Erinnerungen von Erwin Völz (03)

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Erinnerungen von Erwin Völz (03)

    Es ist schon lange her, da lief ein Film mit dem Titel, Nacht fiel über Gotenhafen. Vor nicht all zu langer Zeit sah ich einen Hinweis darauf. Da ich selbst das Inferno in Danzigs Altstadt als 13jähriger 1945 erlebt habe, kommen mir manches Mal nachgestellte Szenen in solchen Streifen unwirklich vor. Sicherlich ist es schwer so etwas zu drehen.

    Übrigens nachbemerkt, mein Vater war Lokführer und musste 1945 als Eisenbahner in Danzig bleiben. Er war nicht Soldat. Da er den Befehlszug der Generalität und des Gauleiter Forster fahren musste, wurde ihm angeboten, die Familie mit der GUSTLOFF herausbringen zu lassen. Unsere Eltern entschieden anders und retteten so die ganzen Familie vor jener Fahrt in den sicheren Tod. - In einem Artikel der "PZ" vom 12.02.00 wird geschrieben: Der Beweis dafür, dass die "Gustloff" auf ihrer ersten und letzten Flüchtlingsfahrt ebenfalls mehr als 10.000 Menschen an Bord hatte, lieferte mir (dem Verfasser) der letzte Einschiffungsoffizier der Gustloff, den ich erst 1997 fand...

    Die Namen von weiteren Flüchtlingen wurden von Marinehelferinnen notiert. Es sollen sich insgesamt 10.582 Passagiere an Bord befunden haben. Somit ist die Zahl der Toten 9343 Menschen. Es sollen mehr als die Hälfte Kinder gewesen sein!!! Unsere Eltern vereinbarten Kontakt zu halten. Wir waren mit unserem Papa im (Hevelius)-Bunker in der Pfefferstadt verabredet. Er schaffte es mit einem Fischkutter von Hela zurück nach Danzig zu kommen. Und so waren wir, die Eltern und 3 Kinder im Inferno beisammen. Dort im Bunker, 2 Etagen unter den Häusern hätten wir ohne ihn nicht überlebt. Als die Panik da unten (im März 1945) ausbrach, und die Menschen sich gegenseitig ins Feuer schoben, hat er uns unter die Schräge der Ausgangstreppe zur Baumgartschen Gasse gedrückt; bis sich der Panikdruck aufgelößt hatte.

    Als die Sowjetarmee kam, wurde mein Vater in Zivilgefangenschaft abgeführt. Wir kannten vom 28.03.45 bis ca. Juli 1945 seinen Aufenthalt nicht. Als wir dann von einem entkommenen Mitgefangenen, dem Eisenbahner Beuger aus Praust erfuhren, dass er im NARWIKLAGER ist. Dann sahen wir ihn in den täglichen Gefangenen-Kolonnen vom Werftgelände zum Narviklager "kriechen oder schlurfen". Als er total verhungert und ruhrkrank, vor das Lagertor geworfen wurde, haben meine Mutter und ihre Schwester Anna Mede, aus der Kleinen Molde, Vater im Handwagen nach Hause gefahren.- Als er sich mit unserer Hilfe erholt hatte, sind wir als ganze Familie in Praust vertrieben worden und im September 1945 in Magdeburg gelandet. Ohne seine Familie hätte er nun nicht überlebt. In Magdeburg ging für uns alles gut weiter. Er wurde sofort wieder Lokführer der Reichbahn, bekam erstmal Krankengeld und fuhr danach wieder Güterzüge.

    Herzliche Grüße aus Freiburg von Erwin
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
  • mottlau1
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 1720

    #2
    AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

    Guten Tag,

    gestern telefonierte ich mit Erwin Völz. Meine Frage war die: Wo befand sich das Narwiklager. Ich hatte in der Liste der Gefangenen im Gefängnis Schießstange den Namen meines Großvaters entdeckt. Hinter seinen Angaben stand noch: Narwiklager. -
    Erwin sagte mir in Neufahrwasser. Das Lager sei 1939 für die Marineausbildung errichtet worden. Später wären die Gefangenen von den Russen in dieses Lager gebracht worden. Wer dort starb kam in ein Massengrab auch in Neufahrwasser. -Dort wo sie verscharrt wurden wäre später ein Hochhaus errichtet worden.
    Nun frage ich wer weiß wo dieses genau errichtet worden ist und was mit den Gebeinen der Toten vom Narwiklager passierte.

