Leben für Ausländer im heutigen Danzig

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Leben für Ausländer im heutigen Danzig

    Schönen guten Morgen,

    in einem anderen Thema im nichtöffentlichen Bereich unseres Forums ist gerade zu lesen: "So, wie es egal ist, dass ein Holländer in Aachen wohnt oder in Brüssel oder Graz, so ist es dem Deutschen nun möglich in Mönchengladbach oder Danzig, Warschau oder Rom zu wohnen. Gerade für ältere Menschen sehe ich da Chancen den Lebensabend am Ort ihrer Wahl, z.B. Mallorca oder Danzig, zu wählen."

    Eine interessante Aussage die sicherlich Fragen aufwirft. Ich mache deshalb hier ein Thema auf, in dem Fragen zu einem Leben in Polen bzw. ganz speziell in Danzig und Umgebung erörtert werden können.

    Denn ein dauerhaftes Leben als Ausländer in Polen stellt sich auch heute noch aus meiner Sicht als große Herausforderung dar, und zwar nicht nur für ältere Menschen. Denn einige Punkte sollten vorher geklärt werden bzw. vorhanden sein:

    - Entweder sehr gute Polnischkenntnisse oder polnisch sprechende Freunde/Verwandte die stets kurzfristig zur Verfügung stehen
    - medizinische Versorgung bzw. Krankenversicherung
    - Steuerliche Konsequenzen

    Das sind einige Punkte die sehr rational betrachtet werden können. Hinzu kommt aber auch noch, dass das Leben in Polen schon sehr anders sein kann

    Aber das ist meine persönliche Meinung. Ein großer Unterschied ist zudem, ob man als Jüngerer oder als Älterer nach Polen kommt, ob man berufstätig ist oder bereits Ruhegeldempfänger.

    Aber vielleicht hat ja jemand noch Fragen dazu oder kann als hier Lebender einiges dazu sagen oder kommentieren.

    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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  • Helga +, Ehrenmitglied
    Moderatorin
    • 10.02.2008
    • 1948

    #2
    AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

    Hallo Wolfgang,

    ich habe deinen Beitrag gelesen und bin - Google sei Dank - die Häkergasse rauf und runter gegangen, habe dort gestanden, wo ehemals unsere Häuser standen, bin durchs Häkertor und und und. Und die Sehnsucht zu kommen war gleich wieder so groß. Auch wenn ich mit durchaus gut vorstellen könnte dort zu leben, ich liebe diese Ecke rund um die Häkergasse, aber da wäre meine Angst viel zu groß. Die Sprache nicht beherrschend, ohne Freunde und Familie, nicht wissend was wäre wenn. Wenn man krank ist z.B.

    Also ein Traum - aber ein schöner. Nur, Träume erfüllen sich so selten. Daß sich dein Traum da erfüllt hat finde ich immer wieder faszinierend.
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

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    • Uwe
      Forum-Teilnehmer
      • 10.08.2008
      • 1962

      #3
      AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

      Hallo Wolfgang,

      manchmal werden Träume wie bei Dir ja Wirklichkeit. Ich fahre immer gerne nach Danzig oder sogar genauer gesagt nach Polen, es muss also nicht immer Danzig sein. Ob ich dauerhaft dort leben möchte kann ich derzeit jedenfalls nicht mit einem klaren "Ja" beantworten. Aber auf das hinfahren möchte ich nicht verzichten. Vielleicht kaufe ich mir irgendwann dort eine Ferienwohnung aber auch das muss gut überlegt sein. Da ich mir vorgenommen habe mit spätestens 63 Jahren in Rente zu gehen muss ich mich aber noch etwas gedulden. Genauer gesagt noch 17 Jahre. Vielleicht habe ich auch vorher schon keine Lust mehr zu arbeiten, na mal schauen. Irgendwo muss sich das "schuften" ja gelohnt haben.

      Herzliche Grüße


      Uwe
      Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

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      • stefanstefan
        Forum-Teilnehmer
        • 01.08.2009
        • 183

        #4
        AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

        Emeritierte Holländer zieht's nicht nach Aachen sondern nach Krakau





        Aber jetzt mal bißchen ernsthafter gesprochen, die Alternative "dauerhaft" oder "garnicht" stellt sich ja zum Glück nicht wirklich. Man kann heutzutage wunderbar quer durch Europa pendeln und in Deutschland angemeldet bleiben.

