Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danziger

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    Forum-Teilnehmer
    • 18.01.2018
    • 312

    #1

    Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danziger

    ...Predigers Hermann G. Mannhardt


    Vorwort
    Ich habe dieses Thema als Beitrag gewählt, da viele Forumsteilnehmer die Ansicht vertreten "es schreibt keiner mehr - die Themen sind abgearbeitet". Mit diesem, von mir zur Diskussion gestellten Thema, bilde ich mir ein, sind wir mindestens 1 Jahr mit Beiträgen beschäftigt, bei "Vernüftiger Threadführung" (Leitfaden) ein Danziger Thema erfolgreich zu bearbeiten.

    Vor etwas mehr als hundert Jahren, im Frühjahr 1915, hielt der bekannte Mennonitenprediger Hermann G. Mannhardt in Danzig mitten im Weltkrieg eine
    »Rede zur Kriegszeit«
    die von großem nationalistischem Pathos getragen war.

    Ich habe seine Rede- und einige Texte dreier namhaften Historiker, deren Verdienst es ist, dass dieses Werk wiederendeckt und übersetzt wurde, als Grundlage zu meinem Beitrag genommen.
    Ich will versuchen auf diese Weise einen Blick auf eine mennonitisch-nationalistische Kriegsbegeisterung zu öffnen- und darüber, ich hoffe mit vielen Forumsteilnehmer schriftlich zu diskutieren.

    Die Historiker stellten die Behauptung auf, der gesteigerte mennonitische Nationalismus im Krieg sei nirgendwo sonst so stark in Erscheinung getreten wie unter preußischen Mennoniten.

    Ich glaube, wenn wir die Wandlung und die Anfänge eines ganz eigenen mennonitischen Kriegspatriotimus verstehen wollen, ist es zunächst nötig einen weiten Schritt zurück in die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges zu tun. Zur Information, bereits im 16. Jahrhundert kamen Scharen von Mennoniten aus den Niederlanden nach Danzig, bedingt durch ein Edikt von Kaiser Karl V. .

    Wenn ich interesse an diesem Thema zur Geschichte der Mennoniten in Danzig geweckt habe- und wer mit schreiben will "Schlage ich vor, dass wir uns als erstes mit der Person Hermann G Mannhard befassen sollten" um seine Rede zu verstehen und wie er es schaffte eine Glaubensgemeinschaft "vom wahren Glauben ab zu bringen"

    Ich werde zur Vorgeschichte des mennonitischen Kriegspatrotismus erst dann weitere Beiträge schreiben, wenn ich ein Interesse erkennen kann.

    Jetzt die Rede " Original H.G. Mannhardt

    Anmerkung: Die Danziger Singakademie trug vor der Rede
    Chöre und Soli aus dem 1. Teil von Händels Judas Makkabäus vor.

    Taten und Helden
    Rede zur Kriegszeit am 5. März 1915
    gehalten im Festsaal des Danziger Hofes
    von H. G. Mannhardt
    Prediger der Danziger Mennoniten-Gemeinde

    Von Taten und Helden ist hier gesungen worden. Und wenn die Töne aus Händels Meisterwerk nun verrauscht sind, so wird ihr Nachhall uns doch aus diesem Raum hinausbegleiten. Geben sie doch Kunde von einem Freiheitskampfe, den vor mehr als zweitausend Jahren ein tapferes kleines Volk gegen die Übermacht seiner Unterdrücker siegreich bestand! Wann schlagen unsere Herzen lauter in begeisterter Anteilnahme an den Geschicken der Völker, als wenn wir in Geschichte, Lied und Sage von einem Geschlechte hören, das für Vaterland und Freiheit zu kämpfen und zu siegen, zu leben und zu sterben wußte?

    Und heute, da wir selbst mitten in einem solchen Kampfe stehen, mögen die Klänge von Taten und Helden der Vergangenheit unsere Herzen besonders tief ergreifen. Es ist nicht das erste Mal, daß unser deutsches Volk um seine Freiheit und um seinen Fortbestand in Gegenwart und Zukunft ringt, aber so gewaltig, so entscheidend für uns selbst und für die künftige Gestalt der Welt war noch kein deutscher Krieg. Von der Hermannschlacht am Teutoburgerwalde bis nach Leipzig und Waterloo, nach Wörth und Sedan ist ein langer Weg, der durch

    Aufstieg und Niedergang endlich zum herrlichsten Ziele führte. Wunderbare Zeit der Erfüllung vor 44 Jahren! Wer sie erlebt hat, vergisst sie niemals, niemals wieder. Alle Hoffnungen der Besten waren in Erfüllung gegangen, alle Weissagungen und Träume waren Wirklichkeit geworden. Was der Herold des deutschen Reiches und des neuen deutschen Kaisertums, Emanuel Geibel, 1859 mit prophetischem Blick ausgerufen hatte:

