In Heubude war die Hölle los

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  • karsch
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    #1

    In Heubude war die Hölle los

    Lese gerade ein spannendes und auch bedrückendes Buch, in dem Heubude oft erwähnt wird. Die Wehrmacht und Bevölkerung Danzigs(ein geringerer Teil, wie ich verstanden habe), sowie die Trecks der West-und Ostpreußen, welche sich in der Stadt befanden, sowie die Flüchtenden vom Norden her(der Küstenstreifen, b.z.w. der restliche Kessel, der russischen Umklammerung)mit Leuten, die nach Danzig auf ein Schiff wollten und nicht auf die Schiffe in Gotenhafen wollten, b. z. w. , die von Zoppot(das eingenommen wurde) auf dem Weg nach Danzig waren, sind am 26. März 45 über die Heubuder Brücke aus der Stadt raus, und haben am Wald, Richtung Bohnsack, halt gemacht, b.z.w. die Soldaten, haben dies, und sich eingerichtet, an der Straße, Richtung Krakau, im Wald. Die Flüchtenden sind von Krakau mit kleinen Schiffen vom Anleger nach Hela gelangt. Eigentlich sollte es, grob gesehen, Richtung Frische Nehrung gehen.
    Es dauerte noch 4 Tage bis die letzten Kämpfe in Danzig stattfanden, und der Weitermarsch, der Flüchtenden, ging, wegen der Massen, nur schleppend voran.
    Jedenfalls hielten sich dort viele Leute auf, im Wald, und es wurde gekämpft. Zum Glück hat der Russe dann noch 2 Tage die Einnahme gefeiert, und es bestand, wie ich es verstanden habe, genug Zeit, von dort wegzukommen. Zudem hat der Russe dann das Meiste, in der Gegend, an Truppen, Richtung Berlin abgezogen, so das insgesamt noch 5 Wochen Zeit waren, um aus der Bucht rauszukommen, wenn man es bis dahin(Bohnsck, auf das Schiff) geschafft hatte.
    Jedenfalls fand ich es komisch, dort vorher langgegangen zu sein, und das Heubude so wichtig war, um vom Westen nach Osten zu gelangen, b.z.w. gab es nur die eine Brücke, und das gesamte Westpreußen und die Armee, bis auf Gotenhafen, ist über diese Straße, in Heubude gelangt.
    Die Familie meiner Mutter, die in der Tannenbergstraße wohnte, ist ja viel früher, vorher, zufällig, noch mit einem Zug aus Danzig rausgekommen, Zum Glück habe ich von diesen eben geschilderten Ereignissen nichts mitbekommen. Ich will hier auch nichts aufwühlen, nur anschneiden. Ich bin auch viel zu müde, und schreibe nicht so, wie ich es sonst tuen würde, aber wer weiß wann ich dazu komme.
    Habe schon über die Löcher im Wald gewundert, zum Teil auch Gräben und gedacht, daß wohl gekämpft wurde. Ist ja auch nicht so wichtig, fiel nur auf, oder kommen die anderen, kreisrunden Löcher vom Förster, das könnten ja auch Einschläge sein?
    Weiß aber jemand, ob in der Tannenbergstrße gekämpft wurde, weil kaum etwas zerstört wurde, wie es scheint? Ich habe davon gehört. Ích nehme an, die Auseinandersetzung war auch kurz, b.z.w. insgesamt so lange, bis die letzten Flüchtlinge uber die Fähre waren, b. z. w. es ging(?).
    Kennt jemand die Nachbarschft der Numer 87 oder 89, oder die Familie Karsch?
    Tut mir, wie gesagt, leid, hier jetzt vielleicht so, einzusteigen.
    Viele Grüße,
    Olaf
  • karsch

    #2
    AW: In Heubude war die Hölle los

    Die Karschs wohnten Nr.47.
    Mein Opa war bei der Polizei.
    Kennt jemand die Bäckerei in der Tannenbergstraße?
    Viele Grüße,
    Olaf

    Kommentar

    • Rudolf
      Forum-Teilnehmer
      • 22.06.2008
      • 335

      #3
      AW: In Heubude war die Hölle los

      Hallo Olaf ,
      Du hast völlig recht , in Heubude war im März und Anfang April 1945 wirklich die Hölle los . Ich habe als damals 11-jähriger die ganze Zeit dort verbracht und Dinge gesehen und erlebt , die ich nie vergessen werde .
      Vor einiger Zeit habe ich meine Erinnerungen an die in Heubude verlebte Jugendzeit zu Papier gebracht und ich werde in Kürze einen Auszug hieraus im Forum veröffentlichen .
      Nicht nur der Wald nördlich von Heubude sondern auch der Ort selbst war von zahllosen Flüchtlingen und auch Militär überfüllt , sodaß viele Menschen - Zivilisten wie Soldaten- den fast unaufhörlichen Tieffliegerangriffen wie auch den häufigen Bombenangriffen zum Opfer fielen.
      Der stärkste Bombenangriff erfolgte vom 27. März nachmittags bis zum 28. März in die frühen Morgenstunden ohne Unterbrechung und der größte Teil Heubudes wurde dabei zerstört .
      Nach den Daten , die ich aus mehreren Veröffentlichungen/Archivdaten entnehmen konnte , zogen sich die Kämpfe von der Linie Breitenbachbrücke/Weichselmünde auf dem schmalen Streifen zwischen Weichsel und Ostsee über Heubude und Krakau bis Westlich-Neufähr vom 30.03. bis zum 03.04.1945 hin . In der Dampfbootstraße 3 , wo neben mehreren Zivilisten auch meine Eltern und ich im Keller des Hauses diese Zeit verbrachten , erschienen die Russen am Morgen des 01.04.1945 und wir mußten die Kampfzone Richtung Danzig verlassen .
      Wie auch Erwin an anderer Stelle so treffend gesagt hat , haben mich diese Erlebnisse so geprägt , daß ich immer wieder nur sagen kann : NIE WIEDER KRIEG .
      Beste Grüße vom Heubuder Rudi