        Kommentar

        • mottlau1
          Forum-Teilnehmer
          • 11.02.2008
          • 1723

          #5
          AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

          Hallo Uwe,

          in 17 Jahren kann noch allerhand geschehen. Aber bis dahin hat Polen bestimmt den Euro. - Und da Du Deine Rente ja hier in D. erarbeitest hast Du als Rentner kein Problem weder mit der Rentenzahlung als auch Krankenkasse. Ich hoffe für Dich, daß die Höhe der Rente für Dich befriedigend sein wird.
          Von Menschen die z.B. in Australien leben hörte ich, daß sie nur eine gewisse Zeit sich im Ausland aufhalten dürfen also nicht unbegrenzt.
          Und bei Umsiedlung z.B. nach Deutschland, Polen oder sonst wo würde die Rente nicht weitergezahlt. - Ob es tatsächlich so ist weiß ich nicht. - Da ist unser Staat ja echt großzügig indem er sogar die Rente kostenfrei ins Ausland überweist.

          Viele Grüße
          Jutta
          Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
          (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

          Kommentar

          • Wolfgang
            Forumbetreiber
            • 10.02.2008
            • 11623

            #6
            AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

            Schönen guten Nachmittag,

            wer seinen Wohnsitz nicht mehr in Deutschland hat, muss unter Umständen gravierende steuerliche Nachteile in Kauf nehmen. Die ärztliche Versorgung ist im Vergleich mit Deutschland -zumindest hier draußen auf dem Land- außerordentlich bescheiden. Rentner können zwar -wenn sie in einer gesetzlichen deutschen Krankenversicherung sind- sich zusätzlich kostenlos bei der gesetzlichen polnischen Krankenversicherung anmelden lassen, aber auch diese Leistungen sind sehr bescheiden. Das heißt, um vergleichbare Leistungen im Krankheits- oder Rehabilitationsfall zu erhalten sind häufig erhebliche private Zuzahlungen erforderlich. Hinzu kommt, dass viele Ärzte entweder ausschließlich privat oder gegen Zuzahlungen behandeln - und das sind dann oft Spezialisten, die zumindest Patienten die das deutsche Gesundheitssystem gewohnt sind, in Anspruch nehmen wollen.

            Wer noch nicht Rente bezieht und gesetzlich in Deutschland versichert ist, hat -zumindest theoretisch- Anspruch auf Leistungen wie sie in Deutschland erbracht werden. Das mag in größeren Städten mit Krankenhäusern, die die deutsche Krankenversicherungs- bzw. "Gesundheits"-Karte akzeptieren, auch stimmen. Nur habe ich bisher keinen einzigen Arzt gefunden, der diese Karte akzeptiert. Und auch die Kliniken sind absolut nicht scharf darauf, diese Karte zu akzeptieren. Wenn dann kein absoluter Notfall vorliegt -am besten gleich lebensbedrohend- bleibt nur eine Behandlung als Privatpatient gegen entsprechenden üppige Honorarvergütung. Wer dann das Abenteuer mitgemacht hat, in Deutschland bei seiner Krankenkasse eine "Kostenerstattung" zu bekommen, wird sehr schnell erfahren, dass nur ein Bruchteil der Kosten erstattet wird -bei mir waren es bei einer sehr heftigen Schulterverletzung mit anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen gerade mal gut 20%- und dann zu dem Schluss kommen, es sei sehr viel besser hier nicht krank zu werden oder im Krankheitsfalle umgehend nach Deutschland zurückzukehren. Bei fast allen hilfreichen Reha-Maßnahmen, die mir weder unorthodox oder unlogisch erschienen, sagte mir meine deutsche Krankenkasse, diese würden nach dem in Deutschland geltenden Leistungskatalog nicht vergütet oder nur sehr viel niedriger honoriert. Was auch noch anzumerken ist: Für die von mir bezahlten Reha-Maßnahmen wurden keine Phantasiepreise verlangt, sondern aus meiner Sicht übliche und teils sogar recht niedrige Preise.

            Und auch im Krankheitsfall -und natürlich nicht nur dort- zeigt sich wie wichtig Polnischkenntnisse sind. Denn nur recht selten wird hier deutsch gesprochen, englisch zwar häufiger, aber wer spricht schon eine andere Sprache so perfekt wie seine Muttersprache?

