Aufbau Danzigs nach dem Krieg

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  • heidizdl
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 142

    #1

    Aufbau Danzigs nach dem Krieg

    Gibt es Bücher oder andere schriftliche Informationen in Deutsch über den Wiederaufbau von Danzigs Innenstadt? Mich interessiert, wieviel wirklich Historisches gerettet und wiederverwertet wurde, wie die Polen dabei vorgegangen sind und weitere Hintergrundinformationen, z. B. die Idee dahinter, das Alte wiederherzustellen anstatt alles komplett neu und anders zu machen.
    Vielleicht hat ja jemand Material.
    Gruß
    Heide-Marlen
  • Pomuchel
    Forum-Teilnehmer
    • 12.02.2008
    • 241

    #2
    Sehr wenige Häuser sind so gebaut worden das sie aussehen wie vor dem Krieg. Die Stadt wurde nach einer Idee so wieder aufgebaut, dass sie wie im 17 Jhd aussieht.
    Hochachtungsvoll
    virt. Prof. Grün
    www.rzygacz.webd.pl/pomuchel/archiv.html -
    Danziger Dienstleistungen jeglicher Art
    Nachforschungen in Archiven (Danzig und Umgebung)
    Historische und heutige Bilder von Danzig
    Kontakt über PN

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    • heidizdl
      Forum-Teilnehmer
      • 10.02.2008
      • 142

      #3
      Aufbau Danzigs nach dem Krieg

      Lieber Pomuchel,
      vielen Dank für Deine Info. Ich habe sofort in der Wasserspeier Akademie nachgesehen, aber auch dort habe ich nicht gefunden, was mich am Wiederaufbau Danzigs interessiert. Z. B. beschreibt Grass in seinen Memoiren, dass in der Johanniskirche brauchbare Reste gesammelt und etikettiert wurden zur späteren Verwendung. Oder jemand erzählte, dass die Russen die Wiederaufbaupläne genehmigen mussten, usw. Solche Hintergrundinformationen finde ich sehr interessant und würde mich freuen, mehr davon zu bekommen, wenn es sie gibt.
      Gruß
      Heide-Marlen
      Lieber Pomuchel, würdest Du Dir auch bitte bei der Ahnenforschung meine Anfrage Skalski / Zeidler ansehen und mir kurz mitteilen, ob Du mir helfen kannst? Danke.

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      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11623

        #4
        Hallo Heidi,

        Zitat von heidizdl
        Ich habe sofort in der Wasserspeier Akademie nachgesehen, aber auch dort habe ich nicht gefunden, was mich am Wiederaufbau Danzigs interessiert.
        ich will Dich ermutigen, noch ein bisschen abzuwarten und vor allem die Geduld zu bewahren. Es gibt unzählige und umfassend informierende Bücher und Artikel über den Wiederaufbau Danzigs. Insbesondere sind da die frühen Ausgaben von "Unser Danzig" zu nennen. Aber es gibt auch zahlreiche Bücher von Prof. Drost und Prof. Deurer sowie anderer (auch polnischer) Autoren, die sich intensiv mit dem Thema befassten.

        Wenn ich wieder in Deutschland bin und die Zeit finde ein wenig zu suchen, werde ich schreiben was an Publikationen empfehlenswert ist und ob sie noch heute erhältlich sind.

        Viele Grüße
        Wolfgang
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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        • heidizdl
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 142

          #5
          Aufbau Danzigs nach dem Krieg

          Lieber Wolfgang,
          vielen Dank für Deine Nachricht, mit der ich wenigstens was anfangen kann. Ich werde also geduldig warten und hoffen, dass Du mich nicht vergisst.
          Inzwischen werde ich die Infos googeln.