      Kommentar

      • karsch

        #4
        AW: In Heubude war die Hölle los

        Hallo Rudi,
        das glaube ich dir, allein vom Lesen wird einem unwohl.
        Ich bin gespannt auf deinen Bericht. Stellst du den hier rein?
        Das mit den Bomben und den Fliegern, die wohl gleichzeitig geschossen haben(?, habe ich nicht verstanden), wird eindrucksvoll dargelegt.
        Daraufhin brüllten die Soldaten: "Raus, es wird gekämpft".
        Die Einzelheiten an der Brücke werden nicht dargelegt, nur das sie an dem 26. und 27. März ständig beschossen wurde, und beinahe immer wieder zerstört wurde, was von den Pionieren aber stets vereitelt wurde. Das hätte sonst auch schwierig für den Strom werden können. Dabei sind viele Menschen gestorben. Selbst am Strand wurde gebombt.
        Es sollen Tausende im Wald gewesen sein, um sich zu schützen.
        Es gab aber kein Vorwärtskommen, Richtung Krakau, und ab da wurden Treffer in Kauf genommen, Hauptsache, man kam zur Fähre, und noch weg. Die von dir nach dem 30.4. geschilderten Kämpfe habe ich noch nicht gelesen, und hoffe, noch Einiges zu erfahren. Ich habe nur mitbekommen, wie du ja auch schreibst, daß beide Orte auf der Insel, zwischen Toter Weichsel und Meer, eingenommen wurden. Östlich davon wurde das Gebiet nördlich der Weichsel wohl noch etwas gehalten.
        Das Heubude so stark zerstört wurde, an diesen beiden, genannten Tagen, wußte ich nicht. Als wir da durchliefen, sah Vieles heil aus. Wir sind aber nur bis zur Tannenbergstraße 47, gleich, wenn man von unten die Querstraße hochläuft, gekommen. Das Elternhaus meiner Mutter stand noch.
        Es wird nur erzählt, daß die Heubuder Bevölkerung, auch auf die Straße zum Wald, und dann zum Schutz in den Wald gekommen ist. Das das mit den Bomben zusammenhing, wurde nicht plausibel geschildert. Vielleicht habe ich es nicht richtig gelesen. Gleich am Waldanfang sind viele Löcher. Weißt du etwas davon? Sind es Bombentrichter?
        Das aber in Heubude selbst alles voll war von Militär und Flüchtlingen, hätte ich nicht gedacht, Haben die eine Abkürzung gesucht? Der Russe war wohl auf den Fersen. ich dachte, zu diesem Zeitpunkt hätte die Wehrmacht alle Zivilisten weggeschickt, aber der Strom schien weiterzugehen.
        Eine Abkürzung gab es wohl nicht, wenn man sich nicht auskannte, denke ich.
        Zumindest wurde das beschrieben.
        Ich hätte nicht vermutet, daß es so langsam voranging. Aber der Wald war ja, wie gesagt, voll von Leuten.
        Das muß ja Wahnsinn mit den angreifenden Russen gewesen sein. Na ja, lassen wir das.
        Ich finde, du hast ganz schön Glück gehabt, daß sie dich Richtung Berlin und Stettin geschickt haben, und nicht zurückgeholt, und es war bestimmt schwierig, das als Junge durchzustehen, wenn man noch verletzt ist, bei der Kälte.
        Ich kann dir nur zustimmen: Nie wieder Krieg, es ist so unmenschlich!
        Viele Grüße,
        Olaf