            Es gibt aber noch viele viele andere Hürden: Verträge / Rechnungen / Anträge von/mit Behörden, Wasserwerk, E-Werk, Versicherungen, Bank usw. Trotz meiner langsam besser werdenden Polnischkenntnisse wäre ich hier ohne meine Frau in vielen Fällen vollkommen aufgeschmissen. Und das liegt nicht nur an der Sprache sondern auch an unterschiedlichen Rechtssystemen.

            Für Übersiedlungswillige ist es aus meiner Sicht zumindest sinnvoll bzw. sogar notwendig, in Deutschland einen Wohnsitz zu behalten. Komplett unter Aufgabe einer deutschen Adresse nach Polen zu ziehen, ist nach meiner persönlichen Meinung mit zu großen Risiken und Nachteilen verbunden. Aber wie gesagt: Das ist nur meine persönliche Meinung zu diesem Thema.

            Viele Grüße aus dem Werder
            Wolfgang
            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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            Kommentar

            • Uwe
              Forum-Teilnehmer
              • 10.08.2008
              • 1962

              #7
              AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

              Hallo Jutta,

              ich denke, ich werde nicht am Hungertuch nagen müssen. Eigentlich habe ich privat mich noch gut zusätzlich abgesichert und zwei Zusatzrenten bekomme ich auch noch. Aber von nichts kommt nichts wie man so schön sagt. Bedeutet jetzt sehr viel Arbeit, oft viel zuviel Arbeit. Aber werde mir genau überlegen wie lange ich Lust habe zu arbeiten.

              Kenne das Rentensysten nicht in Australien, letztlich hat man in Deutschland ja auch große Zahlungen im Laufe seines Lebens geleistet. Es wäre komisch wenn die durch einen Umzug weg wären.

              Herzliche Grüße

              Uwe
              Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

              Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

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              • gross
                Forum-Teilnehmer
                • 22.03.2008
                • 53

                #8
                Emigrationstrend nach Polen ?

                Hallo liebe PlachanderInnen,

                bin über zwei Presse-Artikel gestolpert, die über einen Emigrationstrend nach Polen berichten:





                Polen auf dem Weg in einen Multi-Kulti-Staat? Wieviele Menschen mit deutschem Pass oder deutscher Herkunft leben inzwischen dort (ausser unserem Forum-Chef) ? Wohin zieht es die Emigranten - aufs Land, in die Städte (Danzig) ? Gibt es unter ihnen Verbindungen (über Vereine o.ä.) ?

                Wer weiss was.

                MfG

                Hans

                Kommentar

                • stazki
                  Forum-Teilnehmer
                  • 23.11.2008
                  • 240

                  #9
                  AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

                  Im April werden es dann 6 Jahre sein, die ich in Polen wohne. Da ich auch Polen als ständigen Wohnsitz wählte, war es unumgänglich, mich in D abzumelden, denn es wird hier die Abmeldebestätigung aus D verlangt.



                  Welche Nachteile resultieren nun daraus für mich? Kurz gesagt: Keine.


                  [LIST=1][*]Ich werde in D als Steuerausländer geführt, entrichte also in PL meine Steuern (19%), welche sich lediglich auf die Zinseinkünfte meiner Anlagen in D beziehen, denn weitere Einkünfte beziehe ich als „Emeryt“ nicht mehr. Im übrigen habe ich mittlerweile einen Großteil meiner Anlagen (priv. LV) nach PL transferiert, da die derzeitigen Zinssätze hier bei 8% liegen...


                  [*]Krankenversichert bin ich bei meiner Frau, welche ebenso schon Rentnerin ist, nebenbei aber noch einige Stunden Unterricht in ihrer Schule gibt. (Bis zum 60. Lj. sollte sie darauf achten nicht über 70 % des mittleren Lohns in Polen, derzeit Br. 3496,72 Zl, zu verdienen, da ansonsten die Steuerprogression zuschlägt. Ab dem 60. Lj. darf sie dann soviel verdienen wie sie will, ohne daß steuerliche Nachteile entstehen)
                  [/LIST]
                  Wie allgemein bekannt, ist das Gesundheitssystem in PL marode und geprägt von einer 2-Klassen-Gesellschaft. Der Großteil der
                  Bevölkerung ist in der gesetzlichen Krankenversicherung (NFZ) versichert, wer einige Zl übrig hat, geht gleich in eine Privatklinik.
                  Persönlich hatte ich glücklicherweise in diesen 6 Jahren nur wenige Berührungspunkte mit Arztpraxen gehabt...
                  Zahnarztbesuche werden abgewickelt bei einer Bekannten (privat), ein kleiner chirurgischer Eingriff ebenso in einer Privatklinik in
                  Wroclaw/Breslau. Diese Klinik arbeitet auch mit der NFZ zusammen, so daß weitere Anschlußbehandlungen über die gesetzliche
                  Krankenkasse abgewickelt werden.



