Curickes Danziger Stadtchronik / Der Buttermarkt (Winterplatz)

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Curickes Danziger Stadtchronik / Der Buttermarkt (Winterplatz)

    Schönen guten Abend,

    Danzig nimmt in mancherlei Hinsicht eine herausragende Stellung unter den Hansestädten ein. Vieles ist dokumentiert - und das auch in "Der Stadt Danzig Historische Beschreibung" von Reinhold Curicke die dieser im Jahre 1645 verfasste.

    Es ist die älteste in deutscher Sprache geschriebene Stadtchronik und dank der Danziger Verlagsgesellschaft wurde auch ein aufwändiger Reprint hergestellt. Heute gibt es diesen nur noch antiquarisch, aber etliche unter Euch besitzen diesen Reprint.

    Er ist aufgrund der Schrift und Sprache nicht unbedingt leicht zu lesen und zu verstehen, aber es verbergen sich darin unglaublich viele wahre Begebenheiten, Überlieferungen, Histörchen, Namen und auch so manches seltsam klingendes.

    Mangels Zeit komme ich momentan nicht dazu, dieses doch recht umfassende Werk noch einmal durchzusehen, aber vielleicht ist auch jemand unter Euch, dem etwas Interessantes auffällt was man hier thematisieren könnte? Oder viellicht auch aus einer anderen alten Danziger Veröffentlichung?
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #2
    AW: Curickes Danziger Stadtchronik

    Diese Stadtchronik ist wirklich ein Juwel und man will sagen, sie ist einzigartig. Mir persönlich gefallen die vielen Kupferstiche darin, die Zeugnis über alte Zeiten geben. Eines ist sicher, wenn man den Curicke durchsieht: den Danzigern können die Themen gar nicht abhanden kommen, so vieles kann man über diese Stadt entdecken. Oft, wenn ich etwas entdecke, frage ich mich spontan, was ist denn daraus geworden. So ging es mir jetzt als ich gerade den Curicke aufschlug und eine Stelle zum Butter-Markt fand. Diese Frage gebe ich an euch weiter. Vielleicht weiß einer was darüber. Und so steht es im Curicke:

    "Anno 1650. vor dem letzten Schwedischen Kriege/ hatt man auff der Lastadie / unsern von dem so genanten Ancker Schmiede Thurm den Butter-Marck angeleget und gebauet; alwo die so woll zu Wasser als Lande herein gebrachte Butter verkaufft / und zum Gewicht gebracht wird. Es sind zu dem Ende vier gewisse Personen von E.Raht verordnet / welche Butter Capitaine genennet werden / und solche Bedienung als ein Lehn empfangen / welche deßwegen darüber gesetzet (daß sie gutte Acht haben / daß alles ordentlich / und rechtlich zugehe / und niemand wegen des Gerichts verfortheilt werden möge. Es wird aber nuhmero nicht alleine Butter / sondern auch allerhand andere Victualien von dem Land Manne / zum Verkauff außgeleget. Dieser Marckt ist ein schöner und mit unterschieden Bäumen besetzter luftiger Platz / wie solches auß beygefügtem Abriß zu ersehen ist."

    Das ist aus dem Abriss tatsächlich zu sehen, dass es sich um einen schönen Ort gehandelt haben muss. Mich hätte natürlich interessiert, welche unterschieden Bäume dort wuchsen. Aber auch, wo genau lag dieser Markt. Ich weiß nämlich nicht, wo der Ancker-Schmiede-Turm lag. Und wie lange gab es diesen Buttermarkt. Ob er alle Tage geöffnet war?
    Eine Garantie für korrekte Textübertragung übernehme ich nicht. Das Wort Victualien könnte falsch sein, was das c anbelangt. Aber ich habe den Buchstaben nicht erkennen können. Man findet das Ganze auf Seite 347.
    LG waldkind.
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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    • Wolfgang
      Forumbetreiber
      • 10.02.2008
      • 11623

      #3
      AW: Curickes Danziger Stadtchronik

      Schönen guten Nachmittag,

      der Buttermarkt wurde irgendwann in Winterplatz umbenannt und heißt heute wieder (auf polnisch) Buttermarkt. Einfach bei Google Maps "Gdansk targ maslany" eingeben und Du siehst sofort wie er heute aussieht: Wüst und leer.

