Hochwassergefahren

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #16
    AW: Hochwassergefahren

    Schönen guten Morgen,

    vor praktisch genau einem Jahr berichtete ich schon einmal über die Zerstörung der Grasnarbe am Deichfuß zwischen Schönbaum und Nickelswalde. Den Sommer über konnte ich sehen, dass die sonst so üppig auf dem Vorland wuchernde Vegetation dort sehr sparsam blieb. Denn auch im Sommer fahren dort schwere Traktoren.

    Nun wird das letzte Heu eingebracht. Ich frage mich, warum jetzt? Die gepressten Ballen lagen auf dem Außendeich etliche Wochen. Nun, nachdem Wiesen und Wege nach lang anhaltenden intensiven Regenfällen vollkommen durchweicht sind, zerstören schwere Fahrzeuge die kritischste Stelle eines Deiches: Den Deichfuss. Der Boden ist dort mitunter einen halben Meter tief aufgewühlt. Man muss sich eins vor Augen halten: Dies hier sind keine modernen Deiche sondern Deichanlagen die vor rund 120 Jahren mit damaligem Ingenieurswissen angelegt wurden. Der ganze Deich besteht aus dem Aushubmaterial des neu gegrabenen Weichselbettes, also aus Sand mit Lehmanteilen. Verteidigungswege gibt es nicht. Die Deiche weisen hier sowohl wasser- als auch landseitig sehr steile Böschungen auf. Landseitig folgt der Deichböschung gleich ein Sickergraben. Ich vermute, dass der Deich hier zehn Meter hoch sein kann.

    In diesem Abschnitt kommen hier zwar nur selten Hochwasser vor, die bis zum Deichfuß reichen, aber das kann nur für die Vergangenheit gesagt werden. Ich werde jedenfalls nervös wenn ich sehe, dass hier zwar in einer ersten Maßnahme rund 160.000.000 Zloty (83% werden von der EU finanziert) in den Hochwasserschutz investiert werden, aber die banalsten Deichkontrollen unterbleiben.

    Im letzten Jahr habe ich versucht, etwas anzustoßen, aber mich dann nicht mehr weiter darum gekümmert. Dieses Mal werde ich hartnäckig fragen und nachhaken. Denn es geht auch um meinen Schutz.

    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    Angeh
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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    • Waldschrat

      #17
      AW: Hochwassergefahren

      Der Advent kommt und plötzlich, so ganz unerwartet, steht Weihnachten vor der Tür. Wie konnte das passieren?

      Das Denken dreht sich meist um den Profit "in diesem Moment". Wenn ein Bauer 5 Minuten sparen kann, indem er irgendwelche Wege fährt, dann tut er das. Was interessiert ihn das Allgemeinwohl? Und mehr kann man auch vom Amt nicht erwarten.

      Was in zwei Jahren sein wird, interessiert sowieso niemanden. Wenn wir die USA nicht verstehen, weil deren Denken nur bis zum nächsten Quartalsbericht reicht, dann können die Amerikaner stolz auf Polen verweisen. Das dauert noch mindestens eine Generation.

      Herr, lass' Hirn regnen!

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      • Inge-Gisela
        Forum-Teilnehmer
        • 09.11.2012
        • 1842

        #18
        AW: Hochwassergefahren

        Abgesehen von dem anderen Dilemma habe mich schon manches Mal in regenarmen Zeiten gefragt, warum die Heuballen auch in Deutschland nicht eingefahren werden. Nasses Heu, wenn es dann vor sich hinmodert, kann man eigentlich auch nicht mehr gebrauchen oder wo kriegt man es dann noch trocken? Oder der Bauer ist mit anderen Arbeiten total eingespannt. Gruß Inge-Gisela

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        • Waldschrat

          #19
          AW: Hochwassergefahren

          Ich habe mich mal erkundigt. Die Gefahr dass die Weichsel überläuft ist praktisch vernachlässigbar gering, es sei denn die Dämme brechen. Da müssten aber sehr viele Faktoren zusammen kommen und es gab ja in der Tat zwischenzeitlich einige Investitionen und Ausbaggerungen. Aber noch im Jahre 1997 (da gab es eine Hochwasserwelle) gab es für die Einwohner in Olszynka Evakuierungspläne. Olszynka liegt unter dem Meeresspiegel.

