AW: Villa von Albert Forster
Forster erlebte ich beim Schippen oberhalb von Schidlitz. Hier mein Erlebnis, gedruckt in meinem Buch"Engel mit Tropete" . Ewald grinste, langsam schob er seinen Priem von rechts nach links unter die Backe. Dann zeigte er in Richtung Stadt. Von dort näherte sich ein Amtsleiter der NSDAP, ein brauner Fasan, wie sie so genannt wurden. Ab und zu blieb er stehen und kommandierte herum. Die Jungens rückten zusammen, stießen die Spaten in den Grund, mit den Unterarmen lehnten sie sich auf die Griffe. So erwarteten sie die laute Schnauze. „Jetzt man ran!“ grölte der Bonze ihnen zu. Er blieb vor ihnen stehen und er fing an: „Der Gauleiter Forster wird gleich die Stellung inspizieren.“ Aber er kam nicht weiter. „Hier ist noch ein Spaten frei!“ rief Kurt ihm zu. Dem Braunen verschlug es die Sprache. Dann brüllte er los: „Ran, an die Arbeit, aber dalli!“ Die Jungens rührten sich nicht. Unverhofft ging der Braune auf einen Lehrling zu, hob den Arm und wollte ihm eine kleben. Die Jungens hoben die Spaten hoch, wie
Spieße bedrohten sie den Nazi-Funktionär. Der zuckte zurück: „Na, wir sprechen uns noch!“ Schneller als er gekommen war, verzog er sich zum Grabenrand und balancierte über das lange Brett auf die andere Seite hinüber.
Wütend, auf Rache sinnend ging er dem Gauleiter entgegen. Der war schon bis auf Rufnähe herangekommen. Gauleiter Albert Forster, der Bayer, kurz der ‘Braune Depp’ genannt, führte die Kolonne der prominenten Danziger Nazi-Führer an. Ein Standortoffizier erklärte mit ausfahrenden Handbewegungen den Verlauf des Panzergrabens. Damit die Kameramänner von der Wochenschau ihre Propagandaaufnahmen machen konnten, blieb der Gauleiter ab und zu stehen. Neben dem Holzsteg stand ein alter Arbeiter, die Hände auf dem Spatengriff verschränkt, er sah ruhig der braunen Meute entgegen. Diesen Alten hatte nun der Gauleiter entdeckt, sofort wollte er mit ihm seine Propagandaschau abziehen. Er stolzierte zum Arbeiter hin. Das Wochenschau-Team baute die Kamera auf, das Mikrophon wurde vor seine Schnauze gestellt, und sofort bölkte der Gauleiter los: „Heute ist die Bevölkerung aufgeboten, Danzig in eine uneinnehmbare Festung zu verwandeln. Ob jung oder alt, jeder gibt hier mit aller Kraft sein Bestes, wie auch dieser ergraute Großvater.“ Forster wollte vorgehen, um dem Alten die Hand zu schütteln. Die Kamera machte einen Schwenk, das Mikrophon stand schon vor dem grauen Schnurbart des Arbeiters. Da sagte der laut und vernehmlich: „Was heißt hier, das ‘Beste’ geben! Wenn man bei euch nicht den
Kopf unter dem Arm trägt, kann man doch nicht in Rente gehen.“ Das saß! Atemlose Stille ringsumher. Das Mikrophon wurde schnell entfernt. Gauleiter Forster stand wie versteinert da. Erinnerte er sich an seine sozialen Versprechungen, die er den Danzigern gemacht hatte? Das war doch alles inzwischen Makulatur geworden. Ein greller Pfiff schrillte aus dem Hintergrund. Die vielen Spaten in den Händen der Menschen waren nicht ungefährlich. Verunsichert drehte Forster sich um, wortlos marschierte er mit diesen Bankrotteuren der Danziger Geschichte davon. Nur einer, so ein junger Parteigenosse ging nicht mit. Er stampfte mit geheimem Auftrag zur Stadt hinunter. Bedrückt begannen die Leute wieder, den Lehm fortzuschaufeln. Der Alte wusste, dass die Nazis uneinsichtig und rachsüchtig waren, deshalb schnappte er sich seine Brottasche und kam über den Holzsteg auf die andere Seite. Zu den Jungens sagte er leise: „Auch euch haben sie auf dem Kieker; ich gehe voraus, und ihr folgt mir, das sieht so aus, als wenn wir als Gruppe einen anderen Arbeitsplatz einnehmen.“ Sofort warfen sich die Bowkes die Tornister über die Schultern, klopften den Lehm vom Spaten und wanderten los. Der Arbeiter Ewald und Lore schlossen sich ihnen an. Die beiden Arbeiter gingen voraus. Man merkte, dass sie auf derselben Wellenlänge funkten. Vor der Serpentine, die zur Stadt hinunterführte, blieben sie stehen. „Geht nicht zur Endstation“, meinte der Arbeiter, „dort könnte euch eine HJ-Streife auflauern.“ Die Jungens bogen nach rechts ab. Sie verteilten sich im Gelände und verloren sich aus den Augen. Die meisten von ihnen sollte unser Jungchen niemals wiedersehen. Oberhalb von Schidlitz hopsten und rutschten Lore und das Jungchen einen Abhang hinunter. Zwischen dichten Rotdornbüschen verschwanden sie. Irgendwo, unten in Schidlitz, werden sie die Straßenbahn bestiegen haben ...
