Weihnachtliches

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  • Inge-Gisela
    Forum-Teilnehmer
    • 09.11.2012
    • 1842

    #1

    Weihnachtliches

    Guten Abend an die Interessierten,

    Ich habe diesen Bericht in meinem Sammelsorium entdeckt, habe ihn bereits Jahrzehnte, weiß aber leider nicht, wer ihn geschrieben hat. Ich finde, er passt hier ins Forum. Ich habe den Text so abgeschrieben, wie er ist, auch wenn sich heute in der Orthographie einiges geändert hat.

    Alte deutsche Weihnachtsbräuche aus dem Osten

    "Durch einen geheimnisvollen Zauber lebt die alte Heimat besonders stark wieder auf, wenn wir das Schönste aller Feste nach alter Sitte feiern. Überall erklingt das Heimweh mit seinem bittersüßen Gefühl der Sehnsucht und der Liebe zur Kindheit und Heimat. Mit seinen wehmütigen Erinnerungen an heimatliche Arbeit und heimatliche Bräuche, an die Gemeinsamkeit mit Verwandten und Nachbarn, an die vertraute heimatliche Landschaft.

    In Ostpreußen und im Danziger Werder waren die Brummtopfspieler zu Hause. Ursprünglich stellten sie die „Weisen aus dem Morgenlande“ dar. Der Brummtopf war ein kleines, selbstgebasteltes Lärminstrument, meist hergestellt aus einem kleinen Faß, das mit einer Schweinsblase oder Leder überzogen war. An einem Ende wurden Pferdehaare durchgezogen, die zwei Kinder hin- und herzogen, und dadurch entstanden wilde Brummtöne. Oft hatte man auch noch Schellen an das Fässchen gehängt, damit die „Musik“ noch lauter wurde. Selten zogen nur drei Kinder durch das Dorf; meist kamen mehrere zusammen, die sich bunt kostümiert hatten. In manchen Gegenden hatten drei Kinder weiße Hemden an und auf dem Kopf Papierkronen oder hohe spitze Mützen, sie stellten die „Weisen“ dar. So zogen sie von Haus zu Haus und leierten mit eintöniger Stimme ein Gedicht, bis sie Pfefferkuchen und andere Leckereien bekamen. Es waren immer die gleichen Verse:

    „Wir kommen hierher ohn’ allen Spott,
    Einen schön’n guten Abend geb’ Euch Gott.
    Einen schön’n guten Abend, eine fröhliche Zeit,
    Die uns der Brummtopf hat bereit’.
    Wir wünschen dem Herrn ein’n gedeckten Tisch,
    auf allen vier Ecken ein’n gebratnen Fisch.
    Und in der Mitte eine Kanne mit Wein,
    dass der Herr und Frau können lustig sein.
    Wir wünschen der Frau eine goldene Kron’
    Und übers Jahr einen kleinen Sohn.
    Wir wünschen dem jungen Herrn ein Pferd ganz blank,
    Daß er kann reiten das Feld entlang.
    Wir wünschen dem Fräulein ein goldenes Penal,
    im nächsten Jahr einen jungen General.
    Wir wünschen der Köchin einen roten Rock,
    Im nächsten Jahr einen Besenstock.
    Wir wünschen dem Knecht eine Peitsche in die Hand,
    Daß er kann treiben die Schwein’ aufs Land.
    Wir wünschen dem Stubenmädchen ’n Paar weiße Strömp,
    Daß sie sich kann putzen, wenn der Freier kömmt.“

    Die Oberschlesier „begießen den „Wurm“ zu Weihnachten. Das ist ein sehr alter Brauch. Das heißt: Man hebt einen kräftigen und scharfen Korn, eine Quartelgallone, weil das den bösen Wurm im Leib, von dem alles Übel kommt, für das ganze Jahr vernichtet.

    Vor Weihnachten feierte man in Schlesien den Barbaratag. St. Barbara ist die Schutzheilige der Bergleute. Am 4. Dezember – dem Barbaratag – schneidet man Zweige von Kirschbäumen, die dann Weihnachten in leuchtender Blüte stehen.

    Etwas ganz besonders Hübsches sind die Krippen in den Nußschalen. Man schnitt ein Stück des Mittelteiles der Schale sehr vorsichtig heraus, nahm den Kern heraus, und in diese Aushö(h)lung setzte man Maria mit dem Kind und Joseph. Diese Kunstwerke waren manchmal aus Papier, aber oft auch aus Holz, ganz fein geschnitzt. Die Nüsse konnte man mit Silber oder Gold bronzieren. So ein schlesisches Nußkripperl hing in vielen Häusern, und sicher haben es manche wie einen Talisman mit auf die Flucht genommen.

