Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Schütz

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  • Christkind
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 1568

    #1

    Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Schütz

    Vor einiger Zeit erhielt ich eine Kopie dieser Aufzeichnungen.Wo das Original ist, weiß ich nicht.Es wäre meiner Meinung nach schade, wenn diese Chronik verloren ginge. Deshalb habe ich mich entschlossen, den Text abzuschreiben. Es ist schwierig, denn die Kopie ist von schlechter Qualität und die Handschrift sehr individuell. Was ich nicht lesen kann, habe ich durch ... Pünktchen ersetzt oder mit ? Fragezeichen versehen.
    Es geht in Abschnitten bis zum Jahr1938, als Pfarrer Schütz die Gemeinde verließ.
    _____________________________

    In nomine domini Prangenau, am 22. Oktober 1934 am Festum Dedicationis Paclisiä

    Einem inneren Drange folgend,will ich beginnen am hohen Fest der Kirchweihe chronikartige Aufzeichnungen über Erkenntnisse und Erlebnisse, aber auch und besonders über wichtigere Ereignisse und Stand und Art der Seelsorge, der Vereine, des Beneficiums u.a.während meiner nunmehr 8 jährigen Tätigkeit als Pfarrer von Prangenau zu machen. Ich habe es bei der Übernahme der Pfarrei vermisst,daß ich nichts vorfand, als ein großes Aktenspind mit vielen alten Akten.Nur langsam und mit Mühe gelang es,sich ein Bild von der Geschichte der Pfarrei unter Pfarrer Howald und Lemke zu machen. Die Geschichte der Pfarrei Prangenau zu erforschen und zu schreiben wird ein hochinteressantes und verdienstvolles Werk. Wer wird’s unternehmen? Die kleine, aber aber sehr schöne Chronik des Ortes und der Pfarrei Prangenau von Pfarrer Bruno Lemke, herausgegeben zur Feier des Bestehens des Ortes und der Kirche Prangenau a.1923 berücksichtigt leider nur ganz kurz die Geschichte der Pfarrei. Ich hoffe,daß meine Nachfolger diese Aufzeichnungen fortsetzen werden als zeitgenössische Chronik der Pfarrei Prangenau.
    Erlauschtes.....

    Von dem Onkel des Pfarrgutspächters Formella, Okroy aus Schöneck, dessen Vorfahren in Prangenau …...?(wohnten?), erfuhr ich die beste und wohl richtige Herleitung des Namens „Prangenau“. Von seinem Großvater hat er sie gehört. „In alten Zeiten wohnten hier Riesen.Sie sehnten (pragnali) sich nach einer Kirche.Da trugen die Riesenweiber die Steine zusammen, die Männer schichteten sie auf. So entstand die Kirche. Sie nannten die Kirche „Pragowo“, das ist unsere „Sehnsucht“.Die übriggebliebenen Steine bilden noch heute die Mauer um die Kirche.“ Praehistorische Funde, dort auf dem Fichtenberg (gegenüber dem Pfarrhaus), der fast als Zentralfriedhof angesehen werden kann,deuten darauf hin, daß unsere Höhen gut besiedelt waren und auf dem Kirchplatz sich eine Opferstätte,Götterhain befand. Vielleicht sind die beiden Weihwasser-Steine im Eingang alte Opferschalen, und später Taufsteine. Die Sage vom „Prangenauer Butten“deutet darauf hin,daß auf dem Kirchplatz ursprünglich eine kleine Kapelle gestanden hat..... Kann man annehmen,daß schon sehr früh,ca 1000 das Christentum hier gepredigt wurde,(von St.Albrecht aus ?-) und auf dem alten Opferplatz die kleine Kapelle errichtet wurde.Verlassen und vergessen wurde sie, u. als später der „Schloßberg“ besiedelt wurde (ev.1200), wieder entdeckt (Bullen-Sage) und bald erweitert (Progowo) bis die Ordensritter der Kirche die heutige Gestalt gaben, und St.Rochus zum Patron. Prof. La Baume, dem ich die Sage vom Namen „Prangenau“ erzählte, meint,daß der Name vorchristlichen Ursprungs sei und vielleicht mit der „Sehnsucht“ nach der Opferstätte oder dem Begräbnisplatz auf dem Fichtenberg in Verbindung zu bringen ist. ...Prangenau ist stets dem Glauben treu geblieben.

    Die Kirche

    [LIST=1][*]Die Muttergottes von Prangenau [/LIST]
    In der rechten dunklen Abstellkammer unterm Chor in der äußersten feuchten Ecke fanden wir – Herr Baurat Richert und ich – die Überreste einer alten Holzskulptur, einer Pieta.Sie fiel in viele Stücke zusammen, ehe wir sie bargen. Museumsdirektor Prof. Manowski und Museumskustos Dr. Drost nahmen die Stücke behutsam nach Danzig. Untersuchungen ergaben,daß es sich um eine kostbare Holzschnitzarbeit aus Lindenholz aus dem Jahre 1430 handelt.Mit vieler Mühe hat Museumsrestaurator Aackmann(?) die Stücke zusammengesetzt. Die Pieta steht jetzt als „Leihgabe der Pfarrei Prangenau“ als außergewöhnlich ausdrucksvolles Stück im Kreuzgang des Museums in der Fleischergasse.(Leihurkunde ist bei den Pfarrakten.) Ob die kostbare Pieta von den Brigitten, denen Prangenau 1430 gehört, geschenkt ist? Ob sie von „Wallfahrern“, oder für „Wallfahrer“ gestiftet ist?- Alte Leute erzählen,daß sie vor 50 Jahren auf dem Kirchenboden- wo übrigens noch heute eine schöne Holzfigur von Christus im Grabe liegt,(1700?)) lag und noch ganz war.Sie war wohl ein „stiller Vorwurf“ und musste dann „zum Verkommen“ in dem dunklen, nassen Winkel begraben. Eine größere Photographie der restaurierten Pieta hängt in der Kirche über dem rechten Weihwasser-Stein, eine andere liegt bei den Akten.

