AW: Schokoladenfabrik G. Mix in Danzig
Aus Unser Danzig, Januar 2007, Seite 19
Von Mix bis Kawalki
Vor 135 Jahren wurde die Danziger Schokoladenfabrik gegründet
von Dieter W. Leitner
Das Stammhaus der Schokoladenfabrik G. Mix stand am Langen Markt 4-5 gegenüber vom Artushof. Der Danziger Grafiker Max Buchholz, der auch viele Danziger Briefmarken schuf, hat die beiden Häuser 1941 für eine Anzeige gezeichnet. 1949 fielen auch diese Häuser durch die Brandstiftungen der Rotarmisten in Schutt und Asche. Ein Jahr später hätte die Firma ihr 75jähriges Bestehen feiern können.
Georg Mix hatte das Unternehmen 1871 gegründet. Unter den sechs Danziger Schokoladenfabriken zu unserer Zeit nahm die Firma Mix eine hervorragende Stellung ein. Das dokumentierten schon die elf Filialen am Stadtgraben, Holz- und Fischmarkt, in der Häker-, Junker- und Heilige-Geist-Gasse, am Poggenpfuhl, in der Langfuhrer Hauptstraße, am Schlossgarten in Oliva, im Zoppoter Kurhaus sowie an der Strandpromenade in Heubude. Der Betrieb hatte bis zuletzt über 130 Mitarbeiter. Seine Erzeugnisse fanden weit über die Grenzen Danzigs hinaus ihre Verbreitung.
Georg Mix hatte mit einer kleinen Bonbonkocherei angefangen. Neben Schokoladen kamen im Laufe der Zeit Pralinen, Kekse, Pfefferkuchen und Marzipanerzeugnisse hinzu. Wer erinnert sich nicht an die herrlichen Auslagen in den Schaufenstern der Mix-Geschäfte, in denen wir Kinder uns die Nasen platt gedrückt haben? Wer sieht sie nicht vor sich, die aneinandergereihten Glaskästen vor der Verkaufstheke mit den hochklappbaren Deckeln, aus denen man sich das ganz persönliche Pralinensortiment zusammenstellen lassen konnte, das dann noch als Geschenk hübsch verpackt wurde, in entsprechenden kleinen Schachteln, größeren Kartons oder gar Holzkistchen? Und alles schmückte das Danziger Wappen! Haben wir nicht noch den Geschmack der rötlichen, außen mit glasiger Kruste überzogenen, innen mit so herrlich butterweicher, süßer Marzipanfüllung versehenen "Rosenkugeln" im Mund?
"Können wir jemals die hübschen kleinen 'Danziger Lachsbuddelchen' vergessen, in deren Schokoladenhülle die verschiedensten Kostproben unserer speziellen Danziger Lachsliköre verborgen waren?" heißt es in einer früheren Würdigung. - Schon kurz nach Kriegsbeginn vermisste ich die Schokoladentäfelchen in den Automaten in der Zeughauspassage oder im Hauptbahnhof, wo man für fünf Dittchen eine Tafel Schokolade ziehen konnte. Der Krieg wirkte sich auch hier aus, weil alles rationiert war.
Nach dem Tode von Georg Mix im Jahre 1909 übernahm sein Sohn Ernst die Firma. Er hatte in großen deutschen Schokoladenfabriken von der Pike auf das Handwerk gelernt, machte die Firma mit modernen Maschinen zu einem Großbetrieb und überwand auch die Schwierigkeiten im Ersten Weltkrieg, weil die Einfuhr von Kakaobohnen verboten war und ein großer Zuckermangel herrschte. Erst 1919 besserte sich die Lage. 1923 starb Ernst Mix mit nur 46 Jahren. Georg Mix' Neffe Paul Kawalki und seine Frau Lilli führten den Betrieb weiter.
Nach dem Krieg bauten sie unter schwierigen Bedingungen die Schokoladenfabrikation in Harnburg mit drei Filialen wieder auf. Bis zuletzt bestand auch der Pavillon am Strandbahnhof in Travemünde. Konfekt, Schokolade, Marzipan, aber auch Kaffee und Tee wurden verkauft, in schönen Schachteln, auf denen im Rund das Firmenzeichen mit dem Reiher, dem Danziger Wappen, dem Krantor, mit Hansekoggen und Giebelhäusern abgebildet war. 1950 erschien die erste Anzeige im Danziger Hauskalender.
Mit Lilli Kawalki ging die Ära Mix nach 117 Jahren zu Ende. Bis ins hohe Alter pries sie die Danziger Spezialitäten am Travemünder Strandbahnhof an. Sie starb im Mai 1988 in Lübeck-Travemünde im Alter von 89 Jahren.
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Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck.