    In Niederschlesien aß man Weihnachten die herrliche süße Mohnspeise. Sie war der Höhepunkt der leiblichen Genüsse am Heiligen Abend. Es war weichgekochter Mohn mit Rosinen und süßer Sahne.

    Im Sudetenland gab es wunderschöne geschnitzte Weihnachtskrippen, die sich von Generation zu Generation vererbten und immer reicher ergänzt wurden. Da im Erzgebirge die Holzschnitzer zu Hause waren, kann man noch heute viele dieser Meisterwerke der Schnitzkunst in großen Museen bewundern.

    Ungezählte Menschen mussten Haus, Hof und Heimat verlassen. Grenzen trennten sie von allem, was ihnen lieb geworden war. Aber, wenn die Kerzen am Weihnachtsbaum im goldenen Licht schimmern, dann wandern die Gedanken über alle von Menschen gesetzten Grenzen hinweg in die alte Heimat und alles lebt wieder, wenn die alten Lieder erklingen, wenn die alten schönen Festbräuche wieder erwachen, wenn das Unverlierbare, das wir in uns tragen und das uns kein äußeres Geschick rauben kann, in altem hellen Glanz erstrahlt."

    - - -


    Ich wusste nicht, was "Penal" bedeutet, habe diese Definition dafür gefunden: "Penal war ein französisches Volumen- und Getreidemaß unterschiedlicher Größe".

    Lieben Gruß

    Inge-Gisela
  • jonny810
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 2423

    #2
    AW: Weihnachtliches

    Hallo Inge-Gisela,

    hast Dir viel Mühe gemacht mit Deinem Beitrag,vielen Dank.

    Der St. Barbara-Tag wird auch im Ruhrgebiet - zwar nicht so gefeiert

    wie in Ober-Schlesien, man gedenkt aber der hl. Barbara.

    Sie war auch schon meine Schutz-Patronin und hat mich gut behütet.
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
    "Nec Temere - Nec Timide"
    Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

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    • Hans-Henning
      Forum-Teilnehmer
      • 15.07.2010
      • 108

      #3
      AW: Weihnachtliches

      Wie war einst die Weihnacht fantastisch.
      Ein jeder hat gern sie erlebt.
      Doch heute betrachtet, sarkastisch,
      man über den Dingen längst steht.

      Wo damals, nach Stress vieler Wochen,
      In Andacht zur Ruhe man kam,
      wird lang mit der Sitte gebrochen.
      Der Zeit die Besinnung man nahm.

      Geschäftssücht'ges Treiben steht oben
      als Höhepunkt, einmal im Jahr.
      Die Krippe, nach hinten verschoben,
      die ehemals Mittelpunkt war.

      Bestrebt, sich einander zu schenken,
      was jeder im Grunde doch hat,
      ging letztlich verloren, Gedenken,
      worum uns der Retter einst bat?

      Man rennt durch die Straßen in Eile
      im Rausch für das kommende Fest,
      wobei sich auf keinerlei Meile
      das Gottes Wort finden mehr lässt.

      Wie gern stünd es wieder inmitten.
      Es wurde vergessen, verdrängt.
      Lässt uns um Gedenken den bitten,
      der uns jeden Tag doch beschenkt.

      (Copyright by Anette Esposito,2008, www.christliche-gedichte.de )

      Mit diesen Weihnachtsgedanken wünsche ich allen Landsleuten und Forumern,
      mit ihren Lieben eine gesegnete,frohe, Advents und Weihnachtszeit.

      In heimatlicher Verbundenheit
      Euer
      Hans-Henning

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      • Stejuhn
        Forum-Teilnehmer
        • 09.08.2011
        • 1023

        #4
        AW: Weihnachtliches

        Guten Morgen, Hans Hennig,

        das Gedicht ist leider sehr zutreffend auf die heutige Zeit.
        Etwas mehr Besinnung auf die wahre Bedeutung dieses Festes täte allen Menschen gut.