    Die alte Glocke

    „Gott sei Dank“, sie ist dem Kriege u. der Einschmelzung nicht zum Opfer gefallen, diese alt-ehrwürdige „große Glocke“.Sie trägt die Jahreszahl 1519 und die Umschrift:“Jesus nasaremus,en Konick der Juden. help o maria madalena. Anno 1519." Also eine Christkönigsglocke aus dem Jahre 1519, und zugleich eine Bußglocke.Durch Buse zur Liebe des Konigs! Damals und heute und immerdar! In den Akten fand ich eine Notiz vom Konservator,daß die Glocke nur selten und kurz geläutet werden darf, wegen Gefahr des Zerspringens.- Sie müßte auch gelegentlich wieder umgehängt werden.- Die beiden anderen Glocken sind im Krieg eingeschmolzen...nach dem Krieg durch Pfarrer Lemke 1924 ersetzt.2 Bronceglocken, Firma Ullrich Golda(?), 1859,59 Gm.

    Der Hochaltar,u.a.

    Woher mag er stammen? Es scheint doch, daß er nicht für die Kirche geschaffen ist.Oder ob die Kirche früher ein Gewölbe gehabt, nur der Altar hineingepasst hat? Im Altar war früher das nun an der lk.Seite hängende schöne Bild des Hl. Thomas von Aquin, des Sängers des Hl. Frohnleichnams. Das ausgezeichnete Gemälde ist von Hermann Hahn geschaffen,einem bedeutenden Deg.Kunstler(?) des 17. Jhd., des Schöpfers des Hochaltars und des berühmten Marie-Himmelfahrt-Seiten-Altars im Pelpliner Dom.Es stellt die Vision des Hl.Thomas dar, als er die Hymnen dem Heiland bringt.“Bene scriptisti de sue,Thom...“, liest man auf dem Spruchband. Interessant ist am linken Bildrand oben der angedeutete Höllenpfuhl. Eine Versammlung von „magistri“? Arte Gegner des hl.Thomas mit roten Doktoren-Hüten hält Beratung. Der Höllenfürst füstert den Vorsitzenden- siehe das Spruchband-ins Ohr „tolle Thomam,et dirsigabo...................“(unlesbar) Das berühmte Gemälde- ich hatte vor, von ihm kleine Reproduktionen herstellen zu lassen – hat eine traurige Geschichte. Es war wohl unansehlich geworden,oder man hat es nicht verstanden,Es wurde erstetzt durch ein Abendmahlsbild und an der Wand des Kirchenschiffes aufgehängt.Als die minderwertigen Kreuzwegbilder aus Pappmaschee angeschafft wurden (Herr Howald) musste das Bild verschwinden, in die dunkle, feuchte Kammer, wo schon die alte Pieta moderte.Es wäre verkommen, wenn wir es zugleich mit der Pieta nicht entdeckt und gerettet hätten. Der Museumsrestaurator hat es in fast 5tägiger Arbeit restauriert, Tischler Buchna gefertigt.Nun hängt es wieder an einem ehrenvollen Platz, wie es sich gebührt.- Von demselben Maler Hermann Hahn ist auch die Predalla. Sie stellt die Geburt des hl. Thomas von Aquin dar. Da das Bild sehr vom Wurm verfressen und unscheinbar geworden ist,wir auch keinen rechten Platz u. Verwendung für das Bild hatten,haben wir es auf Bitten des Museums... Gerümpel und sind bei der Restaurierung der Kirche wieder zu Ehren gekommen. Ein Vergleich mit dem Hermann Hahnin Pelplin ergibt,daß der Umbau in derselben Werkstatt geschnitzt ist, wenn auch nicht so vollkommen.Also der ganze Altar (er war früher wie der Pelpliner Altar echt vergoldet) ein altes Stück. Fast möchte ich annehmen,daß er ursprünglich in einer Danziger Pfarrkirche stand und bei der „Bilderstürmerei“ gerettet und nach Prangenau gekommen ist. Aber vielleicht ist er auch von den …Official in Danzig, der ja zugleich Pfarrer von Prangenau war,bestellt und gestiftet. Über der Sakristei hängt das Wappen eines Wohltäters, der E.VYd.i...... gewesen ist. Ob das nicht ein früherer Official von Danzig und Pfarrer von Prangenau und vielleicht der Stifter des Hochaltars war? Bei den Seitenaltären ist das Bild des Marienaltars (ev.1750?) bemerkbar wegen der Darstellung des Jesuskindes, das vom Schoß der Gottesmutter vom Himmel wieder herabspringen will. Beim Josefsaltar oben die Statue der hl.Brigitte, beim Antoniusaltar das sehr alte, ausdrucksvolle Bild.- Das St.Rochusbild hing früher neben der Sakristei.Alte Leute erzählten mir,daß auf dem Bild früher anstatt der Engel der Hund stand.Als vor Jahren das Bild nach Pelplin zum Restaurieren geschickt wurde,verschwand der Hund,und der Engel kam wieder zum Vorschein.

    Die Reliquien

    Die Autantiken(?) sind bei den....., haben wohl die.... von Prangenau u.Dzg, wenn sie aus Rom zurückkamen, mitgebracht.Ich habe sie aus Winkeln und Kästen zusammengesucht und auf den Antoniusaltar gestellt zur Verehrung.Ich glaube doch, sie haben uns reichen Segen gebracht. Im Pacificale war früher eine Kreuzpartikel.Als die „Knöpfchen“ an die Strahlen angenäht wurden, hat der Juwelier die schwarze (?) Partikelchen aus dem Kristallkreuz „entfernt“. Das Kruzifx gehört, glaub ich,übrigens der Kirche in Saalau. 1927 erhielten wir durch Vermittlung von Vikar Dr.Splett aus Rom die Reliquie des hl. Rochus. Es ist geplant, ein würdiges Reliquiar anzuschaffen. Einstweilen ist die kostbare Reliquie am Pacificale angebracht.- Unterm Otor (?) , bei den ….. steht an der Säule die Hl. Teresia vom Kinde Jesu. Familie Srock (?) ,Bölkau-Botukof hat sie gestiftet.Auf Wunsch von Frau Srock bekam sie ihren Platz, weil sie ihren Mann bekehrt hat, d.i.noch frömmer gemacht hätte. Das schöne Prager Jesulein ist von Pfarrer Howald angeschafft. Wir beten und singen mit den Kindern:“Ich liebe einen Königssohn, ihn lieb ich ganz allein, er trägt die allerschönste Kron, von Gold und Edelstein.“

