Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

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  • Helga Zeidler
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 535

    #16
    AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

    Am Mittwoch, unserem 3. Tag, hatten wir über das Hotel einen Leihwagen für uns Alle und den Rollstuhl bestellt. An der Rezeption wurde übrigens auch Deutsch gesprochen .Unser Sohn verhandelte aber wohl auf Englisch. Wir wollten etwas weiter durch die Gegend fahren. Marienburg wäre interessant gewesen, wurde aber wegen der Entfernung und der sicher nicht günstigen Situation für Rollstühle ausgeschlossen. Unser Sohn wollte gern nach Hela, auch weil er sich an meine Erzählungen von einem Kuraufenthalt (Mutter und Kind) 1943 in Heisternest erinnerte. (Ich benutze hier immer die damaligen deutschen Namen, einfach, weil ich sie so in Erinnerung habe und ihr Klang mir vertraut ist)
    Zuerst fuhren wir aber nach Oliva, besuchten die Kathedrale und nahmen an dem kurzen faszinierendem Orgelkonzert teil. Dann konnte Mareike durch den Schlosspark toben und sich im Gewächshaus umsehen. Bei diesem sommerlichen Wetter war es wunderbar, durch den schönen Park zu schlendern. Dann ging es weiter nach Hela, vorbei an Putzig, wo mein Mann, unsere Tochter und ich vor einigen Jahren schon einmal einen kleinen Urlaub bei unserem Forumsmitglied verbracht hatten. Auf Hela war Hochbetrieb. Wir hatten den Eindruck von hauptsächlich polnischen Touristen. Trotzdem gelang es uns in einem schlichten Restaurant einen schönen Platz direkt am Wasser (zur Buchtseite) zu finden. Wir konnten parken und auch der Rollstuhl ließ sich zum Wasser schieben. Wir aßen natürlich Fisch, Pommes für Mareike gab es auch. Nach dieser Ruhepause ging es zurück zur Straße. Als wir durch das Waldgebiet kamen, trennten sich Mama und Kind von uns , um nochmals in der Ostsee zu baden. Sie erzählten anschließend ganz begeistert von ihrer Badestelle an der Seeseite mit wunderbarem weißen Sand und klarem Wasser auf festem Grund. Sie waren fast allein, badeten und sammelten Muscheln.
    Wahrscheinlich hätten Sohn und Schwiegertochter auch gern gebadet, aber es wäre nicht möglich gewesen, mit dem Rollstuhl über einen langen Sandweg zu dieser Stelle zu kommen. Sie wollten meinen Mann und mich auch nicht irgendwo absetzen und so fuhren wir weiter in Richtung Spitze der Halbinsel. Dort war ich vor Jahren einmal mit meinem Mann in einem kleinen Museum gewesen, der ehemaligen Kirche.
    Jetzt kam man aber mit dem Auto gar nicht mehr so weit und mit dem Rollstuhl wäre es auch sehr mühsam gewesen. Außerdem waren wir auch nicht so interessiert, durch den Trubel zu fahren. Aussicht auf einen Platz für einen Kaffee gab es auch nicht.
    Wir blieben also in Sichtweise auf die Spitze der Halbinsel stehen, wo zur Buchtseite eine verglaste Rampe gebaut worden war. Die konnten wir mit dem Rollstuhl befahren und auf die Ostsee blicken.
    Auf dem Rückweg sammelten wir dann die begeisterten Badenden ein, kamen in einen Stau, der erst bei der Auffahrt auf die Straße nach Danzig endete, und landeten dadurch spät im Hotel. Mareike war eingeschlafen, wurde ins Bett getragen und das Abendessen für Mutter und Kind fiel aus. Sohn und Schwiegertochter machten noch einen Gang durch das nächtliche Danzig, jetzt etwas ruhiger, denn die Dominikstände schließen um 18 Uhr. Dann trafen sie uns im Hotelrestaurant, wo wir (draußen) die leckere Fischsuppe gegessen hatten zu einem kleinen Trunk. Ich glaube, Alle haben danach gut in den letzten Danzig-Tag hineingeschlafen.
    Schöne Grüße
    Helga

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    • Beate
      Administratorin
      • 11.02.2008
      • 4836

      #17
      AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

      HAllo Helga,

      danke schön für Deine wunderbar anschauliche Schilderung! War gerade mit Euch auf Hela...
      Wir sind damals auch bis zur Spitze gefahren, zur Kirche- aber im September war ansonsten schon alles geschlossen, Saison vorbei.

