Milchkannengasse

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  • Erwin-Danzig, + 17.06.2017
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 160

    #1

    Milchkannengasse

    Hallo Dominik und Dietrich,
    nach Teil II des Danziger Einwohnerbuches 1940 beginnt die Aufzählung der Haus-Nr. und ihrer Einwohner, an der Grünen Brücke mit Nr. 1, rechts gesehen, dann kommt Hopfengasse als Querstraße,
    Gegenüber diesem Gebäude Nr. 1 liegt die Nr.33/34, also linke Seite und das war die Kämmereiverwaltung der Stadt Danzig. hier hat unsere Altdanzigerin Annemarie aus Oliva (damals 20 Jahre alt) gearbeitet,
    bei diesem Amt bis zum Inferno im März 1945, aber das e.g. Gebäude mußte einige zeit vorher aufgegeben werden, weil eine schwere
    Fliegerbombe als Blindgänger eingeschlagen hatte.
    Bis zum Ende machte sie 1945 ihre Arbeit und fuhr täglich von Oliva nach Danzig. So war sie auch Augenzeuge wie zum Kriegsende Erhängungen
    in der Großen Alle stattgefunden haben.
    Rechte Seite weiter nach der Hopfengasse kam dann Nr.1a; 2/3; 4/5;
    (verbunden mit Speichergasse Nr. 27/28)
    6; 7; 8; 9; 10; 11; 12; 13; 14; 15; 16; 17 (Damals Eigentum der NSdAP,
    hier sollte man einmal nachforschen, wem das Gebäude 1938 gehörte)
    dann 18; 19/20; hier waren wir an der Neuen Mottlau (Milchkannenturm) - auf der anderen Seite wird zurückgezählt: Nr. 21; 22; (Gaststätte zum Mlichkannenturm); 23 (Kaisers Kaffe Geschäft) ; 24; 25; (als Eigentümer benannt Wilhelm Burandt, Kfm)
    26: 27; 28/29; 30; 31; 32 hier wieder die Hopfengasse,
    und dann 33/34 wieder an der Grünen Brücke (siehe oben)
    Die wieder aufgebaute rechte Seite ist in der Bauflucht zurückgesetzt
    worden und so sind auch rechts Parkplätze vorhanden.
    Hiervon haben wir 2007 Aufnahmen. Man sollte sie auch den alten Aufnahmen der Milchkannengasse gegenüber stellen.
    Während des Krieges etwa 1943 /44 war meine Mutter ein paar Mal mit mir in der Milchkannengasse 13, da sind auch mehrere Einwohner aufgezählt,
    hier wohnte eine Schneiderin Frau Gertrud Zinkowski. Für mich wurde ein neuer Mantel geschneidert und wir waren zum Maßnehmen, dann zur
    1. Probe mit noch vielen Heftnähten und nocheimal zur Endprobe und danach zur Abholung. Die Schneiderstube befand sich in Gebäudemitte
    und hatte ein Fenster zu einem Luft- und Lichschacht. Das kannte ich ja von unseren frei stehenden Häusern in Praust nicht und ich durfte
    sogar hinausschauen. Der Schacht war oben mit einem höher stehenden
    Dach und Glasseitenfensten versehen, die aber auch Luftöffnungen hatten. Ich besitze einen Öldruck mit Blick über die Stadtdächer zur
    Marienkirche, es sind die Dächer der Brotbänkengasse, dort sind solche
    Aufbauten zu sehen. Die alte Stadt war ja völlig zugebaut und hatte
    keine Freiräume, wie sie nun nach dem Wiederafbau gemacht wurden.
    Als ich das 1. Mal 1998 in Danzig war viel es ja sofort auf, weil die
    Gassenbebauung war, eng wie ursprünglich bebaut, und bei einer
    Gebäudetiefe von ca. 12 m im Verhältnis zu große Innenflächen hat,
    die Grünanlagen sind. Aber im Jahre 2007 beobachtete ich schon, daß
    die Innenflächen mit Bagger geräumt wurden und hier eine Bebauung
    der Zwischenflächen beabsichtigt wird. Das werde ich mir vielleicht noch
    einmal ansehen können.
    So nun gute Nacht und Grüße an Alle von Erwin Völz.
  • Dietrich
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 106

    #2
    Hallo lieber Erwin,

    herzlichen Dank fuer diese detaillierte Auflistung und Beschreibung der Haeuser in der Milchkannengasse. Konntest Du bei Deinem Besuch im Jahr 2007 eine Bebauung auf der linken Seite der Milchkannengasse feststellen? Es waere doch schoen, wenn auch diese Haeuser im alten Stil rekonstruiert wuerden.

