Poguttke: Hochtour in den Danziger Schneealpen

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    • 10.02.2008
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    #1

    Poguttke: Hochtour in den Danziger Schneealpen

    Übernommen aus Danzig-L
    Beitrag von Georgine am 15. März 2006


    W
    Hochtour in den Danziger Schneealpen
    Eine unvergessliche Wintererinnerung
    Erschien am 12. Januar 1924.

    Wänn ich mir heit väspeet'hab meine Härren, missen Se all entschuldjen, kann ich
    nuscht nicht dafier. Ich hab mir wieder in das aas'je Danzjer Schneejebirje
    väbiestert. Da dirf jätz keiner nich ohne Fiehrer rumirren. Kann ich Ihn' auch
    en Dings von äzeehlen. Von wejen Hochjebirchstour inne Danzjer Schneealpen.

    Also dänken Se sich an, hab mä jästern nachmittach dotmied'aufs Soffa
    hinjehaut, weil ich mir aufem Dach mit die Schneemassen und Eiszappen so
    abjemarrcht hätt, da kemmt Ihn' meine Olsche rein und machtmir'n Krach dass ich
    blaß wurd!
    Hab ich Dussel doch de Kirchensteier ganz väschusselt, was se mir nu all seit
    dem Sommer jepredicht hat, und nu is ne Mahnung mit de Post jekommen, und da ham
    se mir einjeschätzt, dass ich mir wie Stinnes vorkam, wie ich da so auf mein
    Soffa lag und janz vädattert auf den Mahnbrief starrt und kein Wort nich sagen
    kennt auf meine Olsche ihr Marreiß dänn se hätt ja recht!
    Ändlich haut se ab und ballert de Tier zu, und ich lieg immer noch da und starr
    jebrofen und reievoll auf dem mahnbrief und sag mir:"Natierlich Kirchensteier
    muss bezahlt werden, aber wie soll ich das jätz...?

    Wie ich so nu dalieg und mit zune Augen immer mehr nachgriebel, kemmt mä
    aufeinmal ne großatje Idee:" der Dollarschatz im Schnee. Se hahm doch davon im
    Blatt jelesen? Dem die beid Spitzbuben hoch im Schneejebirje inne Danzjer
    Hauptstrass västäckt hahm?Ei, wänn ich dem suchen und finden mecht? Bei dem
    Finderlohn, wo da zu äwarten steht!
    Junge, Junge!
    Schon steht mein Äntschluß fäst! Ich riskier das Abenteier.Wer waacht,
    jewinnt!Soffort! Das is diräktemang ne Dänkwidrichkeit fier unser Staatsarchiv.
    Wä waren drei:mein Freind Adolf, der einjebor'ne äfahrene Bärchfiehrer und ich.
    Mit alles fier Hochalpenbetrieb ausjeristet: Nagelschuh, Eispickel, Seil,
    Klätterschuh, Kompaß, Färnrohr, Rucksack, Proviant fier längere Zeit etezeh.-

    Dumfes Brausen klang noch in die Dunkelheit aus de Tiefe der Mampeheehle, als
    wir uns äntschlossen, bei Mondschein den Wech durch de Portschesenschlucht zu
    nehmen.Trotz der Lawinenjefahr arbeiteten wir uns mutich weiter. Schon an der
    Bittelhofklamm äblickten wir von fäern im milden Mondlicht unser Ziel: die
    Kälte der Riesenjipfel ewijen Danzjer Eises!
    Ändlich standen wir an ihrem Fuße, dem noch keine Zahnradbahn kitzlelt. Zu
    unjeahnten Hehen
    tirmten sich vor uns schwindelnd die riesjen Massen. Ein änglischer Lord , der
    aus Indien vom Everest kam und da rauf wollt', is auf halbem Weje wieder
    umjekehrt, wie unser Fiehrer äzeehlte. Er is nach Indien wieder zurickjereist,
    um sich erst am Himalaja und Everest fier dieses Unternehmen nochmal
    vorzubereiten.
    "Ja" meint Adolf," ma dirf nich gleich so happich sein. Klein anfangen! Wänn wir
    beid nich inne Schweiz und inne Dolomiten so alpinistisch treeniert weeren,
    mecht wä dies auch nich
    riskieren". Schweijend begann der Aufstiech. Bald war der lätzte hochragende
    Schuposchako hinter einem jewaltigen Schneemassiv äntschwunden. Färnher klang
    das Aveleiten des Ratstirmchen aus dem Tal unter uns.-
    Wie lange wir härzklopfend durch die nächtliche Einsamkeit jeklommen, läßt sich
    schwer sagen. Aufatmend rasteten wir auf dem Hochplath:"Ha",schrie Adolf," diese
    Luft! Hier soll man en Heehensonne-Sanatorium bauen!"
    "Nuscht zu machen", bemärkte der einjeborne Fiehrer im treihärzijen Dialäkte
    seiner freistaatlichen Hochjebirchsheimat," dieser Platz is all fier das
    Monumänt bestimmt, wo de internationale Liga fier Naturdenkmalschutz hier
    ärichten will zum ewijen Andänken an die lange äfolchreiche Aehaltung dieser
    jewaltigen Eis-und Schneejebirchsformatzjonen!"

