Weinachten bei Sternfeld

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  • Aussie

    #16
    AW: Weinachten bei Sternfeld

    Liebe Margarethe,
    Vielen Dank fuer Deinen Beitrag der mich ueberaus interessierte und vielen Dank und Gruesse an Deine Mutter. Habe gestern einen Brief an den Enkel Sternfeld abgesandt und bin sehr sicher von ihm Antwort zu erhalten. Mir wurde ebenfalls die Adresse einer 80 jaehrigen Sternfeld Tante in Travemuende gegeben und ich bin im Prozess ihr einen langen Brief zu schreiben. Dazu werde ich die Kommentare dieses Artikels beilegen die ich soebend ausgedruckt habe, was ich glaube im Einverstaendnis aller geschah. Feli sandte mir liebevolle Kommentare ueber Sternfeld und unser Tomek ist ebenfalls hoechst interessiert. Das erstellt nun das Gdansk - Polnische Interesse her.
    Mir liegt sehr an dem Ursprung der Sternfeld Familie um das gesamte Bild zu erhalten.
    Viele liebe Gruesse an alle und den sprungbereiten Wetterfrosch Hans Joerg,
    Christa.

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    • Margarethe
      Forum-Teilnehmer
      • 06.01.2010
      • 3

      #17
      AW: Weinachten bei Sternfeld

      Hallo Aussie,

      das klingt ja alles sehr spannend. Um korrekt zu sein, muss ich eine kleine Richtigstellung anbringen: das Geschäft meines Großvaters Benno Herrmann befand sich in der Langgasse 43/45. Die Adresse Langgasse 75/83 gehörte zum Kaufhaus Sternfeld.

      Das Adressbuch von Danzig 1942 habe ich inzwischen eigesehen und dabei noch mehrere Adressen von Verwandten wiedergefunden. Allerdings waren sie auch gut in der Familiengeschichte aufbewahrt, da die Nachkommen von Benno Herrmann alle überlebt haben und sich nach einiger Zeit nach der Flucht in Lübeck, bzw. Travemünde wieder fanden.

      Alles Gute in die Wärme aus einem verschneiten Schleswig-Holstein

      Margarethe

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      • Aussie

        #18
        AW: Weinachten bei Sternfeld

        Liebe Margarethe,
        Man kommt sich durch all dieses naeher und fuehlt sich wie ein Familienmitglied. Meine Oma hatte ein Geschaeft am Vorstaedtischen Graben. Mein Opa war Invalide. Er hatte bei Schichau einen Metallsplitter ins Auge bekommen und war auf einem Auge blind. Meine Grossmutter und viele Tanten mit ihren Kindern blieben bis sie rauss musten in Danzig. Es war ja auch nicht mehr viel uebrig. Die Innenstadt war doch total zerstoert. Als meine Grossmutter dann zu uns Fluechtlingen nach Schleswig Holstein kam sass sie oft am Fenster und starrte hinaus murmelnd:"Ich kann die Langgasse sehen." Zerstoert mochte wohl alles sein aber niemals die kostbare Erinnerung.
        Liebe Gruesse,
        Christa

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        • Ulrich
          Forum-Teilnehmer
          • 30.01.2009
          • 280

          #19
          AW: Weinachten bei Sternfeld

          Liebe Margarethe,

          wenn ich Dich richtig verstehe, liebe Margarethe, ist Dein Großvater, Benno Herrman, 1934 als Abteilungsleiter und Geschäftsführer aus dem Kaufhaus Nathan Sternfeld ausgeschieden.
          Mit einem Teil der Abfindung hat er dann am 29.11.1934 in den Räumen Langgasse 43/45 ein eigenes Geschäft eröffnet: „Benno Herrmann, Glas-Porzellan-Geschenkartikel-Hausrat“. Dieses Geschäft führte er bis zum 28.3.1945.
          Du schreibst dann, dass seine Tochter , Deine Mutter, Gerda Herrmann, in der Firma „von Beginn an“ mitgearbeitet hat und „in den letzten Jahren Mitinhaberin und immer Benno Herrmanns rechte Hand war“.
          Hierzu habe ich eine Verständnisfrage: Ich hoffe, ich verstehe das richtig, dass Deine Mutter im Geschäft Benno Hermman, Langgasse 43/45 „von Beginn an“ mitgearbeitet hat? Wenn das richtig ist, würde das bedeuten, dass weder der Großvater, noch auch die Mutter seit 29.11.1934 die Geschichte und Geschicke des Kaufhauses Nathan Sternfeld, Langgasse 75/83 als Mitarbeiter mitgestaltet haben, sondern dass sie das Kaufhaus Sternfeld seitdem nur noch als Außenstehende - vielleicht partiell als Konkurrenten? - wahrgenommen haben.

          Mich würde interessieren, ob der Großvater, oder ob die Mutter von der antijüdischen Demolierung des Kaufhauses Sternfeld, von der Aussi im Thread berichtet, etwas wahrgenommen haben.

          Auch würde mich interessieren, ob aus der Zeit, in der der Großvater Benno Hermann noch bei Sternfeld tätig war, in der Familie noch Erinnerungen an die antijüdische Hetze gegen das Kaufhaus Sternfeld gab, z.B. gegen die zwei Mitarbeiterinnen jüdischer Herkunft.

          Samuel Echt scheint davon überzeugt zu sein, dass das Kaufhaus Sternfeld unter die große Arisierungsakampagne von 1937 gefallen ist:

          „In den Schaufenstern der großen Kaufhäuser Nathan Sternfeld, Walter und Fleck, Eduard Löwens und Otto Kraftmeyer verwehrten Plakate mit der Aufschrift „Deutsches Geschäft“ noch vor Ostern 1938 jüdischen Käufern den Zutritt.
          Juden, die einmal ihre Existenz um ihres Deutschtums verloren hatten, als sie aus dem Korridor nach Danzig gezogen waren, verloren zum zweiten Mal ihre Existenz, diesmal wegen ihres Judentums, da sie nicht mehr als Deutsche anerkannt wurden.
          Dutzende weiterer Beschlagnahmen wegen Steuerhinterziehung folgten. Die letzten 100 Seiten des Danziger Stadtanzeigers für 1937, die diese Fälle für November und Dezember 1937 aufzählten, zeigen mit grausamer Deutlichkeit, wie man die jüdischen Inhaber großer Handels- und Industriefirmen durch Druck und Erpressung loszuwerden, aber ihr Vermögen festzuhalten bemüht war“ (S. Echt, Die Geschichte der Juden in Danzig, S. 173).

          Es mag also tatsächlich so sein, liebe Margarethe, dass, wie Deine Mutter sich erinnert, das Kaufhaus Sternfeld „bis zum Ende nicht umbenannt“ wurde, gleichwohl steht es nach Samuel Echt fest, dass der oder die jüdischen Inhaber dieses Kaufhauses aus antisemitischen Gründen um seinen, bzw. um ihren Besitz gebracht worden sind.
          Dann wäre dies das Ende einer antijüdischen Hetzkampagne gegen das Kaufhaus Sternfeld gewesen, deren Vorläufer nach Erwin Lichtenstein mindestens bis ins Jahr 1933 zurück reichen.

          Es grüßt Dich freundlich

          Ulrich

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