                  3. Die Sprache: unbestritten, ohne meine Frau hätte sich die Umsiedlung schwierig gestaltet, im

                  täglichen Leben habe ich weniger Probleme und in der Klinik gibt es Deutsch- und Englisch.

                  Da ich auch keinen Nerv mehr habe, die Sprache aus den Grammatikbüchern zu lernen, lerne

                  ich durchs Hören, verstehe also mehr als daß ich spreche. Nun bin ich auch nicht darauf

                  angewiesen jeden Tag meine Polnischkenntnisse herauszukramen, meine Frau spricht dafür

                  umso besser Deutsch. Würde ich in PL noch arbeiten müssen, ständen meine

                  Polnischkenntnisse sicherlich auf einem anderen Level.



                  Jeder Umsiedlungswillige wird selbst entscheiden müssen, welchen Weg er wählen wird. Alles ist abhängig vom Alter, Beruf, Familie, Umfeld und finanzieller Absicherung. Grundvoraussetzung sind allerdings Offenheit, sprachliches Bemühen und Unvoreingenommenheit gegenüber einer anderen Kultur, die der unseren jedoch in vielerlei Hinsicht ähnelt.


                  Zusammenfassend kann ich nur schreiben: Das Leben ist hier nicht sooo schlecht!

                  Kommentar

                  • mottlau1
                    Forum-Teilnehmer
                    • 11.02.2008
                    • 1723

                    #10
                    AW: Emigrationstrend nach Polen ?

                    Hallo Hans,

                    ich hörte inzwischen vielfach sagen: In Polen ist das Leben preiswerter als bei uns hier im Westen. Noch bis der Euro nach Polen kommt.
                    Dennoch gibt es Dinge die bereits jetzt schon in Polen teurer sind als bei uns. Ich habe den Vergleich in den vielen Jahren meiner Urlaube.
                    Viele die einen deutschen Paß aber auch den polnischen haben erhofften und erhoffen sich mit der Rente in Euros ein besseres Leben in Polen. Doch inzwischen ist vieles teuerer geworden wie Strom, Versicherungen, Heizmaterial, sogar Lebensmittel usw. Warten wir mal ab ob die alle in Polen bleiben oder wieder zurück kommen. Denn die ärztliche Versorgung z.B. ist ja bekanntermaßen nicht ganz optimal. Immer wieder höre ich: Nee, so lange will ich nicht warten und gehe dann um schneller u. optimaler behandelt zu werden zu einer privaten Behandlung. Auf eine Hüft-OP wartet man in der Regel mehrere Jahre; wer kann die Schmerzen so lange aushalten? Das ist nur ein Beispiel. Ich könnte dort nicht leben. Hier muß ich auch auf einen Termin warten je nach Erkrankung aber es ist immer noch besser als dort. Im Notfall fahren oder fliegen die mit deutschem Paß doch nach Deutschland für eine Behandlung. Ist hier ja schon erwähnt worden.

                    Na ja , dann einen schönen Winterabend beim Schneeschaufeln.

                    Jutta
                    Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
                    (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

                    Kommentar

                    • Waldschrat

                      #11
                      AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

                      Mein Profil passt nicht zum Forum. In sofern sind meine Aussagen eher für Leute hilfreich, die zufällig diese Seite im Internet finden. Einiges hatte ich auch schon geschrieben.

                      Die Stadt hat für mich nicht mehr Bedeutung als jede andere größere Stadt in Polen oder Deutschland auch.

                      Dass ich hierher nach Danzig gezogen bin, war eine Entscheidung unter Berücksichtigung privater und beruflicher Fakten und Zwänge. Es gäbe für mich bessere Plätze zum leben, wenn nicht die Notwendigkeit wäre Geld zu verdienen. Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Ich habe die Stadt schon reichlich oft verflucht, es gibt aber viel schlechtere Städte, sowohl in Polen als auch in Deutschland. Und insgesamt bietet sie schon einiges (um fair zu sein). Und die Straßenbauarbeiten, welchedie Stadt in ein Armageddon aus Verkehrsstaus und Schlaglöchern verwandelt haben, gehen so langsam dem Ende zu. In ein bis zwei Jahren ist der Tunnel unter der Motława fertig.

