Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

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  • hans258
    Forum-Teilnehmer
    • 01.08.2020
    • 246

    #1

    Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

    Hallo,

    Nach langer Zeit hört man mal wieder über mich.
    Ich habe eine Frage, nämlich was Sprachen Mennoniten in Westpreußen? Sofern ich weiß sprachen mein mennonitischer Opa und seine Familie kein Plattdeutsch wie die Mennoniten auf dem Amerikanischen Kontinent. Ich habe mal irgendwas über Niederländisch gelesen. Bis wann wurde noch Niederländisch gesprochen?
    Vielleicht kennt sich jemand aus.

    Mfg,

    hans
  • sarpei
    Forum-Teilnehmer
    • 17.12.2013
    • 6095

    #2
    AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

    Hallo Hans,

    die Mennoniten, die im 16. Jahrhundert ihr Land - meist aus Glaubensgründen - verließen, führten an der Weichsel Kultivierung und Melioration der vom Wasser bedrohten Weichselniederung und des Werders durch. Ihre Herkunft war teils niederrheinisch, teils friesisch. Im 16. Jahrhundert waren bei den 'Holländern' im Westen, den Friesen im Norden und den Westfalen zwischen Rhein und Weser deren niederdeutsche Sprachausprägungen im Gebrauch, die sie dann auch mit in das spätere Westpreussen brachten.

    Deren 'Sprachkonglomerat' entwickelte sich dann im Land beiderseits der Weichsel zu einem eigenen niederdeutschen Dialekt.

    Die Nähe der niederdeutschen Sprachausprägungen führte in meiner Familie zu einem für mich als Kind verblüffenden Effekt. Nach einem Jahrhundert im Marienburger Werder siedelte mein direkter Familienstamm für zwei Generationen in Südrussland (heutige Ukraine), kehrte vor dem ersten Weltkrieg in den späteren polnischen Korridor zurück und musste dann wegen Nichtvotierung für Polen aussiedeln. Gelandet sind sie dann an der Grenze zu den Niederlanden. Lange, lange musste ich rätseln, warum mein Vater sich auf dem Markt von Enschede problemlos mit den Einheimischen unterhalten konnte ... .


    Viele Grüße

    Peter

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    • Gertru
      Forum-Teilnehmer
      • 18.03.2018
      • 127

      #3
      AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

      Hallo Peter, hallo Hans,
      na das ist ja wieder interessant... Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. In dem Zusammenhang
      fällt mir ein, dass mein Großvater erzählt hat, dass es sich - als er im 1. Weltkrieg in Flandern war - ohne große Probleme in seinem Danziger Platt mit den dortigen Einheimischen unterhalten konnte. Er kam nicht aus einer mennonitischen Familie. Aber, wie Du schon schreibst, Peter, die Sprachgebräuche der Einwanderer vermischten sich im Verlaufe der Jahrhunderte mit denen im Danziger Raum.
      Viele Grüße
      Angela

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      • sarpei
        Forum-Teilnehmer
        • 17.12.2013
        • 6095

        #4
        AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

        Hallo miteinander!

        Mal ein Beispiel zum Werderplatt aus der Zeit um ca. 1920:

        Aus Max Hildebrandt: GROOTWARDERSCHE RIEMSELS ONN VERTÄLLKES

        [ATTACH=CONFIG]25332[/ATTACH]

        Max Hildebrandt schrieb seine Lebenserinnerungen etwa 1920/1922 als Pensionär in Danzig-Langfuhr. In seinen Gedichten und Erzählungen erfahren wir auch manches über seinen eigenen Lebensweg. Er war zunächst Lehrer-Präparand in Neumünsterberg gewesen. Als solcher schickte ihn die Regierung an mehrere Dorfschulen als Vertretung. Im Sommer 1872 mußte er die zweite Lehrerstelle in Lenze bei Elbing übernehmen.

        Nach Seminar und der Hauptlehrerprüfung übernahm er dann 1878 die mehrklassige Dorfschule in Marienau im Großen Marienburger Werder. Hier lag die Lebensmitte seiner schulmeisterlichen Tätigkeit während einer langen Zeit von 34 Jahren. Sie findet in dem obengenannten Buch ihren Niederschlag, sowohl in Versform als auch in Prosa. Wieviel während
        der Marienauer Berufszeit textfertig oder als Skizze niedergeschrieben wurde, bleibt unklar, doch die endgültige Fassung ist während seiner Ruhestandszeit nach 1920 angefertigt worden.

