Poguttke: Adventsgedanken

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  • Helga +, Ehrenmitglied
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    • 10.02.2008
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    #1

    Poguttke: Adventsgedanken

    Übernommen aus Danzig-L
    Beitrag von Elfi am 23. November 2004


    Adventsgedanken
    des Rentiers Franz Poguttke

    Fritz Jaenicke

    Miteins aus dusteres Wolkendunkel,
    Aus sorjen und Novembernacht
    Is oben wieder mit Jefunkel
    Jen´ altvätrautes Licht äwacht.
    Scheint´s wieder heit von Sankatrinen
    Und Sankt Marien, is eins jewiss;
    Ganz deitlich sieht ma an de Mienen,
    Wer Danzjer und wer keiner is.

    Wer nich am Mottlaustrand jeboren
    Und Danzich nich als Heimat kännt,
    Dem jeht im Gross-Stadtkrach väloren
    Leicht dieser Fästklang zum Advänt.
    Er heert das nich mang das Krakehlen,
    Wo rum er scheddern tut und jeht,
    Dem ollen Danzjer mecht was fehlen,
    Wänn er das heit väseimen teet.

    Dänn bei die alten frommen Lieder
    Da wird das Härz ihm wieder jung,
    Und mang de Altstadt jeht er wieder,
    Väsunken in Ärinnerung.
    Er lauscht, dick wird´s im in der Kehle,
    Er reispert sich und schluckt, tjaja,
    Dänn pletzlich steht ihm vor der Seele
    Sein altes Kindheitsdanzich da.

    Als noch auf Strassen nich und Plätzen
    Kein Auto mochumsch brillt und schnarscht´,
    Und Weihnachtsbuden bunt von Schätzen,
    Sich zogen längs dem Kohlenmarcht.
    Und Jungens (tja, der Heimatkänner
    Denkt järn auch daran noch zurick)
    De Pflaumen- und de Hampelmänner
    Väkauft: "En Dittchen Stick fier Stick!"

    Ma tat sich mang de Buden dricken,
    Staunt sehnsuchtsvoll die Wunder an,
    Kick: Sälbst dem blauen "Schien", dem dicken,
    Väkauft jen Jung en Flaumenmann!
    So zeicht beim alten Klang der Lieder
    Sich heit´manch Bild - es war einmal -,
    Heert ahmds der olle Danzjer wieder
    Vom Turm hoch dem Adväntschoral.

    Er simmeliert und kann´s nich fassen,
    Wo bloss die Zeit, de Zeit bloss blieb,
    Seitdem er mang diesälben Gassen
    Als kleiner Bowke rum sich trieb,
    So steht er da, de Lockenfille
    Väschwand, wie manches mehr väschwand,
    Und sinnend drickt er heimlich stille
    In seiner Hand die Kinderhand

    Und ob er noch son feiner Pinkel,
    Er steht, wo die Radaune rauscht,
    Andächtig innen Heiserwinkel,
    Kickt nach jen Turmlicht hoch und lauscht,
    Fiehlt allerlei Jedanken jehen
    Ihm durch de Danzjer Seele hier;
    "Wie ich hier mit meinem Kind tu stehen,
    so stand mein Vater hier mit mir!"

    Mach noch so wild ihm rings umtoben
    Der Gassenstreit im Spuck der Zeit,
    Ihm scheint jen hälles Turmlicht oben
    Wie Leuchtturmglanz aus Ewichkeit!
    Er fiehlt im Härz, im sorjenmieden,
    Nei Glaubensmut und Hoffnungstrost;
    Der Sturmfahrt folcht der Hafenfrieden!
    Kopp hoch! Es wird all werden!
    Prost!
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)
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