Im Spiegel unserer Zeit

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  • jonny810
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 2423

    #1

    Im Spiegel unserer Zeit

    von Erhart Karl Joniszus
    Oktober 2011

    Unruhig und leer, sind seine Blicke,
    ähnlich, geht es seinem Herzen.
    Es fällt schon schwer, das viele Bücken
    und seine Seele, kennt nur Schmerzen.


    So geht es ihm seit vielen Jahren,
    nachdem er von zu Hause ging.
    Da hat das Leben er erfahren,
    das oft am seidenen Faden hing.


    Zu erst - da schien es auch passabel,
    ein Leben ohne Zeit und Zwang.
    Ganz langsam wurde es miserabel,
    als er sich spritzte und auch trank.


    An Arbeit war nicht mehr zu denken,
    wer wollte solchen Mensch im Haus ?
    der Herrgott würde es schon lenken, -
    die Wirklichkeit sah anders aus!


    An einem Abend im Oktober,
    bezog er wieder seine Bank.
    In eine andere Welt entfloh er,
    nach seiner Spritze und dem Trank.


    So fand man ihn, - es war sein Vater,
    am anderen Morgen in dem Park.
    Beim Anblick dieses Elends sagt er
    „komm Heim mein Junge, sei mal stark“.


    Man baute dann an einer Zukunft
    für den schon fast verlorenen Sohn.
    Und nichts verriet mehr seine Herkunft,
    er saß bald in der Redaktion.






    So suchte er nach Möglichkeiten,
    und konnte manche Seele retten. -
    Oft dachte er an seine Zeiten
    Mit Redlichkeit, gegen Tabletten ?


    Er führte endlos Diskussionen,
    erstellt Programme über Nacht.
    Was war so oft die Reaktion?
    er fühlte, dass man ihn belacht.


    So kämpfte er, wie Don – Quijote.
    Es war ein aussichtsloser Streit. –
    Und täglich gab es neue Tote,
    die Gesellschaft war noch nicht so weit.


    Ja, wenn wir Älteren mit dem Wissen,
    und mit Geduld in reichem Maß,
    mit jungen Menschen Frieden schließen,
    dann machen Drogen keinen Spaß.
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
    "Nec Temere - Nec Timide"
    Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ
  • Cathrin
    Forum-Teilnehmer
    • 26.08.2008
    • 22

    #2
    AW: Im Spiegel unserer Zeit

    Ein Super-Klasse " Realistisches " Gedicht das Grenzen bricht. Da zeigt sich...wir sehen die Welt nicht wie sie ist, die Welt ist so wie wir sie sehen.

    Kommentar

    • vklatt
      Forum-Teilnehmer
      • 28.03.2009
      • 1521

      #3
      AW: Im Spiegel unserer Zeit

      Da gebe ich Cathrin Recht, es ist wirklich ein sehr realistischen Gedicht und
      dir wieder sehr gut gelungen, Erhart.
      Wie gut, daß doch einige der armen Menschen aufgefangen werden und ins
      normale Leben zurück finden. Aber es gibt sicher auch viele, die unbelehrbar sind
      und sich nicht helfen lassen wollen, die müssen erst ganz tief sinken bis
      sie selbst zu der Einsicht gelangen, daß sie etwas ändern müssen.
      Manchmal ist sie beste Hilfe, keine Hilfe.Das ist schwer für den Betroffenen, aber genau so schwer für die Angehörigen.
      Was ist ein wahres Geheimnis?
      Etwas, das für jeden offen da liegt-
      und der eine erkennt es, der andere jedoch nicht.

      Lao-tse

      Kommentar

      • 30Frohsinn01
        Forum-Teilnehmer
        • 11.02.2008
        • 182

        #4
        AW: Im Spiegel unserer Zeit

        Hallo Erhart,
        großes Lob für dich, sehr realistisch, so wie Cathrin und Vera es auch betonen. Man kann so richtig mitfühlen. Ich glaube,du hast es tatsächlich erlebt, so wie du es schilderst. Vielleicht schickst du mir eine PN?
        Grüße dich
        Karlheinz

        Kommentar

        • waldkind
          Forum-Teilnehmer
          • 06.10.2008
          • 2366

          #5
          AW: Im Spiegel unserer Zeit

          Mmh,
          ich glaube nicht, dass man einen Menschen als arm bezeichnen kann/sollte, weil er trinkt oder Drogen nimmt. Das würde bedeuten, dass es Leben gibt, die man als besser/reicher erachtet als andere Leben. Wer will hier einen Maßstab setzen und urteilen? Es gibt so viele Leben, die nach außen hin als so toll erscheinen, doch innerlich sind sie erbärmlich. Und umgekehrt! Was nach außen hin für manch einen so erbärmlich scheint, kann einen tiefen Sinn erfüllen.

          Gerade Menschen, die ihre Heimat verließen/verlassen mussten, aus welchen Gründen auch immer, verlieren oft auch die Innere Heimat und greifen dann zur Sucht. Die Sucht ist dabei eine Überlebensstrategie. Man hält sich solange an ihr fest bis man Schritt für Schritt die Innere Heimat wieder gefunden hat.

