Standesamt Praust - Eine schöne Geschichte

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  • mkleiss
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 296

    #1

    Standesamt Praust - Eine schöne Geschichte

    Hallo,

    da meiner Familie im Zuge der Flucht keinerlei Dokumente geblieben waren, wusste ich bislang nicht einmal gesichert, wie mein Ur-Großvater hieß. Die einzige Möglichkeit bestand für mich in der Einsicht der Geburtsurkunde meines Großvaters, geb. 1911. Aber: Was tun? Bin frühestens nächstes Jahr in Danzig, kann kein Polnisch usw. Dazu Aussagen wie: "Die melden sich sowieso nicht" oder "Wenn Du Geld überweist, siehst Du das nie wieder". Kurz: Ziemlich aussichtslos!?

    Nun überlegte ich, wie ICH gerne um etwas gebeten werden würde. Als erstes einmal natürlich in meiner Sprache. Also verfasste ich in Deutsch ein persönliches, höfliches Schreiben (kein Formschreiben aus irgendeinem Forscherforum) an das Standesamt in Praust. Dann bat ich die Mutter einer Klassenkameradin meines Sohnes, die polnische Wurzeln hat, meine Worte ins Polnische zu übersetzen. Dann unterschrieben, eine Kopie meines Familienstammblatts und Persos als Legitimation dazugelegt und mit einem ganz normalen Brief nach Praust geschickt. Etwa 1,5 Wochen später erhielt ich eine nette Email (polnisch): Es läge etwas vor, ich solle doch 5 Zloty (€ 1,52 !!) überweisen... Kann DAS was sein? Kurz hier im Forum nach Auslandsüberweisung gefragt, dann angewiesen und eine entsprechende Antwortmail, natürlich wieder in Polnisch (es langte diesmal der Google-Übersetzer), an die Sachbearbeiterin (Standesbeamtin?) gesandt und dann zugegebenerweise mittelschwer euphorisch abgewartet.

    14 Tage später erhielt ich ein Einschreiben mit Rückschein (frankiert mit 7,50 Zloty). Inhalt: Eine einwandfreie DINA3 - Kopie der Beurkundung der Geburt meines Großvaters durch den Standesbeamten in Praust von 1911! Mit Stempel und Unterschrift des heutigen STA, also sogar eine beglaubigte Kopie! Ihr könnt Euch meine Freude vorstellen. Endlich kenne ich den Namen meines Urgroßvaters und meiner Urgroßmutter. (Leider ohne deren Geburtsdaten, aber man kann ja nicht alles haben )

    Fazit: Nett schreiben, möglichst in der Landessprache verfassen und etwas Geduld haben. Zumal das Ganze eigentlich auch noch ein Verlustgeschäft für das Prauster Standesamt war und das alles für mich absolut nicht selbstverständlich ist... Dazu die Gewissheit: Nette Menschen gibt es überall!

    Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt. Meine Intention ist nur, andere zu ermutigen. Die ganze "Aktion" hat gerade mal 5 Wochen gedauert und nicht mal € 5,- gekostet.


    Lieben Gruß aus Kaltenkirchen

    Michael
    - Wie sollen wir wissen, wohin wir gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen..? -
  • grabschau, + 06.11.2012
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 496

    #2
    Zitat von mkleiss
    Hallo,

    Dazu die Gewissheit: Nette Menschen gibt es überall!

    Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt. Meine Intention ist nur, andere zu ermutigen. Die ganze "Aktion" hat gerade mal 5 Wochen gedauert und nicht mal € 5,- gekostet.


    Lieben Gruß aus Kaltenkirchen

    Michael
    gelangweilt ??? Mich auf jeden Fall NICHT Michael, einfach wunderbar ! waren sie nun evangl. oder kath. Deine Kleist ?? Daß es nette Menschen überall gibt, egal um WAS es sich handelt an Dienst, ist doch logisch, logisch sind für mich nicht die Buh-Buh-Menschen,die die Polen immer abwerten-- ! Vor 2 Tagen habe ich auch aus Danzig/Gdansk via D'land ;-)) eine enorm gute Information erhalten, die ich schon seit 20 Jahre gesucht hatte -- In Praust (kath. St.Albrecht) kann ich Taufen bis 1869 in meinen Notizen nachschauen..... darüber hinaus liegen die Bücher in der Pfarrei !
    Gruß von einem "netten" Menschen aus Paris ;-))

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    • mkleiss
      Forum-Teilnehmer
      • 10.02.2008
      • 296

      #3
      Zitat von grabschau
      ...waren sie nun evangl. oder kath. Deine Kleist ?? ...
      Gruß von einem "netten" Menschen aus Paris ;-))
      Hallo Sigi,

      tja, das waren sie wieder, meine drei Probleme...

      Wir heissen ja nicht Kleist, sondern "Kleiß". Jeder der diesen Namen trägt, fügt der Namensnennung bis heute meist auch hinzu; " Kleiß, mit "ß" ohne "t", nein, auch nicht mit "ss" oder "sz", mit "Buckel-S!" usw. Da können schon Minuten vergehen... Es muß ganz schön Energie gekostet haben, diese Schreibweise über die Jahrzehnte zu "retten". Die Herrschaften waren aber wohl alle evangelisch...