        Kommentar

        • Rudolf
          Forum-Teilnehmer
          • 22.06.2008
          • 335

          #5
          AW: In Heubude war die Hölle los

          Hallo Olaf ,
          wie von mir schon im vorigen Bericht gesagt , werde ich meine Erinnerungen zu den damaligen Ereignissen auszugsweise in der nächsten Zeit in das Forum stellen .
          Wie ich schrieb , zogen sich die Kämpfe auf dem schmalen Streifen zwischen Weichsel und Ostsee - ca. 8 km Luftlinie von der Breitenbachbrücke/Weichselmünde bis Westlich-Neufähr -vom 30.03. bis zum 03.04.1945 hin .
          Der Grund des zähen Widerstandes der deutschen Truppen war ganz offensichtlich der , den vielen Flüchtlingen die Möglichkeit eines Abtransports zuerst ab Neufähr , dann ab Schiewenhorst in Richtung Hela und von dort an die von den gegnerischen Truppen noch unbesetzten deutschen Ostseehäfen zu ermöglichen .
          Nach dem 03.04. zogen sich die Kämpfe östlich bis etwa Vogelsang an der Frischen Nehrung hin bis zur Kapitulation am 08.05.1945 .
          Im Internet ist ein Bericht des Sowinformbüros ( der sowjetischen Nachrichtenagentur ) zu lesen mit dem Titel "Zur Lage an den Fronten am 03.04.1945" . Darin wird berichtet , daß der östlich von Danzig eingekesselte Gegner starken Feuerwiderstand leistet und oftmals Gegenangriffe unternimmt . Es ist die Rede , daß nach einem Nachtangriff die Hitleristen aus der stark befestigten Siedlung Heubude gedrängt wurden und daß die Deutschen zur Wiederherstellung der Ausgangslage hintereinander neun Gegenangriffe unternommen habe . Weiter wird berichtet , daß auch der Stützpunkt Krakau eingenommen wurde . Alle Konterattacken wurden abgewehrt und dem Gegner wurden schwere Schläge versetzt . Erwähnt werden zu diesem Kampfgebiet 1500 Leichen deutscher Soldaten und Offiziere und erbeutet wurden 20 Panzer und Selbstfahrlafetten , 12 Schützenpanzerwagen , 90 Feldgeschütze sowie Munitions- und Proviantlager .
          Auch wenn es sich hier um eine sowjetische Darstellung handelt , muß ich aus eigener erlebter Erfahrung sagen , daß es wirklich ein Inferno war .
          Übrigens habe ich nach der Kapitulation im Mai in Danzig den Durchmarsch der auf dem geschilderten Gebiet in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten gesehen und zwar auf Langgarten . Sie kamen vom Langgarter Tor her und zogen durch die Trümmerlandschaft Danzigs .
          Beste Grüße - Rudi

          Kommentar

          • Christkind
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 1568

            #6
            AW: In Heubude war die Hölle los

            Zitat:
            Übrigens habe ich nach der Kapitulation im Mai in Danzig den Durchmarsch der auf dem geschilderten Gebiet in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten gesehen und zwar auf Langgarten . Sie kamen vom Langgarter Tor her und zogen durch die Trümmerlandschaft Danzigs .
            Beste Grüße - Rudi
            _____
            Diesen Durchmarsch durch Danzig beschreibt Joachim Scholz in seinem Buch "Als nur die Hoffnung blieb... in russischer Gefangenschaft". Er war Offizier der 5. Batterie der II/AR 39 .
            Am 10. Mai wurden die Soldaten von St. Albrecht kommend durch Danzig geführt. Er berichtet, dass er in der Marschkolonne, die öfter zum Stehen kam, von Einwohnern, die am Straßenrand standen, erkannt wurde, und wie er dadurch seinen Eltern eine Nachricht zukommen lassen konnte, dass er lebend in die Gefangenschaft ging.
            _______

            Christa
            Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
            (M. Gandhi)

            Kommentar

            • magdzia
              Forum-Teilnehmer
              • 06.12.2009
              • 464

              #7
              AW: In Heubude war die Hölle los

              Zitat von Rudolf
              Der Grund des zähen Widerstandes der deutschen Truppen war ganz offensichtlich der , den vielen Flüchtlingen die Möglichkeit eines Abtransports zuerst ab Neufähr , dann ab Schiewenhorst in Richtung Hela und von dort an die von den gegnerischen Truppen noch unbesetzten deutschen Ostseehäfen zu ermöglichen .
              Das glaube ich kaum, dass es der Grund war.....leider.

              1. Die deutschen Städte, ob Danzig, Breslau, Köslin etc., wurden alle zu Festungen erklärt, die unter allen Umständen zu halten sind, egal wie, egal unter welchen Umständen und egal wie hoch die Verluste sein werden. Dafür wurden sogar Kinder eingesetzt.

              2. Forster war noch eine Woche vor dem Kampf um Danzig beim Hiteler in Berlin und hat ihm mitgeteilt, dass Danzig aufgrund der russischen Übermacht nicht zu halten sei. Doch Hitler hat ihn beruhigt und überzeugt, dass er Danzig nie aufgeben und retten wird.

              3. Es ging um den "Endsieg" (welch ein Schwachsinn )
              Die Flüchtlinge waren in dieser Phase des Krieges dem Militär egal. Das Militär sperrte für die Flüchtlinge die Fährverbindung über die Weichsel und auch die Weichselbrücke. Der Transport von Soldaten und Waffen war wichtiger.
              Auch deshalb mussten die Flüchtlinge den Weg über den Frischen Haff nehmen (es war nicht immer der Frontverlauf, der die Menschen aufs Eis trieb).

