Die Danziger Burg

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  • Rudi Bellon, + 24.08.2010
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 265

    #1

    Die Danziger Burg

    Die Danziger Burg lag einst dort,wo heute die Radaune innerhalb
    Danzigs in die Mottlau einmündet.Schon pommerellische Herzöge
    hatten hier ihren Wohnsitz aufgeschlagen.Einhundertundfünfzig
    Jahre leiteten von dieser Stelle aus deutsche Komture mit ihrem
    Ritterkonvent im Auftrage des Ritterordens die Verwaltung und
    Rechtsprechung im Danziger Gebiet.Der Herrensitz wurde umgrenzt
    vom Fischmarkt,dem jetzigen Altstädtischen Graben,der Straße
    An der Schneidemühle,dem Heveliusplatz,der Großen Bäckergasse,
    Brabank und Mottlau.In diesem Gebiet erhob sich dicht am Wasser
    das Hochschloß mit der Vorburg.
    Schon gleich nach der Tannenberger Schlacht (1410) zeigte sich
    ein Riß zwischen der Landesherrschaft und ihren größeren Städten.
    Danzig weigerte sich Steuern zu zahlen.Der Komtur mußte ihm daher
    den Hafen sperren,was die Stadt aufs Empfindlichste traf.Und als
    es zur Aussöhnung kam,gingen die Wogen der gegenseitigen
    Erregung noch so hoch,daß der Komtur Heinrich von Plauen,der
    Bruder des Hochmeisters,die Danziger Bürgermeister Konrad Letzkau
    und Arnold Hecht sowie den Ratsherrn Bartel Groß als Hochverräter
    töten ließ.
    Zunächst wurde der Riß überbrückt.doch klaffte er bald wieder neu
    auf.Als dann im Jahre 1454 endgültig der Abfall vom Orden vollzogen
    wurde,da machten die Brüder die Ordensburg dem Erdboden gleich,
    doch nicht-wie es scheinen könnte-aus Haß gegen den Orden.Denn
    nur widerwillig tat der Danziger Rat die weitern Schritte,die die erste
    Absage an den Orden im Gefolge hatte.Die Zerstörung geschah vielmehr
    aus Angst,daß der König von Polen sich in der Burg festsetzen könne,
    um Danzigs Freiheit zu bedrohen.Aus den Verhandlungen gewannen
    die Unterhändler die Auffassung,daß dem "Herrn König die Lunge sehr
    auf Danzig"hänge.Und darum riet Danzigs Gesandter eiligst zu diesem
    Schritt,der denn auch gründlich ausgefüfrt wurde.
    Das bieherige Schloßgebiet verleibte sich die Rechtstadt ein.Lange lag
    es ungenutzt da,ein willkommener Steinbruch mit seinem Schutt von
    Ziegeln,behauenen Granitquadern,Säulen und Pfeilern.Dürfen wir doch
    mit ziemlicher Sicherheit annehmen,daß das Geölbe des Arturshofens
    auf Säulen ruht,deren Abschnitte von verschiedenen Stellen des
    Deutsch-Herrenschlosses herstammen;wissen wir doch,daß das Dach
    über dem Chor der Trinitatiskirche vordem den Pferdestall des Schlosses
    deckte.
    Erst mehr als hundert Jahren nach der Zerstörung wird das Schloßgebiet
    als Baugelände erschlossen,in dem man die Gräben zuschüttet.Die alte
    Zufahrt benutzte man bei der Straßenanlage mit.Zur Vorgrabenbrücke
    führten hier einst die Wege,die heute Schloßgasse(A.17.Jhd.)und
    Burggrafenstraße heissen.Bis 1945! Diese ging längs eines Radaune-
    arms der die Gräben der Burg bewässerte.Sie hieß darum noch im Jahre
    1763 richti Burggrabengasse.Erst in neuerer Zeit bekam sie den jetzigen
    Namen,der mit"Burggraf"nichts zu tun hat.Quer über das ganze Gelände
    des alten Ordenshauses führt die Rittergasse (M.17.Jhd.)in deren Verlängerung einst eine Brücke über die Mottlau führte,als das Hochschloß
    noch stand.Von dem Ordenshause aus betrat man die Rechtstadt durch
    das Haustor der Stadtbefestigung (E.14.Jhd.).
    Das Kohlentor ist eine Schöpfung des 17.Jahrhunderts.Es wurde in jener
    Zeit neu durchgebrochen,erhielt diesen Namen aber erst im 19.Jahrhundert.
    Diese Gassen auf dem alten Burggelände erinnern noch heute mit ihren
    Namen an das gewaltige Ritterschloß,das einst wehrhaft hier den Eingang
    nach Danzig schirmte,unter dessen sicherm Schutz die Bürger Handel trieben und den festen Grund zum Wohlstand legten,der sich in spätern
    Jahrhunderten in Danzig entwickelte und der Stadt die Kraft gab,selbst so
    bedeutenden Feinden wie Königen Polens erfolgreich zu trotzen.

