Poguttke: Vorfrühling

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  • Helga +, Ehrenmitglied
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    • 10.02.2008
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    #1

    Poguttke: Vorfrühling

    Übernommen aus Danzig-L
    Beitrag von Christa am 13. März 2006


    Vorfrühling

    Heern Se, trautstes Oberchen, sein Se all so gut und äinnern Se mir
    nachher, daß ich man nich meine Gummischuh väjässen tu!
    Ich ställ se hier inner Aeck am Klavier.Ohne die jeh ich nich aus,
    dänn die Woch mit ihre Moppchens hab ich aufen Magen.Und wänn de Sonn
    aus alle Knopplecher scheinen tut, ich lass mir nich
    väkohlen!-Tjawoll, Grochchen, klar!
    Aber von wejen "Friehlingsluft", da woll wa man lieber jätz nich von
    groß reden, nach sone kreetsche Woch!Ei,und heit frieh wieder de
    Dächer beschneit!"
    Kinder, äbarmt eich! Da sing ich mich, wänn ich auch kein
    einjetragener Oberjedichtmachermeister bin, mein eijenes elejisches
    Liedchen...."
    Nachts heert' ma laut all von de Danzjer Zobel
    dem Liedjesang nach altjewohntem Brauch;
    und ob se mir hier mit en Gurkenhobel
    skalpieren, tja, ich sing en Märzlied auch!
    Am Abend liecht das an welche Reimbazillen,
    de Wissenschaft weiß bloß noch nuscht nich von,
    sonst mecht se mit en Serum die vleicht killen,
    dänn weer de Friehlingsdichteritis gonn.

    Doch noch reimt Tante, Onkel, Franz, Max, Trude
    egal, von"Liebe, Triebe", "Härz und Schmärz",
    nich bloß in Danzich oder Kobbelbude,
    Langfuhr, Oliva, nei, auch anderwärs.
    Der Fachmann staunt, der Laie steht väwundert:
    Wer sonst normal, markiert jetzt dem Poet
    und jibbt mit eins ihm aasich"lierisch" Zunder,
    daß dem, wo zukickt, rein de Luft väjeht.

    So its's im Leben mochumsch einjerichtet,
    es kemmt ei'm, vor bald wie Epedemie,
    das ma sich jätz zum Dichten fiehlt väflichtet
    von wejen -hm-"Vorfriehlingspoesie".
    Steht aufen Blumentisch ne Hiazinthe
    und fillt de Luft mit sießem Länzparfiem,
    greift gleich son Kreet nach Feder und nach Tinte
    und jibbt ihm Saures nu mit Unjestiem!

    Mich jeht's bald auch so, ohne nu zu sagen,
    daß ich en Meister mang de Dichtkunst bin,
    i wo!ich hab bescheiden bloß paar Fragen
    von wejen Länz und Dichterei im Sinn:

    Schreit all der Kiebitz mang de Rieselfälder?
    De Paddelboote, werden die all wach?
    Piepst es all zimftich länzlich mang de Wälder?
    Wird's Länz mang Prebbenau und Mänzelbach?
    Treibt's wirklich all mang Kätzchen, Knospchen, Keime,
    obwohl's heit nacht all wieder hätt jeschneit?
    Mir scheint:vorleifich treibt's zwar aasich Reime,
    doch schenit der Länz mich noch wer weiß wie weit!

    De Muse hat en Troppen an de Nase
    und pliert mang de Natur, wo weiß bereift,
    se grievlacht mochumsch sich,wänn mit Aextase
    zum "Länzsang" wer wie wild mang de Leier greift.
    Knapp, daß auf sein Papier de Tint' bloß trocken,
    weil se erleichtert hat jen Dichtersmann.
    Sieht man ihm leifich nache Zeitung socken
    (da reih'n se sich all mit "Länzvärse an!);
    son Redakteer, wo friedlich sonst und fleißich,
    jehätzt, doch sorgsam seine Arbeit macht,
    dem jeht der Hut hoch, wänn ihm teechlich dreißich
    "Friehlingsjedichte" werden anjebracht!
    De Milch der gromme Dänkart wird ihm sauer,
    er schreit nach Dolch, Rawolwer, Bollefleit,
    egal ob ma ihm hintre Zuchthausmauer
    nach Schießstang schläppen mecht auf Lebsnzeit!-

    Der Pässemist brummt:"Ae, belacht de Leier
    mit Länzjedichte laßt mir unjeschorn!
    Zwar heißt's: de Hiehner lejen jätz mehr Eier,
    falls se man nich der Podäx zujefror'n."-

    Der Optimist saacht sich:"Son heißer, nätter
    Groch is das Wahre jätz, dänn schließlich is
    beständich bloß das unbeständ'je Wätter,
    wänn sonst nuscht fäststeht, dies is ganz jewiß!"

    Im Blatt stand all: en Storch weer anjekommen
    im Wärder, weil er sich nich halten ließ;
    der huckt beklommen sicher und benommen,
    dänn ihm is mieß von wejen kalte Fieß.-

    Mang Liebenspaare wächselt jätz der Schnuppen
    wie'n Fußball, dem mang Tor und Tor ma haut,
    jätz er, dänn sie, dänn er - bis in de Puppen-
    mal hat der Breitjam ihm und mal de Braut.

    Auch find't ma, meine Jiete, keine Bliete,
    wer davon dichtet, macht sich bloß zum Narr'n,
    im Schaufänster bloß blieh'n de Friehjahrshiete,
    und unsre Damens stehn väzickt und starr'w.

    De Mutter droht mit Oster-Großreinmachen,
    dem Vater grauset's all vor der Tortur,
    ma red't jätz auch von andre Friehlingssachen:
    Italjentuhr und Knoblauchkur.

    Doch jubelt wer, was das ne Friehlingspracht weer,
    kickt mal de Sonn wo aus en Wolkenloch,
    und schreit er, daß der Länz, de Länz äwacht weer,
    sag kiehlich :"Holle Freet, der drusselt noch!"

    Als alte Danzjer bleib we hibsch jeduldich,
    ob's Sonnchen scheint, ob's rejent, Schneesturm tost,
    hibsch mi de Ruhe! Wir sind dran nich schuldich;
    wänn's noch lag dauert, wart' wä ebend! Prost!
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)
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