      Es liest sich wie ein sehr gelungener Urlaub mit der ganzen Familie!

      Fröhliche Grüße Beate
      PS: Ihr seid doch noch ein paar Tage länger geblieben, oder???
      ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

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      • Helga Zeidler
        Forum-Teilnehmer
        • 11.02.2008
        • 535

        #18
        AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

        Leider nicht, Beate, der Urlaub unserer Kinder, auf die wir ja angewiesen waren, ging leider zu Ende. Und so werde ich demnächst vom letzten Tag berichten.
        Schöne Grüße
        Helga

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        • Beate
          Administratorin
          • 11.02.2008
          • 4836

          #19
          AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

          Entschuldige, Helga, sehe gerade, Du hattest ja geschrieben: " ..in den letzten Tag hinein."
          Wer lesen kann...

          Fröhliche Grüße Beate
          ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

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          • Helga Zeidler
            Forum-Teilnehmer
            • 11.02.2008
            • 535

            #20
            AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

            Liebe Interessierte, nach einer kleinen krankheitsbedingten Zwangspause möchte ich jetzt von unserem letzten Danzig-Tag berichten.
            Was kann man noch Schönes für und mit dem gehbehinderten Mann, Vater, Opa in Danzig machen? Wir entschlossen uns zu einer City-Tour mit einem der kleinen Elektro-Autos samt deutschsprechendem Guide, die es wohl seit 3-4 Jahren gibt. Der Wagen kam zum Hotel, hatte Platz für uns Sechs + Rollator und wurde von einem sehr netten Jura-Studenten gefahren. So kamen wir nochmals -diesmal mit Erklärungen- an den interessanten Gebäuden Danzigs vorbei (durch die Langgasse ging es wegen des Dominiks nicht), dafür aber an den wichtigsten Kirchen vorbei bis zur Polnischen Post und zum Solidarnosc-Denkmal. Von der damaligen Schichau-Werft hatte der sonst gut informierte junge Mann allerdings noch nie etwas gehört. Vor der Polnischen Post fielen uns die interessanten Schaukästen auf, die Szenen aus dem kulturellen, kirchlichen und politischen Leben der Polen vor dem 2. Weltkrieg zeigten. ( Der Text leider nur polnisch/ englisch). In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass wir auch an dem noch im Bau befindlichen Museums des 2. Weltkrieges vorbei kamen. Die Architektur gefiel uns. Nach fast zwei Stunden landeten wir wieder am Hotel. Diese Tour war eine gute Idee gewesen, fanden Alle.
            Nun wollten wir endlich mal Piroggen essen. Unser Sohn hatte im Internet ein wohl erst kürzlich eröffnetes Piroggen-Lokal entdeckt, das auf der anderen Seite der Mottlau lag. Also wieder mit dem Rollstuhl durch das Gewühl der Langen Brücke auf die andere Seite (es gab eine Rampe) zu dem kleinen Lokal. Da es keine Möglichkeit gab, draußen zu sitzen, war es drinnen für uns etwas zu eng. Doch die Piroggen schmeckten uns. Wir bestellten verschiedene Sorten und tauschten sie aus. Leider ist es uns diesmal nicht gelungen, an die leckere zurek im Brotteig zu kommen, nur ohne Teig.
            Nach dem Essen wurden unterschiedliche Spaziergänge gemacht, doch dann traf man sich wieder beim unwiderstehlichen Apfelkuchen auf der Langgasse. Wir staunten nicht schlecht, als unsere Kleine erzählte, dass sie mit ihrer Mutter auf dem Turm der Marienkirche gewesen war: 408 Stufen hoch und wieder runter! Oben war es proppenvoll.
            Nun kam noch ein Highlight: Mareike bestand darauf, mit Oma und Opa Riesenrad zu fahren. Auch das war mit Rollstuhl möglich, der allerdings unten nahe am Ein- und Ausstieg stehen blieb. Die 5 Runden waren wunderbar mit einem herrlichen Blick über die Stadt. Wir waren ganz begeistert. Vielleicht gelingt es mir, ein Foto einzustellen.
            Oje, ich muss unterbrechen, das Gewitter beginnt -Schirme retten!
            Schöne Grüße
            Helga