    Die Restaurierung der Kirche

    Die Kirche befand sich 1926 in einem sehr defektem Zustand. In der Sakristei „triften“ die Gewände bei jedem Regen von Wasser, so defekt war das Dach.Die Abdeckungen und Bekrönungen der Pilaster waren heruntergefallen oder „hangen“ unter Lebensgefahr. Der Turm stand 1,30 m im Lot vom Helmansatz geneigt,bebte und krachte bei jedem Sturm, daß „man Angst hatte.“ Der Helm war zum Teil provisorisch mit Pappe gedeckt, da Zinkplatten heruntergefallen waren.Die Verschalung des Turmes war defekt, und ließ viel Regenwasser hinein. Das „Innere“ sah aus,wie Praelat Sienigk bei einer Besichtigung laut sagte, „wie ein Stall.“ Die Holzdecke dunkel blau-grau, die Wände abgeplustert, von Farbe keine Spur, das Gestühl mit „eisener“ Kasernenfarbe gestrichen.Die Altäre, besd.der Hochaltar recht bunt,- aber nicht unschön- bemalt. Zuerst 1927 bekam die Sakristei ein neues Dach und wurde um 30cm gehoben. Anfang 1928 gings an die Restaurierung des Turmes.Es gab langwierige Vorverhandlungen.Schließlich gings.Das Gestühl wird z.T. ausgewächselt, neu verstrebt, der Halm(?) im Scharnier des Königsbalkens gerade gerichtet, neu gelattet und in Kupfer gedeckt.Es war eine gefährliche und aufregende Arbeit. Die Zimmerarbeiten hatte Ordowski- Bölkau, den Helm hat Katschkowski, Babenthal, singend und betend nur freudig- die letzte größere Arbeit seines Lebens – sauber und gewissenhaft in Kupfer gedeckt. Ordowski bekam II 336,65 G. Katschkowski 2641,10 G. 7600 G Patronatsbeitrag waren bewilligt und sind gezahlt worden. 1929 ging es an die Restaurierung der Aussenmauern und Giebel nun an die Ausmalung.Alles ging glatter.Malerm. Baranowski hat zu unserer größten Zufriedenheit die Malerarbeiten ausgeführt, Ordowski die Maurerarbeiten. Ordowski bekam 5542,64 G Baranowski 2922,02 G. 1932 erhielt die Kirche noch die Blitzschutzanlage. Firma Seinens hat sie ausgeführt. Die Ableitung ist zur Pumpe auf den Hof des Th…. geführt.427,75 G. Der Patronatsbeitrag ist gezahlt worden. Bei der Abrechnung über die Malerarbeiten ergaben sich Schwierigkeiten mit den Patron. Er bestritt,bei Altären und Bänken beitragspflichtig zu sein.Auf unsern Protest hin, konnte er … doch seinen Standpunkt nicht beweisen und gab nach- und zahlte den Anteil. Die kirchl. Gebäude Pfarrgehöft,Organistengehöft, Pfarrkrug und Totengräberwohnung, alles schrie nach Restaurierung.1927 werden im Pfarrhaus Läden und Fenster gestrichen und restauriert,im Organistenhaus Dachreparaturen gemacht und besd. die schöne hintere Freitreppe(früher war dort ein lebensgefährlicher Steinhaufen) errichtet. Das Pfarrhaus bekam neue Giebel, Türen, die Oberstube wird gerohrt(?) und geputzt und 2 neue Öfen gesetzt,die Totengräberkate bekommt einen neuen Ofen und einen neuen Giebel. 1931 wird im Pfarrkrug ein neuer Brunnen gegraben, mit viel Sorge,weil kein klares Wasser sich fand.Brunnenmeister Krostuchowski (?) hat ihn ausgeführt.(ev.500 G).1932 wird für ev. 800 G.das Dach der Pfarrscheune von Firma Kluzmann umgedeckt.Früher war Strohdach. Patronatsanteil ist gezahlt.200 G, Zuschuß gab der DJM (Jugend... Verband.) 1933 wird im Esszimmer des Pfarrhauses ein neuer Ofen gesetzt, desgleichen im Organistenhaus, 1934 ein neuer Ofen im Amtszimmer des Pfarrers. April/ Mai 1934 zu meinem Priesterjubileum wird Treppenhaus, Oberstube, und mein Amts- und Schlafzimmer von Maler Friedrich – Kahlbude neu gemacht. Auf seine Kosten hat der Pächter des Pfarr....1929 im Obergeschoß eine Mädchenkammer eingebaut,desgl. 1932 den großen Anbau mit Keller. Die Kirchengemeinde hat sich verpflichtet,den Anbau bei einer Neuverpachtung zu übernehmen, od.3000 G.(siehe Kontrakt). Bei einer Neuverpachtung müßte von der Pacht eine best. Summe zum Unterhalt der Oberstuben, der 2 Anbauten, ….zur …. des 2. Anbaus vom Pfarreinkommen abgerechnet und besd. verwaltet werden. 1932, als beim Totengräber das 4. Kind kam,erhielt die Kate für e. 250 G. Den kleinen Vorbau und das Innere des Hauses wurde gründlich restauriert und etwas erweitert. 1932 wird auch der Kirchhofszaun z.T. erneuert und der Kirchhofsbrunnen für 100 G. gegraben. Die Finanzierung Den Grundstock bildet vom ersten Tag meiner Tätigkeit ein Zeil der Kollekte jeden Sonntag,- 20 G., seit 1933 in dem Baufond.In den Jahren 1927 -31 dazu Erträge des Gemeindefestes. 1927 – 1000 G.,28/31 rd.500 G. 300 G, Auch ein Ausflug vom Bonifatius-Verein(200 G.) wurde für den Turm bewilligt...... Nun, es war nicht leicht.Man musste rechnen und zahlen, zahlen. Sämtliche zur Verfügung stehenden Gelder, auch meine privaten …. ? immer in der Baukasse. Geborgt und verzinst waren nur 5000 G. für den Turm vom Kirchenbau -Verein Stangenwalde. Heute ist die ganze Bauschuld bis auf einen kleinen Rest getilgt. Leicht wars nicht. Ich kann verstehen,daß Praelat Maikowski mich mal warnte vor „überziehen“, anderseits das Consistorium 2x dem Kirchenvorstand Anerkennung aussprach, für „tatkräftiges Angreifen der nötigen Bauten.