                      Das Gesundheitssystem ist so schlecht nicht. Wir haben durchaus gute Erfahrung gemacht mit dem öffentlichen System (NFZ). Bei einer Operation wurde gut und schnell gehandelt und es gab kein Trinkgeld. Aber gute Arbeitgeber haben in der Regel Verträge mit Swissmed oder Medicover. Je nach Arbeitgeber kann man auch die ganze Familie dort anmelden. Kostet halt was.

                      Für mich ist wichtig zu wissen, wo ich was bekomme in der Stadt. Adressen und Telefonnummern sind Gold wert:

                      - wer repariert mein Auto
                      - welche Firma offeriert welche Produkte und welchen Service
                      - welches Amt macht welches
                      - welche Vorschrift gilt
                      - usw.

                      Das normale Leben halt, von der Renovierung bis hin zu bürokratischen Fragen.

                      Die Sprache ist die schwierigste Hürde, allerdings komme ich in Wort und Schrift gut klar und kann auch Gesetzestexte lesen. Wenn es schnell gehen muss, frage ich meine Frau. Wichtige Verträge lasse ich von Frau und Anwalt/Notar kontrollieren. Zum Arzt gehe ich alleine. Sollte er was erklären, was ich nicht verstehe, dann drücke ich ihm das Handy in die Hand und er erklärt es meiner Frau. Bei speziellen technischen Ausdrücken kann sie auch nicht helfen. Das ist dann teilweise eine echte Herausforderung.

                      Das gute an der Stadt ist, dass es fast alles gibt, was ich brauche, auch wenn die Suche danach oft lange dauert, und das obwohl ich sehr gut vernetzt bin (ich kann auf durchaus mehr als hundert Leute zurück greifen). Hier helfen mir dann polnische Spezialforen. Der Flughafen ist auch ein wichtiger Punkt, da ich beruflich und privat oft auf Achse bin. Konsulat ist auch da. Nicht gefunden habe ich bislang Lammfleisch. Da es hier keine Muslime gibt, gibt es auch keinen Markt. Bestenfalls fettes Hammelfleisch. Thüringer Bratwürste gibt es nur ab und zu beim Lidl. "Gutes" Brot hab noch nicht gefunden. Es gibt aber Lidl mit den selben Brotprodukten wie in Deutschland oder einen Bäcker in Kaschubien. Ich habe bspw. lange gebraucht, bis ich eine Firma gefunden habe, die mir Blechteile mit einem Laserautomaten schneiden kann. Was ich aber noch suche ist eine kleinere Firma, die mir Maßteile in Einzelauflage mit Drehautomaten herstellen will.

                      Wohnraum in ausreichender Größe ist in der Stadt verdammt teuer. Und wenn man eine Garage/Werkstatt einrichten will, dann sieht es düster aus. Das ist aber ein generelles Stadt-Problem.

                      Wer nach Polen zieht, der muss sich mit der Sprache auseiander setzen und auf die Leute zugehen. Dann kann man als "Schwabe" bzw. "Helmut" von ihnen ziemlich viel lernen über sich selbst. Ohne Sprache geht nichts. Der polnische sprechende Ehepartner ist aus meiner Sicht nur ein Notanker, wenn es anders gar nicht geht. Das gebietet schon der Wille ein selbstständiges Leben zu führen, in dem man nicht bei jeder Kleinigkeit auf andere angewiesen ist.

                      Wer in jungen Jahren herziehen will und sich die Frage stellt, ob das Gesundheitssystem schlechter ist, der sollte gleich
                      zu Hause bleiben. Steht die Entscheidung erst zur Rente an, ist die Frage eher berechtigt. Ich warne vor Sentimentalität. So mancher Renter hat sich in Spanien eingekauft und will dann trotzdem wieder zurück. Hier sollte man genug Kasse haben, um diese Rückkehr auch bezahlen zu können. Ist man nämlich nur auf den Ehepartner fixiert, dann ist man im Todesfall plötzlich alleine in einer Welt, in die man sich nie wirklich integriert hat in der kurzen Zeit und deren Sprache man nicht versteht. Integration ist das was notwendig ist. Wir erwarten das von den Türken in Deutschland ja auch.