      Die Namen sind:

      Paul Kleiß, wahrsch. *25.07.1874 in Praust, 1911 Zimmergeselle, später lt. EWB Polizeibeamter
      und
      Minna Kleiß, *n.bekannt, geb. Kaminski - weiter nichts bekannt

      1911 noch in der Würfelstraße 7 wohnend, später Danziger Straße 11

      Beide vermisst seit 10.03.1945

      Die Schwägerin hieß Wilhelmine Kaminski, geb. Frischmuth.

      Interessant ist auch noch, was aus der Urkunde hervorgeht: Erst war der Vater also Zimmergeselle, später aber bei der Polizei. Dann war er als "Verursacher" auch nicht bei der Geburt des Kindes anwesend, sondern die Schwägerin. Letztere hat dann auch einige Tage später die Geburt im Standesamt angezeigt. Mhhhhh.... Dass das so ging...
      Na ja, vielleicht war er als Zimmergeselle ja irgendwo am "Schaffen".


      :heart:lichen Gruß

      Michael
      - Wie sollen wir wissen, wohin wir gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen..? -

      Kommentar

      • Anonymus

        #4
        Zitat von mkleiss
        ..........
        Na ja, vielleicht war er als Zimmergeselle ja irgendwo am "Schaffen".
        ..........
        :heart:lichen GrußMichael
        .....oder er war auf der "Walz", denn auch schon zu damaligen Zeiten gingen die Handwerksburschen fuer 3 Jahre und 1 Tag auf Wanderschaft.
        In diesem Zeitraum mussten sie sich einer Anzahl bestimmter Kilometer von zu Hause fernhalten. (im Moment kann ich leider nicht sagen, wieviel Km es waren).

        Viele Gruesse
        Ohrscher Siegfried

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        • Anonymus

          #5
          Auf Wanderschaft!

          Zitat von Ohrscher 33-46
          .....oder er war auf der "Walz", denn auch schon zu damaligen Zeiten gingen die Handwerksburschen fuer 3 Jahre und 1 Tag auf Wanderschaft.
          In diesem Zeitraum mussten sie sich einer Anzahl bestimmter Kilometer von zu Hause fernhalten. (im Moment kann ich leider nicht sagen, wieviel Km es waren).

          Viele Gruesse
          Ohrscher Siegfried
          Hallo liebe Freunde, mehr zur Wanderschaft der Handwerksburschen finden wir unter:


          Viele Gruesse
          Ohrscher Siegfried

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          • mkleiss
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 296

            #6
            Hallo Siegfried,

            ja, das kann natürlich sein. Und dann später zur Polizei... Heute würde man das "Seiteneinsteiger" nennen.

            Michael
            - Wie sollen wir wissen, wohin wir gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen..? -

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            • Nowak
              Forum-Teilnehmer
              • 09.09.2008
              • 149

              #7
              Hallo Michael
              suchst du noch die Danzigerstr.11.Ich liebe suchen,wer sucht der findet auch.
              Gruss Irek

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              • mkleiss
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 296

                #8
                Hi Irek,

                nee, das weiß ich und es steht auch noch. Es war/ist das Gebäude der ehemaligen Molkereifachschule ganz im Norden, nach dem Sägewerk.

                Gruß

                Michael
                - Wie sollen wir wissen, wohin wir gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen..? -

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                • Nowak
                  Forum-Teilnehmer
                  • 09.09.2008
                  • 149

                  #9
                  Hi,Micha
                  richtig ,habe ich auch das festgestellt.
                  Gruss Irek

                  Kommentar

                  • Karl-Heinz Tepper
                    Forum-Teilnehmer
                    • 13.02.2008
                    • 28

                    #10
                    Standesamt praust - Eine schöne Geschichte

                    Hallo mkleiss.
                    Zu später Stunde habe ich mit freudiger
                    Anteilnahme an Ihrem Erfolgserlebnis teil-
                    genommen.Was so ein Stück Papier bewirken
                    kann!
                    Mir erging es so,als ich aus Tiegenhof die
                    Papiere von unserer Mutter und Großmutter
                    in Händen hatte.Sind doch nett,die Polen.
                    Immer wenn meine polnischen Gegenüber
                    mein Geburtsdatum und Geburtsort kannten,
                    habe ich in meiner beruflichen Tätigkeit in
                    Polen nie eine unerfreuliche Erfahrung gemacht.
                    In anderen europäischen Ländern sehr wohl.
                    Gewundert hat es mich nicht.
                    Noch eine Erinnerung an Praust.Wir sind damals
                    von Ohra nach Praust zu Fuß gelaufen und haben
                    in der Zuckerfabrik den karamelisierten Zucker
                    von den verbrannten und verbogenen Eisen-
                    trägern geklopft,Hauptsache was Süßes.Als
                    wir wieder in Ohra zurück waren,war alles (weg).
                    Ich wünsche eine gute Nacht und einen schönen
                    Sonntag.
                    Es grüßt Korlke ut de Ohr`sche Eck.

                    Europäisch denken,reden (schreiben) und handeln.

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                    • mkleiss
                      Forum-Teilnehmer
                      • 10.02.2008
                      • 296

                      #11
                      Hallo lieber "Korlke",

                      danke für Deinen Zuspruch und die kleine Anekdote.

                      Lieben Gruß

                      Michael
                      - Wie sollen wir wissen, wohin wir gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen..? -

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