Poguttke: Vägniechte Ostereier

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  • Helga +, Ehrenmitglied
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    • 10.02.2008
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    #1

    Poguttke: Vägniechte Ostereier

    Übernommen aus Danzig-L
    Beitrag von Krista am 28. März 2002



    Vägniechte Ostereier!

    Wissen Se, ma is doch warraftich nich zoff, aber wänn meine Ollsche so nachs
    große Osterreinmachen sich de Brill aufsätzt und sich mit 'n Fäldhärrnblick
    umkicken tut wie de Jungfrau von Orleang nach de Schlacht bei Warschau, dänn
    kriej ich diräktemang Schedder. Jästern am Karfreitach vormittach auch.

    Se hätt all das Jesangbuch aus'm Värtikow jenommen und will nache Kirch
    jehn. Da steht se nun so und macht ihre Napoljumsaugen. Schon juchtse los,
    als hätt se sich mit de Stoppnadel jepiekt, und schon jehts los: "Da is doch
    wieder der Hund iebern Täppich rieber jelaufen!"

    "Tja," sag ich, "wie soll er denn sonst laufen? Soll er de Wand hochkraufen,
    iebre Däck und de andre Wand wieder runter?"

    "Quatsch nich, Dammelkopp!" schreit se, "der haart doch!"

    "Na, jewiß", sag ich, "haart er! Dafier is er ebend Hund! Wänn er möcht
    Kanalljenvogel sein, mecht er mausern! Das Tier kricht doch zum Friehjahr
    neie Haare. Is doch beneidenswert! Ich winscht, ich kricht das auch! Dann
    dirft ich nich immer so an meine Schusterkugel frieren, wänn du alle Fänster
    und Tieren aufreißen tust bei dein kreetsches Osterreinmachen...."

    Na, da hätten Se ja nun was konnt jeheert hahm, wie die sich aufribbelt!
    Draußen war das Glockenleiten auf einmal nich mehr zu heeren, so putzt' die
    mir aus. Bloß wejen Hundehaare! Se kam so inne Fahrt, daß se das arme Vieh
    mit'n Feierhaken wollt beaasen und redt da von wejen Umbringen. Der verkroch
    sich leifich unters Bätt und wollt nicht mal vorkommen, wie se all abjehaut
    war.

    Tja, nu aber alles was rächt is, was woll'n se mit das Vieh machen? Er kann
    doch nuscht dafier! - Was meinen Se Gustaf? Ich sollt ihm rasieren? - Ach,
    ja doch. Dann mechten de Leit dänken, ich lauf mit'n Leiferschwein rum, wänn
    ich mit ihm ankomm. Außerdem mecht er sich dänn doch erkälten bei dies
    Osterwätter. Ei, heit früh sogar noch Schnee!

    Na, wie jesaacht, ich vädinnisiert mir jästern nach Heibud. Wie ich die
    aufjewiehlte See sah mit die aasje Brandung, da mißd ich gleich wieder an
    meine aufjereechte Ollsche dänken und väzooch mir mang die Urwälder. Ahmsd,
    wie se aus'n Konzärt kam, lag ich all im Bätt und tat, als wänn ich schlief,
    um damit daß der Kriech nich nochmal sollt anfangen von wejen de kreetsche
    Hundehaare.

    Aber heit frieh mißd ich doch wieder mit se reden. Neemlich wegen die
    Ostereier. Fier unsern Väein. Ich traf doch neilich mein Freund Schaweiter.
    Meint der: "Jebrijens, Franz, du warst ja neilich nich zu de Väeinssitzung!"

    "Nein," sag ich, "ich mißd meine Ollsche de Gardinen anmachen und dem
    Täppich kloppen und birsten. Strafarbeit, wejen de Hundehaare!"

    "Tja," meint er, "da hahm se dir im Briefmarkensammler-Väein zu en Ehrenamt
    jeweehlt. Du warst doch im Winter Weihnachtsmann, nu sollst jätz Sonntach
    Osterhas sein bei en Fästausfluch im Heibuder Wald!"

    "Soll ich ätwa Eier lejen?" sag ich.