    »Einst geschieht ́s, da wird die Schmach Seines Volkes der Herr zerbrechen: Der auf Leipzigs Feldern sprach, Wird im Donner wieder sprechen«,

    das was nun geschehen.Und als wir dann unser neues Reichshaus unter viel innerem Streit ausbauten und uns in der Welt draußen immer mehr Platz an der Sonne gewannen, fingen wir allgemach an zu glauben, nun könne es keinen Krieg mehr geben, die Welt sei des Blutvergießens müde und kein Feind werde mehr uns anzugreifen wagen. Aber nun ist es gewaltiger denn je über uns hereingebrochen mit einer nie erhörten Donnersprache, nun ist es gekommen, was ein Moltke längst mit klarem Wort vorausgesagt hatte, was die Männer seines Geistes, unser Kaiser voran, unbeirrt vorbedacht haben, und was auch Geibel dichterisch vorgeahnt hat, wenn er weiter fortfährt:

    »Dann, o Deutschland sei getrost! Dieses ist das erste Zeichen ,Wenn verbündet West und Ost Wider dich die Hand sich reichen.«
    »Wenn verbündet Ost und West Wider dich zum Schwerte fassen, Wisse, dass dich Gott nicht lässt, So du dich nicht selbst verlassen.«
    »Deinen alten Bruderzwist Wird das Wetter dann zerstören, Taten wird zu dieser Frist Helden dir die Not gebären.«

    Nicht irgend ein einzelnes von den Nachbarreichen hat es gewagt uns anzugreifen, aber der Neid und der Haß haben einen Ring der Völker um uns her geschlossen, der durch die Überlegenheit seiner gewaltigen Machtmittel meinte uns und unsere wenigen Bundesgenossen leicht erdrücken zu können.
    Doch es ist ihnen bis heute nach sieben furchtbaren Kriegsmonaten nicht gelungen. Taten und Helden hat diese eiserne Zeit und ihre Not unserem Vaterland geboren, die allem Ansturm von Gewalt und List bisher mit unerhörten Opfern aufgehalten, ja die den Krieg tief in die feindlichen Länder hinein und weit auf die feindlichen Meere hinaus getragen haben.

    Können wir jemals genug danken, dass unser Volk in Waffen zu Lande und zu Wasser, in den Lüften und unter dem Meere unser Vaterland davor bewahrt hat, von jenen Horden weithin verwüstet zu werden, deren schreckliche Spuren das arme ostpreußische Grenzland und seine unglücklichen Bewohner am Leibe tragen?
    Das schwere Schicksal des Krieges ist ein gemeinsames Leid und schlingt ebenso wie aller Dank und alle Freude ein festes Band um unsere Volksgenossen.

    Aber es gibt auch viele besondere Schmerzen, welche mit Kraft und Mut, mit Heldensinn getragen werden wollen.Hat nicht manche redliche Herzen der Gedanke aufs Tiefste bewegt, woher es kommen mag, dass wir so gehasst werden in der Welt; wenn sie sahen, dass nicht nur unsere offenen Feinde, sondern auch die halben Freunde und die angeblich neutralen Völker eine wahre Flut von Schmähung, Verkennung und Mißverstand über uns ausschütteten? Wir dürfen uns von dieser Erfahrung nicht niederdrücken lassen, vor allem dürfen wir darüber nicht die Stimmen überhören, die sonst und jetzt beweisen haben, dass wir draußen in der Welt auch geliebt werden.Ich könnte vieler solcher freundlichen Stimmen nennen, Stimmen aus dem Nordland wie die Björnsons und des trefflichen Sven Hedin, und Stimmen aus dem Süden, aus Spanien und Griechenland, auch aus den uns stammverwandten Ländern der Schweiz und der Niederlande.

    Aber ich möchte hier jetzt nur reden von den Millionen unserer deutschen Brüder und Schwestern, die überall auf dem Erdkreis wohnen. Wie anders ist heute ihre Liebe zum deutschen Vaterlande als noch vor fünfzig Jahren!
    Einst war es dem Deutschen in der Fremde natürlich sich möglichst schnell in Sitte und Gesinnung der Fremde anzupassen und an die alte Heimat mit Geringschätzung zu denken, heute dagegen sehen wir mit Erstaunen und Entzücken die mächtige Woge der begeisterten Liebe, der leidenschaftlichen Anteilnahme, die z. B. durch die vielen Millionen der Deutschamerikaner hinbraust, eine Liebe und Begeisterung, die ihren symbolischen Ausdruck neben vielem anderen auch in jenem Neuyorker Konzertsaal fand, als eine edle deutsche Frau und Sängerin die Versammelten im Sturm hinriß mit Eichendorffs deutschem Heimwehliede, dessen letzte Strophe heißt

    »Der Morgen, das ist meine Freude, Da steig ich in stiller Stund Auf den höchsten Berg in die Weite, Grüß Dich, Deutschland, aus Herzensgrund!«

    Und wenn jetzt bei unseren Feinden jede bessere Regung unter den Ausbrüchen des Hasses und der Vernichtungswut, die von den Regierungen und der Presse gepflegt werden, erstickt zu sein scheint, so darf doch wohl daran erinnert werden, dass die wenigen wirklichen Kenner Deutschlands, besonders unter den Engländern, uns eine Bewunderung zollen, die man mit vollem Recht Liebe nennen kann.

    Ich denke dabei nicht nur an den in England geborenen nun aber schon lange in Deutschland lebenden Houston Stuart Chamberlain, sondern mehr an den besten Mann Englands im 19. Jahrhundert: Thomas Carlyle. Ich bin überzeugt, dass er heute, wenn er diese Zeit erlebt hätte, sich in seiner Liebe zu Deutschland nicht würde beirren lassen durch das wüste Geschrei vom angeblichen deutschen Militarismus und Barbarismus.