        Hier zur allgemeinen Erbauung sein Gedicht 'Warderpladdütsch'.

        [ATTACH=CONFIG]25333[/ATTACH]
        [ATTACH=CONFIG]25334[/ATTACH]
        [ATTACH=CONFIG]25335[/ATTACH]
        [ATTACH=CONFIG]25336[/ATTACH]


        Viel Vergnügen!

        Peter
        Angeh

        Kommentar

        • Ulrich 31
          Forum-Teilnehmer
          • 04.11.2011
          • 8582

          #5
          AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

          Lieber Peter,

          Dein sehr schön gezeigtes Beispiel zum Werderplatt um ca. 1920 habe ich gerade mit großem Interesse gelesen und dabei gestaunt, wie viel ich davon als elternseits aus Niederschlesien stammender Werderfremder verstanden habe. Ich danke Dir herzlich für dieses Vergnügen.

          Beste Grüße
          Ulrich

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          • ada.gleisner
            Forum-Teilnehmer
            • 17.02.2008
            • 882

            #6
            AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

            Obgleich ich nie plattdeutsch gesprochen habe und auch meine Eltern nicht habe ich doch sehr viel verstanden. Sprechen könnte ich es nicht aber ich kann mir vorstellen, wie gut es sich anhört.
            Mit freundlichen Grüßen von Ada
            Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

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            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #7
              AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

              Vielen Dank, Peter!

              Es berührt mich immer derlei Dialekt zu lesen. Ich finde, dass die Dialekte emotional filigraner und vielfältiger berühren als das Hochdeutsche. Die hochdeutsche Sprache mag zwar zur länderübergreifenden Verständigung aller Deutschen genügen, zum Ausdruck feinster Nuancen genügt sie aber nicht. Ich vermute, dass mit dem Tod der Dialekte, auch das filigrane Sich-Verstehen verloren geht. LG wk.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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              • sarpei
                Forum-Teilnehmer
                • 17.12.2013
                • 6095

                #8
                AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                Hallo mieinander!

                Ja, Dialekt hat sein eigenes, besonderes Flair. Dazu kommt der Auf und Ab im Tonfall, das mir noch wie ein leichter 'FGesang' im Ohr tönt ... .

                Hildebrandt hat auch sehr nette Geschicht(ch)en aus Danzig und Umgebung erzählt: 'Wat sick de Langfuhrer Dittkerentiers vertälle'. Diese 'Dittkerentiers' waren Hildebrandt und ein fiktiver Bollke, mit dem er über Gott und die Welt und vor allen Dingen reale Personen fabulierte.


                Viele Grüße

                Peter

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                • waldkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.10.2008
                  • 2366

                  #9
                  AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                  Hallo miteinander,

                  nun habe den Tag damit verbracht ein Gedicht aus der deutschen Standartsprache in eine Danziger Mundart zu bringen. Das ist schwere Arbeit. Um so klarer wird mir, wie unterschiedlich eine Mundart im Vergleich zur deutschen Standartsprache tickt. Man kann eine Weile über Wörter und Redewendungen nachdenken. Doch am Ende, so stelle ich fest, muss man die Mundart fühlen können, um sie richtig zu verstehen. Ich meine ihr Wesen, die Mentalität zu spüren, die in der Sprache liegt, ist letztlich das, was sich heimatlich anfühlt oder eben nicht. Ich denke über diese Dinge nach, weil, so finde ich, gerade die Sprache darüber entscheidet, ob ein Mensch sich heimatlich angenommen fühlt oder nicht.
                  Ein schönes Wochenende für alle, wk.
                  Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                  Kommentar

                  • Ulrich 31
                    Forum-Teilnehmer
                    • 04.11.2011
                    • 8582