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          • radewe
            Forum-Teilnehmer
            • 08.03.2008
            • 935

            #20
            AW: Hochwassergefahren

            Guten Tag Wolfgang,

            wenn ich Deine Fotos #16 sehe bekomme ich eine Gänsehaut.

            Vor einem Jahr haben wir bereits dieses Thema „Hochwasser“ ausführlich diskutiert und scheinbar hat sich „bei Euch“ nichts geändert. Warum auch?? Die EU zahlt ja, sie hat zwar vor Jahren für ihre Mitgliedsländer eine Richtlinie zum Hochwasserschutz erarbeitet und Fördermittel bereitgestellt ……. eigentlich sollte die Verwendung überwacht werden.

            Nach den Erfahrungen mit dem Hochwasser, im den vergangenen Jahren, ist Hochwasserschutz und Deichverteidigung in vielen D.-Bundesländern ein sensibles Thema geworden. Gesetze, Verordnungen und Verbote sind bei uns die Regeln in den Hochwasserschutzgebieten. Wenn z.B. ein freilaufender Hund den Mindestabstand zum Deich-/Böschungsfuß nicht einhält ist es bereits eine Ordnungswidrigkeit (er könnte nach dem Pinkeln kratzen und so die Grasnarbe beschädigen).

            Hier ein Link: „Hochwasserschutzanlagen/Deichordnung für Hamburg“, der § 8, Verbote und Beschränkungen könnte Dich interessieren.


            Grüße von Hans-Werner aus Hamburg
            Ich suche Geburtsdaten Michael BERGMANN um *1808, WO??
            Im November 1835 heiratet er `katholisch´ Anna Elisabeth SCHULZ aus Zoppot.
            Er, seine Ehefrau & die Nachkommen lebten in Carlikau, Fischerkolonie (Fischerplatz).

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            • Wolfgang
              Forumbetreiber
              • 10.02.2008
              • 11623

              #21
              AW: Hochwassergefahren

              Schönen guten Abend,
              hallo Hans-Werner,

              Du schreibst, Du bekämst eine Gänsehaut beim Anblick meiner Fotos. Ich werde wirklich nervös wenn ich daran denke was passieren kann.

              Fakt ist, dass KEINER der hier nach dem Krieg Angesiedelten je einen Deichbruch am Unterlauf der Weichsel erlebt hat. Und fast Jeder hier sagt, Überschwemmungen durch Deichbruch gäbe es nicht. Es gibt keine über Generationen hinweg erlebte Gefahren mit solchen Hochwassern mehr. Und wer nur ein "Überlaufen" der Weichsel für vernachlässigbar gering hält, hat möglicherweise noch nicht verstanden welche Gefahren wirklich drohen. Die Weichsel wird nicht überlaufen. Zumindest nicht hier am Unterlauf der Weichsel.

              Wir haben hier Sanddeiche. Fast 120 Jahre alt. Außer ein paar Flickarbeiten dort wo die Wehrmacht Ende des Krieges die Deiche sprengte wurde bis vor Kurzem kaum etwas getan. Wer in Danzig lebt, lebt weit weg. Und hat vielleicht gar nicht mitbekommen, dass es im Mai 2010 höchste Deichbruchgefahr an mehreren Stellen gab. In Letzkau und Käsemark zur Danziger Seite hin, in Schöneberg Richtung Osten. Ich berichtete mehrfach über Hochwasser, u.a. in Hochwasser in Käsemark und Hochwasser am Schöneberger Weichseldeich sowie Der moderne Schimmelreiter.

              Wie gesagt, überlaufen wird die Weichsel nicht. Aber es gibt auch heute noch viele Gefahren, die bisher glücklicherweise in der jüngeren Zeit nicht zu Katastrophen führten. Dass dies behördlicherseits auch so gesehen wird, zeigen die umfassenden Hochwasserschutzmaßnahmen die hier für 190.000.000 Zloty ausgeführt werden.

              Worin bestehen die Gefahren?