    Denn alles, was im deutschen Volke an hohen und höchsten Kulturgütern vorhanden ist, das sah dieser Mann mit schärferem Blick und offenerem Herzen, als viele Deutsche selbst es sehen.

    Seine Liebe galt der ganzen deutschen Geistesbildung mit ihren sittlichen Kräften und ihren unersetzlichen Gemütswerten. Wie beschämend ist es daß es immer noch Deutsche gab und gibt, denen alle diese Werte wenig bedeuten, weil ihnen die alte üble deutsche Ausländerei noch immer im Blute steckt, die nicht aufhören will und mag, den Fremden nachzulaufen und nachzuäffen.
    Man sagt wohl nicht mit Unrecht, daß diese traurige Neigung nur die Kehrseite und das Zerrbild jener deutschen Tugend sei, die uns befähigt, das Gute zu sehen und anzuerkennen, was andere Völker besitzen, aber wie oft ist das Zerrbild, auch noch in jüngster Zeit bei uns vorherrschend gewesen, ja wie beleidigt es noch heute so oft unser Gefühl!

    Schon seit jener Zeit, als sich im 18. Jahrhundert zuerst wieder ein lebhafteres deutsches Nationalgefühl regte, sind führende Geister nicht müde geworden ihr Volk zu mahnen, daß es deutsch empfinden und handeln sollte. So der edle Klopstock, der vor 150 Jahren zürnend ausrief:
    »Verkennt denn euer Vaterland, undeutsche Deutsche! Steht und gafft mit blöder Bewunderung großem Auge das Ausland an!«

    »Dem Fremden, den ihr vorzieht, kams nie ein, den Fremden vorzuziehen. Er haßt die Empfindung dieser Kriechsucht, verachtet euch, weil ihr ihn nachahmt!

    «Welch ein tiefer Schmerz die Brust solcher Männer erfüllte, die den hohen Wert des deutschen Wesens erkannten und daneben die Würdelosigkeit sehen mußten, mit welcher deutsche Männer und Frauen ihre Ausländerei zur Schau trugen, das sagen uns unter so vielen anderen die schwermütigen Worte Hölderlins in seinem

    »Gesang der Deutschen«:

    »O heilig Herz der Völker, o Vaterland! All duldend, gleich der schweigenden Mutter Erde,Und allverkannt, wenn schon aus deiner Tiefe die Fremden ihr Bestes haben!«
    »Du Land des hohen ernsteren Genius! Du Land der Liebe, bin ich der deine schon,Oft zürnt ich weinend, daß du immer Blöde die eigene Seele leugnest.«

    Brauche ich an alle die hohen Geister zu erinnern, die nach Klopstock und Hölderlin seit mehr als hundert Jahren ihr Bestes daran gesetzt haben, des deutschen Volkes Seele wachzurufen zur Erkenntnis des eigenen Wertes, und brauche ich zu sagen, dass sie nicht umsonst gearbeitet haben? Ja wahrlich sie alle, von Ernst Moritz Arndt, von Fichte und Heinrich von Kleist bis zum gewaltigen Bismarck, haben ihr Volk emporgerissen zu selbstbewußter Größe, zu Heldentaten und Erfolgen in Krieg und Frieden, auf allen Gebieten menschlicher Arbeit, menschlichen Wissens und Könnens, welches das Staunen aber auch den Neid der Welt erregt haben.

    Und erleben wir es nicht eben jetzt von neuem, daß es den Mächten, die wieder am Werke waren unser Volk undeutsch und wurzelloser zu machen, trotz alles scheinbaren Erfolges nicht gelungen ist, den deutschen Geist in fremde Fesseln zu schlagen. Nur an der Oberfläche und bei den Oberflächlichen haben sie ihre Wesen treiben können. In der Tiefe war die deutsche Kraft, das deutsche Gemütsleben, der deutsche Glaube und der deutsche heilige Ernst der Hingabe an das Vaterland stark und lebendig und bringt jetzt seine edelsten Früchte.Wird nun wohl endlich, endlich die Zeit kommen, in der auch die äußere Lebenshaltung bei Hoch und Niedrig wahre deutsche Wesenskultur zu würdigem Ausdruck bringt, oder werden wir in diesen Dingen auch künftig die gehorsamen Diener fremder Moden und Launen sein?