    "Nei," saacht er, "hab man keine Agst nich. Aber du sollst all so gut sein
    und drei Mandel Eier besorjen auf Väeinskosten und Farben dazu und se hibsch
    färben und dänn Sonntach vorausfahren und die jeforbene Ostereier im Wald
    västächen, daß de Kinder gleich kennen suchen!"

    Na, ich hab' nu das meine Ollsche äzeehlt, se wird das nu auch iebernehmen
    und wird nu heit frieh aufem Marcht jehn und die drei Mandeln Eier besorjen.
    Eh, daß se aber abhaut, jeht's gleich wieder los von wejen, daß ich ja dem
    Hund nich soll inne Stub rein lassen, weil er so haaren tut.

    Wie se nun ändlich wäch is, kemmt unsre Piestanjewskesche, unsre
    Aufwärterin, noch bischen aufwischen zum Fäst, wischt nu de Kich und das
    Flur und will dänn de Träpp jehn aufwischen, da sag ich ihr, se soll man
    erst Toppchen warmen Kaffee trinken. Aufem Herd steht.

    Und wie ich nu in de Stub jeh, ihr de Zuckerdos' holen, weil se immer so
    järn sieß trinkt, schon wutscht mich doch das imfamtje Hundekreet wieder
    nach und hoppst warraftich wider aufem Teppich rum, weil er sah, daß ich dem
    Zucker rausnahm.

    Na, ich kriej en Schräck, jag ihm raus und rutsch nu aufen Täppich rum und
    sammel fix de Hundehaare ab. Und Frau Piestanjewske, die Aufwartefrau, kemmt
    noch rein, mit'n Mund voll Mohnsämmel und meint: "Aber lassen Se doch
    trautste Härr Poguttkeche, das mach ich doch!"

    Na da bered't wä nu das Elend mit dem Hund, da der jätz doch haart und meine
    Ollsche ihm umbringen will, und ich sag nu:"Was mach ma bloß mit son Vieh?"

    Da meint Frau Pistanjewske: "Ich werd' Ihn' man was sagen, trautster Härr
    Poguttke! Was meine Agnes is, die lutscht' Ihn' noch am Daumen, wie se all
    das zweite Jahr nach Schul jing. Kennt und kennt wä de Marjell nich
    abjeweehnen. Da hab ich se sone Beitelchens jeneeht. Die hahm wä se ahmds im
    Bätt umme Händ jebunden. Vleicht, daß Se das mit Ihrem >Brummer< auch
    machen!"

    "Tja, der lutscht doch aber nich am Daumen!" sag ich.

    Nei, meint, se, das meint se ja auch nich; aber ob ich dem ganzen Hund nich
    einfach kennt innen Stick Beitel reinstächen. Der Kopp kennt ja rauskicken,
    daß er Luft hätt. Aber dänn kennt er aber doch keine Haare nich mehr
    välieren. Dänn weer alle Teile jeholfen!

    Tja, von wejen "alle Teile jeholfen", västehn Se! Äbarmung!

    Aber ich will mir kurz fassen. Also der Jedanke scheint mich großartich. Ich
    such inne Schiebladen rum, find Ihn' son karrierten ollen Koppkissenbezuch,
    was meine Ollsche frieher als Klammerbeitel nahm. Und dänn ließ wä dem
    Hundekreet noch mal aufen Hoff, daß er da noch mal sein Jeschäftchen
    besorcht, und wie er wieder drin is, bewischt ihm Frau Piestanjewske mit's
    Feiltuch de Poten und schon stäch wä ihm in dem Beitel rein, lassen bloß dem
    Kopp rauskicken und sie bindt am Kragen zu.

    Wie er nu natierlich gnurrt von wejen Freiheitsberaubung und wurracht und
    ajiert, da hau' ich ihm orntlich vore Fräß und sag: "Ruh'ch bist!" Und er is
    Ihn' auch mit eins ruh'ch, kickt mir bloß so schiefnasich gnietsch an, aber
    bleibt Ihn' in sein karrierten Beitel ruh'ch inne Sofaäck liejen, wo ich ihm
    hinjeleecht hätt. Nich' lang, is er eingeschlafen und schnarcht wie
    Rotkäppchen ihr Wolf.