              - In lang anhaltenden Hochwassern wie Mai/Juni 2010 in denen die Deiche vollkommen durchnässt und unberechenbar werden. Sie werden weich und wabbelig wie Pudding. Wenn das Hochwasser lange genug auf den Deich einwirkt, dann können bei solch alten Deichen "Brüche" auch dann auftreten wenn das Wasser unterhalb der Deichkrone steht. Extreme Schwachstellen stellen die Deichfüße dar, denn dort wirkt das Wasser am längsten und zerstörerischsten ein. Dort wird dann Erdreich, hier also lehmiger Sand, ausgespült und fortgewaschen was nicht nur zu einer Deicherosion führt sondern auch zu verstärktem Wasserdruck der den Deich schneller durchweichen lässt.
              - Jedwede Verletzungen des Deiches bzw. des Deichbewuchses
              - Winterhochwasser mit schwerem Eisgang. Riesige Eisplatten können den Deich "abrasieren"
              - Eisstau im Strombett und in der Weichselmündung

              Wenn es hier keine Gefahren gäbe, dann frage ich mich warum bereits in der I. Etappe 190.000.000 Millionen investiert werden. Warum werden dann beidseitig der Weichsel (u.a. in Einlage und Schönbaum) riesige Beton-Spundwände von der Deichkrone aus in den Deich getrieben? Ich hörte, sie sollen über zehn Meter tief reichen. Wenn also keine Gefahren bestehen, warum?

              All solche ergänzenden Hochwasserschutzmaßnahmen nützen aber nichts wenn es an Gefahrenbewusstsein mangelt und die Deiche an ihren empfindlichsten Stellen nachhaltig geschädigt werden.

              Ich zeige noch einige Fotos:

              - die Käsemarker Brücke mit Hochwassermarkierungen, aufgenommen beim letzten größeren Hochwasser im April 2012. Dort ist auch die Hochwassermarkierung von 1884 zu sehen, das Hochwasser, dass zum Bau des Weichseldurchstiches führte.
              - Betonspundwandarbeiten zwischen Schmerblock und Einlage

              Viele Grüße aus dem Werder
              Wolfgang
              Angeh
              Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
              Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
              Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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              • Alter Danziger
                Forum-Teilnehmer
                • 12.03.2012
                • 56

                #22
                AW: Hochwassergefahren

                Auf den Bild 2 sieht mir aus wie ein Bohrer mit Betonpumpe. Und Bild 3 wie eine Verfüllung von einer Rinne mit Beton. Was für eine Technik ist das?

                Ist das sowas wie eine Betonbohrpfahlwand? Oder wie gehen die da 10m tief in den Sanddeich rein ohne das da immer wieder Sand nachkommt? Und wenn der Deich da 10m hoch ist wie soll das funktionieren wenn die nur 10m reingehehen? Das Wasser geht doch unter der Wand durch wenn das nur sandiger Lehm ist.

                Alter Danziger

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                • Waldschrat

                  #23
                  AW: Hochwassergefahren

                  Ich glaube da kam was in den falschen Hals. Ich habe nicht ausdrücken wollen, dass keine Gefahr ist. Im Gegenteil. 1997 befürchtete man kurzzeitig ein Überlaufen. Diese Gefahr ist gering. Aber nur diese. Die Hauptgefahr besteht in der Unterspülung/Dammbruch. Einiges ist schon investiert worden, aber ein Bewusstsein für solche Dinge existiert im Volk nicht.

                  Hier im Land herrscht Egoismus pur. Was interessiert mich der Nachbar? Was interessiert mich das Allgemeinwohl? Wenn ich 5 Minuten sparen kann, dann sind das 2zl mehr in meinem Portemonnaie, die ich weniger an Sprit verbrauche. Nur das zählt.

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                  • radewe
                    Forum-Teilnehmer
                    • 08.03.2008
                    • 935

                    #24
                    AW: Hochwassergefahren

                    Die Ostsee Anrainer-Staaten, federführend Rostock und Danzig, suchen nach neuen Wegen im Deichbau. Die Experten streiten über Sinn und Unsinn der Ergebnisse. Das Schlagwort welchen an den Küstenländern die Runde macht ist „Implementierung“ (was es auch heißen mag). Für den zukünftigen Deichbau soll es bereits Material aus Mischungen `Flugasche und Textilien` geben, aber auch Baggergut („Hafen“? - Schlick) soll nach einer Lagerung von drei bis sechs Jahren im Deichbau Verwendungen finden. Es erinnert an einer modernen Entsorgungsanlage für den unbeliebten Schlick.