    Dieser Tage las man, dass jetzt mitten im Kriege in Berlin eine Pariser Modellausstellung vorbereitet wird. Wenn das wirklich geschieht, ohne daß deutsche Männer und vor allem deutsche Frauen, die doch in diesem Kriege schon so viel für das Vaterland geleistet haben, sich dagegen aufs äußerste zur Wehr setzen, dann könnte man auch heute noch mit Hölderin klagen
    »oft zürnt ich weinend, dass du immer blöde die eigene Seele leugnest.
    «Soll nun aber fortan zwischen den Völkern, die jetzt im erbitterten Kampfe liegen, nur noch der Haß das Wort führen, sollen niemals wieder Brücken des Verkehrs und des Verständnisses geschlagen werden?
    Darauf ist zu antworten, daß der Krieg selbst uns deutlich macht, wie sehr die Völker auf einander angewiesen sind. Es ist ferner zu sagen, daß kein Volk der Erde reicher an Gerechtigkeitsgefühl ist als das deutsche. Wenn wir jetzt mit Zorn und Empörung, mit Haß und Abscheu an die eigentlichen Anstifter dieses furchtbaren Weltkrieges denken, und sie unter Gottes Beistand zu strafen wünschen, so machen wir unseren Haß nicht zur Gesinnung, die dauernd unser Denken und Tun beherrschen könnte.
    Wie sehr der Haß auch die Völker blind macht und welche verdummende Wirkung er ausübt, das sehen wir am deutlichsten an den Franzosen. Wollen wir unter den Völkern der Erde den Platz, der uns gebührt, künftig behauptet, dann werden wir nicht ohne das Wort der Bibel auskommen:
    »Gerechtigkeit erhöhet ein Volk!«
    aber wir werden auch Klopstocks Mahnung nicht vergessen dürfen:
    »Nie war, gegen das Ausland Ein anderes Land gerecht, wie du! Sei nicht allzugerecht, sie denken nicht edel genug, Zu sehen, wie schön dein Fehler ist!

    «Nein wir dürfen nicht allzu gerecht sein, damit nicht unsere Gerechtigkeit, oder was wir so nennen, wieder unsere Schwäche wird.Doch was reden wir von der Zukunft, während doch die Gegenwart alle unsere Gedanken für sich fordert? Wir können jetzt nicht zusammenkommen ohne unserer kämpfenden und blutenden und besonders unserer gefallenen Brüder zu gedenken.
    Taten und Helden hat die Not uns geboren, das sagen uns tausend Berichte, das sagen uns die Verlustlisten, das sagen uns die Gräber.

    Als Schiller einst von Vaterland und Freiheit singen wollte, musste er seine Helden jenseits der deutschen Grenzen suchen oder im fernen Altertum. Heute würde er das nicht tun. Was er von längst vergangener Zeit im Hinblick auf Kulturstätten und Menschen des alten Griechenlands zu rühmen wußte, das paßt heute ganz und gar auf unser eigenes Volk:

    »Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer [original: Pflanzen] der Menschheit, Fernen Inseln des Meeres brachtet [original: sandtet] ihr Sitten und Kunst.
    Weise sprachen das Recht an diesen geselligen Toren; Helden stürzten zum Kampf für die Penaten hinaus [original: heraus]. Auf den Mauern erschienen, den Säugling im Arme, die Mütter, Sahen [original: blickten] dem Heerzug nach, bis ihn die Ferne verschlang.
    Betend stürzten sie dann an [original: vor] der Götter Altären sich nieder, Flehten um Ruhm und Sieg, flehten um Rückkehr für euch.
    «Und von wie Vielen, ach wie Vielen, gelten nun auch die weiteren Verse:
    »Ehre ward euch und Sieg, doch der Ruhm nur kehrte zurücke; Eurer Taten Verdienst meldet der rührende Stein. Wanderer, kommst du nach Sparta, verkünde dorten, du habest Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl. Ruhet sanft, ihr Geliebten! Von eurem Blute begossen, Grünet der Ölbaum, es keimt fröhlich die köstliche Saat.

    «Wir denken an unsere toten Helden. Mehr als zweimalhunderttausend ruhen schon im Erdenschoß, in den Fluten des Meeres, wenige in heimatlichem, viele im fremden Boden, auch im fernen Asien und in Afrika.

    Niemand soll es uns wehren zu klagen um so viel Jugendkraft, die nun gebrochen ist, um so viel Glück und Hoffnung, die nun gestorben sind.
    »Seele vergiß sie nicht, Seele vergiß nicht die Toten!«
    »Nur das Gemeine steigt klanglos und klaglos hinab in die Gruft.« Aber unsere Klage ist nicht trostloser Jammer, sondern Heldenklage, würdig unserer Gefallenen und ihrer Taten! Noch grünen die Bäume nicht über ihren Hügeln, noch ist die Erde winterlich und kahl.
    Aber wenn der Friede einmal wiederkommt, dann wird das wunderbare Blühen eines neuen Frühlings zu ihnen herniedersteigen; dann wird der Dank eines ganzen großen Volkes diese stillen Gräber zu Opferstätten seiner Liebe weihen. Und auch aus diesen Gräbern wird ein neuer deutscher Frühling und, so hoffen wir, ein neuer Weltenfrühling emporwachsen. Wenn der Friede kommt! Welche Wünsche, welche Sehnsucht regt dies Wort in unseren Herzen auf !

    Welche Bilder von Heimkehr und neuem Glück bewegen die Seele der daheim Wartenden und Bangenden und wohl auch manches tapferen Kämpfers da draußen, der
    »den blutigen Lorbeer mit Freuden hingeben würde fürs erste Veilchen, das der März uns bringt, das duft ́ge Pfand des neuerwachten Lebens.«

    –Aber es ist noch keine Zeit für Friedensträume. Noch wütet an allen Enden in Ost und West der Krieg, noch gilt es für alle auszuharren und durchzuhalten mit jener Entschlossenheit und Opferbereitschaft, mit der wir diesen Kampf auf uns genommen haben.

