Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

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  • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
    Forum-Teilnehmer
    • 13.02.2008
    • 3493

    #16
    AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

    Lieber Marcel ! Ja, wir haben das ALTE DANZIG erlebt und es nie vergessen. Dann aber lag unsere Heimat in Truemmern und in Schutt und Asche, das haben wir auch erlebt. Und ich bin nun schon dreimal im JUNGEN DANZIG gewesen, das aus den Truemmern wieder neu aufgebaut ist und das immer noch meine Heimat ist. Immer wieder, wenn ich nach Danzig komme, kann ich es kaum glauben dass es DANZIG wieder gibt. Ich bin Australierin geworden und meine Kinder und Grosskinder sind jetzt schon die dritte Generation Australier. Trotzdem waren sie mit mir in der Heimat und wissen dass dort ihre Wurzeln sind. Fuer viele 'alte Danziger' ist es schwer zu verstehen dass man eine neue Heimat finden kann und die durch Familie, Sitten und Gebraeuche eine grosse Bedeutung fuer uns hat. Australien ist ein ganz alter Kontinent aber ein junges Land, das sich von einer Strafkolonie zu einem der reichsten Laender der Erde entwickelt hat. Wir alle haben dazu mitgeholfen es zu einem Fleckchen Erde zu gestalten das fuer ueber 20 Millionen Heimat geworden ist, auf die wir stolz sind. Liebe Gruesse von der Feli von Down Under

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    • Martschinke
      Forum-Teilnehmer
      • 07.03.2008
      • 404

      #17
      AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

      Liebe Felicity, obwohl ich 87 Jahre alt bin habe ich noch sehr gute Erinnerungen an Danzig.
      Gute Erlebnisse bleiben jeden lange erhalten. Nebenbei habe ich auch noch sehr lebensgefährliche
      Erlebnisse von Danzig in Erinnerung und würde sie gerne los werden. Das ist mir nicht gelungen.
      Ich lebe mit beiden Vergangenheiten. Gute Zeiten, schlechte Zeiten sind gravierende Einschnitte
      im menschlichen Leben und die vergißt man nicht.

      Viele liebe Grüße
      kurt m

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      • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
        Forum-Teilnehmer
        • 13.02.2008
        • 3493

        #18
        AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

        So ist es Kurt ! Und auch in der Gegenwart. War gluecklich und umgeben von viel Liebe und Frohsinn bei meinem Sohn und meinen Enkelchen, waehrend in Paris andere ihre Leben verloren. Bin erschuettert ! Schreibe uns von Deinen Erlebnissen, dan wirst Du sie auch los. Liebe Gruesse von der 'aelteren' Feli.

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        • Martschinke
          Forum-Teilnehmer
          • 07.03.2008
          • 404

