mir einen in Deutsch geschriebenen Bericht über die Geschichte der Baptisten in Danzig nach Berlin zu schicken. Diesen Bericht erhielt ich später auch, zusammen mit einem sehr freundlichen Begleitschreiben jenes Kirchenältesten in deutscher Übersetzung - und dieses Begleitschreiben begann mit der Anrede: "Lieber Bruder!". Man hatte also wohl angenommen, ich selbst sei auch Baptist, was allerdings nicht zutrifft.

                        Viele Grüße
                        Ulrich

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                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11623

                          #13
                          AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                          Schönen guten Abend,

                          gerade eben habe ich meine Textverifizierungen abgeschlossen und dem Lektor des Textes mitgeteilt, dass ich eine auf dem jetzigen Kenntnisstand basierende Veröffentlichung für nicht sinnvoll halte. Es bestehen bei einem so alten Text folgende Schwierigkeiten:

                          - Transkriptionsfehler, also Fehler beim Lesen eines handgeschriebenen Textes
                          - Rechtschreibfehler, also Fehler beim Schreiben des gelesenen handgeschriebenen Textes
                          - Interpretationsfehler, also Fehler beim Verständnis dessen was da richtig oder falsch geschrieben und richtig oder falsch transkibiert wurde
                          - Übersetzungsfehler ins Polnische

                          Erschwerend bei all dem kommt hinzu, dass viele kleine Orte/Plätze genannt wurden, die heute nicht mehr bekannt/existent sind. Und das trifft auch auf landwirtschaftliche Begriffe zu, die für einen Laien ein Buch mit sieben Siegeln sind.

                          Mal sehen, ob mein Vorschlag das auf breiterer Basis zu diskutieren, angenommen wird. Denn hier böte sich in meinen Augen wirklich die Möglichkeit, "Schwarmintelligenz" in Anspruch zu nehmen und davon zu profitieren.

                          Schöne Grüße aus dem Werder
                          Wolfgang
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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                          • sarpei
                            Forum-Teilnehmer
                            • 17.12.2013
                            • 6090

                            #14
                            AW: Wer kann "Übersetzungshilfe" bei alten Tagebuchauszügen geben?

                            Hallo Wolfgang,

                            ich würde gerne mitschwärmen .....


                            Viele Grüße

                            Peter

                            Kommentar

                            • Wolfgang
                              Forumbetreiber
                              • 10.02.2008
                              • 11623

                              #15
                              AW: Buchempfehlung Heinrich Dyck Dziennik Zulawski (Werder-Tagebuch 1878)

                              Schönen guten Abend,

                              auch dank Eures Mitwirkens erschien nun das Buch "Heinrich Dyck: Dziennik żuławski 1878" (Werder-Tagebuch 1878). Das 182 Seiten umfassende Taschenbuch wurde überwiegend zweisprachig verfasst. Der polnischen Übersetzung folgt der deutsche Text, anschließend daran ist die polnische Adaption eines Online-Textes unseres früheren Moderators Jürgen Weigle über die Mennoniten zu finden (http://www.g-gruppen.net/mennot.htm)

                              Es ist ein interessantes Buch das tiefen Einblick in das Leben eines Grundbesitzers und Bauern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt. Ich denke, dass dort beispielhaft das Leben aller Bauern aufgezeigt wird. Der deutschsprachige Originaltext ist auf den Seiten 85-146 zu finden.

                              Das Buch kostet hier 20,00 Zloty (plus evtl. Portokosten). ISBN 978-83-941573-1-9

                              Schöne Grüße aus dem Werder
                              Wolfgang
                              Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                              Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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