Hochwassergefahren

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Hochwassergefahren

    Schönen guten Morgen,

    kürzlich, am 05.10.2012, besuchte ich in Włocławek (Leslau), einer zwischen Danzig und Warschau an der Weichsel gelegenen Großstadt, eine Konferenz über von der Weichsel ausgehende Hochwassergefahren auf der als Referenten hochkarätige Wissenschaftler und hohe Amtsleiter geladen waren.

    Sie zeigten dramatische drohende Gefahren auf, die von der Weichsel ausgehen. Katastrophal geschädigt ist durch Erosion in einigen Bereichen das Weichselbett. Die Folgen sind schier unabwendbar und können nur durch schnelle und riesige Investionsmaßnahmen gemildert werden durch die aber die "wilde Weichsel" fast vollständig gebändigt wird.

    Im Unterlauf der Weichsel, also im Großraum Danzig sind als erste Etappe für 190 Millionen Zloty Schutzmaßnahmen vorgesehen von denen rund 160 Millionen von der Europäischen Union zugesteuert werden.

    Vorgestern war ich wieder auf dem Weichseldeich spazieren. Er schließt den weiten Außendeichbereich ab und eigentlich müsste alles getan werden, diesen pflegen und zu schützen. Eine dichte, niedrige, stark verwurzelte Vegetation ist der beste Schutz vor Erosion. Hochwasser kann immer kommen und die Folgen für Danzig, aber auch bis nach Elbing wären katastrophal.

    Aber wie sieht der Deich aus? Wild bewachsen, selten gemäht, erst recht nicht abgegrast, übersäht mit Maulwurfslöchern. An anderen Stellen, u.a. auch zur Mündung zu, Biberbauten. Was mich vorgestern besonders irritierte, war die Zerstörung der Grasnabe am Deichfuss. Dort ist die empfindlichste Stelle des Deiches, dort fängt die Zerstörungsarbeit des Hochwassers zuerst an.

    [ATTACH=CONFIG]12086[/ATTACH]

    Bauern hatten den Außendeichbereich abgemäht und fuhren nun mit ihren schweren Treckern direkt am Außendeichfuß. Die Grasnarbe ist dort zerstört und kann sich nun im Herbst / Winter auch nicht regenerieren. Sollte es im Frühjahr zu Hochwasser kommen, ist dort eine Gefahrenquelle.

    Wozu riesige Millionenbeträge für Schutzmaßnahmen, wenn das nicht mit massiver Information der Leute einhergeht?

    Viele Grüße aus dem stets hochwasserbedrohten Werder
    Wolfgang
    Angeh
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #2
    AW: Hochwassergefahren

    Schönen guten Nachmittag,

    in einer kurz vor der Leslauer Konferenz in Dirschau stattgefundenen Konferenz über den Ausbau von Wasserwirtschaftswegen habe ich mitbekommen, dass es ACHT Behörden gibt, die für das Wasser zuständig sind. Ich glaube auch mitbekommen zu haben, dass es dort mitunter heftige Kompetenzgerangel gibt.

    Natürlich kann man versuchen, Öffentlichkeit herzustellen. Resultat ist meist ein Sturm im Wasserglas. Ob dabei irgend etwas herauskommt? Die Vergangenheit zeigt, dass dies bei Weitem nicht immer der Fall ist.

    Grundsätzlich sind hier an allem was schief läuft, zuerst die Politiker schuld. Oder die Behörden. Der einfache Bürger in der Regel nie. Und solange die Politiker auch weiterhin immer an allem schuld sein werden, ist es auch sehr fraglich, ob der einfache Bürger bereit ist, Verantwortung zu zeigen oder zu übernehmen.

    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

    Kommentar

    • MeinEichwalde
      Forum-Teilnehmer
      • 06.10.2008
      • 545

      #3
      AW: Hochwassergefahren

      Hallo Wolfgang

      alles lachhaft ! Seit Jahrhunderten gibt es Deichhauptleute, und die Deichbauer. Und die Wachtbuden. Das ist, seit ich die "Tiegenhöfer Nachrichten" lese, eines der Hauptthemen der Tradition bei den Werderanern der Landsmannschaft WEstpreussen.Sigurd van Riesen aus einer seit Jahrhunderten ansässigen Mennonitischen Familie ist Kopf der Städtepartnerschaft Hennef undTiegenhof.Er ist Sachverständiger und sehr aktiv. By the way:"DEr SChimmelreiter", die Standardlektüre eines jeden norddeutschen Schülers bezieht sich auf die Werderdeiche "unserer Heimat". Theodor Storm bezieht sich erst in zweiter LInie auf die Nordsee.
      Die Götterburg in LIessau, war das Lokal wo sich die Deichhauptleute gerne trafen.
      Die Tätigkeit der Wachen ist sicherlich in Polen professionell gehandhabt, genau wie sie das von uns übernehmen mußten, sonst wären sie ja schon seit 1945 verloren gewesen.Allerdings ist die Weichselmündungsregion wohl heute von europäischem Interesse.
      Deshalb interessieren die Pläne, die auf der Leslauer Tagung vorgestellt wurden im europäischen Masstab ja schon.Es gibt wie ich mal hörte einen europäischen 30 Jahre Plan für die Region. Ein schönes Thema, ich bin gespannt wer sich rannwagt. Ich hab ja jetzt nur ein wenig schwadroniert.....
      LG Delia