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            • Helga Zeidler
              Forum-Teilnehmer
              • 11.02.2008
              • 535

              #21
              AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

              Zu unserem Abschieds-Abendessen gingen wir ins Kubicki. Ich hatte geglaubt, das gäbe es nicht mehr, ist jetzt wohl nur unter anderer Leitung. Innen war es umgebaut und sehr voll und sehr laut, es wurde gesungen und gefeiert. Wir setzten uns, wie meist, draußen hin und wurden hervorragend bedient. Für Mareike fand sich auf der Speisekarte nur Karottensuppe. Die aß sie auch, war aber begeistert, als der Ober unaufgefordert mit einer Portion Pommes für sie erschien, die er aus einem Nachbarhaus gezaubert hatte. Leider wurde es an diesem Abend ziemlich kalt, so dass wir trotz Decken nicht lange blieben. Für einen fruchtigen Likör vom Haus musste aber noch Zeit sein. Der Ober war enttäuscht, dass die frierende Mareike schon ins Hotel gebracht worden war. Was hätte er wohl für sie gehabt?
              Mit diesem Abend waren vier wundervolle Tage in und um Danzig zu Ende. Jetzt ging es nur noch darum, am nächsten Morgen nach Dortmund zurück zu fliegen. Und das klappte mit Hilfe an den Flughäfen auch wieder gut.
              Fazit dieser Reise: es ist gut möglich, eine Reise mit Rollstuhl, Rollator und Gehhilfe zu machen. Ich brauchte in unserem Falle allerdings die Hilfe der Familie, da ich selbst bei weiten Strecken eine Gehhilfe benötige. So eine Reise ist natürlich nicht billig, da man ein entsprechendes Hotel und verschiedene Bewegungs-Hilfsmittel braucht. Bei uns waren es: Taxen, Flugzeug, Zug, Leihwagen, City-Auto, Schiff und Riesenrad. Der Rollstuhl hat etwas gelitten, sei es beim Fahren über das Kopfsteinpflaster (Polnische Massage nannte das der Guide) oder beim Transport im Flugzeug. Er wird repariert und steht dann unserer Hauptperson, die von der Reise sehr angetan ist, wieder zur Verfügung. Vielleicht für eine weitere Reise?
              Schöne Grüße
              Helga

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              • love danzig
                Forum-Teilnehmer
                • 09.11.2015
                • 1494

                #22
                AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

                Hallo Helga,
                deine Zeilen zu lesen,macht mir sehr Viel Freude,im Restaurant Kubicki ging mein Großvater schon 1930 tanzen,damals hieß es wohl noch Seenixe und war das Tanzlokal der Polen in Danzig.Ich wünsche dir einen schöner Abend.
                Grüsse Roman

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                • Beate
                  Administratorin
                  • 11.02.2008
                  • 4836

                  #23
                  AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

                  Liebe Helga,

                  recht herzlichen Dank, dass wir dabei sein durften durch Deinen so ausführlichen, schönen Bericht. Sagt mehr als jede Reklame- verlockt unglaublich!

                  Fröhliche Grüße Beate
                  ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

                  Kommentar

                  • Claudia U.
                    Forum-Teilnehmer
                    • 01.05.2015
                    • 36

                    #24
                    AW: Nach Danzig mit Rollstuhl und Rollator

                    Liebe Helga,

                    vielen Dank für Deinen sehr anschaulichen Reisebericht. Es hat mir viel Freude bereitet dadurch mit Euch auf diese Reise zu gehen.

                    Schöne Grüße Claudia

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