Lateinische Vornamen um 1790

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  • Inge-Gisela
    Forum-Teilnehmer
    • 09.11.2012
    • 1842

    #1

    Lateinische Vornamen um 1790

    Eine Frage, die mich beschäftigt.
    Ich bin in meiner Familie jetzt auf lateinische Vornamen wie Hermanus, Henricus usw. gestoßen, die dann in späteren Jahren in Hermann, Heinrich umgewandelt wurden. Soviel ich weiß, gab es sie um 600 vor Christus. Aber auch um 1790? Das hing wohl mit den Kirchen zusammen? Die Familie war jedenfalls katholiosch. Und es waren einfache Leute vom Berufsstand her. Deswegen bin ich jetzt etwas überrascht.
    LG Inge-Gisela
  • Ulrich 31
    Forum-Teilnehmer
    • 04.11.2011
    • 8576

    #2
    AW: Lateinische Vornamen um 1790

    Hallo Inge-Gisela,

    ich bin kein Genealoge und kann Dich nur auf diesen Link zum Lesen von Kirchenbuchdaten hinweisen > http://genwiki.genealogy.net/Lesen_von_Kirchenbuchdaten , der für Dich vielleicht aufschlussreich ist. Im Übrigen findest Du im Internet viel über lateinische Vornamen.

    Viele Grüße
    Ulrich

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    • Antennenschreck
      Forum-Teilnehmer
      • 05.09.2011
      • 1833

      #3
      AW: Lateinische Vornamen um 1790

      Hallo,

      soweit ich, aus alter Literatur, ersehen kann gab es eine zivilisierte Namensgebung im lateinischen / römischen Sprachgebiet erst sehr spät, im Gegensatz zu den Griechen und Germanen. Herman z.B. ist die eigentliche germanische Urform, welche dann später mit der -us Endung lateinisiert / verniedlicht wurde. Im römischen Srachraum gab es anfangs nur sehr einfache Namen z.B. der Kleine, der Taube, der Lahme, der Stumme, der Erste der Zweite...... usw. usf., wohingegen im germanischen und auch grichischem Spürachraum zweiteilige Namen wie z.B. tapferer Krieger, großes schwert, gottes diener, elfen beschützer, mutiger mann............. usw. usf. üblich waren. Oft erkennt man allein schon an dieser Zweiteilung die eigentliche Herkunft des Namens. Viele Namen wurden dann später, mit dem Vormarsch der Kirche in Europa lateinisiert.

      Tschü.......
      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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      • Inge-Gisela
        Forum-Teilnehmer
        • 09.11.2012
        • 1842

        #4
        AW: Lateinische Vornamen um 1790

        Dank an Ulrich und Antennenschreck, das hat mir weitergeholfen.
        Ulrich, durch Deinen Tipp "genwicki", wurde mir meine Frage mit 2 Sätzen beantwortet :-): "Die Kirchenbücher wurden bis nach 1800 durchweg in lateinischer Sprache geführt. Dann setzte sich die deutsche Sprache durch." Mir war auch aufgefallen, dass die Namen mit X abgekürzt wurden wie Xoph. Ich kannte es bereits durch die Amerikaner bei xmas. Dass dies aber einen alten Ursprung hatte, war mir nicht bekannt. Ist schon interessant, was man alles bzgl. der Namen erfahren kann. Zumal man auch manchmal den ursprünglichen Familiennamen in der heutigen Schreibweise kaum noch erkennen kann.

        LG Inge-Gisela

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        • Bartels
          Forum-Teilnehmer
          • 25.07.2012
          • 3448

          #5
          AW: Lateinische Vornamen um 1790

          Hallo,

          als Henricus oder Konradus stehen sie nur im katholischen Kirchenbuch, gerufen wurden sie Heiner, Heinz, Hinz und Kunz.

          Der eigentliche Rufname bekam früher meist noch einen Johann vorangestellt.
          Beste Grüsse
          Rudolf H. Böttcher

          Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
          Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
          Familie Zoll, Bohnsack;
          Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
          Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

          http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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          • Antennenschreck
            Forum-Teilnehmer
            • 05.09.2011
            • 1833

            #6
            AW: Lateinische Vornamen um 1790

            Hallo Inge Gisela,

            ich habe da ein recht interessantes Buch, genau zu diesem Thema (Die deutschen Familiennamen, von 1903). Den Familiennamen wurden ja erst später Vornamen, zur besseren Unterscheidung, hinzugefügt. Diese Vornamen waren in der Regel auch Familiennamen, welche ihrerseits oft etwas verändert wurden.
            Das tragische an diesem Buch ist allerdings, dass es nicht alphabetisch geordnet ist und man somit in diesen (als Bild) gescannten pdf's nicht gut suchen kann.