          Gruß
          Heide-Marlen

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          • Erwin-Danzig, + 17.06.2017
            Forum-Teilnehmer
            • 11.02.2008
            • 160

            #6
            Aufbau Danzigs nach 1945

            Hallo Heide-Marlen und Wolfgang,
            in den siebziger Jahren war ich an der TH Aachen angestellt.
            Davon ein Jahr im Istitut für Städtebau und Landesplanung.
            Vom 2.-19.9.1977 fand eine Exkursion einer Gruppe dieses Institutes nach Polen statt. Von dieser Fahrt habe ich mir damals einen Exkursionsbericht
            und einige DIA's über den Stadtbesuch Danzig gekauft.
            Der Bericht über Danzig ist 18 Seiten lang.
            Der Bericht ist natürlich noch im alten Ton der kommunistischen Zeit verfasst. Wenn man die damaligen Niederschriften der Exkursionsteilnehmer mit den Besuchsbeobachten der jetzigen Jahre nach 2000 vergleicht, ergibt sich schon eine andere Sicht der Aufbautätigkeit.
            Darstellungen der Gebäudeplanungen zeigen auch, das man die schmalen
            Fassadenhäuser der alten Stadt nur nach aussen zeigt und dahinter andere Planungsziele gesetzt wurden. Es galten ja auch nicht mehr die
            Grundbesitzverhältnisse und so konnte man schalten wie man es meinte
            gut zu tun. Die enge Bebauung Danzigs, war ja letzten Endes ein Ergebnis der alten eingemauerten Festungsstadt, die zwar am West- und Nordrand
            Ende des 19. Jahrhunderts aufgerissen wurde, die aber die Innenstadt weniger beeinflußte. Sieht man sich alte Fassadendarstellungen aus der
            Vorzeit der Fotografie an, so ist klar das man nicht immer das gleiche
            Fassadenbild des Gebäudevorgängers nachbaute.
            Die Städtebauliche Führung in Danzig hatte damals:
            doc. dr. inz Wieslaw Gruszkowski, ul. Polna 29 81-740 Sopot
            In den von Studenten der TH Aachen gemachten DIA's ist der Bautenstand aus 1977 erkennbar. Auch besite ich einige DIA's aus den Verkäufen vom
            Verlag Rosenberg zum alten Danzig.
            In den Unterlagen der damaligen polnischen Stadtplaner, wurde eine westliche Ausdehnung der Stadt als problemvoll angesehen, wegen des
            Trinkwasserschutzes. Und heute ist gerade dieses erfolgt. Die Stadt ist
            zur Höhe "hinauf geklettert" und hat für die Oberflächenentwässerung
            sichtbare Probleme gebracht.
            Soweit mein Hinweis
            Grüße von Erwin Völz

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            • Marc Malbork
              Forum-Teilnehmer
              • 23.02.2008
              • 1050

              #7
              Zitat von heidizdl
              Gibt es Bücher oder andere schriftliche Informationen in Deutsch über den Wiederaufbau von Danzigs Innenstadt? Mich interessiert, wieviel wirklich Historisches gerettet und wiederverwertet wurde, wie die Polen dabei vorgegangen sind Heide-Marlen
              Das hat mich auch sehr interessiert. Deshalb klinke ich mich mal hier ein. Grundregel ist, dass die gesamte Rechtstadt aus Neubauten der Nachkriegszeit besteht, mit Ausnahme der Kirchen und Teilen der öff. Gebäude. Die noch vorhandenen Altbauten von vor 1945 könnte man wohl alle einzeln aufzählen (u.a. Häuser um die Burgstraße, um St. Johannis, im Bereich der Markthalle). Die den Neubauten dann vorgeblendeten Fassaden sind stilmäßig an der Zeit vor den polnischen Teilungen/Übergang Danzigs an Preußen orientiert, also Gotik bis Rokoko. Spätere Überformungen und Bauten des 19. Jahrhunderts sind nicht wiederhergestellt worden.

              Meine Weisheit stützt sich vorwiegend auf folgende Bücher, wobei auch ich für weitere Nachweise ganz dankbar wäre:

              Bohdan Szermer, Gdansk -Vergangenheit und Gegenwart, Warschau 1971.
              Wegen seiner Abbildungen, Pläne und Wiedergabe auch der ideellen Grundlagen des Wiederaufbaus kann man über den übrigens eher nationalpolnischen als sozialistischen Zeitgeit des Buches hinwegsehen. Das Buch hat u.a. einen grundstücksbezogenen Plan, der die Zerstörungsgrade der Innenstadt im Einzelnen wiedergibt.

              Hans Georg Siegler, Danzig erleben, Düsseldorf 1985.
              Das Buch orientiert sich an Einzelobjekten und gibt einen schönen Überblick auch über die bauliche Nachkriegsentwicklung der einzelnen Objekte der Innenstadt.

