Wolfgang Federau: Wenn ich tot bin

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Wolfgang Federau: Wenn ich tot bin

    Zum diesjährigen Allerheiligen / Allerseelen ein Gedicht von dem großen Danziger Dichter und Schriftsteller Wolfgang Federau, * 08.03.1894 in Danzig, + 18.05.1950 in Lübeck.

    Wenn ich tot bin

    Lieg ich einstmals tot in meinem Bette,
    stehn noch in den Schränken, hübsch gebunden,
    Bücher, die ich gern gelesen hätte.
    Nur - ich habe nie die Zeit gefunden.

    Viele Verse, mancherlei Gechichten,
    allzulang in mir herumgetragen,
    werd' ich nicht mehr dichten und berichten.
    Tote können leider gar nichts sagen.

    Sommer werden süß vorüber wehen
    und in Duft und Blüten überschäumen.
    Doch mein Auge wird sie nicht mehr sehen,
    und ein totes Herz kann nie mehr träumen.

    Liebe wird die Liebenden umschmeicheln.
    Nur von mir wird niemand etwas wissen.
    Keine Mädchenhand wird sanft mich streicheln.
    Tote Lippen sind zu kalt zum Küssen.

    Noch gibt's ein paar Menschen, die mich kennen,
    die an meinem Tische oft gesessen.
    Uns sie werden im Gespräch mich nennen
    - anfangs - und mich schließlich doch vergessen...

    Der du dieses liest, nach vielen Jahren,
    später Nachfahr, denk bei meinen Zeilen,
    dass auch wir einst froh und glücklich waren,
    wir, die längst im Reich der Schatten weilen.
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
  • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 5206

    #2
    ....Keine Mädchenhand wird sanft mich streicheln.
    Tote Lippen sind zu kalt zum Küssen........

    Ach Wolfgang......ach wie schön.......das ging richtig zu Herzen !!!

    Viele Grüße
    Hans-Jörg

    Kommentar

    • Belcanto
      Forum-Teilnehmer
      • 24.09.2008
      • 2509

      #3
      "Nicht vergessen bist du hier,
      Forum spendet Plattform dir,
      DAMIT WIR NICHT VERGESSEN,
      WAS WIR HABEN EINST BESESSEN.
      Wolfgang vielen Dank
      Gruß
      Belcanto

      Kommentar

      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11623

        #4
        Zitat von Wolfgang
        Noch gibt's ein paar Menschen, die mich kennen, ...
        - und mich schließlich doch vergessen...
        Noch ein kleines Nachwort: Wolfgang Federau schuf mit seiner Feder Unvergängliches, Unvergessliches. Er gerhört mit Carl Lange zu den ganz wenigen Danziger Dichtern der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, die sich nie dem Zeitgeist beugten oder unterwarfen.

        Wolfgang Federaus Befürchtung, er könne eines Tages vergessen sein, wird sich nicht so schnell bewahrheiten. Er lebt in seinen Gedichten und Werken weiter. Tot ist man erst dann, wenn sich niemand mehr an Einen erinnert, wenn man vergessen ist.
        -----
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

        Kommentar

        • Anonymus

          #5
          Zitat von Wolfgang
          Zum diesjährigen Allerheiligen / Allerseelen ein Gedicht von dem großen Danziger Dichter und Schriftsteller Wolfgang Federau, * 08.03.1894 in Danzig, + 18.05.1950 in Lübeck.
          ..........

          dass auch wir einst froh und glücklich waren,
          ..........
          .....in unserer alten Heimatstadt Danzig!

          Viele Gruesse
          Ohrscher Siegfried

          Kommentar

          • Belcanto
            Forum-Teilnehmer
            • 24.09.2008
            • 2509

            #6
            Ich glaube, diese Unterwellige Angst, vergessen zu werden, beschleicht alle Menschen, aber solange noch nicht alle Spuren verweht sind ( Wolfgang Federau " Verwehte Spuren- Geschichten und Erzählungen), bleibt die dankbare Erinnerung.
            Einen schönen Feiertag wünscht
            Belcanto

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