            Tschü......
            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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            • Bartels
              Forum-Teilnehmer
              • 25.07.2012
              • 3448

              #7
              AW: Lateinische Vornamen um 1790

              Hallöle Antennenschreck,

              "Den Familiennamen wurden ja erst später Vornamen, zur besseren Unterscheidung, hinzugefügt." -

              Ich denke es war genau umgekehrt.

              Beste Grüsse
              Rudolf H. Böttcher

              NB: Ich habe vier Namen, drei Vor- und drei Nachnamen ...
              Beste Grüsse
              Rudolf H. Böttcher

              Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
              Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
              Familie Zoll, Bohnsack;
              Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
              Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

              http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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              • Antennenschreck
                Forum-Teilnehmer
                • 05.09.2011
                • 1833

                #8
                AW: Lateinische Vornamen um 1790

                Hallöle Rudolf,

                da es zuerst nur Namen gab, weder Vornamen oder Nachnamen, ist recht schwierig hier das Henne Ei-Problem klären zu können. Aber man kann mit genau der gleichen Sicherheit die ursprünglichen Namen als die Vornamen annehmen und die späteren als Nachnamen festlegen, sicher. Der Verfasser des besagten Buches, Prof. Albert Heintze, eben meint , dass die ursprünglichen (ersten) Namen Familiennamen sind und erst im Laufe der Zeit Vornamen dazu gesetzt wurden. Mal sehen, ob er noch an einer Stelle schreibt, wieso das aus seiner Sicht so herum gewesen ist.

                Tschü.......
                Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                • omahelga
                  Forum-Teilnehmer
                  • 27.03.2008
                  • 109

                  #9
                  AW: Lateinische Vornamen um 1790

                  Hallo,

                  ....also im Schoßbuch Danzig von 1377/78 stehen Vor- und Zunamen bei den Bewohnern. Frauen und Dienstpersonal haben hinter dem Haushaltungsvorstand nur Vornamen.
                  Besitzer, Mutter, Schwester, Bruder, Diener lateinische Bezeichnungen.
                  Vornamen waren fast alle latheinisch. Claus, Hans und Hendrik klingen m.E. nicht latheínisch. Viele Nachnamen sind abzuleiten von der Herkunft. vom Berge, von Camen, van Hoog usw.

                  Die evangelischen Kirchenbücher (ab 1693) die ich gelesen habe, haben nur Vater Mutter und Paten die Bezeichnung auf latheinisch geschrieben.

                  Viele Grüße aus dem regnerischen Bochum
                  Helga
                  Dauersuche: Alles über den Familiennamen Maehring, Mähring, Mohring, Möhring und Moring vor/um 1750.
                  Suche Nachfahren mit FN Witt; geborene in Lienfitz/ Pr. Stargard ab 1881-1899, und alles über Rudolf August Linde *29.08.1863, +? (M: Auguste Krause +1880)

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                  • Inge-Gisela
                    Forum-Teilnehmer
                    • 09.11.2012
                    • 1842

                    #10
                    AW: Lateinische Vornamen um 1790

                    Bei meinem Ururgroßvater ist das etwas merkwürdig. Sein zweiter Vorname Henricus fiel irgendwann in den Unterlagen komplett weg und aus dem zweiten Namen wurde Carl, wo ich nun gar keine Verbindung sehe. In familysearch ist er zu finden unter 3 verschiedenen Namen Henricus, Heinrich, Karl, eingegeben von diversen Personen, die es nicht besser wissen konnten. Es hat etwas gedauert, bis ich begriff, dass es sich bei den 3 Eingaben immer um ein und dieselbe Person handelt. Es ist die gleiche Person mit den gleichen Daten: Ehefrau, Geburtsdatum, Geburtsort. Dann hatte sich auch noch eine Generation vor ihm ein Schreibfehler im Nachnamen eingeschlichen, es geht nur um einen Buchstaben, der dann in allen nachfolgenden Urkunden übernommen wurde bis zu meinem Großvater, so dass ein Familienmitglied und dessen Nachkommen sich namentlich dadurch etwas absetzten. Und so entstanden/entstehen manchmal komplett andere Namen, die das Suchen nicht unbedingt erleichtern. Vom Archiv habe ich die Mitteilung erhalten, dass Henricus später Carl genannt wurde. Und der Name steht dann z.B. in der Heiratsurkunde. Der Taufvermerk war noch mit Henricus.