    Wie vor hundert Jahren unsere Vorväter im Ringen um ihre Freiheit, so müssen wir uns noch heute Rückerts geharnischte Worte zurufen:
    »Wir schlingen unsre Händ‘ in einen Knoten,Zum Himmel heben wir den Blick‘ und schwören;Ihr alle, die ihr lebet, sollt es hören, Und wenn ihr wollt, so hört auch ihr‘s, ihr Toten.

    Wir schwören:

    Stehn zu wollen den Geboten Des Lands, des Mark wir tragen in den Röhren, Und diese Schwerter, die wir hier empören, Nicht eher zu senken, als vom Feind zerschroten. Wir schwören, daß kein Vater nach dem Sohne Soll fragen, und nach seinem Weib kein Gatte, Kein Krieger fragen soll nach seinem Lohne, Noch heimgehn, eh‘ der Krieg, der nimmersatte, Ihn selbst entlässt mit einer blut‘gen Krone, Daß man ihn heile, oder ihn bestatte!
    «Taten und Helden fordert die gewaltige Zeit. Taten und Helden wird auch die Zukunft fordern.

    Gestern las ich von einem jungen Japaner, der Deutschland so leidenschaftlich liebte, daß er, um nicht gegen Deutsche kämpfen zu müssen, Selbstmord verübte.
    Er schrieb vorher einen letzten Brief an einen deutschen Freund, der als ein Dokument von größtem Werte aufbewahrt werden muß. In diesem Briefe stehen u. A. die Worte:

    »O Deutschland, du Herz der Welt, was verdanken wir dir!«

    Welch ein Bekenntnis aus der Mitte unserer Feinde. Wie muß es uns die Häupter und die Herzen erheben in Freude, Stolz und Dank! Was aus unserer eigenen Mitte mit Hölderlins Worten vor langer Zeit in die Welt hinausklang, das findet jetzt seinen Widerhall aus dem fernen Osten.

    D e u t s c h l a n d d a s H e r z d e r W e l t!

    Das soll über den Toren unserer Zukunft stehn. Nicht um uns übermütig, selbstgefällig und ruhmredig zu machen, sondern um uns an die große heilige Aufgabe zu mahnen, die Gott unserem Volk gegeben hat.
    Einst wird die Zeit kommen, und sei sie auch jetzt noch fern, da werden auch in anderen Völkern die Stimme der Lüge und des Hasses übertönt werden von der Stimme der Wahrheitserkenntnis und der Zuneigung:

    Deutschland, du Herz der Welt, was danken wir dir! Deutsche Männer und deutsche Frauen und du, deutsche Jugend, der die Zukunft gehört!
    Lohnt es sich für diese Aufgabe zu kämpfen, zu bluten und zu sterben? Lohnt es sich dafür zu leben und zu arbeiten und Opfer zu bringen? Gott gebe uns jetzt und künftig, im Kriege wie im Frieden, was wir dazu bedürfen:
    T a t e n u n d H e l d e n !

    Ende der Rede des Geistlichen der Mennoniten
    Du kannst keinen Tag der Vergangenheit ändern. Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft.
  • waldling +6.8.2023
    Forum-Teilnehmer
    • 04.09.2011
    • 2320

    #2
    AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

    Moin, Dieter,

    ein sehr interessantes Thema was du da eingestellt hast. Allerdings überrollt es mich gerade. Einiges haben wir hier im Forum auch schon zum Thema gehabt. Nun so mal eben auf deine, wie ich finde, vielen Fragen (für mich auch versteckte Fragen) zu reagieren, fällt mir zurzeit schwer. Aber allgemein geschrieben, wir wissen doch auch von Sympathien der Mennoniten mit dem Nazi-Regime, genauso von Gegnern (wie auch einem Onkel von mir). U.a. durch die Entschuldungsmaßnamen der Mennoniten durch ein Nazi-Gesetz (s. auch hier im Forum) machten wohl Eindruck. Bitte erwartet keine Links von mir, nutzt mal die Suchfunktion. Gerne beteilige ich mich auch weiter an diesem Thema, wenn es zur einer gewissen Resonanz kommt.

    Herzliche Grüße
    Uwe

    Kommentar

    • sarpei
      Forum-Teilnehmer
      • 17.12.2013
      • 6104

      #3
      AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

      Hallo Dieter, hallo Uwe,

      irgendwie habe ich einen Klemmer: welcher Hermann G. Mannhardt ist hier gemeint? Wenn hier von 'dem bekannten Mennonitenprediger' in Danzig geschrieben wird, dann muss ich meine Unkenntnis zugeben. Als 'bekannter Mennonitenprediger in Danzig' aus jener Zeit ist mir nur ein Heinrich Gottlieb Mannhardt bekannt.


      Viele Grüße

      Peter

      Kommentar

      • sarpei
        Forum-Teilnehmer
        • 17.12.2013
        • 6104

        #4
        AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

        Hallo miteinander,

        da bin ich wohl einer 'polnischen Missinterpretation' aufgesessen: im Mannhardt-Buch über die Geschichte der Mennoniten in Danzig, war das 'H.' als 'Heinrich' ergänzt worden. Sorry, wenn ich meine Verwirrung übertragen haben sollte ... .


