Heimatklänge: Fischmarkt-Latein

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Heimatklänge: Fischmarkt-Latein

    Schon vor 7 Jahren hat "Christkind" folgendes Gedicht in unser Vorgängerforum Danzig-L gestellt.

    Fischmarkt-Latein

    An der Mottlau riecht's nach Fische,
    anders kann es ja nicht sein.
    Und vom Meer weht eine frische
    Brise in die Stadt hinein.

    Poggen schwimmen in dem Wasser
    manche lebend, manche tot.
    Und der Himmel trübe,blasser,
    zeigt das erste Morgenrot.

    Paulchen auf der Krantorfähre
    hat die Leinen losgemacht.
    Und er tut so, als ob wäre
    seine Lomm 'ne große Jacht.

    Und die Weichseldampfer tuten
    jeder Danz'ger kennt den Ton.
    Und die Leute sich all' sputen,
    denn der Dampfer bimmelt schon.

    Auf dem Fischmarkt sitzen Frauen,
    großer Hut, die Sonne prallt.
    Und sie kicken rum und schauen,
    ob ein Käufer nicht kommt bald?

    Jetzt geht's los, die feinen Damen,
    appetitlich, sauber, frisch.
    Manche Adlige mit Namen
    wollen Flundern für den Tisch.

    Sagt jetzt eine von den Kunden:
    Sind die Flundern aber klein!
    Dann kannst hören du für Stunden,
    echtes Fischmarktsches Latein.

    Jeder weiß es hier in Danzig,
    meine Ware besten ist.
    Was? Die Flundern, die sind ranzig?
    Hau bloß ab, du altes Mist!

    Meine Flundern sind zu kleine?
    Hau bloß ab im Schweinsgalopp,
    ick knall dir , du Oberfeine,
    gleich den Dudd von deinem Kopp!

    Gibt hier an wie 1000 Mücken,
    solch ein Individium.
    Lässt du dir noch einmal blicken,
    schwimmst du in der Mottlau rum.

    Was, dies schöne , frische Buttchen,
    ist zu teuer,gnäd'ge Frau?
    Marsch, verfeier dir, du Nuttchen,
    sonst ich inne Fress' dir hau'.

    Kick, der Bochert hat soeben
    meine Fisch' beleidigt hier.
    Auch wir Fischfrau'n wollen leben:
    Hau bloß ab,du Fuseltier!

    Auflauf! - Schupo! -Zornesfalte,
    Weitergehen! - Sein Gebot,
    während noch die Fischmarktalte
    wütend mit dem Aale droht!

    Diese Furiengesänge
    hörte jeder Danz'ger gern.
    Altvertraute Heimatkänge,
    euch vermiss' ich in der Fern'.
    Paul Arendt
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
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