    "Bravo!" äntfuhr es uns wie aus einem Munde. Dänn wurden wir anjeselt. Steiler
    war der Pfwa, de Luft zusehnds dinner, Schluckau und Sodbrännen, die
    untrichlichen Anzeichen der Bärchkrankheit ställten sich ein, aber der
    Adlerblick unseres Fiehreres zwang uns vorwärts, vorieber an schwindelnden
    Schluchten und Abgrinden.-

    "Wie es dänn mit de Vejetatzjonhier"? fraachte Adolf wissbejieriech den Fiehrer.
    Dieser wies nach Norden, nach den dunklen Wänden des Järberäcks:" dort bliehen
    im Tal noch Kreiterkeese und Dillgurken, auch Aebswurst jedeiht dort unten."Dann
    wies er nach oben, wo wir ieber uns mit unserm Färnrohr eine Radiostazjon
    bemärken. " Dort oben", so fuhr er fort,"ändet die Bananenzone."
    "Ausjerechent Bananen?"fraachte Adolf ästaunt. "Ja äkleerte der Mann, " bis
    dahin bloß is der neie Welthymnus"Ausjerechent Bananen" zu heeren, wo jätzja
    ieberall jespielt, jesungen und jefoxtrottelt wird." Heeher nich? fraacht ich
    ."Nei"!väsichert er bestimmt."Gottseidank", murmelte ich,dänn woll wä bloß
    machen, das wä da hinkommen!"

    An einem steilen Abhang stand ein "Marter !",ärichtet fier einen dort
    Väunglickten. Im trieben Mondlicht kennt' ich von die Inschrift bloß undeitlich
    en Wort äntziffern so eehnlich wie "Faulwitz". "Wie is das Aentsätzliche
    passiert?"fraachte Adolf leis den Fiehrer. "An derWätterklippe is er
    danebenjetreten!" schluchtzte dieser. Das soll vorkommen"bemärkte Adolfmit
    schauderndem Tiefsinn. Tief ägriffen äntbleeßten wir unsere Wanderflaschen und
    weinten ein stille Treene auf dem Wohle des Bklagenswerten. Dumpf sprach dabei
    Adolf."Er profezei in Frieden! Prost!Um uns auf andere Jedanken zu bringen,
    wandte Adolf unser Inträssewieder der Naturwissenschaft zu, indem er unsern
    Fiehrer eifrich nach der Tierwält dieser Eiswieste fraachte. Prompt belehrte uns
    dieser:" Spickgans, Reicherflunder und leichtfiessige Sadällen horsten sälten in
    diesen Schneeheehen. Auch das marinierte Neinauge lauert auf seine Opfer mehr
    in den Heehlen des Tales. Vor längerer Zeit allerdings hat ein Forscher, wo sich
    auf ne mehrtejijije abenteierreiche Hochthur befand, hier am Neijahrstach jejen
    Abend wilde Rollmepse plötzlich wiederjesehn, die er schon am Morjen mal vor
    Aujen jekriecht hätt, bis er sie los war.Aus älterer zeit, aus der
    Silvästerperiode der hiesijen Erdoberflächenäntwicklung hat sich hier im Schnee
    noch die wilde "Boa confetti"jefunden, allerdings einjefroren und
    unjefeehrlich!"

