Johannes Trojan: Du-chen

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  • Helga +, Ehrenmitglied
    Moderatorin
    • 10.02.2008
    • 1948

    #1

    Johannes Trojan: Du-chen

    Duchen

    In der Großstadt durch die Menge
    ging ich hin in dem Gedränge
    jüngst auf einem eil’gen Gang,
    als es in das Ohr mir klang:
    “Hör mal, Duchen!”

    Wer so sprach, gleich nahm ich’s wahr,
    just vorüber ging ein Paar,
    Mann und Frau, an mir, zum Mann
    sprach die Frau, die so begann:
    “Hör mal, Duchen!”

    “Duchen” – gleich füg’ ich’s hinzu –
    ist Verkleinerung von “Du”.
    Also drückt man gern sich aus,
    wo mir stand mein Vaterhaus,
    oben an dem Ostseestrande,
    dort in meinem Heimatlande,
    wo der Menschen Sprache so
    traulich klingt wie nirgendwo
    sonst auf Gottes weiter Welt,
    und mir drum so sehr gefällt.
    Dorther müssen sein die Zwei,
    dacht’ ich, die da geh’n vorbei.

    Augenblicklich vor mir stand
    mein geliebtes Heimatland,
    Korngefilde, Meer und Wald
    und die Stadt, ehrwürdig alt,
    alles hell im Sonnenlicht
    und manch liebes Angesicht.
    Alles dies nahm ich wahr,
    und als lange schon das Paar
    im Gedränge sich verloren,
    klang es noch mir in den Ohren:
    “Hör mal, Duchen!”

    Johannes Trojan
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)
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