Herbert Sellke: Eiswacht

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #1

    Herbert Sellke: Eiswacht

    Eiswacht

    Der Eisgang dröhnt in der Frühlingsnacht,
    sie halten in Sorgen und Ängsten Wacht.
    Gedämpftes Dröhnen die Nacht erfüllt,
    als wenn im Hunger ein Raubtier brüllt.

    Das bleiche Mondhorn leuchtet fahl
    herab in das neblige Weichseltal.
    Die Augen durchforschen das trübe Licht,
    ob das Eis sich fängt, ob der Damm noch dicht.

    Gottlob, der Damm ist noch sicher und gut,
    das gibt von neuem Hoffnungsmut.
    Von nah und ferne der Eisgang brüllt
    wie Seenot, wie hungerndes Wüstenwild.


    Der Nebel wuchtet , der Nebel wallt,
    da taucht hervor eine Reitergestalt:
    Ein schwarzer Reiter, ein stampfender Gaul,
    ein schneller Hufschlag, ein dampfendes Maul.

    Woher--wohin? Kein Ruf, kein Wort,
    der Schattenreiter zieht schweigend fort.
    Er reitet durch nebelnächtiges Grau.-
    Das ist der Tod - er reitet zur Schau.

    Das ist der gefürchtete Wassertod,
    der Bannerträger der Weichselnot.
    Er reitet alljährlich in seinem Bereich
    bei Frühlingszeiten über den Deich.

    Die Wächter, die ihn gewahren dort,
    sie denken, er bringe den Eisrapport.
    Stumm lachend späht er entlang, ob nicht
    an schwacher Stelle der Damm schon bricht.

    Ein Schattenreiter zieht über den Deich,
    der Wassertod bereist sein Reich.
    Er späht umher, ob der Damm bald bricht -
    Gottlob - die Düne ist schon in Sicht.

    Der Eisgang fegt hinter dem Reiter einher,
    Gottlob - er reitet vorbei ans Meer.
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"
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