Hallo zusammen,
die Danziger Zeitung schreibt dazu in ihrer Ausgabe vom Samstag, den 2.1.1926 auf Seite 2 (https://pbc.gda.pl/dlibra/publicatio...dition/23696):
[FONT=calibri]Sturm in der Silvesternacht
Unerhebliche Schäden - Trotz Regen der übliche Straßenbetrieb
Das alte Jahr hat sich mit stürmischen Umarmungen von Danzig verabschiedet. Es gebärdete sich so wild, daß man meinen konnte, es täte ihm leid, dem neuen Zeitabschnitt, der vor der Tür stand, Platz zu machen. Stürme rüttelten an Giebeln und Dächern, Toren und Türen und peitschten die Fluten der See und der Flüße mit unbändiger Gewalt. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde heftig durcheinandergeschüttelt. Dabei schlug der Regen an die Scheiben, daß es nur so eine Art hatte. Aber es half alles nichts. Das alte Jahr mußte weichen, und bald nach seinem Weggange beruhigte sich das Element.
Dem fröhlichen Silvestertreiben, das zu jeder Jahreswende bräuchlich ist, tat das stürmische Wetter keinen oder doch kaum bemerkbaren Abbruch. Schon in den Stunden vor Mitternacht herrschte in den Hauptstraßen des Stadtinnern ein starker Betrieb, in der zwölften Stunde erreichte das Leben und Treiben seinen Höhepunkt. Man sah in diesem Jahre besonders viele maskierte Gestalten, darunter bunt gekleidete Leute mit Musikinstrumenten, die teilweise Einlaß in die Häuser und Lokale begehrten. In den meisten Fällen hatten diese wilden Musiker, die mitunter einen höchst verdächtigen Eindruck machten, wenig Glück. Man sah auch wieder viele schwankende Gestalten, denen die Festfreude stark zu Kopf gestiegen war, und mit dem Beginn des neuen Jahres setzte der von der Behörde erlaubte Lärm ein. Zu Ausschreitungen ist es, soweit uns bekannt wurde, nirgends gekommen. Die Gast- und Vergnügungsstätten, die Silvesterfeiern veranstalteten, erfreuten sich wieder eines außerordentlich starken Zuspruches.
Der Sturm in der Silvesternacht hat glücklicherweise keine erheblichen Schäden hervorgerufen. Auch im Zug= und Autobusverkehr kam es zu keinen nennenswerten Störungen. Im Hafen sind keine besonderen Beschädigungen infolge des Sturmes vorgekommen. Zu dem Vorfall mit dem Dampfer Chateau Lafitte ist noch berichtigend zu bemerken, daß sich der Dampfer nicht von seinem Anker gerissen hat, sondern, daß bei dem Sturm seine Festmachleinen nicht hielten. Der Dampfer trieb quer ins Fahrwasser, nur durch die Aufmerksamkeit eines Lotsen wurde ein Zusammenstoß mit einem gerade im Auslaufen begriffenen Dampfer vermieden. Der Lotse erkannte die Gefahr rechtzeitig und konnte sein Schiff durch Fallenlassen des Ankers und Rückwärtsgang der Maschine rechtzeitig zum Stehen bringen. Der Dampfer Chateau Lafitte wurde dann durch Schlepper wieder an seine Liegestelle gebracht.
Auf der Weichsel herrschte am Silvesterabend, wie bereits gemeldet, starkes Eistreiben, durch das die Schiewenhorster Dampffähre in große Gefahr geriet. Die Kleinbahnfähre konnte wegen des Eisganges nicht übersetzen. Am gestrigen Tage war das Wasser der Weichsel nicht weiter gestiegen, der Strom war wieder eisfrei.
Am Neujahrstag hatte sich das Wetter beträchtlich gebessert, doch gab es noch zeitweise Regenschauer. Der Wetterbericht des Observatoriums lautet:
Hochdruckgebiet westliches Mittelmeer mit Ausläufern über den britischen Inseln. Tief Nord=Rußland und westlich von Island.