          Frieden ist ein großes Wort, nicht nur eine Geste zwischen Alt und Jung. Frieden bedeutet vor allem keine Unterschiede zu machen in unserer Liebe zu anderen Menschen.
          Es sind ja oft die Werte, die die Gesellschaft ansetzt, darüber, wer gut und wer weniger gut ist, die Menschen in die Sucht treiben, weil es zu wenig Raum gibt für die ganz sensible Natur. Insofern stimme ich Erhart zu "Die Gesellschaft ist noch nicht so weit". Aber eines Tages wird sie ihre Grobheit aufgeben, weil die Menschheit anders nicht überleben kann.

          Ich habe Respekt vor den Menschen, deren Kraft so groß ist, dass sie ihre Sucht tragen und ertragen können. Wie groß muss die innere Suche sein und wie groß die Hoffnungslosigkeit!

          Ich grüße alle herzlich, besonders Erhart.

          Das waldsüchtige Menschenkind.
          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

          Kommentar

          • vklatt
            Forum-Teilnehmer
            • 28.03.2009
            • 1521

            #6
            AW: Im Spiegel unserer Zeit

            Ich glaube schon, daß ich Süchtige die, wie in Erharts Gedicht, so sehr am Boden sind als arm oder vielleicht besser bedauernswert nennen kann. Ich nehme nicht an, daß diese Menschen
            glücklich sind. Glück und Unglück gibt es in allen Gesellschaftsschichten und damit auch in allen Schichten Suchtkranke. Ich wäre die Letzte, die über diese Menschen den Stab brechen würde, oder sie als gut oder schlecht einstufen würde. Mich überkommt aber das heulende Elend wenn ich solchen Menschen begegne, oder wenn ich die hungernden, in Armut lebenden Kinder sehe.
            Ich bewundere die Menschen, die das ertragen und/oder überwunden haben.
            Aber ich habe auch Respekt vor denen, die ihre Schicksalsschläge ohne Sucht mit innerer
            Stärke gemeistert haben und an ihnen gewachsen sind.
            Ich glaube auch, daß jeder sein Päckchen zu tragen hat und seine Lebensaufgaben bewältigen muß. Der eine mehr und der andere weniger.

            Allen einen schönen, friedlichen Abend

            Vera
            Was ist ein wahres Geheimnis?
            Etwas, das für jeden offen da liegt-
            und der eine erkennt es, der andere jedoch nicht.

            Lao-tse

            Kommentar

            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #7
              AW: Im Spiegel unserer Zeit

              Liebe Vera,
              ich verstehe dich gut. Erlaube mir ein Gefühl zu äußern. Bei Gedichten geht es ja um Gefühle. Wenn ein Mensch für mich bedauernswert ist, dann bedeutet das für mich, ich fühle mich hilflos, ich habe nichts zu geben. Dann ist eigentlich nicht der andere bedauernswert, sondern ich selber, weil ich nichts geben kann. Das knirscht so richtig tief in den Eingeweiden. Das bedeutet, ich drehe mich innerlich weg.
              Insofern kann ich eigentlich froh sein, wenn mir ein solcher begegnet. Er fordert mich auf über meine Liebe nachzudenken. Wie groß ist sie wirklich? Am Ende muss ich ihm dankbar sein, weil er mir Gelegenheit gab, dazu zu lernen.

              Groß ist mein Herz
              und klein das Gemüt,
              wenn es den Strauchelnden sieht.
              Will er nach seinem Leben lauern,
              bleibt von mir selbst nur das Bedauern,
              und eine Stimme, die da spricht
              "Pech gehabt, du armer Wicht."
              Gerade so geht es mir nicht,
              und drehe von ihm mein Gesicht.
              Ich nehm die Welt mit meinem Charme,
              was ist die Welt erbärmlich arm,
              so anderwärts, so niederwärts,
              so übermäßig ich-gefräßig,
              ungleichmäßig.

              So will ich's mal auf mich wirken lassen. Einen schönen Sonntag euch allen. LG waldkind.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

              Kommentar

              • Helga +, Ehrenmitglied
                Moderatorin
                • 10.02.2008
                • 1948

                #8
                AW: Im Spiegel unserer Zeit

                "was ist die Welt erbärmlich arm,
                so anderwärts, so niederwärts,
                so übermäßig ich-gefräßig,
                ungleichmäßig."

                Welch ein Satz, wie richtig. Besonders das "so übermäßig ich-gefräßig" hat mich geradezu angesprungen und gibt mir grade viel zu denken. Danke Miriam für einen Anschupser zur - für mich - gerade rechten Zeit.....
                Viele Grüße
                Helga

                "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

                Kommentar

                • waldkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.10.2008
                  • 2366

                  #9
                  AW: Im Spiegel unserer Zeit

                  Da habe ich selber auch echt dran zu knabbern, liebe Helga, vor allem das Gefühl des Bedauerns. Das "Danke"gebe ich weiter an Erhart, der den Ur-Schubser gegeben hat und an Vera, die mitgeschubst hat. LG waldkind.
                  Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                  Kommentar

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