                      Man muss mit Arbeitslosigkeit rechnen wie in Deutschland auch und sollte ein finanzielles Puffer von einem Jahr haben und flexibel sein. Die Sozialleistungen sind mehr als bescheiden. Da jammern die Deutschen auf hohem Niveau.

                      Menschen anderer Hautfarbe haben hier einen viel schwereren Stand als in Deutschland. Der unterschwellige und auch offene Rassismus ist weit verbreitet. Das merkt man an Kommentaren zur anstehenden Papstwahl. Und wer homosexuell ist, der muss sich sehr gut überlegen, wem er das sagt. Dem Arbeitgeber jedenfalls nicht. Und auf der Straße würde man Hand in Hand seine Gesundheit riskieren.

                      Was ich nicht verstehen kann ist die Aussage, dass man in Deutschland keinen weiteren Wohnsitz haben kann. Das ist eine Frage, die der Steuerberater zu klären hat ob das Sinn macht. Jeder hat andere Einkünfte, sowohl in der Art als auch in der Frage des Entstehungslandes.

                      Wer dauerhaft hier bleibt und sich eine Hütte baut, muss dafür sorgen, dass die Testamente sowohl polnischem als auch deutschem Erbrecht genügen. Da gibts Unterschiede. Da muss jeder Fall einzeln betrachtet werden. Nichts ist schlimmer als die Nachkommen in einem Chaos alleine zu lassen.

                      Mit der Polizei habe ich ausschließlich gute Erfahrung gemacht. Trotz mehrfachem Blitzen per Pistole habe ich nie gezahlt. Man scheint mein fortgeschrittenes Alter zu honorieren sowie meinen Mut hierher zu ziehen und polnisch zu lernen. Jedesmal kommt die Frage, warum ich das getan habe.

                      Mit Kindern hierher ziehen düfte ganz schwierig sein, weil es in Danzig keine internationale Schule gibt. Kommt man mit
                      Kleinkindern, dann lernen die polnisch. In öffentlichen Schulen ist das Niveau sehr niedrig. Deutsch steht ganz weit hinter Englisch und lernen tun die Kids dort nichts. Also Privatschule. Das kostet.

                      Wer hier eine kleinere Firma gründen will, der muss sich ganz warm anziehen. Es gelten ganz andere Gesetze und das Geschäftsgebaren ist uns Deutschen fremd. Ohne Vertrauenspersonen geht nichts und die zu finden ist ziemlich schwierig. Danzig hat keine produzierende Industrie. Hier ist eine Situation, die man mit Frankfurt/Main vergleichen kann. Handel, Banken, Logistik, Dienstleistung. Die Musik spielt im Süden (Wrocław, Łódź, etc.). Als Maschinenbauingenieur findet man hier nichts. Ist wie in Deutschland auch. Viele wichtige Firmen sitzen im Stuttgarter und Erlanger Raum.

                      Die Bürokratie funktioniert und zwar gut, meiner Meinung nach. Auch wenns manchmal etwas dauern kann. Ich habe aber noch immer nicht heraus gefunden, ob ich vom kleinen Grenzverkehr nach Kaliningrad profitieren kann. Auch das Konsulat konnte mir nicht helfen. Allerdings habe ich auch vor einem dreiviertel Jahr zuletzt angefragt.

                      Die beste Zeit ist für mich hier im Oktober/November. Keine ausländischen Touristen (Leute aus aller Welt aber auch Deutsche), noch kein Weinachtsrummel, man kann in Ruhe auch in der Stadt mal spazieren gehen. Ob das Frühjahr (März/April) hier gut ist, kann ich nicht sagen, weil ich in dieser Zeit bislang immer etwa zwei bis drei Monate im Ausland war.

                      Ob ich hier bleiben werde, kann ich nicht sagen. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich ruhig bis in die Rente hier arbeiten kann, ziemlich gering ist. Wenn ich irgendwann mal in Rente gehen erwarte ich nicht vielvom System. Wenig vom deutschen (zumindest viel weniger, als heute noch viele Rentner bekommen) und noch viel weniger vom polnischen. Da ist private Vorsorge ein Muss.