    Dankbar will ich hier gedenken eines guten Rates von P. Brors (?)C.v.s.R. aus Braunsberg. [LIST=1][*]Alles aufschreiben, genauestens [*]alles verfügbare Geld in eine Kasse und es„rollen“lassen [*]auf Gott vertrauen.Er schickte mir ein Bildchen mit einem kräftigen Gebet zum hl.Clemens,Pr....bauer (?), der wahrhaftig.... kannte.Das habe ich viel gebetet.Und er hat wirklich geholfen.Jedem meiner Nachfolger rate ich dringend, einen besonderen Baufond stets , auch wenn gerade keine notwendigen Bauten sind,zu verwalten und anzufüllen. Alle Gebäude sind alt.Die Restaurierungen werden nicht aufhören. Und man darf nicht alles dem „Nachfolger“ überlassen! [/LIST]
    B. Nachholen möchte ich etwas Kurioses zur Kirche.An der Vorderwand des Gestühls an der Epistelseite , aus dem 18.Jh.sind 3 seltsame Bilder gemalt.Das Haupt des hl. Johannes auf der Schüssel mit der Aufschrift:“ Inimicus factus sum vorum diceus.“ Kreuz und Krone auf blauem Grund und die Inschrift „Dei virtus est nobis“, an der Tür aufgehende Sonne über verworrenem Gestrüpp und … illuserit ??Was mag es für eine Bewandnis mit den Bildern haben? Ob ein kunstsinniger Administrator „seinen Gefühlen“ gegen den Danziger Pfarrherrn Ausdruck verliehen und... Kampf verewigt hat? Streitigkeiten zwischen Administrator hat es oft gegeben.Am Rittergiebel an der Ostseite schlingt sich um den Giebel ein Band, (Schildriemen). Baurat Richard hatte das Band wegstemmen lassen, um die Felder und die gotischen Formen mehr zur Geltung zu bringen.Der Denkmalsrat, Herr von Zirkwitz, hat sich mächtig und immer wieder darüber aufgeregt, bis 1932 Baurat Richard bei einer Gelegenheit den Riemen wieder einmauern lies.Bei genauem Hinschauen bemerkt man,daß das Band aus“neuen“ Steinen besteht.Wer weiß, wie lange sie halten werden?!--Den Hahn auf dem Giebel hat Herr Dipl.Ing.von Kolkow entworfen,die Wetterfahne auf dem Turm Schmiedemeister Stellmach, Prangenau gestiftet und geschmiedet.P u. M habe ich einmeißeln lassen.Der rote Fliesenfußboden ist durch Vermittlung des Herrn Dr. Russkowski von Firma Russkowski gestiftet.Die „Felsen“ des alten, sehr holprigen Fußbodens liegen noch an der Mauer.--Die Kirche ( auch Schaplitz und Saalau) steht unter Denkmalschutz.In einem Bericht des alten Conservators der Prov.Westpreußen Baurat Schmidt finde ich die Bemerkung, daß das Pfarrhaus wegen seiner Lage in der Form keine Veränderung erfahren dürfe, und daß auch die alte “Cyklopenmauer“ erhalten bleiben soll.
    Popowken
    Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
    (M. Gandhi)
  • Prangenau
    Forum-Teilnehmer
    • 22.08.2012
    • 63

    #2
    AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

    Liebe Christa,
    vielen Dank für die Chronik der Prangenauer Kirche.
    Wie gerne würde ich sie meiner Mutter vorlesen.
    Gruß Renate

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    • sarpei
      Forum-Teilnehmer
      • 17.12.2013
      • 6092

      #3
      AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

      Liebe Christa,

      vielen herzlichen Dank für deine Umschrift! Aus eigenem Erleben meine ich einschätzen zu können, welche Mühe damit verbunden ist.


      Viele Grüße

      Peter

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      • MarcelKr
        Forum-Teilnehmer
        • 23.08.2012
        • 428

        #4
        AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

        Vielen Dank, Christa!

        Kommentar

        • Christkind
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 1568

          #5
          AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

          Danke fürs "Mutmachen"!
          _____________________

          Popowken


          Der Name hängt nicht mit dem „Popen“ zusammen, wie oft gemeint wird. Ers stammt von propo'w,d.i.Springsfalle (?) ein Land.Noch heute ist nach Babenthal zu sehr springiger Boden, trotzdem Drainage angelegt ist.
          Die Geschichte Popowkens zu erforschen ist auch ein interessantes und lohnenswertes Werk.
          Popowken war früher durch Jahre die Goldquelle der Pfarrer, nun wird das Gut ebenso lange die Sorge der Pfarrer bleiben.
          Als durch Pfarrer Follerher nach ….. Tode 1859 die Pfarrei Prangenau“eingerichtet" wurde, setzte der Kirchenvorstand es durch.daß der Unterhalt der „minderwertigen Gebäude“ (Lehmfachwerk) vom Pfarrer dies von der Pacht zu leisten ist.
          Leider wurde, besd. Unter Kowol (?) und Pfarrer Lemke nicht viel „geleistet“, sodaß 1926 alle Gebäude baufällig waren,Der Viehstall war 1925 sogar wegen Lebensgefahr polizeilich geschlossen worden.
          1927 bat ich Herrn Ober-Regierungsrat Alter, das Gut gelegentlich zu besichtigen. Er blieb erschreckt auf dem Hof stehen..“Kommen Sie fort.Man ist wie zwischen Seylla (? Peydla ?) und
          Chatrybdis (?). Wo man sich hinwendet, Ruinen.-Aber auf dem Rückweg machte er mir Mut.Photographieren sie die Ruinen nur, dann gehen Sie an die Arbeit, ich werde helfen.“ Und er hat geholfen,in dem er „bis auf weiteres“ einen Zuschuß von 1500 G der Pfarre zum Ausbau von Popowken bewilligte.
          1927 gingen wir mutig ans Werk.Zuerst alle Dächer der Wohnhäuser,- weil der Regen in die Betten floss.
          Dann das Scheunendach und Ausbau des Viehstalles.Im Winter wurde das Holz des Dachstuhles aus dem Pfarrwald geholt,in Straschin (?) geschnitten.Dann die Öfen und Herde
          Schließlich 1932 bekommt auch der …. stall und Speicher ein neues Schindeldach.
          Die Restaurierungsarbeiten wurden 1929 -30 hauptsächlich durch Bauunternehmen Ordowski ausgeführt für rd.22000 G.
          Die Bauakten sowie die jährlichen Abrechnungen über den Baufond geben ein genaues Bild.
          Mit Dank und Befriedigung kann man heute feststellen,daß die Gebäude einigermaßen in Ordnung sind.Auch die Bauschuld ist bis auf rd.14000 G.. 9000 G sind geborgt vom Kirchenbau – Verein Stangenwalde.
          5000 G aus unserem Familienvermögen. (Pfarrer Leo und Paul Schütz).
          14000 G Schulden auf einem nunmehr in Ordnung gebrachten Gut von 600 Morgen ist nicht viel.
          Es gilt nun, systematisch und klug jedes Jahr etwas „zu verbauen“ u. jedes Jahr wenigstens 500 G. Zu amortisieren(?). Und es gilt „nicht kribbelig“ zu werden.Das dauernde und jährl. Bauen und Restaurieren auf dem Gut fällt auf die Nerven. Und doch ! Auch das Gut ist „beneficium Pecteriae“,das „Gewand des Kryst. Heilands:“
          Es zu erhalten und zu pflegen heilige Pflicht des Pfarrers.
          Das Pfarrgut war ursprünglich Waldgebiet und wurde 1818 -56 von einem Förster verwaltet.Rosolkiewitsch hier großzügig „roden“, nahm das Geld nach der königl. Kapelle (5800 Reichstaler )
          1915 nach der Pachtzeit von Braunschweig (?) war das Gut wieder mal ganz heruntergekommen.
          Es ist das Verdienst der Familie Groß, das Land gründlich kultuviert zu haben. Der alte Herr Groß,ein ehem. Hofmeister von Johannestal hat den Grund gelegt.
          Im Krieg hat nach dem Tode des Groß Frau Groß mit kriegsgefangenen Russen und Später mit ihrem Sohn Paul „tüchtig“ und klug gewirtschaftet.Das Gut und auch die Familie Groß kam hoch. Alle Töchter wurden gut verheiratet, die Enkelkinder auf dem Gut geboren und erzogen.Sichtlich lag Gottes Segen auf der Familie.
          Paul Groß, der 1926 Pächter wird,hat viel zur Restaurierung des Gutes beigetragen. Sein besonderes Verdienst ist die Herstellung des neuen Pflasterweges nach Prangenau.Als Mitglied der „Kreis-Wege- Komission im Kreistage“ setzte er den Bau auf Kosten des Kreises durch. Die Fuhren freilich hat er selbst gestellt. 15000 G. Hat der Weg gekostet.
          Leider gab 1932 Paul Groß aus eigenem Willen die Pacht auf. Er konnte nicht mehr die Zinsen für das von den Geschwistern investierte Kapital u. Das hohe Altenteil für die Mutter aufbringen.Er ging „auf ein Gasthaus“. Da war mehr zu verdienen. (Schöneberg a.d. W.)
          Aber seine großen Verdienste um Popowken sollen immer anerkannt bleiben.
          Seit 1932 bewirtschaftet Formella, ein schlichter Bauer,fleissig und absolut anspruchslos das Gut- Wer weiß, wie lange.
          Er stammt aus der Kassubei und ist Kassube geblieben.-
          Aber seine Frau ist ganz verstädtert, trotzdem sie auch „in Bruhe“ (?) geboren ist.