Weitere Verwendungen / Veröffentlichungen bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung durch den Rechteinhaber:
Bund der Danziger
Fleischhauerstr. 37
23552 Lübeck
Bei vom Bund der Danziger genehmigten Veröffentlichungen ist zusätzlich die Angabe "Übernommen aus dem forum.danzig.de" erforderlich
Aus Unser Danzig, Januar 2007, Seite 19
Von Mix bis Kawalki
Vor 135 Jahren wurde die Danziger Schokoladenfabrik gegründet
von Dieter W. Leitner
Das Stammhaus der Schokoladenfabrik G. Mix stand am Langen Markt 4-5 gegenüber vom Artushof. Der Danziger Grafiker Max Buchholz, der auch viele Danziger Briefmarken schuf, hat die beiden Häuser 1941 für eine Anzeige gezeichnet. 1949 fielen auch diese Häuser durch die Brandstiftungen der Rotarmisten in Schutt und Asche. Ein Jahr später hätte die Firma ihr 75jähriges Bestehen feiern können.
Georg Mix hatte das Unternehmen 1871 gegründet. Unter den sechs Danziger Schokoladenfabriken zu unserer Zeit nahm die Firma Mix eine hervorragende Stellung ein. Das dokumentierten schon die elf Filialen am Stadtgraben, Holz- und Fischmarkt, in der Häker-, Junker- und Heilige-Geist-Gasse, am Poggenpfuhl, in der Langfuhrer Hauptstraße, am Schlossgarten in Oliva, im Zoppoter Kurhaus sowie an der Strandpromenade in Heubude. Der Betrieb hatte bis zuletzt über 130 Mitarbeiter. Seine Erzeugnisse fanden weit über die Grenzen Danzigs hinaus ihre Verbreitung.
Georg Mix hatte mit einer kleinen Bonbonkocherei angefangen. Neben Schokoladen kamen im Laufe der Zeit Pralinen, Kekse, Pfefferkuchen und Marzipanerzeugnisse hinzu. Wer erinnert sich nicht an die herrlichen Auslagen in den Schaufenstern der Mix-Geschäfte, in denen wir Kinder uns die Nasen platt gedrückt haben? Wer sieht sie nicht vor sich, die aneinandergereihten Glaskästen vor der Verkaufstheke mit den hochklappbaren Deckeln, aus denen man sich das ganz persönliche Pralinensortiment zusammenstellen lassen konnte, das dann noch als Geschenk hübsch verpackt wurde, in entsprechenden kleinen Schachteln, größeren Kartons oder gar Holzkistchen? Und alles schmückte das Danziger Wappen! Haben wir nicht noch den Geschmack der rötlichen, außen mit glasiger Kruste überzogenen, innen mit so herrlich butterweicher, süßer Marzipanfüllung versehenen "Rosenkugeln" im Mund?
"Können wir jemals die hübschen kleinen 'Danziger Lachsbuddelchen' vergessen, in deren Schokoladenhülle die verschiedensten Kostproben unserer speziellen Danziger Lachsliköre verborgen waren?" heißt es in einer früheren Würdigung. - Schon kurz nach Kriegsbeginn vermisste ich die Schokoladentäfelchen in den Automaten in der Zeughauspassage oder im Hauptbahnhof, wo man für fünf Dittchen eine Tafel Schokolade ziehen konnte. Der Krieg wirkte sich auch hier aus, weil alles rationiert war.
Nach dem Tode von Georg Mix im Jahre 1909 übernahm sein Sohn Ernst die Firma. Er hatte in großen deutschen Schokoladenfabriken von der Pike auf das Handwerk gelernt, machte die Firma mit modernen Maschinen zu einem Großbetrieb und überwand auch die Schwierigkeiten im Ersten Weltkrieg, weil die Einfuhr von Kakaobohnen verboten war und ein großer Zuckermangel herrschte. Erst 1919 besserte sich die Lage. 1923 starb Ernst Mix mit nur 46 Jahren. Georg Mix' Neffe Paul Kawalki und seine Frau Lilli führten den Betrieb weiter.
Nach dem Krieg bauten sie unter schwierigen Bedingungen die Schokoladenfabrikation in Harnburg mit drei Filialen wieder auf. Bis zuletzt bestand auch der Pavillon am Strandbahnhof in Travemünde. Konfekt, Schokolade, Marzipan, aber auch Kaffee und Tee wurden verkauft, in schönen Schachteln, auf denen im Rund das Firmenzeichen mit dem Reiher, dem Danziger Wappen, dem Krantor, mit Hansekoggen und Giebelhäusern abgebildet war. 1950 erschien die erste Anzeige im Danziger Hauskalender.
Mit Lilli Kawalki ging die Ära Mix nach 117 Jahren zu Ende. Bis ins hohe Alter pries sie die Danziger Spezialitäten am Travemünder Strandbahnhof an. Sie starb im Mai 1988 in Lübeck-Travemünde im Alter von 89 Jahren.
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arf man Auszüge aus der Danziger Zeitung ins Internet stellen? Ich tu mich schwer mit diesen Urheberrechtsfragen.
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