                      Kommentar

                      • Wolfgang
                        Forumbetreiber
                        • 10.02.2008
                        • 11623

                        #12
                        AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

                        Schönen guten Morgen,

                        hinter all die vom "Waldschrat" gemachten Aussagen kann man ein Ausrufezeichen setzen. Auch aus meiner Sicht ist es so.

                        Zur Wohnsitzanmeldung in Polen: Ich habe noch nie davon gehört, dass hier eine Abmeldebescheinigung des deutschen Wohnsitzes vorliegen muss. Das war bei mir vor zehn Jahren nicht so und im vorletzten Jahr als meine Mutter hierher kam, hat auch niemand danach gefragt. Wer ins Ausland zieht (und das ist in Polen genauso wie in Deutschland), hat aus Sicht des Gastlandes dort dann auch immer seinen ersten Wohnsitz unabhängig davon in welchen bzw. wievielen anderen Ländern man angemeldet ist.

                        Es ist auch nicht empfehlenswert, deutsche Ruhegeldbezüge auf ein polnisches Konto zu überweisen. Man hört immer wieder, dass dann die Bank (!) trotz Doppelbeteuerungsabkommen von der Rente Steuern einbehält und ans Finanzamt überweist. Renten sollten also auf ein deutsches Konto gehen und von dort aus überwiesen oder abgehoben werden.

                        Einreise Königsberg: Auch mich interessiert das ob ich da visumfrei einreisen darf und auch ich hörte immer wieder unterschiedliche Meinungen. Da müssen wir halt mal beim russischen Konsulat anrufen.

                        Wer in Danzig lebt kann mit besseren Leistungen im Krankheits- oder Notfall rechnen als hier in der Prairie. Man hört und sieht zwar hin und wieder mal einen Rettungshubschrauber - meist dann wenn sich wieder mal ein Auto um einen Baum gewickelt hat - aber sonst kommt halt ein Krankenwagen aus Marienburg (wenn einer kommt).

                        Wer also daran denkt, sich hier niederzulassen, sollte aus meiner Sicht immer auch daran denken -vor allem wenn man älter oder alleinstehend-, wie man im gesundheitlichen Notfall so schnell wie möglich nach Deutschland zurückkommt. Aber wenn man noch Familie in Deutschland hat, wird man sowieso nicht die Zelte komplett abbrechen.

                        Viele Grüße aus dem Werder
                        Wolfgang
                        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                        • stefanstefan
                          Forum-Teilnehmer
                          • 01.08.2009
                          • 183

                          #13
                          AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

                          "In öffentlichen Schulen ist das Niveau sehr niedrig. Deutsch steht ganz weit hinter Englisch und lernen tun die Kids dort nichts."
                          ----------

                          Diese Aussage ist allerdings völlig falsch. Das Bildungsniveau ist in Polen sehr solide. Das bestätigt sowohl die PISA Studie als auch solche Artikel http://www.telegraph.co.uk/news/ukne...-suggests.html

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                          • Zoppo
                            Forum-Teilnehmer
                            • 22.12.2012
                            • 66

                            #14
                            AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

                            Es gibt Sprichwort welche sagt alles uber Polnische Gesundheitssystem. "Żeby chorować - trzeba mieć zdrowie" "zum krank sein - muss man hat gesund". Traurig aber wahr.

                            Waldschrat:

                            Kleiene Firma mit Drehautomaten in Gdańsk/Danzig: www.artim.gda.pl
                            Vielleicht sie werden helfen.

                            LG

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                            • Wolfgang
                              Forumbetreiber
                              • 10.02.2008
                              • 11623

                              #15
                              AW: Leben für Ausländer im heutigen Danzig

                              Schönen guten Abend,

                              das in den öffentlichen Schulen Polens vermittelte Bildungsniveau hat nur sehr bedingt etwas zu tun mit dem Thema "Leben für Ausländer im heutigen Danzig". Sagen wir es einmal so: Das polnische Schulsystem unterscheidet sich in vielen Punkten sehr deutlich vom deutschen und das mag einer der Gründe sein warum das auch in die Überlegungen nach Polen übersiedelnder Deutscher mit schulpflichtigen Kindern einfließt.

                              Eine Diskussion des polnischen Schulsystems sprengt jedoch den Rahmen dieses Themas, kann aber natürlich als separates Them begonnen werden.

                              Viele Grüße aus dem Werder
                              Wolfgang Naujocks
                              -Admin des Danzig-Forums-
                              Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                              Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                              Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                              L