      Kommentar

      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11623

        #4
        AW: Hochwassergefahren

        Schönen guten Nachmittag,

        aus bisher gehörten Referaten -die ich leider nur teilweise verstand-, aber auch aus gezeigten Schautafeln, gehen Gefahren hervor, die von den Wissenschaftlern als katastrophal, dramatisch, fatal und teils auch als unabwendbar bezeichnet werden. Vierzig Jahre Versäumnisse haben irreparable Schäden hinterlassen. Ich werde mal einige der abfotografierten Schautafeln zeigen und Jene von Euch, die ein bisschen Polnisch beherrschen, können sich dann Eindrücke von der Situation machen.

        Geplant sind jetzt aber -u.a. auch um die Fließgeschwindigkeit der Weichsel herabzusetzen- den Stromlauf mit Stauwerken zu versehen, die dann auch Energie liefern werden. Die jetzt vorgesehenen Vorhaben sind nur noch Notmaßnahmen, die zwar drastische Eingriffe in den Naturhaushalt verlangen, aber -obwohl Umweltschützer sicherlich Protest laufen werden- gemacht werden müssen. Die größte Gefahr liegt darin, dass sich unbedingt notwendige und unaufschiebbare Schutzmaßnahmen weiter verzögern.

        Aber die Weichsel ist ja nur ein Gefahrenpunkt. Eine weitere Gefahr bildet auch das Frische Haff mit seinen Stauwassern bei Winden aus nördlichen Richtungen.

        Viele Grüße aus dem Werder
        Wolfgang
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

        Kommentar

        • Bartels
          Forum-Teilnehmer
          • 25.07.2012
          • 3448

          #5
          AW: Hochwassergefahren

          Na dann hoffen wir mal,
          dass Archiv und Bibliothek eine Treppe hoch untergebracht sind.


          NB: Mein Onkel an der Elbe hat als erstes das Familienarchiv in Sicherheit gebracht,
          dann das Museum,
          während seine Wohnstube regelmässig "abgesoffen" ist ...
          Beste Grüsse
          Rudolf H. Böttcher

          Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
          Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
          Familie Zoll, Bohnsack;
          Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
          Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

          http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

          Kommentar

          • mottlau1
            Forum-Teilnehmer
            • 11.02.2008
            • 1725

            #6
            AW: Hochwassergefahren

            Hallo Wolfgang,
            Du schriebst dies: Aber wie sieht der Deich aus? Wild bewachsen, selten gemäht, erst recht nicht abgegrast, übersäht mit Maulwurfslöchern. An anderen Stellen, u.a. auch zur Mündung zu, Biberbauten. Was mich vorgestern besonders irritierte, war die Zerstörung der Grasnabe am Deichfuss. Dort ist die empfindlichste Stelle des Deiches, dort fängt die Zerstörungsarbeit des Hochwassers zuerst an.

            Also gegen wilde Bewachsung koennte man doch die allbekannten Rasenmaeher : die Schaafe wie in Norddeutschland an den Deichen einsetzen-oder? Habe keine Ahnung was am besten waere aber erinnere mich gut als ich mehrmals Urlaub in Dagebuell usw. verlebte.

            Schönen Sonntag wünsche ich Dir und Familie. Hier bei uns ist es für diese Jahreszeit angenehm warm und viel Sonnenschein.

            Viele Grüße Jutta
            Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
            (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

            Kommentar

            • Uwe
              Forum-Teilnehmer
              • 10.08.2008
              • 1962

              #7
              AW: Hochwassergefahren

              Hallo Wolfgang,

              Dein Fazit in # 3 über die Schuldigen ist doch allgemein üblich, egal ob in Polen, in Deutschland oder in Griechenland. Warum sich auch Gedanken über das eigene Verhalten machen, der grundsätzlich Schuldige steht doch voher schon fest.