          #19
          AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

          Hallo Felicity und alle Vorumteilnehmer, inzwischen hat jeder Forumsteilnehmer Berichte geschrieben und das Ende vom Lied ist, dass
          man bei vielen kleinen und auch größeren Berichten gar nicht mehr weiß, ach habe ich nicht doch schon einmal darüber geschrieben?
          ...Es könnte gut sein, wenn es möglich wäre und nicht zu viel Aufwand erfordern würde alle geschriebenen Berichte cronologisch zu
          ordnen um sie nach Berichtsnummern aufrufen zu können. Du hast ja schon selbst erfahren, wie erschöpfte Themen in unserem
          Forum kritisiert werden. Bei mir muss es wohl vorgekommen sein, dass ich erschöpfte Themen geschrieben habe und andere Teilnehmer
          dadurch genervt habe. Ich habe mich selbstverständlich dafür entschuldig, denn keiner wird so etwas aus Bösartigkeit tun.
          Natürlich habe ich noch viele Danziger Erinnerungen von der Zeit Vor-u.-Nachkriegsende, weil ich seit meinem Geburtsjahr
          1928 in Danzig bzw. Umgebung bis 1947 dort gelebt habe. Wie Du ja auch selbst erfahren hast waren die politischen Wirren gerade
          in Danzig weltweit nicht mehr unerhörbar, jeder Danziger Bewohner war als Tages-Gespräch wie mit Themen, Korridor, Munitionsdepoo
          Danziger Grenzverletzungen und Kriegsgeschrei konfrontiert. Ich kann mich auch noch gut erinnern, wie 1939 eine Sondermeldung
          der anderen ablöste. Über unser Haus sah ich viele Flugeuge fliegen und ich rief meine Mutter auf den Hof, sie sagte jetzt brauchst
          du noch keine Angst zu haben. Es handelt sich überwiegend um Verkehrsflugzeuge mit jüdischen Bürgern sie verlassen die Stadt,
          weil sie vor der Diskriminierung Angst haben. Sie verkaufen ihre Geschäfte um ihr Vermögen zu retten und in anderen Ländern, die
          sie willkommen heißen einen neuen Anfang zu beginnen. Bei uns in der Gemeinde Müggenhahl gab es noch nicht viele Juden,
          aber eingeschleuste Verfolger meldeten sich schon zu Wort. Die Tageszeitungen wie zum Beispiel DIE DANZIGER NEUESTEN NACHRICHTEN
          und der DANZIGER VORPOSTEN, sie schrieben über die Lebensmittel-Hamsterer. Das war kurz vor dem Kriege vor dem September 1939
          strengstens verboten. Viele Leute haben das aufziehende Donner-Gewitter schon geahnt und haben sich reichlich davor mit
          Hamsterkäufen eingedeckt. Ein Onkel und eine Tante von mir sie verkauften ihr Haus in Schießstange an die Auto-Opel-Vertretung
          und erwarben das Grundstück in Guteherberge (Drei - Schweins - Köpfe Wappen des Grundstücks) mit dem ganzen Guteherberger
          Wald. Auch ein neues Auto, und dann haben sie noch durch Beziehungen einen ganzen Zentner 50 KG Rohkaffee hamstern können,
          da hatten sie erstmal was, sie meinten in dem Stadthaus hätten sie den Kaffee nicht rösten können, weil sie dann erwischt worden
          wären, dann wäre ihre Hamsterei aufgefallen und das Hamstern wurde schwer mit Gefängnis bestraft. In Danzig wohnten sie ja
          auch nicht weit vom Gefängnis entfernt, denn ihr Haus befand sich dort in Schießstange als Nachbarhaus. Sie hatten noch den
          richtigen Zeitpunkt für ihre Hamsterei erwischt, weil eine kurze Zeit nach Kriegsanfang ihr Auto für militärische Zwecke beschlagnahmt
          wurde und dann hätte sie ihre verpackten Kaffee-Säcke kaum noch in ihr neues Domizil schaffen können. Meine Eltern schlachteten
          schnell noch 2 Schweine, das wurde ohne Meldung auch verboten und mit Gefängnis bestraft. In den beiden Tageszeitungen wurden
          die Hamsterer immer öffentlich bekannt gegeben, was sie alles gehamstert und was alles beschlagnahmt. Die Zeit war vor dem Kriege
          in Danzig so kurios, ich könnte heute noch einen ganzen Roman darüber schreiben, was sich damals alles zugetragen hat.

          Meine Grüße richten sich nun an Alle an Felicity und alle Vorum-Teilnehmer.
          kurt m

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          • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
            Forum-Teilnehmer
            • 13.02.2008
            • 3493

            #20
            AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

            Lieber Kurt ! Danke fuer Deinen Bericht. Immer wieder, wenn ich Berichte von Forum-Teilnehmern lese, hoffe ich auf jemanden von der Niederstadt zu stossen. Aber das ist noch nie geschehen.

            Rudi ist gerade dabei mein Buch zu uebersetzen, also will ich da nicht hervorgreifen und werde nur kurz von den Vorkriegsjahren berichten.

            Ich bin am 4.8.1927 in Weidengasse 4, auf der Niederstadt geboren. Als die Familie groesser wurde, zogen wir um in die Weidengasse 48. Und im Juli 1945 habe ich Danzig verlassen.

            Mutti hatte eine Leibibliothek und Opa, nach dem Tod meiner Oma, lebte mit uns. Wir waren 4 Maedels und alle mussten, wenn noetig, im Laden aushelfen. Papa war ein russischer Offizier im Zaren Regiment und Emigrant.

            Die verschiedenen Religionen und Nationalitaeten erweckten in uns eine gewisse Tolarance, die wir wohl nie im
            Leben vergessen haben.

            Nachdem ich 4 Jahre in der Maedchenschule, Weidengasse war, schulte mich Mutti um, in die Marienschule der Ursulinen, ein katholisches Lyzeum. Nach Hitler's Einmarsch wurde die Schule geschlossen und als Staatliche Maedchen Oberschule, die Luisenschule, wieder eroeffnet.