              Hätte man die Flucht der Bevölkerung Ostpreußens zugelassen, so wären viele Dörfer schon im Sommer 1944 auf dem Weg gen Westen gewesen. Aber so begann die Flucht der meisten erst nachdem die Nazi-Dorfgrößen geflüchtet sind und die nahrückende Front die Bewohner weckte.

              Viele Grüße
              Magdalena

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              • karsch

                #8
                AW: In Heubude war die Hölle los

                Magdzia,

                Aus dem Pomorskie Forum Eksploracyjne.
                Hans Voellners Arbeit.
                Er hat die Kriegstagebücher, der um Danzig kämpfenden Divisionen, soewie Tagebücher von Soldaten,m also Augenzeugen verwendet, um einen genauen Ablauf der militärischen Ereignisse im Danziger Raum darzustellen, den es bis daher nicht gegeben hat:

                "Den Raum südlich Bohnsack verteidigte die 35. ID. Sie hatte den Hauptdruck der Russen auszuhalten. Am 11. April drangen sie in das seit Tagen heiĂŸumkämpfte GoKswa/deein, doch der Südteil des Ortes wurde bis zum Ende gehalten. Die Gegner lagen sich hier Ende April auf Handgranatenwurfweite gegenüber. Gottswalde wurde so hartnäckig verteidigt, damit die Russen nicht zu nahe an die Verladeplätze in Schiewen-horst und Nickelswalde herankamen, wo in den ersten Maitagen noch täglich an die 30 000 Menschen eingeschifft wurden, darunter am 6. Mai die letzten Flüchtlinge."

                Die Aussage ist also nicht ganz richtig, man muß hier schon genauer gucken.
                Dem Militär waren die Flüchtlinge in keinster Weise egal, im Gegenteil. Soll ich hier noch mehr einstellen? Ich habe mittlerweise viel darüber gelesen, und wenn man sich in die Zeit und die Menschen hineinversetzt, die immer noch Menschen waren, auch die blöden Nazis, soweit kommt es noch, für die Partei zu ergreifen, bei all dem Unglück, bei solchen Aussagen, kommt man auch zum richtigen Ergebnis, dem reellen Leben und seinen stattgefundenen Ereignissen. Mich haben diese Berichte betroffen gemacht und menschlich tief berührt.
                Das das Militär die Flüchtlinge abgesperrt hat von Schiffen, habe ich ja noch nie gehört, und muß eine Ausnahme gewesen sein, um schnell an anderen Orten zu sein, die vorgehen, weil dann vielleicht noch mehr Menschen gefährdet waren.
                In welchem Zusammenhang fand die Weichselbrückensperrung statt, welche Brücke meinst du, zu welchem Zeitpunkt? Das Haff war nämlich schon viel früher nicht mehr begehbar, und es wurde alles unternommen, die Leute hinüberzubringen.
                Solche Aussagen machen mich wütend. Man sollte sich schon genauer informieren und keine oberflächlichen Aussagen machen,. Die Realität sah oft anders aus, und man tut den Soldaten, die sich mit ihrem Leben eingesetzt haben unrecht.
                Viele Grüße,
                Olaf

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                • karsch

                  #9
                  AW: In Heubude war die Hölle los

                  Wenn ich schon dabei bin, Quellen zu zitieren kann ich auch gleich einen Bericht über Heubude einstellen. Heinz Voellner schreibt:

                  "Sonnabend, 31. März
                  Der Tag wurde zu einem GroĂŸkampftag, dem letzten der verlöschenden Schlacht um Danzig. An seinem Ende befand sich die deutsche Front, die am Morgen noch auf der Linie Troyl -Weichselmünde gelegen hatte, in der ungefähren-Linie Winkelberg - Försterei Heubude - Ostrand Heubude.
                  Nach dem Fall der Westerplatte hatte die" 4. PzD morgens 5.00 Uhr mit dem II./ PzGrenRgt 33 einen Abschnitt der „Heubudestellung" besetzt. Diese sollte unbedingt gehalten werden. Da brach ein sich auf die ganze Frontbreite zwischen Weichsel und Küste erstreckender russischer GroĂŸangriff los; sein. Schwerpunkt lag im Raum östlich und nordöst-" lieh der Chemischen Fabrik, Pausenlose Artillerie- und Luftbombardements brachten schwerste Verluste, fast alle Funkverbindungen fielen aus. Um 11.20 Uhr erfolgte westlich Heubude bei der 252. ID ein tiefer Einbruch, so daĂŸ die Gefahr des Aufrollens der Front nach Norden bestand. Die 4. PzD riegelte nun mit Unterstützung durch unterstellte Teile der 73. ID beiderseits der StraĂŸe nach Gut Rieselfeld diesen Einbruch auf der Linie 0,7 - 1,6 - Nordwestrand Heubude von" Norden her ab; den Westrand von Heubude verteidigte die 252. ID. Er wurde zunächst gehal-. ten, doch dann drang der Feind im Laufe des Nachmittags in Heubude ein. Ein um 17.20 Uhr angesetzter Gegenangriff der 252. mit Unterstützung durch Teile der 4. PzD, um Heubude zurückzugewinnen, hätte keinen Erfolg.
                  . Doch ein ZerreiĂŸen 'der Front konnte vertun--dert werden. Das Regiment 62 (Feldhermhalle) wich nur schrittweise zurück; sein Gefechtsstand auf der Sanddüne nordwestlich Gut Rieselfeld wehrte sich dort noch bis zur Dunkelheit und ging 19.30 Uhr befehlsgemäĂŸ zur Strandhalle Heubude zurück. Als der Russe am Abend schlieĂŸlich in den Dünenwald nördlich Heubude

                  eindringen konnte, zog sich auch die 73. ID bis in Höhe Försterei Heubude zurück. Der,Gefechts-stand der 252. ID wurde aus Krakau nach Wesü. Neufähr zurückverlegt.
                  Am Abend dieses Tages war nun auch der letzte Stadtteil von Danzig in russischem Besitz."