        Eine frohe und besinnliche Zeit wünscht
        Sigrid
        Nirgendswo ist es schöner als zu Hause mit der ganzen Familie vereint zu sein.
        Stejuhn, Karschen, Hinzmann, Korthals, Kumke, Rudat, Nachtigall, von Wissotzki (Wishotzki), Oberdorf

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        • Inge-Gisela
          Forum-Teilnehmer
          • 09.11.2012
          • 1842

          #5
          AW: Weihnachtliches

          Hallo Erhart,

          Ich bin am Niederrhein aufgewachsen, kann mich noch sehr an ein Grubenunglück in der Nähe von Kamp-Lintfort erinnern, bei dem u.a. einige junge Männer ums Leben gekommen sind. Es war tragisch. Von der Hl. Barbara habe ich zu der Zeit noch nichts gewusst.

          Lieben Gruß

          Inge-Gisela

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          • Belcanto
            Forum-Teilnehmer
            • 24.09.2008
            • 2508

            #6
            AW: Weihnachtliches

            Die Heilige Barbara, war meine Schutzpatronin im Bergwerk und später bei der Bundeswehr als Artillerist. Sie hat mir immer geholfen: Danke Barbara.

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            • waldling +6.8.2023
              Forum-Teilnehmer
              • 04.09.2011
              • 2320

              #7
              AW: Weihnachtliches

              Hallo,
              im Beitrag #1 Brummtop:

              Band 1 Seite 239.
              Gruß
              Uwe

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              • Ulrich 31
                Forum-Teilnehmer
                • 04.11.2011
                • 8574

                #8
                AW: Weihnachtliches

                Hier etwas Besonders aus Danzig zur Weihnachtszeit 2018:



                Wer mehr dazu erfahren will, kann sich hier informieren (die deutsche Google-Übersetzung ist allerdings schaurig):

                > https://www.gdansk.pl/wiadomosci/nap...jecie,a,134321 (polnisch),
                > https://translate.google.com/transla...e%2Ca%2C134321 (deutsch),
                > https://translate.google.com/transla...e%2Ca%2C134321 (englisch).

                Da auch die englische Übersetzung holpert, hier ins Reine: Die Sankt Nikolaus Kappe auf dem "G" des 2,5 Meter hohen Schriftzugs "GDAŃSK" auf der Bleihofinsel wurde vom Danziger Flughafen Lech Wałęsa gespendet.

                Gruß Ulrich

                Kommentar

                • AngelB +12.3.22
                  Forum-Teilnehmer
                  • 11.02.2008
                  • 254

                  #9
                  AW: Weihnachtliches

                  Hallo -

                  ich habe dieses Gedicht vor einigen Jahren schon einmal gehoert und jetzt gerade wieder in einem Gedichteforum
                  gefunden. Passt wie die Faust auf's Auge:


                  Berliner Weihnacht
                  Verfasser unbekannt


                  Weihnacht will et wieder wer`n
                  hier herunten uff de Erden.
                  Und ma' sieht de Leute loofen,
                  wie se wild Jeschenke koofen.
                  Lachs un' Kaviar un' Sekt,
                  Jänse ooch, weil det jut schmeckt.
                  Appelsinen, Feinjemüse,
                  Nüsse, Feijen allet diese
                  Dinge sagen so de Leute,
                  braucht zum Weihnachtsfest man heute.
                  Ach nu hätt ick bald vajessen,
                  ooch Schokolade will man fressen
                  un' Fondant und Lebekuchen
                  soll man nich vajebens suchen.
                  Und et klingeln mit Frohlocken,
                  Ladenkass und Kirchenjlocken,
                  un' jeschwächt von's Einkoofsjagen
                  hört ma' dann de Leute sajen:
                  Nächstet Jahr zur Weihnachtsfeier
                  wird et schlicht un' nich so teuer.
                  Um dann wieder, siehe oben,
                  vor dit Feste loszutoben!

                  Schoene Feiertage
                  Angelika (AngelB)
                  Jugend ist verfuehrbar, heute und damals.

                  Kommentar

                  • JuHo54
                    Forum-Teilnehmer
                    • 11.12.2008
                    • 2378

                    #10
                    AW: Weihnachtliches

                    Einen lieben Gruß bis ins nächste Jahr !
                    Jutta
                    Angeh
                    Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

                    Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

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                    • Beate
                      Administratorin
                      • 11.02.2008
                      • 4836

                      #11
                      AW: Weihnachtliches

                      Ihr Lieben alle,

                      nun ist die meiste Arbeit getan, der Weihnachtsbaum steht im festlichen Schmuck (Glühwein beim Schmücken macht ihn traumschön!), alles ist geplant, vorbereitet, und die unvorhersehbaren Ereignisse werden wieder alles umwerfen! Eben "alle Jahre wieder"..das ist hier nunmal so. Egal, mit Humor meistert man alles.