          Die Jugendherberge
          Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
          (M. Gandhi)

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          • Christkind
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 1568

            #6
            AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

            Die Jugendherberge


            Durch Pfarrer Lemke wurde im April 1923 in der Pfarrscheune auf Kosten des D.J.H. ( Deutscher Jugend- Herbergsverband) ein Raum als Jugendherberge eingerichtet, und der Raum dem D.J.H. angeschlossen.Sie war hauptsächlich als Übernachtungsraum für den Durchgangsverkehr nach Mariensee gedacht.Juli 1927 wurden dann noch....als kl.....besd. für Mädchen eingerichtet.
            Im Jahre 1923 waren 75 Übernachtungen
            [LIST][*]1924 = 275 /Ü. [*]1925 = 311 / Ü. [*]1926 = 318 / Ü. [*]1927 = 449 / Ü. [*]1928 = 534 / Ü. [*]1929 = 636 / Ü. [*]1930 = 661 / Ü. [*]1931 = 859 / Ü. [*]1932 = 1052/ Ü. [*]1933 = 1454/ Ü.
            Es wurde langsam wirklich zuviel. Man hatte Sonntags keine Ruhe,Nacht und Tag, und war nicht mehr Herr auf dem Hofe. Besonders als die Hitlerjugend aufmarschierte,wurde es doppelt schwierig.
            Wie eine Erlösung empfand ich es, als im Mai durch eine Komission des D.J.H. und H.J. Dusukrow(?), Hess,Lirwas (?), die J.H. aufgehoben wurde.
            Ich hoffe, daß der D.J.H. Die Einrichtung in der Scheune der Pfarrei …. Entgelt für die kostenlose Vergabe des Raumes und Hofes in 10 Jahren überlässt.
            Sie könnte dann wieder kathol. Vereinen und Wandergruppen zur Verfügung gestellt werden.Aber Vorsicht! Und das Heft in der Hand behalten ! [*][/LIST]
            Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
            (M. Gandhi)

            Kommentar

            • Prangenau
              Forum-Teilnehmer
              • 22.08.2012
              • 63

              #7
              AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

              Liebe Christa,
              UND WIEDER EIN DICKES DANKESCHÖN!!!!!
              Gruß Renate

              Kommentar

              • Christkind
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 1568

                #8
                AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                Die Lourdes – Grotte