Vorhersage: Wechselnde Bewölkung, vereinzelt Regenschauer, langsam abflauende westliche Winde, kühler. Folgende Tage aufklarend, aber unbeständig.[/FONT]
Einen guten Start ins neue Jahr wünscht
Karsten
die Danziger Zeitung schreibt dazu in ihrer Ausgabe vom Samstag, den 2.1.1926 auf Seite 2 (https://pbc.gda.pl/dlibra/publicatio...dition/23696):
[FONT=calibri]Sturm in der Silvesternacht
Unerhebliche Schäden - Trotz Regen der übliche Straßenbetrieb
Das alte Jahr hat sich mit stürmischen Umarmungen von Danzig verabschiedet. Es gebärdete sich so wild, daß man meinen konnte, es täte ihm leid, dem neuen Zeitabschnitt, der vor der Tür stand, Platz zu machen. Stürme rüttelten an Giebeln und Dächern, Toren und Türen und peitschten die Fluten der See und der Flüße mit unbändiger Gewalt. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde heftig durcheinandergeschüttelt. Dabei schlug der Regen an die Scheiben, daß es nur so eine Art hatte. Aber es half alles nichts. Das alte Jahr mußte weichen, und bald nach seinem Weggange beruhigte sich das Element.
Dem fröhlichen Silvestertreiben, das zu jeder Jahreswende bräuchlich ist, tat das stürmische Wetter keinen oder doch kaum bemerkbaren Abbruch. Schon in den Stunden vor Mitternacht herrschte in den Hauptstraßen des Stadtinnern ein starker Betrieb, in der zwölften Stunde erreichte das Leben und Treiben seinen Höhepunkt. Man sah in diesem Jahre besonders viele maskierte Gestalten, darunter bunt gekleidete Leute mit Musikinstrumenten, die teilweise Einlaß in die Häuser und Lokale begehrten. In den meisten Fällen hatten diese wilden Musiker, die mitunter einen höchst verdächtigen Eindruck machten, wenig Glück. Man sah auch wieder viele schwankende Gestalten, denen die Festfreude stark zu Kopf gestiegen war, und mit dem Beginn des neuen Jahres setzte der von der Behörde erlaubte Lärm ein. Zu Ausschreitungen ist es, soweit uns bekannt wurde, nirgends gekommen. Die Gast- und Vergnügungsstätten, die Silvesterfeiern veranstalteten, erfreuten sich wieder eines außerordentlich starken Zuspruches.
Der Sturm in der Silvesternacht hat glücklicherweise keine erheblichen Schäden hervorgerufen. Auch im Zug= und Autobusverkehr kam es zu keinen nennenswerten Störungen. Im Hafen sind keine besonderen Beschädigungen infolge des Sturmes vorgekommen. Zu dem Vorfall mit dem Dampfer Chateau Lafitte ist noch berichtigend zu bemerken, daß sich der Dampfer nicht von seinem Anker gerissen hat, sondern, daß bei dem Sturm seine Festmachleinen nicht hielten. Der Dampfer trieb quer ins Fahrwasser, nur durch die Aufmerksamkeit eines Lotsen wurde ein Zusammenstoß mit einem gerade im Auslaufen begriffenen Dampfer vermieden. Der Lotse erkannte die Gefahr rechtzeitig und konnte sein Schiff durch Fallenlassen des Ankers und Rückwärtsgang der Maschine rechtzeitig zum Stehen bringen. Der Dampfer Chateau Lafitte wurde dann durch Schlepper wieder an seine Liegestelle gebracht.
Auf der Weichsel herrschte am Silvesterabend, wie bereits gemeldet, starkes Eistreiben, durch das die Schiewenhorster Dampffähre in große Gefahr geriet. Die Kleinbahnfähre konnte wegen des Eisganges nicht übersetzen. Am gestrigen Tage war das Wasser der Weichsel nicht weiter gestiegen, der Strom war wieder eisfrei.
Am Neujahrstag hatte sich das Wetter beträchtlich gebessert, doch gab es noch zeitweise Regenschauer. Der Wetterbericht des Observatoriums lautet:
Hochdruckgebiet westliches Mittelmeer mit Ausläufern über den britischen Inseln. Tief Nord=Rußland und westlich von Island.
Vorhersage: Wechselnde Bewölkung, vereinzelt Regenschauer, langsam abflauende westliche Winde, kühler. Folgende Tage aufklarend, aber unbeständig.[/FONT]
Einen guten Start ins neue Jahr wünscht
Karsten
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