                      Ich wünsche Euch ein frohes, gesegnetes, schönes Weihnachtsfest!
                      Unseren Kranken gute Besserung! Und allen, die an den Feiertagen Dienst tuen müssen, eine nicht zu anstrengende Zeit!

                      Herzliche Grüße, Beate
                      ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

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                      • Antennenschreck
                        Forum-Teilnehmer
                        • 05.09.2011
                        • 1833

                        #12
                        AW: Weihnachtliches

                        Hallöle,

                        Auch ich möchte ein besinnliches Julfest in die Runde wünschen.

                        LG Arndt
                        Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                        Kommentar

                        • Willy
                          Forum-Teilnehmer
                          • 06.03.2009
                          • 68

                          #13
                          AW: Weihnachtliches

                          Ich wünsche allen Forumsteilnehmern und deren Familien erholsame Feiertage und ein gesundes neues Jahr 2019.
                          Willy

                          Kommentar

                          • Antennenschreck
                            Forum-Teilnehmer
                            • 05.09.2011
                            • 1833

                            #14
                            AW: Weihnachtliches

                            Hallöle,

                            hier mal ein Stück eines Weihnachtsgedichtes, aus dem Buch "Deutsche Weihnachtslieder" von Karl Simrock:

                            Erst standen die Kleinen mit Harren und Bangen;
                            Wie freuten sich die Eltern auf ih sehnlich Verlangen,
                            Ihr Lauschen ob endlich das Glöckchen schalle,
                            Da schallte das Glöckchen, wie stürzten sie alle,
                            Aus der Nacht in das blende erleuchtete Zimmer!
                            Da war es als wiche die Sorge für immer,
                            Als würde sie Erde, die alternde jung,
                            und hätte für all ihre Kinder genung,
                            Als würde des Frohsinns flatternde Taube,
                            Nie wieder dem Geier des Kummers zum Raube,
                            Es ragte der schimmernde Weihnachtsbaum,
                            Wie ein Leuchtfeuer hoch in des Himmels Raum,
                            Alle Schiffe liefen bei seinem Schein,
                            In der Wünsche friedlichen Hafen ein.

                            LG Arndt
                            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                            Kommentar

                            • Antennenschreck
                              Forum-Teilnehmer
                              • 05.09.2011
                              • 1833

                              #15
                              AW: Weihnachtliches

                              Hier mal ein wenig über Weihnachten oder das Julfest, aus dem vorher genannten Buch:

                              Mitten in den kalten Winter fällt die schöne Weihnachtszeit, ja sie füllt, wenn wir ihre Vorfeier und Nachfeier, den Advent und den Epiphanientag hinzurechnen, das Herz der kalten und dunklen Jahreshälfte aus. Ist es doch, als wollte sie durch milde Herzenswärme den Frost des Winters vergüten, als sollte das neu geborene Licht, vom Weihnachtsbaum in tausend Kerzen zurück gestrahlt, die öde Nacht des Winters erhellen. Was aber das christliche Weihnachten betrifft, so ist wenigstens der historische Zusammenhang ein anderer. Christus ist nicht im kalten Norden geboren, und das viel jüngere Weihnachtsfest wurde zuerst in warmen Gegenden eingeführt, wo der Winter keine so strenge Gewalt übte. Aber unserem christlichen Weihnachtsfest ging ein heidnisches voraus, im hohen Norden Jul genannt. Hier file es in eine sehr kalte und beinahe lichtlose Zeit, wo die Sonne selbst am Tage kaum sichtbar wurde. Doch nach dem kürzesten Tag nimmt das fast hin geschwundene Licht wieder zu; und das ist es, was wir Wintersonnenwende nennen, das Ende des alten, und der Anfang des natürlichen neuen Jahres. Darum fasste der deutsche Heide seine Weihnachten als das Geburtsfest der Sonne auf, es war für ihn eine heilige Zeit, die heiligste des ganzen Jahres, bei der alle Arbeiten ruhen mussten. Zwölf Tage währte diese Feier, die sogenannten Zwölften oder Zwölf Nächte, da ja die Tage nach den Nächten, wie die Jahre nach den Wintern gezählt wurden. Die wieder geborene Sonne dachte man sich unter dem Bilde eines Ebers, dessen goldene Borsten den Sonnenstrahlen glichen, Diesen Eber, Gullinbursti genannt, kennen wir als das geheiligte Tier, das Symbol des Sonnengottes Freyr oder Fre. Darum bildete beim Julfest, wie noch heute in England, der Schweinskopf das Hauptgericht.


                              LG Arndt
                              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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