Irene Garbner:Erlebnisbericht

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  • Rudi Bellon, + 24.08.2010
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 265

    #1

    Irene Garbner:Erlebnisbericht

    [FONT=Arial]Am 21.01.1945 flohen wir,meine Mutter (46),meine Schwester (19)[/FONT]
    und ich (14 Jahre alt),mit abziehenden Soldaten aus Allenstein/Ostpr.
    Über Wormdritt und Pr.Holland zu Fuß bis Elbing,wo die Großeltern
    lebten.In der Nacht vom 24./25.01.45 kamen die russischen Panzer
    nach Elbing,wurden aber abgeschossen.Die Großeltern wollten in Elbing bleiben und eventuell mit dem Schiff heraus.Wir drei machten uns
    deshalb zu Fuß auf den Weg,Gepäck hatten wir ja nicht.Unsere Mutter
    wollte immer über die Flüsse,Alle,Naugat,Elbing,Weichsel,Oder usw.
    Wir begaben uns auf den Weg in Richtung Danzig.Unterwegs hatten
    wir ein Erlebnis,das mich noch heute bewegt.Als Fußgänger ohne
    Gepäck kamen wir gut voran und überholten die vielen Trecks.Tote
    Angehörige wurden in Teppiche gehüllt und teilweise mitgeführt.Vor
    dem Ort Käsemark lag vor uns auf der Straße ein Kissenbündel.
    Wir hoben es auf und stellten fest,dass sich in dem Bündel ein Baby
    befand.Ob Junge oder Mädchen,wissen wir nicht.In diesem Moment
    kamen Soldaten,ich glaube,sie nannten sich Feldgendarmerie,sie
    hatten so Plakettengehänge um und fragten uns,was mit dem Baby
    wäre.Wir sagten das wir das Bündel auf der Chaussee gefunden
    hätten.Sie nahmen uns das Bündel ab und beteuerten,das Baby in
    einem Krankenhaus abzugeben.Wir nahmen an,dieses Bündel ist von
    einem der Trecks heruntergefallen und man hat es nicht bemerkt.
    Bis heute verfolgt mich diese Angelegenheit,Hat dieses Kind seine
    Eltern gefunden,was ist aus ihm geworden?
    Nach fast 80 Km Fußmarsch erreichten wir Danzig und kamen dann
    über Stargard,Pasewalk,Stettin bis Anklam.Von dort mit einem
    Transport in den Kreis Minden,wo wir das Kriegsende erlebten,

    Irene Garbner,Essen

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    Quelleeutsche auf der Flucht.Buchautor Ralf Georg Reuth
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