        Viele Grüße

        Peter

        Kommentar

        • waldling +6.8.2023
          Forum-Teilnehmer
          • 04.09.2011
          • 2320

          #5
          AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

          Moin, Peter,

          bei grandmaonline.org gibt es einen Hermann Gottlieb Mannhardt *14.01.1855 Hanerau, Schleswig-Holstein +1927 Danzig, Heirat 20.10.1880 Maria Elise Dyck in Danzig. Ich nehme an, dass es sich hier um den genannten Mannhartd handelt. Er wird als Ältester bezeichnet und mit dem Namen Hermann angegeben.

          Herzliche Grüße
          Uwe

          Kommentar

          • waldling +6.8.2023
            Forum-Teilnehmer
            • 04.09.2011
            • 2320

            #6
            AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

            Hier noch was zum Hintergrund von Mannhardt, siehe zu Punkt 3. http://www.mennonitisches-lexikon.de...?id=loc:danzig

            "1836 engagierte die Gemeinde einen neuen Pfarrer, Jacob Mannhardt, der ebenfalls aus der Gemeinde Friedrichstadt nach Danzig kam. Er war ein Cousin ersten Grades Jacob van der Smissens (Mannhardts Mutter war eine van der Smissen). Mannhardt arbeitete fast fünfzig Jahre als Pastor und tat viel, um die Gemeinde in ihrem letzten Jahrhundert zu prägen.

            1879 wurde ein neuer Hilfspfarrer eingestellt, Hermann G. Mannhardt, ein Neffe Jacob Mannhardts. Zu dieser Zeit trat Hermann Mannhardt offiziell der Mennonitenkirche bei, was offenbar bedeutete, dass er zuvor ein protestantisches Kirchenmitglied gewesen war. Beide Mannhardts hatten eine evangelische theologische Universitätsausbildung absolviert. Im Jahr 1845 verabschiedete die Gemeinde eine Verfassung. Die Gemeinde erhielt durch königliches Dekret beschränkte Körperschaftsrechte, was ihr erlaubte, als anerkannte juristische Person zu handeln, anstatt ihre Geschäfte über einzelne Mitglieder zu führen. 1887 wurde die Gemeinde auf der Grundlage einer neuen Verfassung in das deutsche Körperschaftsrecht integriert.
            Jacob Mannhardt starb 1885 und Hermann Mannhardt wurde für weitere vierzig Jahre der Hauptpastor bis zu seinem Tod im Jahr 1927. Beide Mannhardts waren übergemeindlich für die deutschen Mennoniten aktiv. Jacob Mannhardt gründete 1854 die deutsche mennonitische Zeitung, die Mennonitischen Blätter (→Zeitschriften). Herman G. Mannhardt war 1886 an der Gründung der →Vereinigung der Mennonitengemeinden im Deutschen Reich maßgeblich beteiligt."

            Kommentar

            • Weimaraner
              Forum-Teilnehmer
              • 18.01.2018
              • 312

              #7
              AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

              Guten Tag Felicitas,

              ich könnte dir einiges hierzu schreiben, damit du es in Ruhe lesen kannst füge ich ich dir einen Link zu "Holländische Spuren in der Danziger Geschichte" Geschrieben hat diese Abhandlung Frau Prof. Halina Wątróbska – Uniwersytet Gdański.

              Hier ihre Einleitung

              "Heute bin ich Professor Veder Informationen über Dokumente und Beweise holländischer Spuren in der Geschichte meiner Stadt schuldig, die sich u.a. in den Danziger Sehenswürdigkeiten und den Sammlungen der Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie des Danziger Staatsarchivs wiederspiegeln. Dieser für mich ehrenvollen Verpflichtung Professor Veder gegenüber möchte ich hiermit gerecht werden."

              Nur am Rande, ich lese sehr viel von ihr über Danzig.

              Hier nun der Link
              https://www.researchgate.net/publica...GER_GESCHICHTE

              Viel Spass beim lesen der 33 Seiten. Sollte der Link nicht funktionieren gebe den Titel ein du kommst dann automatisch auf die Seite der Prof.

              Viele Grüsse
              Dieter

              Du kannst keinen Tag der Vergangenheit ändern. Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft.

              Kommentar

              • Weimaraner
                Forum-Teilnehmer
                • 18.01.2018
                • 312

                #8
                AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                Nachtrag

                Hallo Felicitas,

                wenn du tiefer einsteigen möchtest nenne ich dir unten noch eine Quelle

                Penner, Horst:

                Verzeichnis der Mennoniten, die im Jahr 1661 innerhalb der Stadt Danzig,
                vorm Hohen Tor und auf der Neugarten wohnten [mit zwei historischen Abbildungen] .

                Somit ist bewiesen, dass bereits 1661 Mennoniten (Täufer) iin Danzig wohnten.

                Gruss
                Dieter
                Du kannst keinen Tag der Vergangenheit ändern. Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft.

                Kommentar

                • waldling +6.8.2023
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.09.2011
                  • 2320

                  #9
                  AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                  Zur Ergänzung zu #13


                  Obwohl ich denke, dass wir uns vom eigentlichen Thema entfernen. Oder nicht?

                  Kommentar

                  • waldling +6.8.2023
                    Forum-Teilnehmer
                    • 04.09.2011
                    • 2320

                    #10
                    AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                    Sorry, zum Link beginnend auf Seite 15.