    Noch einen schoenen Sonntagnachmittag und Gruss nach Freiburg

    Dietrich

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    • Wolfgang
      Forumbetreiber
      • 10.02.2008
      • 11623

      #3
      Zitat von Dietrich
      ... Konntest Du bei Deinem Besuch im Jahr 2007 eine Bebauung auf der linken Seite der Milchkannengasse feststellen?
      Hallo Dietrich,

      nein, es ist auf der linken Seite noch nicht mit einer erneuten Bebauung begonnen worden. Bis zum letzten Jahr fanden dort Ausgrabungen statt, aber ich habe leider keinen Zugang zu den sicherlich hochinteressanten Ergebnissen. Seit Jahren gibt es immer wieder neue Überlegungen, die kurz danach durch aktualisierte Pläne über den Haufen geworfen werden.

      Die rechte Seite der Milchkannengasse krankt daran, dass sie außerhalb des Danziger Zentrums liegt. Kaum ein Tourist verläuft sich dorthin. Die Mieter/Nutzer der Gebäude auf der rechten Seite wechseln am laufenden Band, etliche Geschäfte stehen leer. Es fehlen zwar keine Konzepte, aber es fehlen Investoren, die sie umsetzen.

      Was will man auf der Speicherinsel machen? Hotels, Hotels und noch einmal Hotels? Theater, Gaststätten, Kulturzentren? Für mich erschließt sich nach wie vor kein urbanes und erfolgversprechendes Konzept. Alle Pläne wirken hingewurschtelt, zwar phantastisch anzusehen, aber niemand kann sagen, ob sie finanzierbar sind und ob sie auch in Zukunft eine entsprechende Rendite bringen.

      Wir sollten den Blick für die Realitäten nicht verlieren: Danzig ist wahnsinnig interessant, hat eine große historische Vergangenheit, sieht auch eine ebenso große Zukunft, aber für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft braucht es starke Investoren. Eine Museumsstadt finanziert sich selten aus eigenen Mitteln. Woher sollen sie kommen?

      Ich sehe das alles sehr subjektiv. Zu lange verfolge ich tausend Pläne und Versprechungen, zu lange sehe ich, dass fast alles in die Hosen geht was groß geplant und angekündigt wird. Nur das neue Fußballstadium wird anlässlich der Europameisterschaften 2012 gebaut. Das ist sicher. Ein kompletter neuer Stadtteil soll entstehen, auch wenn keiner der heutigen Danziger weiß, wie das geschehen soll.
      Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
      Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
      Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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      • Heibuder
        Forum-Teilnehmer
        • 10.02.2008
        • 751

        #4
        Zitat von Dietrich
        ... Konntest Du bei Deinem Besuch im Jahr 2007 eine Bebauung auf der linken Seite der Milchkannengasse feststellen? Es waere doch schoen, wenn auch diese Haeuser im alten Stil rekonstruiert wuerden....
        Hallo, Dietrich, Wolfgang und Erwin, hier ein passendes Foto von der Milchkannengasse (rechte Bildhälfte),
        das ich letztes Jahr durch einen Absperrzaun hindurch über das noch unbebaute Gelände hinweg machte.
        Angeh
        Es grüßt der Heibuder!

        "Erinnerungen sind Wärmflaschen fürs Herz." (R.Fernau)

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        • Dietrich
          Forum-Teilnehmer
          • 11.02.2008
          • 106

          #5
          Zitat von Heibuder
          Hallo, Dietrich, Wolfgang und Erwin, hier ein passendes Foto von der Milchkannengasse (rechte Bildhälfte),
          das ich letztes Jahr durch einen Absperrzaun hindurch über das noch unbebaute Gelände hinweg machte.
          Tja, da wird es wohl mal gestanden haben, das Haus meiner Grosseltern. Herzlichen Dank fuer das Foto, Heibuder ! Es ergibt sich daraus nun ein sehr gutes Gesamtbild der Milchkannengasse in heutiger Gestalt... bleibt nur zu hoffen, dass diese 'traurige' Ansicht eines Tages mal einem Ambiente weicht, das zum schoenen Bild der Rechtstadt passt...