                Sie ist im April 1934 durch Herrn Vikar Majewski ohne mein Wissen und auch Ahnen errichtet u.a. als Stiftung der Pfarrei zu meinem 25 jährigen Priester – Jubilaeum.Wenn ich etwas geahnt, hätte ich wohl gegen den Platz protestiert. Ich hatte einmal von einer Grotte gesprochen, unter den Bäumen zwischen den Gasthäusern. So kam man auf den Gedanken. Den Menschen gefiel der Platz unter den Bäumen nicht, sie wollten das Denkmal „an den Weg.“ So bekam's seinen Platz und an die Kirche.Herr Vikar hätte lieber nicht nachgeben sollen.
                Als ich Ende Mai von den Exerzitien aus Schöntal heimkam, überraschte mich der Vikar Majewski mit der fertigen Grotte. Ich erfuhr,wie die Sodalen der Congregation in den Kalken die Kalksteine, die beim Graben der Wasserleitung 1868 gefunden u. im Walde „aufbewahrt“ waren an 4 Nachmittagen mühsam zusammengeschleppt, u. wie „mit Lebensgefahr“ auf 14 – 2-T. 4spännige Fuhren die Steine hauptsächl. vom Popowker Herrn hergeschleppt wurden.
                Herr Dipl.Ing.Domsta (Dosusta? ) hat den Bau der Grotte geleitet. Maurer Kaminski und Krelsner(?) aus Prangenau genau sie errichtet. Die Hauptarbeit mit vielen Laufereien u.Plackereien hat Vikar Majewski gehabt. Die Figur ( Steinmasse...Steinmarse ???, 1,30m hoch,160 kg schwer )
                ist aus Posen vom „ Saklad Pav. Wojciacka „für 230 Zlt. erstanden.
                Alle Urkunden sind durch eine Sammlung in der Pfarrei restlos aufbewahrt.
                Am Schluß der großen Volksmission wurde die Grotte durch P.Alfons Rinke C.s.s-R. feierlich eingeweiht, als äußeres Zeichen der feierl. Weihe u. Zugehörigkeit der Pfarrei an Maria,die Königin.
                Nun ist die Grotte allen schon lieb geworden. Die Schwestern Stritzel sorgen rührend für den Schmuck. Herr Ordowski hat 2 Kniebänke gestiftet.
                Bei …. , nach Versammmlungen,nach dem Unterricht halten wir Station bei der Grotte. „ Maria,sieh wir weilen... Durch deine unbefleckte Empfängnis, o allerseligste Jungfaru Maria, reinige mein Herz u. heile meine Seele.“
                Wenn sie umgrünt sein wird von Epheu u. als „Steingarten“ ausgestaltet, wird sie noch schöner.Eine neue Sehenswürdigkeit für Prangenau.
                Möchte die Grotte doch mit derselben Liebe erhalten bleiben, mit der sie errichtet wurde!
                Sie wird ein großer Segen sein für die Pfarrei, die Maria feierlich geweiht ist, daß der Marianische Geist in ihr nicht schwindet.
                Wir haben geplant,den Kirchplatz besd. nach dem Kuofonski'schen (?) Gasthaus zu zu ebnen, die Mauer mit... zu bepflanzen und dann bei Gelegenheit unter den hohen Bäumen ein schönes „Christ-Königs-Denkmal“ zu errichten.... Die Himmelskönigin und der König sollen herrschen in der Pfarrei Prangenau !


                Das St. Anna-Heim
                Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                (M. Gandhi)

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                • sarpei
                  Forum-Teilnehmer
                  • 17.12.2013
                  • 6092

                  #9
                  AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                  Liebe Christa,

                  fantastisch, was aus solchen Chroniken so über die Geschichte eines Ortes zu erfahren ist! Herzlichen Dank für deine Mühe!

                  Bei dem Begriff 'Steinmasse' wird es sich um die 'Steinmaße' handeln, also die Abmessungen. Du weißt doch: Die Masse meiner Freundin ist ungleich ihrer Maße ...


                  Liebe Grüße

                  Peter

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                  • Christkind
                    Forum-Teilnehmer
                    • 10.02.2008
                    • 1568

                    #10
                    AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                    Oh oh, Peter.....manchmal ist eben maßlos viel aus den Krickeln herauszulesen.
                    Es ist eigentlich kein "ß", aber Steinmarse kam mir auch spanisch vor...
                    Wirst du es sicher richtig deuten.
                    Ja, ich lese und schreibe mit großem Staunen.
                    Schönen Gruß, Christa
                    Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                    (M. Gandhi)

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                    • Christkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 10.02.2008
                      • 1568

                      #11
                      AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                      Das St. Anna-Heim


                      Es war früher ein großes „Kaufhaus Michaelis“. Noch 1926 ging es gut,dann aber immer schlechter. Es musste verkauft und aufgelöst werden.Durch mich wurde Dr.Jastak auf das Haus aufmerksam gemacht. Er erwarb es sehr schnell 1930 für ev.21000 G für den Caritas -Verband um in ihm ein Mütter-Erholungsheim einzurichten.
                      Als Ortspfarrer freute ich mich.Ich dachte an eine kl. Schwesternstation, ein paar alte Pensionäre als dauernde Insassen u. ein Sommer „Mütter-Erholung“, soweit der Raum reicht.Für 10000 G gedachte ich Umbau und Einrichtung zu schaffen.
                      Die Entwicklung ging anders, als ich dachte.Ein E.V.Anna-Heim wird unter Führung von Dr. Jastak u.dem Caritas- Verband gegründet.Um- und sehr kostspielige Anbauten wurden durch Architekt Abrokam (?). Alles aufs feinste,concurenzfähig mit den modernen städt. Heimen, eingerichtet. Meine Warnungen wurden belächelt.
                      Als die investierte u. Bausumme schließlich auf 80000 G gestiegen und die dauernde Unrentabilität des „Um.......“klar geworden,als schließlich die Prangenauer , die dem neuen Unternehmen immer sehr misstrauisch zusahen,munkelten, daß der Pfarrer „Kirchengelder“ für das Heim hergibt,und schließlich das Heim der Pfarrei zur Last fällt, löste ich meine Verbindung zum E:V.,d.h. Ich ließ mich als Mitglied nicht aufnehmen.
                      Der Pfarrer und die Pfarrei von Prangenau hat so an sich nichts mit dem Heim zu tun.
                      Freilich, doch, trotz allem, immer bereit sein zu helfen. Das Anna- Heim wird noch sich gesund bluten und ein Segen werden für die Diözese und für Prangenau. Ich würde noch immer raten,auf meinen alten Plan einzugehen:
                      [LIST=1][*]3 graue Schwestern oder Schonstätter Marienschwestern. [*]einige Pensinäre als Dauerinsassen. [*]Mütter zur Erholung im Sommer. [*]Im Winter Fortbildungskurse, Mütterschulung u.a. Nähabende...! [/LIST]
                      Den Namen „St.Anna-Heim“ habe ich für das Haus vorgeschlagen, zu Ehren der heiligen Mutter Anna, aber auch (heimlich) als Ehrung unserer einzigen Mutter Anna Schütz, geb.Jereczas.