      Der Ankerschmiedeturm steht heute noch in der Ankerschmiedegasse (ul. Kotwicznikow). Oberhalb des Buttermarktes findest Du diese Gasse parallel zur Mottlau. Gleich das erste Gebäude (rechts) in der Ankerschmiedegasse ist der Ankerschmiedeturm.
      Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
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      • waldkind
        Forum-Teilnehmer
        • 06.10.2008
        • 2366

        #4
        AW: Curickes Danziger Stadtchronik

        Danke Wolfgang, für deine Ausführungen. Ich habe den Winterplatz gefunden. Dort liegt auch das Städtische Gymnasium.
        Zu der Zeit als der Buttermarkt angelegt wurde, hatte Danzig 77.000 Einwohner.
        Das Wort "Viktualien" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Lebensmittel". Das Wort "Lastadie" stammt aus dem Niederländischen und bedeutet "Schiffsladeplatz". Was aber ist der E.Rath? (Ältesten-Rat?).

        Es handelte sich also, um eine Art "Bauernmarkt"/"Landwarenmarkt", auf dem Händler und Bauern aus nah und fern ihre Waren anbieten konnten.
        LG waldkind.
        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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        • waldkind
          Forum-Teilnehmer
          • 06.10.2008
          • 2366

          #5
          AW: Curickes Danziger Stadtchronik

          Buttermarkt - Winterplatz

          In der Karte von 1886 steht der Platz als "Buttermarkt" eingetragen, in der Karte von 1912 "Winterplatz". Also hat die Umbenennung dazwischen statt gefunden.
          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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          • Wolfgang
            Forumbetreiber
            • 10.02.2008
            • 11623

            #6
            AW: Curickes Danziger Stadtchronik / Der Buttermarkt (Winterplatz)

            Schönen guten Morgen,

            beigefügt ein Stich aus dem Jahre 1735 vom Buttermarkt. Er stammt aus dem Buch "Beknopte Beschryvning van de Stadt Danzig" von Jan Lodewyk Schuer, erschienen in Amsterdam 1735.
            Angeh
            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #7
              AW: Curickes Danziger Stadtchronik / Der Buttermarkt (Winterplatz)

              Hallo Wolfgang,
              dieser Stich, den du angehängt hast, befindet sich auch im Curicke.
              Zu dieser Zeit war also der Buttermakrt eine feste Anlage mit Ziegeldach, wobei mir nicht ganz klar ist aus was er gebaut ist - Holz? Dann liegt auf diesem dünnen Holzzaun ein schweres Ziegeldach? Später hat es diese Anlage wohl in einer anderen Variation ohne Ziegeldach gegebe.

              Der Buttermarkt wurde gegründet, weil auf diesem Platz beim Auf- und Abladen der Schiffe sowieso Handel mit Lebensmittel getrieben wurde. Dieser Handel wurde durch die ordentliche Anlegung des Platzes legalisiert.

              Im 19.Jh. sollen anstelle von Lebensmittel dort Töpferwaren gehandelt worden sein. Die Umbenennung in Winterplatz erfolgte 1897 nach einem Oberbürgermeister namens Leopold von Winter.
              Grüße vom waldkind.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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              • Bartels
                Forum-Teilnehmer
                • 25.07.2012
                • 3448

                #8
                AW: Curickes Danziger Stadtchronik / Der Buttermarkt (Winterplatz)

                Einen schönen guten Tag,

                eine Chronik, wie die von R. Curicke ist schon ein Schatz, - aber sie ist nicht "die älteste in deutscher Sprache geschriebene Stadtchronik".

                z.B.: Die "Chronica der Freyen ReichsStadt Speyer" von Christoph Lehmann wurde bereits 1612 gedruckt. Noch über hundert Jahre älter ist die handschriftliche Speyrer Chronik eines unbekannten Ratsherrn, ergänzt durch mehrere Stadtschreiber.
                Beste Grüsse
                Rudolf H. Böttcher

                Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                Familie Zoll, Bohnsack;
                Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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