    __________________
    Grüße von Rudi
  • Ulrich 31
    Forum-Teilnehmer
    • 04.11.2011
    • 8573

    #2
    AW: Die Danziger Burg

    Ergänzend zu diesem Startbeitrag von 2008, der bis heute ohne Antwort blieb, füge ich nun verlinkt diesen aktuellen trojmiasto.pl-Artikel mit der deutsch übersetzten Titelangabe "Schloss in Danzig. Fasziniert immer noch und sorgt für Diskussionen" an:

    > https://www.trojmiasto.pl/wiadomosci...e-n155646.html (polnisch, nur hier lassen sich die gezeigten Abbildungen vergrößern),
    > https://translate.google.com/transla...e-n155646.html (deutsch).

    Diesen neuen Versuch, die Existenz und das Schicksal jener Burg zu ergründen, finde ich sehr interessant.

    Ulrich

    Kommentar

    • Ulrich 31
      Forum-Teilnehmer
      • 04.11.2011
      • 8573

      #3
      AW: Die Danziger Burg

      Zur Ergänzung dieses Themas füge ich für historisch interessierte Danzig-Freunde den folgenden verlinkten trojmiasto.pl-Artikel vom 30. Januar 2018 an, der die deutsch übersetzte Überschrift "Germanische Namen in der Dreistadt und Umgebung" trägt:

      > https://historia.trojmiasto.pl/Stare...e-n120663.html (polnisch),
      > https://translate.google.com/transla...e-n120663.html (deutsch).

      Autor dieses Artikels ist Tomasz Larczyński, der am 26.06.2015 an der Universität Danzig mit der Dissertation "Das Land Danzig während der Herrschaft des Deutschen Ordens. Eigentümerstruktur und Organisation der ländlichen Siedlung" promoviert wurde (> https://translate.google.de/translat...search&pto=aue ). Teile dieser Dissertation, die u.a. auch die Danziger Burg betreffen, wurden im vorgenannten Artikel übernommen.

      Ulrich

      Kommentar

      • Ulrich 31
        Forum-Teilnehmer
        • 04.11.2011
        • 8573

        #4
        AW: Die Danziger Burg

        Es ist erstaunlich, aber ich wundere mich nicht mehr, dass sich seit Rudi Bellons Start dieses Themas im März 2008 und auch nach meinen Ergänzungen vor 3 Jahren niemand aus diesem Danzig-Forum dazu äußert. Und so bin ich gespannt, ob sich das eventuell ändert, wenn ich jetzt den Link zu diesem Artikel von historia.trojmiasto.pl vom 17.05.2016 poste, desses deutsch übersetzter Titel "Was ist von der Burg des Deutschen Ordens in Danzig übrig geblieben?" (ich habe ihn modifiziert, weil auch hier Google und DeepL nicht befriedigen) lautet.

        https://historia.trojmiasto.pl/Co-zo...u-n101668.html (polnisch),
        https://historia-trojmiasto-pl.trans..._x_tr_pto=wapp (deutsch).

        Ulrich

        Kommentar

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