            Als ich 12 Jahre alt war brach der Krieg aus und ich werde diesen Tag nie vergessen. Am 1. September 1939 hielt Hitler eine Rede, uebers Radio, in der er uns informierte, dass Danzig wieder an das Reich angeschlossen war. Im selben Augenblick und zu unserem Entsetzen hoerten wir die ersten Kanonenschuesse und Stukas bombardierten die Westerplatte. Wie passten die Worte der Freiheit und dieser Ausbruch totaler Gewalt zusammen ?

            Liebe Gruesse von der Feli, die, trotz ihrer 88 Jahre, sich noch sehr gut an alles erinnern kann.

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            • love danzig
              Forum-Teilnehmer
              • 09.11.2015
              • 1494

              #21
              AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

              Hallo Felicity. Mein Vater-geb.1921 in Danzig, sagte oft als Kind zu mir, Danzig ist eine Stadt mit vielen Kulturen und offenen Menschen.Wenn ich deine Berichte und Anekdoten lese, bin ich mir sicher, das es trotz dieser wirklich Schrecklichen Erlebnisse eine Heimat der Liebe war und ist. Mfg. Roman

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              • Ute Marianne
                Forum-Teilnehmer
                • 23.11.2010
                • 1098

                #22
                AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                HAllo Fely,

                Meine Urgroßmutter ist 1879 in der Weidengasse 8 geboren und dort aufgewachsen. Sie wohnte später Bartholomaikirchgasse,Eimermacherhof und Marineweg 20.

                Sie ist nur leider 1972 verstorben ,so dass sie mir leider nichts mehr von Danzig erzählen konnte ich war erst 3 Jahre alt.


                Gruß Ute

                Kommentar

                • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                  Forum-Teilnehmer
                  • 13.02.2008
                  • 3493

                  #23
                  AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                  Liebe Ute ! Das ist ja ulkig wenn man die Zahlen betrachtet. Deine Oma ist 1879 in Nummer 8 geboren......... Ich bin 1927 in Nummer 4 geboren.......48 Jahre spaeter.........dann lebte ich in Nummer 48.........? Liebe Gruesse von der Feli

                  Kommentar

                  • Ute Marianne
                    Forum-Teilnehmer
                    • 23.11.2010
                    • 1098

                    #24
                    AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                    HAllo Fely,

                    Du hast das Tick Tack vergessen für die Uroma.Also noch eine Generation zurück.

                    Mein Paps hat seine Oma innigst geliebt und sie haben fast den selben Sterbetag er 1.12. sie 2.12. auch sehr mackaber 28 JAhre Differenz.

                    So nun bin ich auch wieder ein Jahr älter ich jungsches Kücken.


                    Gruß und gute Nacht vom Rhein Ute

                    Kommentar

                    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                      Forum-Teilnehmer
                      • 13.02.2008
                      • 3493

                      #25
                      AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                      Lieber Roman ! Unsere Heimat war einzigartig, durch den Platz den sie sich im Welthandel durch harte Arbeit, viel Geld grosser Toleranze und ihrer geographischen Position, erobert hatte. Dadurch offneten sich die Tueren zu der Kentniss von Fremdsprachen und damit auch Freundschaften zwischen Mitgliedern von allen Laendern der Welt. Wo Freundschaft ist, da gibt es auch Verstaendnis und Danzig bekam dadurch auch eine Stadt des Wissens und der Bildung. Das spiegelte sich wieder in den Buergern und deren Leben. Bitte, vergiss nicht, ich spreche da von der FREIEN STADT DANZIG, frei und nicht unter der Herrschaft von anderen Maechten. Wie Recht da Dein Vater hatte. Auch die schweren Zeiten kann man nicht so schnell vergessen und soll man auch nicht, sie haben unseren Charakter gebildet und uns stark gemacht. Liebe Gruesse von der Feli

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                      • Heinzhst
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 450

                        #26
                        AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                        Ute alles Gute zum Geburtstag. Egal wie das Wetter ist mach das beste daraus.

                        Zufälle: Mein Grossvater ist 1873 geboren, mein Sohn 1973.

                        Mein Vater ist 1902 geboren, mein Enkel 2002.

                        Hier im Nordschwarzwald schneit es.