    Dies beruhichte mir, und ich stach den Brauning wieder wäch, dänn nu galt es
    alle Haände frei zu hahm fier das lätzte und schwierichste Stick
    unsererAexpeditzjon:die Aeklimmung des lätzten Zipfels .Aber wä schafftens bis
    zum Morjen. Dänn aber kennt Adolf mit Schiller ausrufen;"Es is äreicht !"
    En Anblick von ieberirdischer Pracht bot sich unsern entzindeten Augen. Die
    aufjehende Sonne reetete die unämäßlichen Schneejipfel der Jebirchs-heehenzieje,
    aus denen der Pik di Neptun und der Monte Mercur zur Linken, umjeben von
    Schneejebirjen, vorkickten. Malerisch in ihrer
    Farbenpracht ähoben sich dahinter die Riesenwände des Meyerundgel-Horn,
    umdunstet von der feichten Morjenluft der Bai von Brabank. Unjehindert schweifte
    der sehnsichtije Blick von der Privatbankwand zum Castello di Disconto, weiter
    zur Bank von Dresden, zur Deitschen Bank, ja, bis zur Bank von Osteiropa, und
    noch viel weiter, sogar bis zum Consulato di Mexico-, von Schweden, Deenemark
    und Eestreich erst garnicht zu reden .Weit, weit hoch war deitlich zu lesen:"
    "New York!"Ahhh!

    Aegriffen von stummen Staunen stand wä da, bloß das Funkeln unserer
    Schneebrillen väriet di inn're Aerejung. Pletzlich äntquoll mir en mark und
    guldenäschitternder Freidenschrei, daß das Echo mang de unjeheire Eiswände
    donnernd hin-undherjefeiert wurd: da lag der Dollarschatz im Schnee! Aufm
    heechsten Zipfel!

    Wie en Edelweißsucher ich darauf zu. Ne Ledermapp dick voll Dollars!Ich faß rein
    und hab warraftich en HUndertdollarschein inne Hand! Mir schwindelt, es is zu
    viel, alles dreht sich,ich greif ins Leere - ein Schrei!Schon glibber ich
    iebern Abgrund. Und alles war vorbei. Ab saust ich mit mein Hundertdollarschein
    in die Tiefe--

    Wänn immer behaupt' wird, daß bei son furchtbaren Fall den Unglicklichen
    Aeinnerungen aus de färnste Vägangenheit pletzlich wieder lebändich werden, so
    kann ich jätz sagen : das stimmt! Ich hab es sälbst äfahren! Ich keent mir
    neemlich blitzartich ganz jenau wieder an die längst dahijeschwund'ne Zeiten
    äinnern, als Danzich frieher noch nich eis'je Hochjebirjskätten durchzogen.
    Aber sälbst wänn de heechste Schneebärje kann ma nich stundenlangrunterfallen,
    und-wrums!-rabatz!- so haut ich unten auf!
    Da lag ich tief unten. Alles um mich rum duster. "Hilfe!2 schrie ich, Wo bin
    ich? Hilfe!"
    Da stand doch aufeinmal meine Olsche mit de Kichenlamp inne Hand vor mir. Ich
    starr ihr von unten an und sag:"Treim ich oder wach ich?"
    "Das is bei dir scher zu sagen" keft sie,"" wie ich dir damals hab jesacht, daß
    du mußt zum Kirchensteierbüroh jehn, da hast du jedenfalls jetreimt!"
    Ich lieg nu immernoch janz bedammelt neben's Soffa und sag:" Aber ich hatt doch
    hier en Hundertdollarschein inne Hand!
    "Du treimst all wieder, meint sie darauf, was du inne Hand hast, sind nich
    hundert Dollar, sondern das is de Kirchensteiermahnung!"
    Ja, das war en beeser Sturz aus de Heehe, Junge, Junge!....
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)
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