          Besten Gruss,

          Dietrich

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          • Dietrich
            Forum-Teilnehmer
            • 11.02.2008
            • 106

            #6
            Hallo Wolfgang,

            vielen Dank fuer Dein 'Update' zur Bebauung der Milchkannengasse und Deine persoenlichen Einschaetzungen zur Stadtentwicklung. Man kann gut verstehen, dass sich der Einzelhandel in der Milchkannengasse angesichts des unattraktiven Umfelds nicht gut behaupten kann ... und ich bin auch der Meinung, dass nur renditestarke Projekte die Aufmerksamkeit starker Investoren auf sich ziehen. Allerdings muessen hierzu die noch laufenden archaeologischen Untersuchungen abgeschlossen sein... und das wird ja offenbar noch 'ne Weile dauern.

            Warten wir's also ab

            Schoenen Start in die neue Woche !

            Dietrich

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            • Heibuder
              Forum-Teilnehmer
              • 10.02.2008
              • 751

              #7
              Zitat von Dietrich
              Tja, da wird es wohl mal gestanden haben, das Haus meiner Grosseltern. Herzlichen Dank fuer das Foto, Heibuder ! ...
              Ja, traurig, Dieter. Hier noch zwei Bilder aus anderen Blickwinkeln durch Lücken im hölzernen "Sichtschutzzaun" hindurch.
              Angeh
              Es grüßt der Heibuder!

              "Erinnerungen sind Wärmflaschen fürs Herz." (R.Fernau)

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              • Erwin-Danzig, + 17.06.2017
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 160

                #8
                Milchkannengasse

                Zitat von Dietrich
                Tja, da wird es wohl mal gestanden haben, das Haus meiner Grosseltern. Herzlichen Dank fuer das Foto, Heibuder ! Es ergibt sich daraus nun ein sehr gutes Gesamtbild der Milchkannengasse in heutiger Gestalt...
                Hallo Dietrich,
                an alte schwarz-weiß-Aunahmen in alten Büchern kann ich mich erinnern,
                nur wo sie genau zu suchen sind ist mir z.zT. noch nicht klar.
                Werde danach suchen und dann wieder berichten.
                Grüße von Erwin Völz

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                • Wolfgang
                  Forumbetreiber
                  • 10.02.2008
                  • 11623

                  #9
                  Zitat von Dietrich
                  ... Allerdings muessen hierzu die noch laufenden archaeologischen Untersuchungen abgeschlossen sein... und das wird ja offenbar noch 'ne Weile dauern.
                  Hallo Dietrich,

                  die archäologischen Untersuchungen auf der linken (nördlichen) Seite der Milchkannengasse sind abgeschlossen. Wann weitere Grabungen in der nördlichen Spitze der Speicherinsel vorgesehen sind, weiß ich nicht. Aber bevor es dort zu einer Neubebauung kommt, wird es sicherlich auch dort archäologische Untersuchungen geben.
                  Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                  Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                  Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                  • Helga +, Ehrenmitglied
                    Moderatorin
                    • 10.02.2008
                    • 1948

                    #10
                    Beide Seiten der Milchkannengasse im März 2006.
                    Angeh
                    Viele Grüße
                    Helga

                    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

                    Kommentar

                    • Dietrich
                      Forum-Teilnehmer
                      • 11.02.2008
                      • 106

                      #11
                      Milchkannengasse

                      Hallo ihr lieben Danziger, Helga, Erwin, Wolfgang, Heibuder...

                      Euch allen danke ich sehr fuer die spontanen Reaktionen, die hilfreichen Kommentare und interessanten Bilder zur Milchkannengasse... werde den lustigen Hinweis "Nicht hinauslehnen" bei meinem naechsten Besuch am hoelzernen "Sichtschutzzaun" mit gebuehrendem Respekt (und Humor) beruecksichtigen

                      Dieter

                      Kommentar

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