Poguttke: Sportwoche von einst - eine Sommerhymne auf Zoppot

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • Helga +, Ehrenmitglied
    Moderatorin
    • 10.02.2008
    • 1948

    #1

    Poguttke: Sportwoche von einst - eine Sommerhymne auf Zoppot

    Übernommen aus Danzig-L
    Beitrag von Wolfgang am 10. Januar 2007



    Rentier Poguttke im heimatlichen Dialekt ueber die Zoppoter
    Sportwoche 19222:


    Sportwoche von einst
    Eine Sommer-Hymne auf Zoppot
    (erschien in der Inflationszeit am 08. Juli 1922)

    Wänn's in de Thärmometerreehre
    So sachte jejen "vierzich" klimmt,
    Und diese Glut der Atmosfeere
    De Dänkkraft märklich dir benimmt,
    Wänn schlapp ma wie ne halbe Leiche,
    Dieweil de Sonn zu aasich brännt
    Dänn naht die Zeit, de gnadenreiche,
    Fier Zoppot, wo sich "Sportwoch" nännt.

    "Sport" ist das Wort, das inhaltsschwere,
    Das Zauber wirkt im Badeort,
    Auch ich greif diesem Sport die Ehre
    Auf meine Leier een Akkord:
    Sportwoch! – Es lacht die See, die blaue,
    Häll wie im Nord am Bord vom Fjord,
    Weit fort scheint alles Dustre, Graue,
    Politscher Mord und Streikrapport; -
    Hier kannst väjässen, kannst dir aalen
    Im sichern Port, im Friedenshort
    (Vorausjesätzt: Du kannst bezahlen,
    sonst bist dort inne Ritz jeschorrt.)

    Dänk ich dran, wie in friehern Jahren
    (Ach, wänn ma's doch noch mal so hätt!)
    Auch ich da kännt nach Zoppot fahren
    (Fimf Dittchen das Retuhrbilljät!).
    Mit Zeppelinmitz, weiße Bixen,
    Als "feiner Zrohr", bald wie ein Lord,
    Eilt ma zur Stadt der Badenixen
    Und sah dort Sport von jede Sort'.

    Zum Kaffee aß ma mit Jenusse
    Mit Schlachsahn, raucht am Ahmd zum Schlusse
    ("Fehlfarbe" Dittchen) ne "Import". –
    Und gab am "Großen Tach" en Dahler
    Ma aus, kam rein ma vor sich dort
    Wie en erstklassjer Steierzahler!
    (Heit fiehlt ma sich, als wänn ma schnorrt.) –

    Tja, was ma da so frieher konnte,
    kann unsereins nu nich mehr heit,
    Und das durchsonnte Freistaat-"Monte"
    Is heit bloß was fier andre Leit.
    Auf seinem Flaster brauchste Zaster,
    Pienunse, Kies, sonst is es mieß, -
    Doch "Neid is Laster" saacht der Paster,
    Drum still davon, nuscht mehr von dies! –

    Wer's kann, jenieß es! Meinen Sejen
    Den hat er, so denk milde ich;
    Er amesier sich meinetwejen
    Da wie zehn nackte Wilde sich;
    Er treibe "Sport" von jeder Sort dort,
    Ganz wie's ihm passt, wie's ihm jefällt
    Ob er im Schimmytanze fortschlorrt,
    Ob er sich Himbeereis beställt.

    Ob ahmds er an de Leichtfonteene
    Kickt, wie de Tanzmaid wird bespritzt,
    Wo mit de scheene kleene Beene
    Da rum tut heistern, bis se schwitzt;
    Ob unter Ristern er tut flistern
    Von "ewje Lieb" und Kisse tauscht,
    Ob listern dem Banknotenknistern
    Er in dem Spielcasino lauscht;

    Ob's ihn, wie hin und her jetrieben
    Der arme Fußball, inträssiert,
    Ob er die Heipter seiner Lieben
    Näwjees zeehlt, die vom Steech er fiehrt;
    Ob eifrich er sich de Kaldaunen
    Im Tänniskeefich wild väränkt,
    Ob er mit ungleibijem Staunen
    Sich in de Weinkarte väsänkt; -

    Ob er sich auf dem Rad tut krimmen,
    Ob fragend im Programm er liest,
    Den "Damen-Brust-Ämuntrungsschwimmen"
    Und schleinichst hinzujehn beschließt;
    Ob er im Korso inne Wolke
    Von Lilienduft stolz hinkutschiert,
    Bestaunt rings vom profanen Volke,
    Die hohe Wonne ganz väspiert;

    Ob er beim Schauflug voll Äntzicken
    Sich järne das Jenick verbiecht,
    Ob aufem Rennplatz er tut kicken,
    Was der und jener Jockei wiecht;
    Ob er mit weitjespanntem Ohre,
    Jeschlossnen Auges huckend, lauscht
    Dem hochberiehmten "Piljerchore",
    Wo durch de Lindenblieten rauscht;

    Ob er den Hockeyball tut hauen,
    Obwohl der ihm doch nuscht jetan;
    Ob auf dem Meer, dem veilchenblauen,
    Er schaukeln tut mit "ihr" im Kahn,
    ob er den Diskus - meine Jiete! -
    So muskelkräftich von sich schnällt,
    Dass erst auf polnischem Jebiete
    Das Dings - bums! - wieder niederfällt;

    Ob mang den Beeten er mit Greten
    Steht Arm in Arm und in de Nacht
    Starrt, wo am Himmel de Raketen
    Und sonst was sprieht, dass alles kracht;
    Ob er, dieweil er Staub im Munde
    Väspierte, en großen Mampe trinkt,
    Im Nordpark, in de Kunstrotunde
    In Scheenheitstrunkenheit väsinkt.

    Ob er, vom Beifall anjefeiert,
    Den Koppsprung mach vom heechsten Brätt,
    Ob sprachenlärnbejier'ch er steiert
    Zum russ'schen Kinstlerkabarätt
    Ob sportjerächt er braucht die Knochen
    Siechreich des Ahmds beim lätzten Zuch,
    Ob in die Hauptwoch aller Wochen
    Zoppots er sonst was tut, - jenuch!

    Ich winsche jedem da - auf Ehre! -
    Das Bäste, ohne Neid im Sinn;
    Damit ich dabei keinem steere,
    Jeh ich derweil nach Heibud hin,
    Dort will ich mit jefalt'ten Händen
    Still iebers Meer hiniebersehn
    Und einen Seifzer riebersenden:
    "O Zoppot, Zoppot, bist du scheen!"

    "Wer zeehlt de Velker, nännt de Namen,
    Wo aus Siedost, Ost und so fort
    Bei dir jätz bloß zusammen kamen
    In jede einzje Sort von Sport!"
    Dann heb ich meine Kaffeetasse
    Bejeistert hoch zum freidjen Toost,
    Dem ich in die sächs Worte fasse:
    "Aufs Wohl von Zoppots Sportwoch! Prost!"
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)
L