                    LG Inge-Gisela

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                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #11
                      AW: Lateinische Vornamen um 1790

                      Hier einiges aus dem Buch zu Karl:

                      Karal aldhochdeutsch charal, karl = kerl

                      Carol: Karel - Karle; Karl, Carl - Kerdel - Kerl - Keerl.
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                      • waldkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 06.10.2008
                        • 2366

                        #12
                        AW: Lateinische Vornamen um 1790

                        Hallöle,
                        zuerst gab es Vornamen oder einfach irgendwelche Bezeichnungen für Menschen. Das reichte ursprünglich für die Sippen. Wenn es mehrere Menschen gleichen Namens gab, dann erhielten sie Beinamen, z.B die schwarze Maria oder Carl, der Schäfer oder Müller Johann (Johann, der Müller) oder Lars sein Sohn, Karl der Große usw. Als die Städte wuchsen, es eine schriftliche Gerichtsbarkeit gab und die Post Briefe verteilte, da erst wurden Nachnamen wichtig. Diese leiteten sich z.B. ab von dem Beinamen, dem Beruf, dem Vornamen, irgendeiner Eigenschaft, einem Ort usw. Dieser Nachname wurde dann vererbt. Das war vorher nicht der Fall, da konnte Maximilian der Schneider einen Karl Bäcker als Sohn haben. Nachnamen wurden mancherorst gesetzlich erst im 18.Jh. durchgesetzt.
                        Da der Schriftverkehr in der Regel auf Lateinisch oder Griechisch stattfand, war das Latinisieren Sitte. Da war es einfach üblich, dass einer Henricus und gleichzeitig Heinrich hieß oder Karl und Carolus. Dabei muss man beachten, dass ja deutsche Namen unter Umständen aus dem Lateinischen abgeleitet wurden, wie etwa Carl. Da liegt es nahe für einen katholisch Geistlichen, der ja mehr Latein als Deutsch sprach, den Lateinischen Namen zu nutzen.
                        Früher schienen sich die Menschen nicht so stark mit einem einzigen Namen zu identifizieren. Da heißt einer mal Wilhelm, mal Friedrich, mal Friedericus. Da der einfache Mensch sowieso nicht lesen und schreiben konnte, war ihm das eh egal, was da geschrieben stand. Es kommt doch auch vor, dass nicht der richtige Name in einer Urkunde steht, sondern das Kürzel. Wenn jemand immer Frieda genannt wurde, dann steht in dem Sterbeeintrag Frieda und nicht Elfriede. Frieda selbst hat vielleicht nie gewusst, dass sie eigentlich Elfriede heißt.

                        Man sollte sich vielleicht daran erinnern, dass die Vornamen und damit die ursprünglichen Namen für einem Menschen Bedeutungen hatten. Wenn man die kennt, erübrigt sich die Überlegung, ob es zunächst Vor- oder Nachnamen gab. Heinrich stammt von Heimerich und von Haganrich ab. Heimerich hat mit Haus und König zu tun. Haganrich hat mit Einfriedung und König zu tun. Ein alter deutscher Name.
                        Gute Grüße vom waldkind.
                        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #13
                          AW: Lateinische Vornamen um 1790

                          Hallo Waldkind,

                          man könnte meinen du hast auch das Buch. Erklärung für Hag, die Ausgangsform für Heinrich:

                          hag, hac, dessen älteste Bedeutung nach Förstemann Wald oder Busch bedeutet. Aus dieser entwickelte sich
                          die eines schützendes Busches, einer Einhegung und dann erst die eines eingehegten Raumes selbst: "Gehege, Wohnort". in -hag, -haag, heeg. Dann auch zu Haganrih: Handrick; Hanreich - Heinrich; Heinreich - Henrich - Hendrich; Hentrich - Hinrich; Hinnerk......

                          soweit zum Namen Heinrich in dem Buch.

                          Tschü.....
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                          • Heinzhst
                            Forum-Teilnehmer
                            • 10.02.2008
                            • 450

                            #14
                            AW: Lateinische Vornamen um 1790

                            Wie aus Heinz Jan wurde.
                            Nach dem Krieg wurde ich in der nun polnischen Schule angemeldet. Der Rektor hatte mit meimem Vorname Probleme.
                            Nach kurzer Überlegung sagte er: Heinz ist ein Ableger von Hans, Hans kommt von Johannes und heißt auf polnisch Jan, nun hieß ich bis zu meiner Ausreise aus Polen Jan.
                            Mein Familienname hat man mir belassen nur die Schreibweise war verschieden. Aus Stillwachs wurde Sztylwax oder Stillwaks.
                            Der Jan war ich nur in Schule, Beruf und Militär. In der polnischen Nachbarschaft war der Henio oder Heniek.

                            Schönen Sonntag allen wünscht Heinz, für meine nahen Verwandten und Bekannten war ich der Heini.
                            Ich glaube nur das,was ich gesehen und erlebt habe.
                            A.G.

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                            • Inge-Gisela
                              Forum-Teilnehmer
                              • 09.11.2012
                              • 1842

                              #15
                              AW: Lateinische Vornamen um 1790

                              Hallo Waldkind,

                              das hast Du sehr anschaulich beschrieben, jetzt kapiere ich doch die immer wieder auftauchenden unterschiedlichen Namen besser. Man wird ja ganz konfus. Aber ich sehe, dass man sich nicht an einem bestimmten Namen festbeißen sollte :-)

                              Gute Nacht, auch allen anderen hier.
                              Inge-Gisela

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