                    #10
                    AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                    Guten Tag in diese Runde,

                    eine heutige Hörfunksendung über Belize, jenem gepriesenen zentralamerikanischen Staat (Wikipedia: > https://de.wikipedia.org/wiki/Belize ; urlaubsguru.de: > https://www.urlaubsguru.de/reisemaga...naturparadies/ ), erwähnte, dass dort auch Plattdeutsch gesprochen würde. Dieser Hinweis erinnerte mich an diesen Forum-Thread, den Hans in #1 u.a. mit der Angabe " . . . , sprachen mein mennonitischer Opa und seine Familie kein Plattdeutsch wie die Mennoniten auf dem Amerikanischen Kontinent." startete, und darüber hinaus an den von mir (noch als "Kurt Paul") am 26.01.2013 gestarteten Forum-Thread "Plautdietsch, ein westpreußisches Niederdeutsch" (> https://www.danzig.de/showthread.ph...tsch&highlight ).

                    Die geöffneten Linkseiten lassen die Zusammenhänge beider Threads erkennen, und zur Anwendung von Plautdietsch in Belize zitiere ich nachfolgend den betr. Wikipedia-Abschnitt "Sprachen" auszugsweise:

                    "Die Sprachen in Belize sind Englisch (Amtssprache), Englisch-Kreolisch (Patois), Spanisch, Garifuna, Maya-Sprachen und Plautdietsch. Insbesondere bei den niederdeutschsprachigen Mennoniten ist zudem Standarddeutsch als Gottesdienst- und religiöse Unterweisungssprache in Gebrauch. Daneben wird in manchen (mennonitischen) Kolonien auch das Pennsylvania-Deutsch verwendet.
                    Laut Volkszählung von 2010 verteilen sich die Sprachkenntnisse wie folgt (es konnten mehrere Sprachen pro Sprecher angegeben werden):
                    Sprachen in Belize (2010)[15] / Sprache Sprecher / Anzahl Prozent
                    Anzahl Personen 292.263
                    . . .
                    Deutsch 9.364 / 3,2
                    . . . ".

                    Mit besten Grüßen zum 'Vatertag'
                    Ulrich


                    Kommentar

                    • hans258
                      Forum-Teilnehmer
                      • 01.08.2020
                      • 246

                      #11
                      AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                      Hallo an alle,

                      Ich habe mich auf alle Antworten gefreut. Das ist ja interessant, die Mennoniten sind ja wirklich in ganz Lateinamerika, das mit Belize wusste ich nicht. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen meine Großtante anzuschreiben, ihr hatte ich das nie gefragt, vielleicht weiß sie spezifisch ob das bei meiner Familie der Fall war oder nicht. Auf jeden Fall hat das mehr Klarheit geschaffen.
                      Ich habe mich in letzter Zeit von der Intensiven Forschung distanziert, aber von ein Paar Wochen erwähnte jemand in meiner Familie das mein Opa Akkordeon spielte und das hat dann mein Interesse geweckt und wollte weitere Aspekte erforschen, durch Fragen in meiner Familie aber auch durch allgemeine Punkte wie die Sprache.

                      Mfg,

                      hans

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                      • Pitka
                        Forum-Teilnehmer
                        • 03.01.2011
                        • 248

                        #12
                        AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                        Zitat von hans258
                        Ich habe mich in letzter Zeit von der Intensiven Forschung distanziert, . . .
                        Mfg,

                        hans

                        Hallo Hans,

                        seit Dezember 2020 bist Du ja auch fast jeden 1.-2. Tag noch zumindest in einem anderen Ahnenforum sehr rührig unterwegs und hast dort ja auch schon zu diesen Sprachthemen interessante und weiterführende Antworten bekommen.

                        Ich hoffe, dass Dir das alles weiter hilft bei Deinen Forschungen. Viel Glück!

                        Pitka
                        Suche meine Ahnen PHILIPP aus Wolfsdorf/Kr. Elbing und Hakendorf

                        Kommentar

                        • Mandey +08.03.22
                          Forum-Teilnehmer
                          • 08.02.2009
                          • 540

                          #13
                          AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                          Zitat von hans258
                          Hallo,

                          Nach langer Zeit hört man mal wieder über mich.
                          Ich habe eine Frage, nämlich was Sprachen Mennoniten in Westpreußen? Sofern ich weiß sprachen mein mennonitischer Opa und seine Familie kein Plattdeutsch wie die Mennoniten auf dem Amerikanischen Kontinent. Ich habe mal irgendwas über Niederländisch gelesen. Bis wann wurde noch Niederländisch gesprochen?
                          Vielleicht kennt sich jemand aus.