                  Hallo Rudolf,
                  wie du siehst habe ich schon darüber gelesen, nämlich gestern, genauer besser gesagt, ich hatte mal etwas überflogen, und nichts damit anfangen können, Gib einfach mal Kämpfe in Heubude bei Google ein, da sind: Thema anzeigen-Ost und Westpreußen 1945/Stellung halten und...(sterben), vom Panzerforum, Die Danziger Kämpfe um das EK2(ein Erlebnisbericht eines Soldaten) und das genannte Pomorskie Frum, du findest bestimmt mehr, für deine Unterlagen.
                  Hier noch ein Auszug wegen der vorhin geführten Auseinandersetung mit Magda aus dem Lexikon der Wehrmacht, Panzerartillerie-Regiment 103 - zu finden ebenfalls bei Google:Panzerartillerie-Regiment 103 - Lexikon der Wehrmacht unter Kämpfe in Heubude:

                  "Schlußkämpfen in der Weichselniederung und auf der Nehrung vom 1.4. bis 8.5.1945
                  ...

                  Unverändert ist es Aufgabe der 2. Armee und so auch für die Soldaten des Regiments, Zeit zu gewinnen für die Rettung der noch immer großen Flüchtlingsmassen. Hierfür und für die Versorgung der Kurlandfront ist der Flottenstützpunkt Hela zu halten.
                  ...

                  Am 2. April 1945 kämpft die Division westlich Krakau, wo schwere Feindangriffe zu Einbrüchen führen, die abgeriegelt werden. Der Gegner greift weiter unter hohem Munitionseinsatz und mit zahlreichen Panzern an. Am 3. April 1945 geht die Masse der Division auf Fähren über den Durchbruch von 1840. Der Gegner greift mit starker Feuerunterstützung in Richtung auf die Fährstellen an, die durch Teile des Panzergrenadier-Regiment 12 und der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 4 gedeckt werden. Auf der Westseite werden nur noch das Maschinenbauamt und das Fort Neufähr gehalten. Das Regiment steht weiter im Raum Bohnsack in Stellung, hat aber, ebenso wie weitere Artillerie auf dem Ostufer des Durchbruchs von 1840, nur wenig Munition. In Hela trifft an diesem Tage die "Karlsruhe" mit neuer Munition ein. Außer Betriebsstoff wird auch die Verpflegung knapp.Bei Sschiewenhorst und Nickelswalde sind jetzt die letzten Fährstellen, wo noch immer Tausende von Flüchtlingen auf das Übersetzen nach Hela warten. Die Truppe hilft und versorgt, soviel sie kann. Bei Gottswalde, auf dem linken Weichselufer, erzielt der Gegner am 8. April 1945 einen Einbruch bei der 35. Infanterie-Division. "

                  Es waren wirklich heftige Kämpfe, Rudolf, Das es 9 mal hin und her ging habe ich noch nicht gelesen.
                  Der Durchmarsch der Gefangenen, geschlagenen Deutschen Armee(Hallo Christkind), ist in dem
                  oben genannten Beitrag: Die Danziger Kämpfe um das EK2 ausführlich, gut erzählt.
                  Wo ich es las, erinnerte ich mich an meine Großcousine, die das immer erzählte, und auch am Wegrand stand. Sie hat auch Blumen, mit ihrer Freundin und Schwester glaube ich, verteilt, und gerufen. Sie erzählte auch immer. Danziger sind auch Deutsche, was den Männern zugerufen wurde(unter Tränen). Na ja.
                  Viele Grüße,
                  Olaf

                  Kommentar

                  • Regina, +19.11.2023
                    Forum-Teilnehmer
                    • 15.02.2008
                    • 235