                        Schönen Wintersonntag allen, wünscht Heinz
                        Ich glaube nur das,was ich gesehen und erlebt habe.
                        A.G.

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                        • Ute Marianne
                          Forum-Teilnehmer
                          • 23.11.2010
                          • 1098

                          #27
                          AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                          Hallo Heinz,

                          Ja danke dir für die netten Wünsche ich werde mich heute hochleben lassen trotz Totensonntag.

                          Ich werde heute mit einer weißen Rose im Geburtstagsstrauß meinem verstorbenen Vaters und alles anderen gedenken .

                          Ja es ist schon lustig und skuril wie sich die Jahreszahlen wiederholen.

                          Habe in der Verwandtschaft auch so ein Fall Vater Georg Wagenplatz geb. 8.3.1923 Sohn Georg Wagenplatz geb 8.3.1954.



                          Gruß Ute MArianne

                          Kommentar

                          • Bartels
                            Forum-Teilnehmer
                            • 25.07.2012
                            • 3448

                            #28
                            AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                            Hallo,

                            meine Ur-Ur-Grosseltern: Friedrich August Henning, 14.7.1800 - 1857, Buchbindermeister in Köthen; verh. 1833 mit Auguste Wilhelmine Wienecke, 14.7.1800 - 1846, ebenfalls geboren in Köthen. Beide stehen hintereinander im Taufbuch, allerdings an aufeinanderfolgenden Tagen, sonst hätten sie sich schon 1800 als Säuglinge am Taufbecken "getroffen".

                            Ihre Enkelin, meine Grossmutter Elise verh. Böttcher, * 14.7.1870 in Köthen, genau 70 Jahre später. Sie erlebte ihren 75. Geburtstag noch in Danzig, wo sie 50 Jahre zu Hause war. Während der Vertreibung im August 1945 verlor sie ihren Mann an der Oder und starb wenig später in Berlin.

                            In meiner und der kommenden Generation wurde der 14.7. um acht bzw. fünf Tage "verpasst".

                            Zwei Geschwister meiner Mutter kamen früher bzw. später als berechnet und so feierten sie im September gemeinsam drei Tage lang Geburtstag, zuerst die Jüngste, dann meine Mutter und dann der ebenfalls zwei Jahre ältere Bruder.
                            Beste Grüsse
                            Rudolf H. Böttcher

                            Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                            Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                            Familie Zoll, Bohnsack;
                            Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                            Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                            http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

                            Kommentar

                            • Martschinke
                              Forum-Teilnehmer
                              • 07.03.2008
                              • 404

                              #29
                              AW: Erinnerungen an Danzigs Vorkriegszeit

                              Liebe Felicity, Du hast schon richtig geschrieben und gefragt, wie passt Freiheit mit Kanonendonner zusammen. Es ist auch richtig,
                              das durch den Anschluß von Danzig an Deutschland für die Danziger eine Hürde genommen war. Der Zoll fiel weg, sie konnten frei
                              reisen, der Konsumeinkauf war für viele möglich geworden, aber leider war mit dieser Freiheit auch die Kriegserklärung von England
                              und Frankreich verbunden. Danzig war nun eingeliedert und gehörte nun zum Dentschen Reich. Die Kriegserklärung richtete sich
                              von nun an auch gegen die Danziger Bevölkerung. Ich war jetzt im November 2015 zu einer Trauerfeier im Deistertal/Hameln-Weser
                              eingeladen und da kamen wir die Danziger-Trauergäste zusammen, selbst dort blieb das Thema von unsern Freistaat Danzig nicht aus.
                              Immer wieder höre ich dasselbe Thema... Blos das mit den Juden und Russland hätte Hitler nicht machen sollen..
                              Ja, was wäre dann gewesen? Es ging Hitler doch nicht um eine kleine Stadt Danzig, er wollte die Weltherrschaft. Wie paradox es
                              auch klingt, ich denke mal, die westlichen freien Länder Europas, Amerika und auch zum Teil Asien schaffen es kaum paar
                              Terror-Milizen zum Rezess zu bewegen, aber Hitler könnte es schaffen die ganze Welt zu germanisieren? Viele Menschen auch
                              in unseren Kreisen brauchten politisch Nachhilfenstunden, was in der Welt überhaupt gespielt wird! Findest Du das nicht auch?

                              Ich sende Dir und das ganze Forum viele liebe Grüsse

                              kurt m

                              Kommentar

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