Forster erlebte ich beim Schippen oberhalb von Schidlitz. Hier mein Erlebnis, gedruckt in meinem Buch"Engel mit Tropete" . Ewald grinste, langsam schob er seinen Priem von rechts nach links unter die Backe. Dann zeigte er in Richtung Stadt. Von dort näherte sich ein Amtsleiter der NSDAP, ein brauner Fasan, wie sie so genannt wurden. Ab und zu blieb er stehen und kommandierte herum. Die Jungens rückten zusammen, stießen die Spaten in den Grund, mit den Unterarmen lehnten sie sich auf die Griffe. So erwarteten sie die laute Schnauze. „Jetzt man ran!“ grölte der Bonze ihnen zu. Er blieb vor ihnen stehen und er fing an: „Der Gauleiter Forster wird gleich die Stellung inspizieren.“ Aber er kam nicht weiter. „Hier ist noch ein Spaten frei!“ rief Kurt ihm zu. Dem Braunen verschlug es die Sprache. Dann brüllte er los: „Ran, an die Arbeit, aber dalli!“ Die Jungens rührten sich nicht. Unverhofft ging der Braune auf einen Lehrling zu, hob den Arm und wollte ihm eine kleben. Die Jungens hoben die Spaten hoch, wie
Spieße bedrohten sie den Nazi-Funktionär. Der zuckte zurück: „Na, wir sprechen uns noch!“ Schneller als er gekommen war, verzog er sich zum Grabenrand und balancierte über das lange Brett auf die andere Seite hinüber.
Wütend, auf Rache sinnend ging er dem Gauleiter entgegen. Der war schon bis auf Rufnähe herangekommen. Gauleiter Albert Forster, der Bayer, kurz der ‘Braune Depp’ genannt, führte die Kolonne der prominenten Danziger Nazi-Führer an. Ein Standortoffizier erklärte mit ausfahrenden Handbewegungen den Verlauf des Panzergrabens. Damit die Kameramänner von der Wochenschau ihre Propagandaaufnahmen machen konnten, blieb der Gauleiter ab und zu stehen. Neben dem Holzsteg stand ein alter Arbeiter, die Hände auf dem Spatengriff verschränkt, er sah ruhig der braunen Meute entgegen. Diesen Alten hatte nun der Gauleiter entdeckt, sofort wollte er mit ihm seine Propagandaschau abziehen. Er stolzierte zum Arbeiter hin. Das Wochenschau-Team baute die Kamera auf, das Mikrophon wurde vor seine Schnauze gestellt, und sofort bölkte der Gauleiter los: „Heute ist die Bevölkerung aufgeboten, Danzig in eine uneinnehmbare Festung zu verwandeln. Ob jung oder alt, jeder gibt hier mit aller Kraft sein Bestes, wie auch dieser ergraute Großvater.“ Forster wollte vorgehen, um dem Alten die Hand zu schütteln. Die Kamera machte einen Schwenk, das Mikrophon stand schon vor dem grauen Schnurbart des Arbeiters. Da sagte der laut und vernehmlich: „Was heißt hier, das ‘Beste’ geben! Wenn man bei euch nicht den
Kopf unter dem Arm trägt, kann man doch nicht in Rente gehen.“ Das saß! Atemlose Stille ringsumher. Das Mikrophon wurde schnell entfernt. Gauleiter Forster stand wie versteinert da. Erinnerte er sich an seine sozialen Versprechungen, die er den Danzigern gemacht hatte? Das war doch alles inzwischen Makulatur geworden. Ein greller Pfiff schrillte aus dem Hintergrund. Die vielen Spaten in den Händen der Menschen waren nicht ungefährlich. Verunsichert drehte Forster sich um, wortlos marschierte er mit diesen Bankrotteuren der Danziger Geschichte davon. Nur einer, so ein junger Parteigenosse ging nicht mit. Er stampfte mit geheimem Auftrag zur Stadt hinunter. Bedrückt begannen die Leute wieder, den Lehm fortzuschaufeln. Der Alte wusste, dass die Nazis uneinsichtig und rachsüchtig waren, deshalb schnappte er sich seine Brottasche und kam über den Holzsteg auf die andere Seite. Zu den Jungens sagte er leise: „Auch euch haben sie auf dem Kieker; ich gehe voraus, und ihr folgt mir, das sieht so aus, als wenn wir als Gruppe einen anderen Arbeitsplatz einnehmen.“ Sofort warfen sich die Bowkes die Tornister über die Schultern, klopften den Lehm vom Spaten und wanderten los. Der Arbeiter Ewald und Lore schlossen sich ihnen an. Die beiden Arbeiter gingen voraus. Man merkte, dass sie auf derselben Wellenlänge funkten. Vor der Serpentine, die zur Stadt hinunterführte, blieben sie stehen. „Geht nicht zur Endstation“, meinte der Arbeiter, „dort könnte euch eine HJ-Streife auflauern.“ Die Jungens bogen nach rechts ab. Sie verteilten sich im Gelände und verloren sich aus den Augen. Die meisten von ihnen sollte unser Jungchen niemals wiedersehen. Oberhalb von Schidlitz hopsten und rutschten Lore und das Jungchen einen Abhang hinunter. Zwischen dichten Rotdornbüschen verschwanden sie. Irgendwo, unten in Schidlitz, werden sie die Straßenbahn bestiegen haben ...
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