                      Der Pfarrgarten

                      Auch ihm ein kurzes Gedenkblatt in die Chronik.
                      Er ist unsere Freude und in ihm spielt sich ein gut Stück des Dauer- Lebens ab. Das schönste am Garten ist die freie weite Sicht ins Marienthal und auf den Kaddickberg bei Ziegelscheune.
                      Herauszuholen ist aus dem Garten nicht viel.In 172 m Lös liegt grober Kies. Darum kommen die Bäume nicht fort.Für die großen hat man sicher früher ganz tief Gruben gegraben.
                      Von Pfarrer Lemkes Zeiten stammen die schönen Ziersträucher an dem Hofzaun,und die Johannesbeer-Rabatten, 3 alte Apfelbäume, 1 Reneklode( sie scheint nicht veredelt zu sein), 2 Kirschbuschbäume und der Walnuß- und der Haselnußbaum.1917.
                      Die anderen jungen Bäumchen habe ich gepflanzt.1927den schönen Birnbaum oben am Ausgang, 2 .....(die von Anfang an wegen Lichtmangels "quiemen") und 2 Winterweinlinge, links am Wege, die sich auch nicht entwickeln wollen.
                      7.4.1930, an meinem Geburtstag, ist der Boskop- Apfelbaum vorn vor dem Rundel, vom Herrn Oberlehrer Wronski , der ihn gestiftet,und meinem Vater gepflanzt.Er entwickelt sich gut und 1935 erwartet man die ersten Früchte.1931 sind die anderen Halbstämme (Apfel) gepflanzt, 1932 die kleinen Buschbäumchen (Klarapfel, gute Luise,Scharlamowski-Apfel,gute Graue, späte Süßkirsche.
                      Die Pflaumen an der unteren Mauer sind aus den Kernen der alten Pflaumenbäume gezogen und verpflanzt. Sie sind nicht veredelt.
                      Der Boden unten ist gut,besd. für Pflaumen.Auch edle Sorten würden wohl gedeihen. Freilich,auf viel "Ernte" darf man nicht rechnen.Die "besorgen" bei der "günstigen" Lage andere.
                      Ich habe vor,noch mehr kleine Buschbäumchen zu pflanzen.Sie werden ja nicht groß.Machen aber viel Freude durch ihre herrliche Blüte und frühes Tragen.
                      Die großen Stachelbeeren (unten) haben alle Mehltau. Man rät mir, sie geduldig, jedes Jahr, wieder "zu behandeln".Sie würden ihn verlieren und sich schließlich dankbar zeigen.- Auch im unteren Gemüsegarten ist nicht viel zu machen.Unkraut über die Massen, Gewürm,zu pralle Sonne und kalte Winde erschweren das Wachstum.Aber immerhin, man muß hier ein Stückchen Land bebauen, sonst wird man nicht heimisch.

                      Genesungsheime
                      Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                      (M. Gandhi)

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                      • Christkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 1568

                        #12
                        AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                        Genesungsheime


                        Im alten Ferienheim am Bölkauer Bahnhof ist ein Kinder-Erholungsheim für Mädchen vom Verein vom roten Kreuz eingerichtet. Leiterin ist Frl. Kasper.Alle 8 Wochen kommen ca 50-60 Mädchen von 6-14 Jahren. Die Hälfte ist meist katholisch.Trotzdem wird keine kath. Kindergärtnerin engagiert.
                        Ähnlich ist es im Kindererholungsheim in Kahlbude für Knaben.
                        Die religiöse Betreuung ist schwierig.Es ist beim Arzt Dr.List nicht durchzusetzen, daß wenigstens die größeren Kinder zur Kirche kommen.Vom „ärztlichen“ Standpunkt verbietet er den Kirchenbesuch, lässt aber dem Pfarrer Freiheit, gelegentlich im Heim Gottesdienst zu halten.
                        So halten wir durchschnittl.monatlich 1 x in jedem Heim nachm. Mit den Kindern eine religiöse Stunde,ermahnen sie zum Gebet und erzählen etwas vom lb. Heiland.Im allgem. freuen sich die Kinder,wenn wir kommen.
                        Die Hausandachten in den Heimen sind simultan, d.i. mit ...... ? Das lässt sich aber nicht ändern und ist auch nicht sehr gefährlich.Von uns wird immer darauf hingearbeitet werden müssen,daß in jedem Heim wenigstens eine kathol. Kindergärtnerin angestellt wird.


                        In Kahlbude ist noch ein Genesungswerk der Danziger Werft.Auch geleitet von einer Diakonissin und …. Helferinnen. Auch hier können die Patienten kaum zum Gottesdienst kommen, weil „um 8 Frühstück und um ½ 12 Mittag serviert werden muss.“
                        Auch hier muss „eingehakt“ werden.
                        Die Schwester ist nicht unzugänglich. Wenn nur die Patienten „katholischer“ wären.
                        Durch öftere Besuche des Heimes, ähnlich wie in den Lazaretten, könnte manches Gute gestiftet werden.Die Patienten – Männer und Frauen – bleiben 3 – 6 Wochen. Das Heim ist gelegentlich mit 25 Patienten belegt von denen 1/3 – ¼ kathol. ist.