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                    • Weimaraner
                      Forum-Teilnehmer
                      • 18.01.2018
                      • 312

                      #11
                      AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                      Richtig Uwe ich sehe es auch so. Trotzdem sollten wir eine kurze Frage, kurz beantworten dabei aber nicht den "Roten Faden" verlieren.
                      MfG
                      Dieter
                      Du kannst keinen Tag der Vergangenheit ändern. Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft.

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                      • Weimaraner
                        Forum-Teilnehmer
                        • 18.01.2018
                        • 312

                        #12
                        AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                        Hallo Uwe, Peter, Felicitas

                        gestattet mir nachfolgende Zusammenfassung zu H.G. Mannhardt

                        entnommen "Geschichtsblättern der Mennoniten"
                        Hermann G. Mannhardt (1855-1927) diente der Danziger Mennonitengemeinde 47 Jahre als Prediger. Er hatte evangelische Universitätstheologie (siehe Titelbild des Gemeinde-Kalenders 1916) studiert und ein Jahr Militärdienst geleistet.

                        In jungen Jahren stand er unter starkem Einfluss seines gelehrten Vetters, des Hochschuldozenten Wilhelm Mannhardt,

                        Einlassung zu Wilhelm Mannhardt

                        "Mannhardt war Sohn eines, Mennonitenpredigers der 1836 eine Stellung in Danzig annahm. Der junge Mannhardt litt von Geburt an unter einer starken Rückenverkrümmung und Asthma, was ein lebenslanges Herzleiden nach sich zog.
                        Von 1842 bis 1851 besuchte er das Gymnasium, musste aber krankheitsbedingt häufig den Schulbesuch unterbrechen und Privatunterricht nehmen. Bereits während seiner Schulzeit interessierte er sich stark für Volksüberlieferungen, worin er durch die Urgroßmutter und die Mutter bestärkt wurde.
                        Auch die großen Mythen (Odyssee, Edda, Nibelungenlied und Ossian) begeisterten ihn. Grimms Mythologie sollte wegweisend für ihn werden. Noch während seiner Gymnasialzeit sammelte er „heidnische Alterthümer“ – oder was er dafür hielt – aus dem Volksmund, um auf diese Weise in das Fühlen und Denken der bäuerlichen Bevölkerung einzudringen, denn in dieser Schicht glaubte er, wie auch andere Mythenforscher der Romantik, noch den unverfälschten Geist der alten Germanen lebendig vorzufinden."

                        Die erhoffte Anerkennung und die damit verbundene akademische und gesellschaftliche Stellung blieben aus, und so finden sich in Mannhardts späten Schriften deutliche Zeichen von persönlicher Verbitterung, teilweise gepaart mit Ausbrüchen von deutschem Nationalismus, so etwa über den Aberglauben, teilweise gehässige und verbitterte Angriffe auf die von ihm vorher so verehrte bäuerliche Bevölkerung. Vor allem die Kaschuben, die slawisch sprechende Volksgruppe im Gebiet um Danzig, wurden Zielscheibe seiner Angriffe.

                        Einlassung Ende

                        dem er auch im Dezember 1880 eine eindrucksvolle Trauerrede hielt. Mannhardt prägte die Gemeinde weit über ihre Grenzen hinaus, war ein begabter und populärer Prediger und Seelsorger.

                        Rund 1000 Täuflinge wurden von ihm eingesegnet. Während seiner Amtszeit hatte sich die Mitgliederzahl der Gemeinde Danzig verdreifacht. Er war maßgeblich an der Gründung der Vereinigung 1886 beteiligt, übte viele Jahre lang den Vorsitz der Generalversammlung der Vereinigung aus, war Stellvertreter im Kuratorium und über längere Zeit in der Redaktion der Mennonitischen Blätter tätig.

                        1905 veröffentlichte er Predigten und Reden aus fünfundzwanzigjähriger Amtszeit und 1908 gab er für seine Gemeinde ein neues Gesangbuch heraus. Mannhardt liebte die deutsche Literatur, war literarisch äußerst produktiv und hielt an der Danziger Hochschule Vorträge. Er gehörte zweifellos zur geistigen Prominenz der Stadt und hatte gute Kontakte zu regionalen Regierungsstellen.

                        Theologisch bevorzugte er ein dogmenfreies Christentum. Aus seiner antikatholischen Einstellung machte er keinen Hehl, politisch war er konservativer Monarchist.
                        Seine Verehrung der Hohenzollernkaiser schien schier grenzenlos. Wie kaum ein anderer mennonitischer Theologe versuchte er sich in Wort und Rede verantwortungsvoll den Herausforderungen der Kriegszeit zu stellen.

                        Als einzigartig in den Mennonitengemeinden muss wohl sein Bemühen gesehen werden, eine Art Predigtlehre im Krieg zu entwerfen.

                        Mannhardt war verheiratet und hatte eine Adoptivtochter.

                        Gruss
                        Dieter
                        Du kannst keinen Tag der Vergangenheit ändern. Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft.