              Herzliche Grüße

              Uwe
              Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

              Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

              Kommentar

              • Wolfgang
                Forumbetreiber
                • 10.02.2008
                • 11623

                #8
                AW: Hochwassergefahren

                Schönen guten Nachmittag,
                hallo Jutta,

                ja, Schafe wären ideal. Ich habe hier in Nordpolen bisher aber noch nirgendwo Schafe gesehen. Und dabei wären sie die idealen Deichschützer. Gras kurz halten und damit zu einer stärkeren Verwurzelung beitragen, unerwünschten Pflanzenbewuchs wegfressen, Boden sanft verdichten und düngen... - alles ideal. Ich weiß nicht warum es hier nirgendwo Schafe gibt.

                Aber diese Fragen werde ich noch stellen

                Viele Grüße aus dem Werder
                Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                Kommentar

                • Wolfgang
                  Forumbetreiber
                  • 10.02.2008
                  • 11623

                  #9
                  AW: Hochwassergefahren

                  Schönen guten Nachmittag,
                  hallo Uwe,

                  gut, die deutschen Politiker müssen auch Einiges einstecken -häufig nicht zu Unrecht-, aber hier ist ein Politiker häufig ein Sinnbild alles nur vorstellbaren Schlechten, inklusive Raffgier und Inkompetenz. Auch das mag nicht vollkommen unbegründet sein, aber wie Du schon aufzeigst, lebt es sich relativ bequem damit, da man sich keine Gedanken über eigenes (Fehl-) Verhalten machen muss.

                  Viele Grüße aus dem heute ganztägig herbstnebligen Werder
                  Wolfgang
                  Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                  Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                  Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                  Kommentar

                  • radewe
                    Forum-Teilnehmer
                    • 08.03.2008
                    • 935

                    #10
                    AW: Hochwassergefahren

                    Betr.: Bild #1

                    Leider gibt es häufig diese Bilder an Hochwasserschutzanlagen,
                    daran ändert sich auch nichts wenn für den Deichbau 190 Millionen Zloty verpulvert werden.

                    Ok. ein neuer Deich sieht schick aus, hat vielleicht eine befahrbare Berme zur Unterhaltung der Deichflächen, einen Deichverteidigungsweg, Entwässerungsgräben usw.
                    Wichtig ist: "Erntefahrzeuge haben im Bereich des Hochwasserschutzes nicht zu suchen“.
                    Vielleicht würde sich etwas ändern wenn die Bewohner, aus dem von Hochwasser bedrohten Gebieten, in die Pflicht genommen/beteiligt werden.
                    Ich meine, ab einer bestimmten Gefahrenstufe sollen wehrpflichtige Bewohner an Deichabschnitten als Beobachter eingesetzt werden, wie es z.B. im niedersächsischen Deichgesetz §6 festgeschrieben ist.

                    Die neuen Bewohner des Danziger Werder müssen die Pflichten hinein wachsen, aber auch bereit sein Erfahrungen von den ehemaligen Bewohnern übernehmen.

                    In den "Tiegenhöfer Nachrichten" Ausgabe November / Dezember 1977, Seite 13 (unten) "das Werder“ steht ein wunderbarer Aufsatz über die "ehemalige" Deichordnung.


                    In der Elbniederung hat noch heute folgende Aussage eine hohe Bedeutung:
                    Wer nicht will deichen, muss weichen!

                    Grüße von Hans-Werner aus Hamburg
                    Ich suche Geburtsdaten Michael BERGMANN um *1808, WO??
                    Im November 1835 heiratet er `katholisch´ Anna Elisabeth SCHULZ aus Zoppot.
                    Er, seine Ehefrau & die Nachkommen lebten in Carlikau, Fischerkolonie (Fischerplatz).

                    Kommentar

                    • MeinEichwalde
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 545

                      #11
                      AW: Hochwassergefahren

                      Ja Hans Werner wegen solcher Texte bin ich dem Land dort verbunden, sie sind so kraftvoll, und eindringlich. Für uns geschrieben doch wohl... So schreibt man heute nicht mehr und was haben wir doch für ein Glück dass wir diese Literatur heute im Netz haben. Sie führt zum Thema und motiviert zur Beschäftigung und zur Tat.
                      IN diesem Falle sich mit dem Hochwasserschutz 2012 zu beschäftigen und zur Lage im Werder in dieser Hinsicht.