    Gruß Jutta
    Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
    (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

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    • Hansgeorg Bark
      Forum-Teilnehmer
      • 22.10.2009
      • 61

      #3
      AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

      das Narvicklager lag zwueschen Schemllmuehl und Lauental ,am Paulbenekeweg,und war vor 19/45 ein Ausbidungs Lager fon der Kriegsmariene Gruss Hansgeorg

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      • tanzaufdemregenbogen
        Forum-Teilnehmer
        • 13.02.2015
        • 4

        #4
        AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

        Guten Tag
        Ich bin neu hier, und habe das Forum gefunden weil ich zur Zeit die Geschichte meiner Schwiegermutter aufschreibe.
        Meine Schwiegermutter Dorothea Witschelinski wurde 1935 in Danzig geboren. Sie und ihre Familie hatten damals im Hevelius-Bunker (Altstädtisches Rathaus) überlebt. Witschelinski's wohnten in der Pfefferstadt 29. Dorotheas Vater Paul war nicht eingezogen worden, weil er eine Behinderung am Bein hatte.
        Er war Luftschutzwart im Hevelius Bunker .Dorothea erzählte mir, daß nach dem Bombenangriff Soldaten in den Keller kamen und alle hinaus trieben. Damals am 21. März 1945 (Geburtstag von Dorotheas Mutter Agnes) sah Dorothea ihren Vater das letzte mal. Sollte jemand noch Informationen haben ich wäre sehr Dankbar darüber, denn Die Familie hat darüber wenig erzählt. Vielleicht kann sich Erwin Völz an Paul Witschelinski erinnern?
        Liebe Grüße Brigitte Hirn

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        • christian65201
          Forum-Teilnehmer
          • 15.02.2008
          • 1256

          #5
          AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

          Guten Tag,
          es ist schon verwunderlich welche Schicksale es in den letzten Tagen des Krieges in Danzig gab. Auch in unserer Familie ist im März 1945 unser Onkel, der als Luftschutzwart eingesetzt war "verschwunden". Meine Cousine ließ ihn dann später für Tod erklären, aber was mag da geschehen sein?
          Liebe Brigitte, in dem Punkt Deiner Erwartungen, daß sich Erwin vielleicht an den Vater Deiner Schwiegermutter erinnert darft Du wahrscheinlich nicht alzu große Hoffnung setzen. Erwin berichtet haupsächlich über die Kriegsgeschehen in Praust.
          Lioebe Grüße
          Christian
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          • jonny810
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 2423

            #6
            AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

            Hallo in die Runde,

            ich hatte an anderer Stelle schon einmal erwähnt, dass Erwin Völz und ich das Kriegsende in dem gleichen Bunker überlebt haben.

            Erwin ist ein paar Jahre älter als ich. Trotzdem weiß ich mit Sicherheit, dass es ein Zufall gewesen ist, wenn sich Menschen in der

            miesen Lage kannten, oder dass irgend welche Namenaufzeichnungen durchgeführt wurden.

            Nach dem Verlassen des Bunkers durch die Luft-Schächte, wurden wir von Lotsen über das Trümmerfeld zum Bischhofsberg geführt.

            Strassen waren nicht mehr zu erkennen.

            Bei dieser Sachlage ist es eher unwahrscheinlich, dass es irgend welche Namens-Listen gibt.
            Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
            "Nec Temere - Nec Timide"
            Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

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            • tanzaufdemregenbogen
              Forum-Teilnehmer
              • 13.02.2015
              • 4

              #7
              AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

              Hallo
              Zur Richtigstellung, aus Unterlagen: Agnes hatte am 25.März Geburtstag lt. Heiratsurkunde, Paul starb am 24.September 1945
              Gruß Brigitte

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              • mottlau1
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 1720

                #8
                AW: Erinnerungen von Erwin Völz (03)

                Hallo Erhart und alle hier,

                weil hier die Schilderung von Erwin Völz erwähnt wird, möchte ich mitteilen, daß ich seit dem 1. Mai versuche Erwin telefonisch zu erreichen. Vor allem weil er seinen 83. Geburtstag am 1. Mai hatte. Ich werde es weiter probieren denn schließlich haben wir ihm sehr viele Zeitzeugenberichte zu verdanken. Notfalls werde ich ihm einen Brief per Post schreiben. Ich weiß daß er selten in seiner Wohnung in Moers ist. Aber vielleicht habe ich ja damit mehr Glück.
                Sobald ich ihn erreiche werde ich mich hier melden.

                Viele Grüße
                Jutta
                Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
                (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

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