    Und ich atem ja vleicht auf und stäch mich en Osterziehgarrchen an und frei
    mir wie dammlich ieber mein großartjen
    "Anti-Hundehaar-Hausfrauen-Närvenschoner-Beitel-Patent Piestanjewske".

    Indem klingert's dreimal und nochmal. Ich jeh aufmachen. Is keiner! Bloß
    Frau Piestanjewski wischt de Träpp. Da heer ich von unten meine Ollsche
    vonne Haustier schreien: "Franzchen bist da? Komm mich bißchen tragen
    hälfen, is mich zu schwer mit all die Pungels, die Eier und das
    Kartoffelnätz!"

    Na, ich saus' runter, balanzier um Frau Piestanjewske und ihren Eimer rum
    und nehm meine pustende Ollsche erst mal den Korb mit die drei Mandel Eier
    ab, wo ich morjen im Heibuder Wald doch als Osterhas' lejen soll. Wie ich nu
    die Träpp raufer jeh, da rutscht mich doch auf sone nasse Stuf der rächte
    Schlorr runter und glibbert de Träpp runter. Meine Ollsche is noch unten und
    saacht: "Laß' man, pärdel nicht im Nassen rein, ich bring dich die Schlorr
    raufer!"

    Ich steh' derweil, ein Bein hoch, mit die Eier und die Kartoffel inne Hand,
    mitten aufe Träpp wie son Storch im Gurkensalat. Da saacht meine Ollsche
    unten: "An dem Pantoffel is ja auch en Hundehaar! Hast dem Hund ätwa
    reinjelassen?"

    "Olgachen!" sag ich freidestrahlend - immer noch mit ein Bein hoch, weil ich
    doch mit'n Strumpf nich in Frau Piestanjewkse ihr frisch Aufgewischtes
    treten wollt. - "Olgachen! Du wirst staunen ieber unsre Patänt-Äfindung
    jejen Hundehaar! Du wirst nie mehr Grund haben, ieber dem Hund zu klagen,
    weil er haaren tut! Alles in Butter! Wirst sehen, das is meine scheenste
    Osterieberraschung fier Dir!"

    Wissen Se, kaum hab ich das jesaacht, da feehrt's mich durche Knochen vor
    Schräck wie'n Blitz! Mich wurd, als wänn ich auf einmal Eisschucklad inne
    Glieder hätt, dänn oben aus de offenjelass'ne Angtreetier da kemmt Ihn' doch
    en karriertes Jebilster rausjewurracht wie son duhnes Spijähnst, heister da
    rum - Zung raus, Augen aufjerissen - wie son Sackhopser aufen Johannisfäst
    in Jäschkental, und eh ich eh noch Luft schnappen kann, is Ihn' dies
    karrierte Mistbunkenkreet aas'je von Hund in sein Beitel richtig bis anne
    Träpp jewurracht wie son Seeleew', was keine Bein' nich hat, und kemmt Ihn'
    dänn mit Hurrah von oben runterjekullert die Träpp, nimmt gleich dem Eimer
    mit, reißt die Aufwartefrau mit's Feiltuch mit, dänn alle drei - mir
    mitjerissen mitsamt de Eier und dänn alle Mann hoch im Bogen auf meine
    Ollsche, wo hinterricks jejen den Brieftreejer saust, daß der fixer aus de
    Hasustier raus flooch, wie er reingekommen war!"

    Im nächsten Mommang saß ich aufen Eimer, Frau Piestanjewske macht Handstand
    in jen Eierkorb, das zujebundene Hundebeest wälzt sich ins Eijelb, als wenn
    er sich als Karbenad braten lassen wollt! Wälche Eier waren ieberhaupt bis
    aufe Straß jekullert, eins wurd grad vonnen Motorrad ieberfahren. Keiner
    nicht kennt was sagen. Selbst der Brieftreejer nich, wie er mich auf mein
    Eimer die Glickwunschkarten zum Fäst inne Hand drickt. Der einz'je, wo nich
    keeseweiß vor Schräck und Grausen war, war unser Schornsteinfejer, wo grad
    vorbeiging. Der schob sich den Zachlinder aufe Seit, kratzt sich hinter's
    Ohr und meint: "Na Härr Poguttke, dänn man vergniechte Ostereier!"
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)
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