              Unverzichtbar für einzelne Bauten und Straßenensembles ist die kurze aber prägnante Übersicht des Dehio: Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen, bearbeitet von Michael Antoni, München,Berlin, 1993. Absolute Architekturfreaks können die Angaben im "neuen" Dehio auch mit den Beschreibungen in der Vorgängerausgabe nach Vorkriegsstand "Deutschordensland Preußen", erschienen 1952, vergleichen.

              Schließlich gibt es zur Frage Neu/Alt und der entsprechenden Entwicklung einen Aufsatz von Prof. Wolfgang Deurer im Danziger Hauskalender 2006 "Die Metamorphosen der Langgasse in Danzig". Mit wenigen klaren Worten wird hier sehr schön praktisch ein Grundkurs zum Thema gegeben.

              Die von mir erwähnten Bücher sollten in jeder gut sortierten öff. Bibliothek zu finden sein. Der Danziger Hauskalender wird sehr häufig antiquarisch angeboten.

              Wenns gewünscht und erlaubt ist und ich Zeit habe, könnte ich hier mal versuchen über die Graphikfunktion des Boards die o.g. Zerstörungskarte hochladen, aber ich weiß jetzt als Neuling nicht, wie es mit dem Bilderhochladen hier generell gehandhabt wird.

              Ansonsten noch frdl. Grüße an alle user hier.

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              • Daniel Hebron
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 331

                #8
                Hallo Ruediger,

                die Haeuser um St. Johannis - das interessiert mich. Besonders das Haus Ecke Tagnetergasse/Johannisgasse. Habe dies 2003 angeschaut und auch photographiert. Sah beim besten Willen nicht aus wie ein Neubau, sondern wie 19.tes Jahrhundert. Das Haus das vorher dort einmal stand, ist 1807 waehrend der Belagerung beschaedigt worden und am 10.06.1807 eingestuerzt.

                Gruss
                Daniel
                Tu as sans doute déjà, lecteur bénévole, bien des récits sur la ville ancienne et commerçante de Dantzig....

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                • Marc Malbork
                  Forum-Teilnehmer
                  • 23.02.2008
                  • 1050

                  #9
                  Hm, müsste ich das Foto sehen. Mitunter täuscht die Verbindung von genormter 50iger Jahre "Giebelfassade" und grau-dunklem Putz von vor 1990 über das wahre Alter der Häuser. Nach der Schadenskarte ist die genannte Ecke als "gänzlich zerstört" ausgewiesen. Die in der Gegend erhaltenen, leicht beschädigten oder nur teilweise zerstörten Altbauten stehen im Norden/Osten von St. Johann zur Häker- Drehergasse/Fischmarkt.

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                  • Daniel Hebron
                    Forum-Teilnehmer
                    • 10.02.2008
                    • 331

                    #10
                    Hallo Ruediger,

                    alles klar. Suche die Bilder bis heute abend oder morgen raus und scanne sie ein. Die genaue Datierung des Einsturzes des alten Hauses 1807 ist deshalb moeglich, weil meine Ururururoma und deren Mutter dabei umgekommen sind.

                    Viele Gruesse
                    Daniel
                    Tu as sans doute déjà, lecteur bénévole, bien des récits sur la ville ancienne et commerçante de Dantzig....

                    Kommentar

                    • Helga +, Ehrenmitglied
                      Moderatorin
                      • 10.02.2008
                      • 1948

                      #11
                      Zitat von Rüdiger
                      Die in der Gegend erhaltenen, leicht beschädigten oder nur teilweise zerstörten Altbauten stehen im Norden/Osten von St. Johann zur Häker- Drehergasse/Fischmarkt.
                      Mein Vater hat früher in der Häkergasse 41/42 gelebt. Heute stehen dort Garagen. Leider habe ich nie ein Foto von den Häusern gesehen.
                      Viele Grüße
                      Helga

                      "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

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                      • Daniel Hebron
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 331

                        #12
                        Hallo Ruediger,

                        habe mal zwei Photos gefunden. Beim ersten Photo ist das Gebaeude rechts im Bild gemeint und beim zweiten Photo die beiden links im Bild. Vielleicht kannst Du mehr dazu sagen, was Gebaeude angeht, bin ich nicht gerade Fachmann.