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                        • sarpei
                          Forum-Teilnehmer
                          • 17.12.2013
                          • 6104

                          #13
                          AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                          Hallo Dieter,

                          jetzt habe ich mir den Mannhardt-Text im Beitrag #1 mehrfach durchgelesen und kann mit dem dortigen schwülstig hinterlegten Hurra-Patriotismus nach wie vor nichts anfangen. Die Art des Vorgehens (Deutschland über alles, der Kaiser hat immer Recht und wir müssen uns gegn die bösen Anderen wehren) im Zusammenhang mit 'heroischen Adjektiven' findet sich in ähnlicher Diktion auch in Artikeln der 'Heldenverehrung' in den Zeitungen der 1920er Jahre. Geradezu absurd erscheint mir die beispielhafte Nennung des armen, fehlgeleiteten Japaners am Schluss der Rede. Mit diesem 'Für Gott und Vaterland' sind Abertausende Soldaten in den Kampfgaswolken in den Schützengräben in Frankreich umgekommen. Ob die Betroffenen in diesem Moment ebensolche heroischen Gedanken hatten?

                          Ansonsten vermute ich mal, dass das Vorwort zur Mannhardt-Rede von dem mennonitischen Forscher Foth stammt. Dass der diese Rede als Beispiel für mennonitischen Patriotismus wertet, erschließt sich mir nicht. Unter den Mennoniten gab es sicher genauso viele 'Fehlgeleitete/Patrioten/Kaisergläubige" wie unter anderen Religionen.

                          Aber diese Gedanken müssen nicht geteilt werden - und Zeitzeugen zu dieser Rede gibt es ja wohl nicht.


                          Viele Grüße

                          Peter

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                          • Ulrich 31
                            Forum-Teilnehmer
                            • 04.11.2011
                            • 8600

                            #14
                            AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                            Hallo in diese Runde,

                            zunächst: Ich schließe mich dem Kommentar von Peter in #13 voll an. Als bekennender Kriegsgegner, Antimilitarist und Waffen(zum Morden)feind frage ich mich, was dieses Thema in unserem Forum soll. Ich werde mich jedenfalls daran nicht weiter beteiligen.

                            Beste Grüße und Wünsche zum Wochenende
                            Ulrich

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                            • Weimaraner
                              Forum-Teilnehmer
                              • 18.01.2018
                              • 312

                              #15
                              AW: Mennonitischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg und die Kriegsrede des Danzi

                              Hallo und Guten Tag,

                              Diese Rede wurde wieder entdeckt von den Historikern Walter Klaasen, Henry Loewen und James Urry. Diese drei stellten die Behauptung auf, dass der gesteigerte mennonitische Nationalismus sei nirgendwo sonst so stark in Erscheinung getreten wie unter den preußischen Mennoniten.

                              Wer meinen Betrag richtig gelesen, nicht nur gelesen sondern auch verstanden hat, zielt mein Beitrag darauf ab, festzustellen wie sich eine pazifistische Glaubensgruppe, hier die Danziger Mennoniten, zur Kaiserzeit in eine nationalistische wandeln konnte.

                              Ulrich, du als bekennender Kriegsgegner, Antimilitarist solltest dir erst recht die Frage stellen.

                              Wie dir sicherlich bekannt ist waren es gerade die Mennoniten die jede Gewalt, Waffen etc. ablehnten, ja sogar ihre Heimat verließen um nicht mit der Waffe dienen zu müssen. Wie kam es zu dem Sinneswandel- darüber sollte diskutiert werden und dazu gehörte diese Rede.

                              Peter, dein Absatz "....Dass der diese Rede als Beispiel für mennonitischen Patriotismus wertet, erschließt sich mir nicht. Unter den Mennoniten gab es sicher genauso viele 'Fehlgeleitete/Patrioten/Kaisergläubige" wie unter anderen Religionen".

                              Ich will dir garnicht wiedersprechen, nur nehme den unteren Absatz bitte ohne Wertung zur Kenntnis.

                              »Wie der Blitz oben vom Himmel. Lukas 17, 26-29.« So lautete die Überschrift über einer der ersten Reaktionen auf den Kriegsausbruch in den Mennonitischen Blättern im Oktober 1914.

                              Das massenhafte Töten und Morden deutete der Autor (nicht Foth) als apokalyptisches Ereignis im biblischen Sinne. Nicht menschliche Gewalt an sich sei da zum Ausbruch gekommen, vielmehr haben Gottvergessenheit und ein Zuviel an Sünden und Lastern aller Art eine Gerichtszeit Gottes anbrechen lassen.

                              Das gottlose Wesen ziehe die Gerichte Gottes auf sich herab. Aber durch Hinwendung zu Gott könne aus dieser Heimsuchung Rettung, Heil und Segen entspringen: »Und die Opfer, die wir zu bringen haben an teuren Menschenleben (...) bringen wir freudig, wenn auch blutenden Herzens; denn es heißt jetzt opfern, auf den Altar legen das Beste, was wir haben.

                              Quellen
                              Matthias Pohl, Wie der Blitz oben vom Himmel. Lukas 17, 26-29, in: Mennonitische Blätter, 10, Okt. 1914, S. 73.
                              Bei Bedarf kann ich noch weitere Quellen zur Verfügung stellen.

                              Es ist Schade, aber ich halte es für sinnvoller, dass die Administratoren das Thema löschen und wir wieder mehr über Heintje, Corona, Danziger Goldwasser oder andere Themen diskutieren oder schreiben, damit alles in "Friede, Freude, Eierkuchen" weiter gehen kann.

                              Gruß
                              Dieter
                              Du kannst keinen Tag der Vergangenheit ändern. Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft.

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