                      DAnke dass Du Dir die Mühe gemacht hast, dies aus den TN rauszusuchen.
                      Die nächste Nummer von 2012 erscheint ja auch bald.
                      LG Delia

                      Kommentar

                      • MeinEichwalde
                        Forum-Teilnehmer
                        • 06.10.2008
                        • 545

                        #12
                        AW: Hochwassergefahren

                        hier kann man noch sehen wie das Thema Deichen und Deichbau im Werdermuseum heute dargestellt ist. Als Installation von Spezialwerkzeugen und Kleidung, und auch der GEschichte des Deichens
                        Główna ekspozycja znajdująca się na parterze zawiera fragment wiatraka odwadniającego z przełomu XVIII i XIX wieku, pochodzącego z Grochowa III (dawniej

                        Leider ohne deutsche Angaben.
                        Alles Liebe
                        Delia

                        Kommentar

                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11623

                          #13
                          AW: Hochwassergefahren

                          Schönen guten Nachmittag,
                          hallo Delia,

                          wo siehst Du unter dem angegebenen Link irgendwelche Hinweise zur Geschichte des Deichens?

                          Viele Grüße aus dem Werder
                          Wolfgang
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                          Kommentar

                          • MeinEichwalde
                            Forum-Teilnehmer
                            • 06.10.2008
                            • 545

                            #14
                            AW: Hochwassergefahren

                            Hallo
                            ja stimmt, war Einbildung : die Säcke hatte ich für Sandsäcke gehalten und auch die Schippen der Männer links hinten für SChaufeln von Deicherbauern. Das kam von meiner Assoziation mit dem StadtWappen von Tiegenhof, wo auch der Deichbauer mit Schippe und Rohrkolben mit drauf ist. Der hat aber natürlich auch die Kanäle und Entwässerungsgräben geschippt und in Ordnung gehalten.
                            Ich kann die Beschriftungstafeln der Museumsinstallation auch niche entziffern auf der Abbildung. Aber in den weiteren Museen der Region zum Beispiel des Meeresmuseum in Dirschau dürfte doch das Deichbauen dargestellt sein. War jemand von Euch mal in Dirschau im Museum.
                            LG Delia

                            Kommentar

                            • Peter von Groddeck
                              Forum-Teilnehmer
                              • 11.02.2008
                              • 1517

                              #15
                              AW: Hochwassergefahren

                              Liebe Liste,
                              Ein Hochwasserbericht meines Großonkels Wilhelm von Groddeck aus Marienwerder (Kwidzyn) Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts
                              Einmal in den Osterferien stürzte Hans Jacobi früh morgens in mein Zimmer: „Der Schwanländer hat schon sein Vieh auf die Höhe getrieben. Der Damm kann jeden Augenblick brechen! Kommst Du mit nach Kurzebrak (Korzeniewo)?“ Wir also los, ohne jemand davon zu sagen. Bald holte uns der planmäßige Postwagen ein; wir hingen uns mit den Händen an seinen Kasten und sind so im Posttrab bis Kurzebrak, eine Meile (Anmerkung: ca. 7,5 km), gelaufen. An der Weichsel riesiger Betrieb: Hunderte von Wagen hatten schon Reisigfaschinen und Mist zur Verstärkung und Ausbesserungen des Deiches herangebracht. Viele hundert Männer waren an schwerer Arbeit eifrig tätig. Das Wasser reichte schon zum Überschwippen bis zum obersten Rand der Dammkrone. Die Weichsel war durch Überflutung des linken nur durch kleine Sommerdeiche geschütztes Ufer fast ½ Meile (ca. 3,8 km) breit. Sie trieb Eisschollen von Größen bis zu einem Quadratkilometer, die mit ungeheurer Wucht alles umdrückten, was ihnen im Wege stand. An einer Stelle hatten sie den Deich zur Hälfte weggepflügt und einen Friedhof aufgewühlt. Bei diesem Schauen waren wir schon nahe an Mewe (Gniew) heran, als wir merkten, dass die Mittagszeit vorüber sei. Nun pürschten wir uns durch die aufgeweichten Niederungswege allmählich an den Fuß der Höhe. Da fiel uns ein, dass dort im Rothof unsere Konfirmandenschwester Thereschen Dyck wohne. Wir beschlossen, da vorzusprechen, um zu versuchen, unsere bellenden Mägen etwas zu beruhigen. Der Hof lag ganz still; an allen Gebäuden waren die Türen geschlossen. Am Wohnhaus aber lag ein großer Kahn mit Rudern, durch lange Kette am Fenster des hohen Giebels befestigt. Auf Klopfen wurden wir hereingelassen und von Thereschen begrüßt. Den Alten interessierte unser bericht von der Weichsel. Alles Getier war auf die Höhe gebracht. Die Zimmerdecken waren durch festgekeilte Baumstämme gestützt. Die drei Zurückgebliebenen hatten sich auf längeres Kampieren im Dachgeschoss eingerichtet und für alle Fälle den Kahn bereit gestellt. Nun diesmal brach der Damm nicht. Daheim fanden wir die Familien in großer Sorge und Aufregung.
                              Tue recht und scheue niemand.

                              Kommentar

                              L