Das Hakelwerk

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  • Rudi Bellon, + 24.08.2010
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 265

    #1

    Das Hakelwerk

    [FONT=Arial]Zu den Zeiten der pommerelischen Herzöge siedelten sich im Schutze[/FONT]
    der Holzburg am heutigen Radaunekanal Fischer an.Hierher konnten sie sich flüchten,wenn Räuber von See her ihre Schiffe bedrohten.Sie
    bildeten ein eignes Gemeinwesen,an dessen Spitze ein Schulze stand,
    der seine Wohnung in der Schulzengasse (E.15.Jhd.)hatte.Um das ganze Anwesen pflanzten die Bewohner einst eine lebende Hecke aus Weißdorn
    oder anderm behackten Buschwerk,um den Feind solange aufzuhalten,
    bis es ihnen gelungen war,sich hinter die schützenden Pfähle der Burg zu
    flüchten.Nach dieser lebenden Schutzwehr nannte man den ganzen Ort
    das "Hakelwerk".
    Das Hakelwerk hatte ein eignes slawisches Recht und ein eignes Rathaus,
    das "polnische"nahe der Näthlergasse oder in der Großen Ölmühlengasse.
    Gleichzeitig mit dem Schloßgebiet wurde es (1454) der mächtigen
    Rechtstadt Danzig einverleibt.
    Straßennamen treten in dieser slawischen Siedlung erst im 17.Jahrhundert
    auf.Die Deutschen mieden jene Gegend.Sie nannten sie "verlorene Ecke".
    Die fischer des Hakelwerks bildeten dort eine eigne Zunft.Ihre Kähne,die
    in der Radaune geschützt lagen,hatten in der Mitte einen Kasten mit
    Siebblech,auf das die gefangenen Fische geworfen wurden,wie man es noch jetzt beobachten kann.So bespülte ständig frisches Wasser die Fische,ohne daß sie zu entweichen vermochten.Von diesem Siebkasten
    oder vielleichtauch von den Netzen (vgl.Seihe,Seihtuch)erhielten die
    Fischer den Namen "Seigner" und die Straßen "Hohe Seigen" (auf der
    höhschen Seite gelegen) und "Niedere Seigen" (nach der Niederung zu
    gelegen) erinnern noch heute an das alte Fischergewerk.Karpfenseigen
    ist eine Nachbildung aus neuerster Zeit.
    Im Gebiet des Hakelwerks finden wir drei Gasse,die nach Häusern in
    ihnen benannt wurden.Nach Adlers Brauhaus heißt die Gasse "Hinter
    Adlers Brauhaus" (A.17.Jhd.)Im Ausgang des 17.Jahrhunderts (1699-
    1700)errichtete Danzig in diesem Stadtteil ein Asyl für aufgegriffene
    Straßenbettler.Man nannte es das Spendhaus;es diente auch Waisen
    als Aufenthalt.Im Jahre 1788 wurde das Armenhaus von dort abgezweigt,
    und die Räume erhielt das Waisenhaus zur alleinigen Verfügung.
    "Am Spendhaus" hieß die Straße,und ihre Fortsetzung auf dem Grund
    alter Wälle "Spendhaussche Neugasse"(E.!8.Jhd.)
    Selbst in jener Zeit,als sich das Bedürfnis herausstellteim Hakelwerk
    namen für die Straßen festzulegen,war dieser Stadtteil noch sehr berüchtigt.Anständige Menschen begaben sich noch immer ungern in
    eine Gegend,wo dei Bewohner ein rech t loses Mundwerk hatten,viel herumplachanderten,über die Vorübergehenden ihren Spott ausgossen.
    Die "Plappergasse"(M.17.Jhd.) zeugt von diesem Ruf.Auch stand es um
    den sittlichen Lebenswandel der Bewohner hier einst nicht besonders gut.
    Sumpfig und schmutzig war der Grund und Boden an dieser Stelle in
    Danzig,es färbte wohl auch auf die Gewohnheiten der Menschen ab,über die man die Nase rümpfte.Die "Jungferngasse" (M.17.Jhd.) sollte das durch
    die Blume zum Ausdruck bringen.
    Die "Köcksche Gasse" (A.16.Jhd.),einst auch in ähnlichen Sinn gedeutet,
    zeigt in Wahrheit umgewandelt den Eigennamen "Tews Keth".Keth besaß
    in ihr das Eckhaus zur Tischlergasse.Und davon bekam die Ecke den Namen
    "Kethen-Ort" (Ort bedeutet Ecke,Spitze).Der Name wurde dann auf die
    Straße übertragen und umgebildet zur "Köcksche Gasse".

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    Gruß Rudi
L