                    #10
                    AW: In Heubude war die Hölle los

                    Hallo Olaf
                    Ich war auch, so wie Rudolf mitten in der Hoelle. Wir wohnten in der Kleinen Seebadstr.8. Ab Januar wurde die Luftangriffe immer staerker,wir sind dann immer zu unserem Bunker gelaufen,der sich bis heute noch am Ende der Heidseestrasse befindet.Eines Tages , es war vermutlich am 20.Maerz sagte meine Mutter - wir werden auch fluechten und dann ging es los. Meine Muttermit einem Koffer in der einen Hand , an der zweiten mein kleiner Bruder (6 Jahre alt0 und meine Schwester 98 Jahre alt) und ich 11-jaehrige hinterher mit einer Tasche Zucker und einer Decke rund um den Ruecken.Unser Hausartzt hatte uns gesagt, dass man mit Zucker und Wasser eine Zeit leben kann . Wir sind aber nicht durch den Wald gegangen sondern die Tannenbergstr. Wir waren ganz am Anfang der Strasse, nicht weit von dem kleinen weissen Haus, links.Es war morgens. Da kam ein Flugzeug immer tiefer und hat geschossen. Meine Mutter hat es noch bis zu diesem Haus geschafft. Ich bin hingefallen und das Flugzeug kam wieder immer naeher und tiefer. In diesem Augenblick hat mich ein deutscher Soldat aufgehoben und unter einen Militaerlastwagen
                    gelegt. Das hat meine Mutter gerade noch gesehen und ist zum Glueck nicht auf die Strasse gelaufen. Unter dem Auto hoerten wir die Kugeln, aber uns ist nichts passiert. Wie es danach ruhig wurde sind wir in unseren Bunker zurueck gegangen und wollten nicht mehr weg. in der Nacht darauf ist meine Tante mit ihrem Verlobten durch den Heubuder Wald gelaufen, hat gluecklich ein Schiff erreicht und ist in Daenemark gelandet. Wir waren in dem Bunker bis die Russen reinkamen, es war Ostern.Die Russen haben natuerlich allen erst die Uhren und Ringe weggenommen, einen alten Mann, der neben mir gesessen hat erschossen, weil er die kleine Armbanduhr seiner vor ein paar Tagen bei einem Luftangriff verstorbenen Tochter nicht geben wollte und mir danach den Kopf gestreichelt haben. Dann wurden wir aus dem Bunker rausgejagt und die ganze Gruppe unter ihrer Begleitung bis zur Nikolaikirche gefuehrt. Da haben wir bis zum Kriegesende gewohnt und sind fast verhungert.An dem Tag wo wir erfahren haben, dass der Krieg zu Ende ist, guckte ich nach oben und dachte nur an eines - keine Flugzeuge mehr, die auf mich schiessen werden -, aber vergessen habe ich es leider niemals. Dann sind wir zu unserem abgebrannten Haus nach Heubude gegangen.
                    Die Loecher im Wald in Heubude, wenn Du da in den letzten Jahrzehnten gewesen bist, sind nicht von Bomben, sondern vom Bernsteinsuchen. Es werden ganze Teile des Waldes ausgespuehlt und Bernstein gesucht, danach bleiben die Wurzeln der Baeume ohne Erde stehen und die Baeume sterben. In der letzten Zeit kaempfen die Behoerden sehr dagegen.
                    Viele Gruesse
                    Regina

                    Kommentar

                    • karsch

                      #11
                      AW: In Heubude war die Hölle los

                      Hallo Regina,
                      das war ja furchtbar.
                      Das ihr es nicht geschafft habt, war eben so. Aber wenigstens ist die Tante gut rausgekommen. Und daß du beschossen wurdest, muß man vom Kopf her angehen. Denk nicht darüber nach. Wie auch mit dem Mann; das ist ja sonst schlimm.
                      Von dem Bunker hat Thomas glaube ich ein Foto eingestellt.
                      Meine Mutter, die 7,5 war, als sie im Januar mit dem Zug flüchteten,
                      hat auch immer vor den Flugzeugangriffen in den Keller gehen müssen, und ganz schön Angst gehabt. Nachts schienen die Scheinwerfer von den Maschinen auf die Straße, wenn sie es nicht in den Keller geschafft hat.
                      Das war schlimm, für dich.
                      Wir waren 2008 dort. Meinst du die Löcher?
                      Viele Grüße,
                      Olaf

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                      • Radaune-Wolff

                        #12
                        AW: In Heubude war die Hölle los

                        Hallo liebe Forumfreunde!

                        Ich lese die Themen alle gerne mit, aber sie wären alle interessanter, wenn man bei einem Thema auch bleibt und nicht so abschweift. Ob das jetzt hier Heubude ist oder Exekutionen, da haben die meisten Beiträge nur noch was am Rande mit dem Thema zu tun. Wenn man was anderes zu sagen hat, kann man dann vielleicht nicht ein anderes Thema aufmachen?

                        Und dann finde ich auch nicht gut, wenn hier so feindliche und persönliche Angriffe gegen einzelne stattfinden. Das gehört sich einfach nicht! Kann denn nicht jeder fair diskutieren, wie das auch der Admin fordert?

                        Ansonsten großes Lob. Ich glaube schon dass auch kontroverse Themen diskutiert werden können, wenn man auf hässliche persönliche Angriffe und Beleidigungen verzichtet.