                        Gr.Schaplitz


                        Ein alter Spruch sagt, daß“filiae, vorones, profenores“(?) zum Kreuz werden können für einen Pfarrer. Ich muss sagen, daß ich doch manchmal „aufgeseufzt“ wegen der filia Schaplitz.
                        Das Kirchlein befand sich 1926 in ruinösem Zustand. Fundamente waren gelockert,das Dach sehr undicht.Der Altar schief und zusammengesackt. Im Hochaltar beide Nikolausbilder auf einander. Das „Weinen und Lachen“ kam mir an beim ersten Gottesdienst.Der Plan von Pfarre Lemke war, Schaplitz eingehen zu lassen,ev. zu verkaufen und die ganze Seelsorgestelle mit dem Patronat nach Stangenwalde zu verlegen. Die Regierung war dem Plan nicht abgeneigt. Das Hochbauamt verhieß dem Kirchlein nur noch 10 Jahre Leben.
                        Der Senat ( Reg.Rat Alter ) erkundigte sich nach unseren Forderungen.Evangelische Kreise interessierten sich lebhaft für das Objekt.
                        Die alten Leute besd. wollten von einem Aufgeben von Schaplitz nichts wissen. Auch ich gab bald jeden Gedanken auf, Schaplitz zu verschachern und ging mutig ans Renovieren der Kirche.Es war nicht schwer, da der Senat alle Kosten zu tragen hatte.
                        Fundament, Altar, Küsterwohnung und Stall,Dach wird einigermaßen in Ordnung gebracht
                        (ca 2500 G.). Ich glaube, das Kirchlein wird noch viele Jahre stehen.
                        Das große Christus- ….. Bild lag ausrangiert in einem Winkel. Malermeister Baranowski – Praust hat es geflickt, zum Teil neu gemalt, gerahmt und der Kirche geschenkt.
                        Den Hochaltar hat Maurer Marschalowski , gen. Mascholl , auseinander genommen und wieder zusammengesetzt.
                        Bis 1929 kamen die Kinder der Filialgemeinde mit Prangenau 1x in der Woche zum Unterricht. Übermüdet schliefen sie beim Unterricht ein. Man konnte sie nicht recht erfassen.
                        1930 habe ich mit Genehmigung der Schulverwaltung den Unterricht auf Mittwoch nach Schaplitz verlegt. Anfangs probeweise im Gasthaus zu Stangenwalde. Es hat sich nicht bewährt.Der Stationsunterricht in Schaplitz (8 Uhr hl. Messe, 9-12 Unterricht)hat sich sehr bewährt und sollte nicht mehr aufgegeben werden. Am 1. Mittwoch im Mai beginnt die „Saison“. Gottesdienst ist jeden letzten Sonntag im Monat, ausserdem jeden 2.Feiertag,...iphanie u. Nicolaus-Ablass (die …. Feste mit Aussetzung), im September 13 stünd.Gebet (6 ½ -7 )mit Binationsvollmacht, und Dienstag in der Karwoche mit Gelegenheit zur Osterbeichte.(ev.100).
                        Mit dem Kirchlein in Schaplitz ist verknüpft die Küsterfamilie Radomski. Über 30 Jahre hat der alte Radomski treu, gewissenhaft das Kirchlein gehütet.Er war einer vom alten Schlag.Vor jedem Priester stand er in Ehrfurcht stramm. Beim Frühstück wagte er nicht hereinzukommen. Mit heiligem Stolz trug er den …. beim Altardienst Der kleine kernige Mann fühlte sich beim 50jährigen ...jubiläum noch so rüstig., daß er meinte, er könnte das Küsterhaus fortschieben, wenn er sich mit seinen.... dagegen stemmt. Und doch fing er bald zu kränkeln an. Mit Hüftentzündung.Er meint, den Anfang hätte er sich geholt im Dienst, als er beim Läuten von der Leiter fiel.
                        Am15.1.1931 ist er wohl versehen, gottergeben, im 80. Lebensjahr heimgegangen. Am 19.1. haben wir ihn feierlich zu Grabe getragen.
                        Die alte Mutter Radomski, sie wurde am 13.11.1934 83 Jahre, erhält den alten Geist und die Pr.....Frl. Lenchen besorgt die geistl. Herren. Es geht gut. Der Geist und Segen des seligen R. steht sichtlich über dem Küsterhaus.

                        St.Ursula
                        Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                        (M. Gandhi)

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                        • christian65201
                          Forum-Teilnehmer
                          • 15.02.2008
                          • 1256

                          #13
                          AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                          Hallo Christa,
                          vielen Dank für Deine mühevolle Arbeit.
                          LG
                          Christian
                          "Nur wer weiß, woher er kommt, wird den Weg in die Zukunft finden,
                          und nur wer das Alte achtet, wird sinvoll Neues gestalten können" (Autor unbekannt)
                          Dauersuche:KOHNKE; BEHRENDT; LENSER; LIEDTKE; ZIELKE; PIOCH; KLINGER; AUT(H)ENRIEB; ROSENTHAL

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                          • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                            Forum-Teilnehmer
                            • 13.02.2008
                            • 3493

                            #14
                            AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                            Liebe Christa ! In Schaplitz war das Landschulheim, der Ursulinen von der Marienschule und ich war zweimal in verschiedenen Jahren dort gewesen, fuer die Sommerferien. Die Wiesen und der kleine Bach der dort floss machte den Aufenthalt dort so wunderschoen. Nur einmal wurde dieses Idyll gebrochen, als Adelheid Lipkowski, eine Schulkameradin, sich den Arn gebrochen hatte. Es ist unglaublich wie schnell Erinnerungen aufkommen, wenn man bekannte Namen liest. Ich werde Schaplitz nie vergessen. Liebe Gruesse von der Feli

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                            • Christkind
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                              • 10.02.2008
                              • 1568

                              #15
                              AW: Chronik der Pfarrei Prangenau,begonnen im Oktober 1934 durch Pfarrer Leo Sch

                              St. Ursula


                              Schaplitz war früher das Tafelgut der Jesuiten von Altschottland (Lappin war Landsitz des Prior. Siehe dort das schöne Portal des Gutshauses, das dem Kirchenportal in Altschottland ähnelt.) Später Privatbesitz, dann Domäne, dann seit 1930 wieder Privatbesitz, da die Domäne sich nicht rentierte.Herr Horn,der Besitzer des Restgutes konnte mit dem Park und Gutshaus nichts anfangen. Durch Vermittlung von …..? und Senator.....- Keiser erstanden die Ursulinen das Gutshaus nebst Garten und bauten es zu einem Landschulheim aus.Nun sind von Mai bis Okt. fast durchgängig Kinder und 2-3 Schwestern in Schaplitz.Die rührige Oberin S. Josefa sorgt, daß fast täglich hl. Messe ist,und jedenfalls das ewige Lämpchen nicht erlischt. 2-3 Monate ist ein Pater in Schaplitz.Studienrat Papenfuß oder Dr.Stachnik halten am Sonntag Gottesdienst. Im August und September haben wir nach Möglichkeit abwechselnd in Schaplitz revidiert.
                              Durch S. Ursula ist nun im Sommer fast regelm. Gottesdienst in Schaplitz. Aber die Filialgemeinde ist auch fast ganz der Mutterkirche entfremdet.Der gegenwärtige Zustand ist auf Dauer nicht haltbar, weder für die Ursulinen, noch für uns.
                              Ob der alte Plan, Schaplitz zu einer selbständigen Gemeinde zu machen,der Verwirklichung näher kommt? Pfarrer Lemke musste schon bei der Institution die Bereitwilligkeit, Schaplitz aufzugeben, unterschreiben.Wegen Priestermangels u. anderen Gründen wurden meine wiederholten Anträge abgewiesen bezw. zurückgestellt.
                              Mein Plan ist der: Schaplitz zunächst zur „Expositur“ zu machen,d.i. den Vikar von Prangenau..... revidieren und selbständig arbeiten zu lassen. Im Sommer hat er durch das Heim Ablenkung u.kl. Beschäftigung.Zudem frei Mittag und Abendbrot, wie M. Josefa es zusagt.Im Winter kann er rege Vereinsarbeit in Stangenwalde leisten.
                              Auch den Kirchenbau zu fördern und das Kirchlein in Stangenwalde zu bauen , ist seine schöne Aufgabe.
                              Solange Prangenau keinen neuen Vikar bekommt,müsste er monatl. 1-2 x nach Prangenau zur Hilfe kommen.
                              Deus providebit.(?)


                              Stangenwalde
                              Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                              (M. Gandhi)

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