Ein Märchen von den Gnomen unter Danzigs Häuser

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    • 10.02.2008
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    #1

    Ein Märchen von den Gnomen unter Danzigs Häuser

    Von Robert Reinick

    Am Strande der Ostsee,in der alten See- und Hansestadt Danzig, sah
    man vor langer, langer Zeit ein munteres freundliches Kind durch die
    Straßen wandern.Es trug ein leuchtend blaues Kleid, mit Silber
    besetzt, und einen Silberreif im Haar.Die Leute nannten es Silber-
    Elfchen.Niemand in der Stadt wußte, woher das Kindchen kam, und da es
    selbst nicht darüber sprach, niemanden zur Last fiel, nur so mit
    leuchtende Augen durch die Straßen wanderte, ließen sie es bewenden.

    Silber-Elfchen war der gute Geist aller Menschen in Danzig, die sich
    von Herzen lieb hatten und einander treu waren.Es sang ihnen kleine
    süße Liedchen vor und machte ihnen auch Geschenke. Das verwunderte
    viele Menschen, doch das Silberelfchen war nun einmal da, und da
    niemand sagen konnte,woher es seine hübschen Geschenke nahm, auch
    niemand zu sagen wußte, es sei unrechtes Gut, ließen die Leute es
    gewähren.
    Eines Tages nun sprach man in der Stadt davon,dass in einer kleinen
    Gasse zwei gute Menschen wohnten, die in den nächsten Tagen das Fest
    der Silberhochzeit feiern könnten.Doch sie seien arm, zu arm, um eine
    Festlichkeit auszustatten oder sich Geschenke machen zu können.

    Silber-Elfchen hörte davon, dachte nach und flog davon.Über den
    Holzmarkt und die Altstadt bis hin zum Adlerhorst, wo die grünen
    Kiefern ihre Wurzeln in den Wellen der Ostsee baden.Hier saß auf
    einem Felsblock ein Kind, das war der Frühling.Es hatte einen
    Sonnenstrahl in der Hand und ließ, mitten im Winter, Schneeglöckchen
    und Primeln aus der Erde sprießen.Mit dem Frühling beprach sich das
    Elfchen, und sie gingen gemeinsam zur Grotte am Ufer der Ostsee, wo,
    wie jeder Mann und jede Frau aus Danzig wissen, die Seejungfrauen
    wohnen.Die beiden Kinder berieten sich mit den Seejungfrauen, und
    diese tauchten in die Tiefe hinunter und holten-weil es sich ja nun
    um eine Silberhochzeit handelte-silberne Rosen und silberne Kränze
    vom Meeresboden empor.Das Elfchen sagte tausend Dank und flog davon-
    und die Seejungfrauen und der Frühling freuten sich.
    In der Stadt Danzig wieder angekommen, ging das Elfchen zu einem
    Goldschmied.Der Goldschmied aber war ausgegangen,und in seiner
    Werkstatt spielten seine Kinder mit einem wunderschönen Buch aus
    Silber.Das Elfchen bestaunte das wunderschöne Buch, und als der
    Goldschmied kam,, fragte es ihn, woher er das kostbare Buch habe.Da
    flüsterte der Schmied:" Das haben mir die Gnomen geschenkt, die unter
    Danzigs Häusern wohnen.Sie schaffen mir Silber und ich schaffe ihnen
    Eisen."-" Wenn sie dir Silber schaffen,dann werden sie mir auch
    sicher einen Silberteller hämmern, den ich den guten Leuten schenken
    will.Bitte, Schmied, führe mich zu ihnen."
    Der Goldschmied wollte zuerst nicht, doch da das Elfchen so
    allerliebst bitten konnte, führte er es unter die Häuser von Danzig,
    wo die Gnomen sitzen und fleißig arbeiten.Das Elfchen wurde vor den
    Berggeist gebracht." Ach bitte", sagte es, " ich möchte zwei
    Menschen, die allzeit gut und treu miteinander gewesen sind, eine
    Freude machen.Kannst du mir nicht einen silbernen Teller machen?"-
    "Für dich habe ich Teller in Hülle und Fülle, Elfchen", lachte
    der Gnomenkönig, " wir hier unten kennen dich auch." Er schickte die
    Gnomen los,und bald kamen sie mit einem wunderschönen,aufs feinste
    ziselierten Teller wieder.Silber-Elfchen bedankte sich von Herzen.
    Auf der Erde wieder angekommen,legte der Goldschmied noch zwei
    slberne Ringe dazu,, und dann flog das Silber- Elfchen davon und
    schenkte den guten, treuen Menschen die silbernen Blumen und Kränze,
    den Teller der Treue und die silbernen Ringe.Als die Leute sich mit
    Tränen in den Augen bedanken wollten,da war das Elfchen verschwunden.

    In Danzig aber galt seit diesem Tage das Silber als Zeichen der
    Treue.
    Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
    (M. Gandhi)
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