                        Viele Gruesse
                        Daniel
                        Angeh
                        Tu as sans doute déjà, lecteur bénévole, bien des récits sur la ville ancienne et commerçante de Dantzig....

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                        • Pomuchel
                          Forum-Teilnehmer
                          • 12.02.2008
                          • 241

                          #13
                          Das ist ein Transformator am Tagnetergasse
                          Zuletzt ge
                          Hochachtungsvoll
                          virt. Prof. Grün
                          www.rzygacz.webd.pl/pomuchel/archiv.html -
                          Danziger Dienstleistungen jeglicher Art
                          Nachforschungen in Archiven (Danzig und Umgebung)
                          Historische und heutige Bilder von Danzig
                          Kontakt über PN

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                          • Daniel Hebron
                            Forum-Teilnehmer
                            • 10.02.2008
                            • 331

                            #14
                            Zitat von Pomuchel
                            Das ist ein Transformator am Tagnetengasse
                            Danke fuer die Info. 1807 war der bestimmt noch nicht da. Aber wann ungefaehr wurde das Haeuschen gebaut?
                            Tu as sans doute déjà, lecteur bénévole, bien des récits sur la ville ancienne et commerçante de Dantzig....

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                            • Marc Malbork
                              Forum-Teilnehmer
                              • 23.02.2008
                              • 1050

                              #15
                              Daniel, für deine historische 1807-Ecke kann ich mit hinreichend sicheren Daten auch nicht helfen, zumal ich kein Architekt o.ä. bin.

                              Auf erste Sicht würde ich für das
                              Transformator (?)-Häuschen aber sagen: deutscher Heimatschutzstil 1920 - 1940: An sich nicht nötiges spitzes Dach, soweit ich sehe/ahne unverputzter Backstein (damals landesüblich), zurückhaltende, aber vorhandene Schmuckformen wie Gesimsband und Lisenen. Dazu vorne eine Pfeilergitterabgenzung, die auch in die Zwischenkriegszeit passt. Dass dies so originär von polnischen Nachkriegsarchitekten stammt, scheint mir unwahrscheinlich, wobei dies jetzt nicht negativ gemeint ist.

                              Bei dem eigentlichen Eckbau ist u.a. nach dem schmucklosen Äußeren dann allerdings auf einen Neubau nach 1945 zu tippen, wobei man noch später unten an der Fassade ja wohl ziemlich rumgebaut haben mag.

                              Bei den Luftaufnahmen der Vorkriegszeit von St. Marien nach St. Johannis hin ist übrigens der eigentlich sinnwidrig quer zur Tagnetergasse gelegene Spitzgiebel zu erkennen, den es beim Eckhaus auch auf deiner Fotografie gibt und zwar genau mit der einen auch heute nur vorhandenen Fensteröffnung.

                              Der quergestellte Giebel mit Fenster macht an dieser Seite natürlich Sinn, wenn das daneben liegende Grundstück erheblich niederiger bebaut ist. Das spricht also für einen Vorkriegszustand schon mit dem kleinen T-Häuschen. Genauere Luftaufnahmen von der Johanniskirche habe ich nicht, die Straßenansichten aus der Gasse auf die Südseite des Turms zeigen leider immer nur die andere Seite der Tagnetergasse.

                              Geht man mit der Schadenskarte von der völligen Zerstörung der hier fraglichen Grundstücke Tagnetergasse 1 und 2 aus, dann dürften die Polen das T-Häuschen rekonstruiert haben und das Eckhaus auf den Grundmauern in derselben Kubatur mit entsprechender Giebelstellung neu aufgebaut haben. Vermutlich dürften dort auch noch erhebliche Mauerreste stehen geblieben sein. Bei dem Block handelt es sich jedenfalls um den seltenen Fall, in dem einmal die alte Innenbebauung (Haus erstes Foto links) nicht zerstört wurde.

                              So, nun hoffe ich, dass hier irgendjemand mitliest, der richtig sachkundig ist und das interessante "Rätsel" der Tagnetergasse 1,2 einfach mit ein paar Worten auflösen kann.
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