                        Eine gute Nacht wünscht Euch
                        Eberhard

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                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11623

                          #13
                          AW: In Heubude war die Hölle los

                          Schönen guten Abend,

                          Radaune-Wolff schrieb:
                          "Ich lese die Themen alle gerne mit, aber sie wären alle interessanter, wenn man bei einem Thema auch bleibt und nicht so abschweift. Ob das jetzt hier Heubude ist [...], da haben die meisten Beiträge nur noch was am Rande mit dem Thema zu tun. Wenn man was anderes zu sagen hat, kann man dann vielleicht nicht ein anderes Thema aufmachen?
                          es stimmt: Die einzelnen Themen könnten interessanter und lesbarer sein, wenn sich die darunter geschriebenen Beiträge auch darauf beziehen. Aus diesem Grund habe ich alle unter dem "Heubude"-Thema verfassten Beiträge die nichts mit Heubude zu tun hatten in ein eigenes Thema verschoben unter "Die Wehrmacht im Osten"
                          https://www.danzig.de/showthread.php?t=5116

                          Bitte hier ausschließlich Beiträge schreiben, die auch Heubude thematisch betreffen!
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                          • Amber
                            Forum-Teilnehmer
                            • 28.07.2010
                            • 2

                            #14
                            AW: In Heubude war die Hölle los

                            Zunächst einmal vielen herzlichen Dank für alle wertvollen Informationen, die ich bereits aus diesem Forum sammeln konnte.

                            So konnte ich erfahren, dass der Todestag meiner Großmutter mit großer Wahrscheinlichkeit der 27. März 1945 war.

                            Ja, in Heubude muss wirklich die Hölle los gewesen sein! Hier der Bericht meiner inzwischen 76jährigen Mutter:

                            Meine Großmutter (Jg. 1910), meine Mutter (Jg. 1934) und ihre zu diesem Zeitpunkt 8 und 4 Jahre alten Brüder (alle aus Königsberg), befanden sich in dieser Hölle.

                            Von Oliva kommend durch Danzig (zu Fuß) flüchtend, erreichten sie Heubude am 24. oder 25. März und waren in einer Schneiderei („Neumann“?) am Ortsausgang von Heubude einquartiert.
                            Am Mittag des 27. März erfuhr meine Großmutter, dass draußen auf der Straße Soldaten Lebensmittel verteilen. Sie nahm ihren jüngsten Sohn (4 Jahre) an die Hand und ging aus dem Haus. Als sie am Himmel ein Flugzeug vernahmen, legten sich beide auf den Erdboden (im Vorgarten der Schneiderei).

                            Beide blieben liegen und da irgendeine Aktion ausblieb, hob meine Großmutter den Kopf und schaute nach oben. Im gleichen Moment war sie tot. Der Luftdruck (Luftmine -> ?) hatte ihr vermutlich einen Lungenriss zugefügt. Rein äußerlich hatte sie keinerlei Verletzungen, außer, dass sie Glassplitter in den offenen Augen hatte. Dem Kleinen war nichts passiert und dieser lief zu meiner Mutter und zu meinem Onkel ins Haus und teilte beiden mit, dass die Mutter tot sei.

                            Nach dieser Tragödie mussten die Kinder ins Nachbarhaus umziehen. (Warum -> ?) Dort wurden sie in einer Waschküche (im Erdgeschoss) untergebracht.

                            Am gleichen Nachmittag zwischen 16.00 und 17.00 Uhr wurden die Brüder meiner Mutter in dieser Waschküche verschüttet, Das Haus erhielt zwar keinen Treffer, dennoch hatten sich (vermutlich durch das Beben einer Detonation) Steine und Mörtel gelöst. Meine Mutter war im Nebenkeller und grub ihre Brüder mit bloßen Händen aus. Beide Jungen blieben unversehrt.

                            In der Nacht vom 27. auf den 28. März organisierten die Tanten meiner Mutter ein Pferdefuhrwerk (von wem, wie -> ?) und die Flucht ging weiter durch den Wald in Richtung Stegen (die Flucht ging natürlich noch weiter … diese Geschichte hat dann aber nichts mehr mit Heubude zu tun).

                            Meine Großmutter lag zu diesem Zeitpunkt immer noch tot im Vorgarten dieses Hauses.

                            In den Erinnerungen meiner Mutter schaute man aus der ersten Etage der Schneiderei (Neumann -> ?) über die Straße auf eine graue ca. 2,5 m hohe Mauer. Rechts ging es etwas bergab in den Ort zu einer Bäckerei. Links ging es wohl in den Ortskern, da in der Nacht vom 27. auf den 28. März der Ort in Flammen stand.
                            Der Schneider (Herr Neumann -> ?) war im März 1945 ca. 45 bis 50 Jahre alt, lebte zu diesem Zeitpunkt wohl alleine im Haus. Er beteiligte sich anscheinend nicht an der Flucht in dieser Nacht.

                            Vom 19. – 26. August werden meine Mutter, meine 12-jährige Tochter und ich nach Danzig reisen. Natürlich wollen wir hier auch eine Spurensuche starten (genau wie auch schon in den Jahren 2006, 2007 und 2009 im heutigen Kaliningrad – z.T. mit unglaublichen Ergebnissen / menschlichen Begegnungen und neuen Freundschaften !!!).
                            Wir beabsichtigen, das heutige Stogi zu besuchen und die Orte der damaligen traurigen Ereignisse aufzusuchen.