                    Vermutlich stellt das Foto von Wolfgang ein polnisches Experimentierfeld da, die Ergebnisse dieses „kühnen“ Experiments interessieren mich sehr.

                    Grüße von Hans-Werner aus Hamburg
                    Ich suche Geburtsdaten Michael BERGMANN um *1808, WO??
                    Im November 1835 heiratet er `katholisch´ Anna Elisabeth SCHULZ aus Zoppot.
                    Er, seine Ehefrau & die Nachkommen lebten in Carlikau, Fischerkolonie (Fischerplatz).

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                    • MeinEichwalde
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 545

                      #25
                      AW: Hochwassergefahren

                      Naja, meinem Eindruck nach ist das WErdermuseum eine Anlaufstelle, die die Bevölkerung sensibilisieren soll in diesem Fragen.
                      Polen ist eine Demokratie mit freier Presse. besonders die facebookseite kann jeder von uns mit Fragen bestücken und bekommt sicher eine Antwort.
                      Sigurd van Riesen der Initiator der Partnerschaft von Hennef und Tiegenhof war GEschäftführer der DWA und involviert mit allen europäischen WasserbauIngenieuren.
                      ,Eine KOntrolle wie gesagt muss auch von unserer Gruppe ausgehen, indem man sich einmischt ganz im klassischen demokratischen Sinne.Abgeordneten facebook Seiten bestücken. Und Bürgermeister interviewen. Nur zu !
                      Auch Michael Pauls von der Tiegenhöfer Gruppe ist anrufbar. Und gibt sicher gerne über die Bemühungen des vEreins in dieser Hinsicht auskunft.
                      Jammern hat noch nie geholfen. Unsere polnischen Foristen ihr alle vor Ort. Nicht Angst haben, anrufen !
                      LG Eure Delia

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                      • Wolfgang
                        Forumbetreiber
                        • 10.02.2008
                        • 11623

                        #26
                        AW: Hochwassergefahren

                        Schönen guten Nachmittag,
                        hallo "Alter Danziger",

                        die Deiche werden hier sicherlich nicht mit Betonbohrpfahlwänden verstärkt. Das wäre viel zu teuer und könnte auf die vielen Kilometer Deichsicherungsarbeiten gar nicht bezahlt werden. Ich denke mehr, dass dort eine Schlitzwandfräse zum Einsatz kommt die auch sofort Spezialbeton einbringt. Leider habe ich das Raupenfahrzeug nicht bei der Arbeit gesehen. Womit ich aber ein bisschen Schwierigkeiten habe, ist mir vorzustellen wie der Schutz funktioniert. Denn um Unterspülungen zu vermeiden müsste die Wand doch bis in wasserundurchlässige Schichten geführt werden. Außerdem würde doch, wenn diese Wand als Wasserbremse dient, der wasserseitige Deichteil wesentlich stärker durchnässt und damit instabiler. Oder wird das aufgewogen durch die größere Stabilität des landseitigen Deichteils?

                        Schade, dass ich (noch) nicht ein bisschen mehr über modernen Deichbau und Sanierungsmaßnahmen weiß. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

                        Aber vielleicht haben wir ja hier im Forum Spezialisten, die darüber was sagen können.

                        Viele Grüße aus dem Werder
                        Wolfgang
                        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                        • radewe
                          Forum-Teilnehmer
                          • 08.03.2008
                          • 935

                          #27
                          AW: Hochwassergefahren

                          Die erneuten Beiträge „Hochwassergefahren“ kamen gerade zu dem Zeitpunkt als über Norddeutschland Orkanböen zwischen 150 – 200 km/h tobten.
                          Unwillkürlich musste ich an Wolfgangs Beitrag „ der moderne Schimmelreiter“ denken.
                          Es ist nicht auszumalen wohin die Besatzung dieser im Beitrag erwähnten/gezeigten Fahrzeuge und das Zelt hin geblasen währen.
                          https://www.danzig.de/showthread.ph...ll=1#post36129

                          Eine ruhige Nacht wünscht Hans-Werner aus Hamburg
                          Ich suche Geburtsdaten Michael BERGMANN um *1808, WO??
                          Im November 1835 heiratet er `katholisch´ Anna Elisabeth SCHULZ aus Zoppot.
                          Er, seine Ehefrau & die Nachkommen lebten in Carlikau, Fischerkolonie (Fischerplatz).

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