                          Mfg,

                          hans
                          Hallo Hans.
                          Ich kenne die Einwohnerzahlen der Mennoniten im Werderland nicht ,ich kann wohl sagen das die dort wohnende Mennoniten , geborene ab 1909 die gleiche Sprache gesprochen haben, wie auch die alt Eingesessene sowohl Platt wie auch Hochdeutsch, in der Plattensprache ist etwas Holländisch, aber auch Englisch zu finden, ich habe hier ja auch etwas in Platt geschrieben, weil ich diese Sprache noch beherrsche , aber in diesem Forum ist das Interesse gleich null, allerdings im www. Momente im Werder, lesen offenbar auch Niederländer, ich wurde mehrfach von dort aus Angerufen, und gefragt warum ich , in einer Sprache schreibe, welche in den Niederlanden verstanden wird. PS: lass Dir Mann nicht Einbläuen, das es dort sehr viele Mennoniten gab, wie es Versucht wird von gewissen Leuten, die das Deutschtum dort am liebsten auf null her runter reden wuerden
                          Bleib Gesund Freundliche Grueße Heinz Mandey aus Nicklelswalde.

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                          • sarpei
                            Forum-Teilnehmer
                            • 17.12.2013
                            • 6095

                            #14
                            AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                            Hallo Heinz,

                            in gewisser Weise wundert es mich auch, welche Aufmerksam speziell die Mennoniten erhalten. Rein vom statistischen Standpunkt her ist das nicht nachvollziehbar, wie folgende Statistik aus dem 'Danziger statistisches Taschenbuch' von 1936 zeigt:

                            [ATTACH=CONFIG]25340[/ATTACH]

                            Demnach lag der prozentuale Anteil der Bevölkerung mennonitischen Glaubens in der Freien Stadt Danzig durchgängig unter 1,5% - weit weniger als z.B. der Anteil derjenigen mosaischen Glaubens.

                            Mir ist sehr wohl bekannt, dass man mit Statistiken Alles und Nichts beweisen kann - aber insbesondere die heute in Polen zelebrierte Erinnerungskultur an diese Glaubensgemeinschaft als 'niederländisch' entspricht weder historischen Tatsachen noch ist sie m.E. in der Verknüpfung von Religion und Nationalität zulässig und in Hinblick auf ihren Bevölkerungsanteil irgendwie unwirklich.

                            Mir ist bei einer Verknüpfung von Religion und Nationalität grundsätzlich unwohl.


                            Viele Grüße

                            Peter
                            Angeh

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                            • Mandey +08.03.22
                              Forum-Teilnehmer
                              • 08.02.2009
                              • 540

                              #15
                              AW: Welche Sprache sprachen die Westpreußischen Mennoniten?

                              Hallo Peter,
                              eigentlich wundere ich mich über gar nichts ,mit einem Grinsen, frage ich mich, wo her die Polen , Die vielen Ausgrabungen der Mennoniten herholen, eine Bemerkung von mir, ab 1945 bis Mitte der 50ziger Jahren, gab es im Werder keinen Unterschied zwischen dort noch Verbliebenen Deutschen und Mennoniten ,das lief nach dem Motto mit gefangen mit gehangen ,ich Erinnere mich, noch sehr genau, ein Mennonit, stellte um ca 1953 einen Antrag auf Rückgabe seines Eigentums ,er wollte seinen Betrieb wieder eröffnen, kurze Zeit später erhielt er die Genehmigung zur Ausreise in die BRD, Endstation war der Knast in Gdansk, jedoch schon nach einigen Tagen erfolgte die Entlassung , und eine Einweisung zur neuen Arbeitsstelle , es war, ein Stattlicher Landwirtschaftlicher Betrieb (PGR) Polnische Abkürzung, die Ausreise in die BRD erfolgte dann Ende der 1959,
                              Freundlichen Gruß Heinz Mandey aus Nickelswalde

                              Kommentar

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