                            Vielleicht kann mir hier jemand aus dem Forum folgende Fragen beantworten:
                            - hat jemand eine Idee, wo sich nach den Erinnerungen meiner Mutter die Schneiderei befand (alter Straßenname, heutiger Straßenname, kann man den Platz oder das Haus heute noch finden?), -> meine Vermutung (nach der alten Stadtkarte, hier im Forum) ist: „Am Eulenbruch“, da dort kleine Parzellen mit Häusern zu erkennen sind.
                            Des Weiteren erzählt meine Mutter, dass sie in einem Garten (hinter dem Haus) gespielt hat.
                            - gibt es hier Menschen, die sich an diese Tragödie erinnern? Anscheinend war meine Großmutter das erste zivile Opfer dieses Bombardements (am 27. März) auf Heubude.
                            Meine Mutter war 1980 auf der Durchreise in Stogi; ein Tankwart wusste, dass eine junge Frau mit drei Kindern das erste Todesopfer in diesen Tagen war (?),
                            - weiß jemand, wo die Opfer (wenn bekannt, ins Besondere aus diesem Straßenzug) beigesetzt wurden? -> Bomben- oder Granattrichter, Massengrab?

                            Es ist mir schon bewusst, dass die Beantwortung dieser Fragen nach nunmehr 65 Jahren wohl ein reines Glückspiel ist – dennoch: neben dem eigentlichen Wunschdenken wäre das wirklich toll! Manchmal gibt es ja Zufälle oder es ist einfach Glück im Spiel!

                            Danke bereits jetzt an Alle, die sich Gedanken machen und mir vielleicht helfen können.

                            Liebe Grüße
                            Amber


                            PS. (Off Topic!): was erwartet einen heute in Stogi? Habe von Wildschweinen am Strand, dort lebenden sozialen Grundschichten, Feindseligkeiten, schlechten Erfahrungen etc. gelesen? Wie hoch ist denn der Gefährlichkeitsgrad eines Besuches -> am Tage ???

                            Kommentar

                            • Rudolf
                              Forum-Teilnehmer
                              • 22.06.2008
                              • 335

                              #15
                              AW: In Heubude war die Hölle los

                              Hallo Amber ,
                              wie Du vielleicht schon gelesen hast , gehöre ich ( Jahrgang 1933 ) zu denen , die die Kriegsereignisse im März/April 1945 in Heubude selbst erlebt haben . In dieser Zeit gab es täglich Tieffliegerangriffe auf alles , was sich bewegte und auch in unregelmäßigen Abständen Bombenabwürfe , die unter den Flüchtlingen , die ostwärts in Richtung Krakau/Westlich-Neufähr zogen , ständig Opfer forderten . Der größte Fliegerangriff erfolgte sehr massiv vom 27.zum 28. März 1945 in ganzer Breite durch Heubude vom Weichselufer bis zum Strand der Ostsee , wieviele Opfer er gefordert hat , wird man nie erfahren .
                              Wir - meine Eltern , meine Schwester und ich , hielten uns bis zum Nachmittag des 27.03.1945 im Luftschutzkeller des Sparkassengebäudes in der Heidseestraße auf . Dort erfuhren wir von einem deutschen Soldaten , daß laut einem sowjetischen Flugblatt ein Großangriff noch an diesem Tag erfolgen wird und die Zivilbevölkerung wurde aufgefordert , den Ort zu verlassen . Aber wohin ? Der Ort und auch der nördlich gelegene Waldgürtel war mit Flüchtlingen und auch Militär vollgestopft . Meine Eltern entschieden , daß wir uns zum Weichselufer begeben und den uns dort genannten Bunker ( errichtet aus Baumstämmen durch das Militär ) aufsuchen . Das taten wir und dort gerade angekommen , ging der Feuerzauber los . Was sich dort in dieser Zeit abspielte , werde ich nie vergessen .
                              Zu Deinen Fragen : Ich habe ein Einwohnerverzeichnis Heubudes aus der Zeit vor dem Krieg . Darin wird ein Robert Neumann in der Tannenbergstraße 4 ( ulica Jodlowa ) erwähnt , Hausbesitzer und Rentner . Die Richtung Ortsausgang Krakau und Westlich-Neufähr
                              könnte stimmen . Erwähnt wurden im Verzeichnis nur die Eigentümer bzw. Haushaltsvorstände . Erwähnt sind unter der Nr. 4 noch zwei weitere Parteien : Bremer , Walter/ Schiffsbauer und Lingenberg , Georg/ Arbeiter . Diese Mietparteien bzw. deren Angehörige könnten evtl. zum Zeitpunkt des Angriffs am 27.03.1945 - also kurz vor der Besetzung Heubudes durch die Sowjetarmee - bereits geflohen sein .
                              Nach den Kampfhandlungen wurden die im Ort und auch im Wald verstreut liegenden Toten selten auf dem Heubuder Friedhof , zumeist aber in Bombentrichtern und verlassenen Schützengräben/-löchern von den verbliebenen Zivilpersonen , überwiegend Jugendlichen , verscharrt .
                              Solltest Du weitere Fragen haben , kannst Du mich über PN anschreiben .
                              Beste Grüße und ein schönes Wochenende vom Heubuder Rudi

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